Ausgabe 
1.2.1937
 
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Oed auf einen Apfel.

Don Wilhelm Schüssen.

Aus dem blaugedeckten Tische Liegt er da in Glanz und Dicke, In der ganzen vollen Frische Und berauscht die Augenblicke.

Ward geküht von Sommers Gluten, Und das Gold muh man noch schmecken. Wo die hübschen Tupfen bluten, Sind auch ein paar Leberflecken.

Brauchst nicht so verliebt zu winken! Bald wird unser kleiner Bube Deinen Sommer auszutrinken Jauchzend stürmen in die Stube.

Erziehungswerte der Sprache.

Von Joachim Lautenschlager.

Wenn man sich bisher im Streit der Meinungen über die Pslege fremder oder alter Sprachen unterhielt, fo waren als ausschlaggebende Gesichtspunkte neben denen einer rein technisch erfaßten Zweckmäßigkeit jene anderen in den Vordergrund gerückt, die den Wert der Erkenntnis der alten und fremden Kulturen aus der Kenntnis der Sprache heraus begriffen. In der Sprache und durch die Sprache, die ja im Grunde nur als Mittel zum Zweck in Betracht komme, liege das Erlebnis einer frem­den, noch lebenden oder schon für alle Zeiten dahingegangenen Welt verborgen ..... ,

Das mag in allgemeinen richtig und durchaus zutreffend fein. Homer wirkt in der Ursprache anders als in der besten Uebersetzung, und Horaz kann im Lateinischen besser und beredter zu Worte kommen als bei allen denen, die sich bereits um ihn bemüht haben. Das ist kein besonders wesentliches Merkmal der alten Sprachen. Bei jeder der lebenden und toten Sprachen wird man ähnliche Betrachtungen machen können. Wer fähig ist, z B das Nibelungenlied oder die Edda in der Urform zu lesen, wird von einem größeren Genuß erwartet als der, der sich mit einer Uebersetzung in die Sprache unserer Zeit zufrieden geben muh.

Diese Momente können daher nicht als aus das notwendige oder nicht notwendige Studium der alten Sprachen hinleitend oder gar diese Frage entscheidend gewertet werden. Man wird aber ebenso wenig eine erforder­liche Kenntnis irgendwelcher Begriffe der Alten hierfür anfuhren können.

Der Kernpunkt der Frage, ob und in welchem Umfange auch heute noch den alten Sprachen das Wort gebührt, liegt vielmehr auf einer anderen Ebene- auf der erzieherischen Wirkung der Sprache. Die Sprache ist wohl der größte Schatz, den ein Volk besitzt. Sie zu pflegen, sie klangreich und klangrein zu gestalten, muh daher das Bemühen jedes einzelnen fein. Es ist erstaunlich, wie wenig die geistige Bedeutung der Sprache erkannt und gewürdigt wird. Und doch hat die Sprache gewaltige geistige Um­wertungen herbeigeführt und mit ihrem Wesensinhalt getragen. Man denke nur an die Reformation, an die Zeit der Klassiker, an Richard Wagners sprachschöpferische und sprachgestaltende Leistungen, an Nietzsches hinreißenden Rhythmus und die heroische Formung, die sie im Munde des Führers erfuhr. .

Die Beherrschung einer Sprache setzt die Erkenntnis ihrer ureigensten Werte voraus Diese Erkenntnis aber herbeizusühren, können die alten Sprachen wertvolle Hilfsmittel bilden. Es ist überflüssig, den Wohllaut der griechischen Sprache besonders hervorzuheben. Wesentlich aber ist es, daraus hin,zuweisen, dah es Schiller gelungen ist, in seinem sprachlich schönsten Stück, in derBraut von Messina", den Beweis zu erbringen, wie edel die deutsche Sprache zu züchten ist, wenn ihre Werte den Men­schen nur bewußt sind. Der Wohlklang des Griechischen kann hier bei- spielhakt wirken, kann dem Schüler für alle Zeiten den Dienst an der Sprache als Dienst an seinem Volk einprägen.

Auch das Lateinische ist eine klingend schone Sprache. Aber sie ist nicht schlechthin schön, wie die heitere Sprache der Götter Griechenlands sie ist entsprechend dem Charakter des Römers eine Sprache des gemeisterten Lebens der Energie und der Tatkraft, der wesentlichen Persönlichkeit. Sie ist" nicht nur von Wert, um Begriffe und Geistigkeit der römischen Welt zu erschließen, sie öffnet darüber hinaus den Weg zur Personlich- keit, zum Charakter. , r ... .. . .

Dabei ist weniger die Lyrik als vielmehr die Prosa für die erziehe­rische Wirkung bedeutsam. Die Möglichkeiten, die sich angesichts der

Sie sprachen lange miteinander, der Spielzeugschnitzer und der Pasche» Draußen war es still geworden. Der Sturm hotte sich gelegt. Das Schnee» treiben war vorüber. Weiß und still lag die Landschaft, weih und still lag der Wald am Berge.

Der Pascher nahm eine Schaufel und kroch zum Fenster hinaus. Bis zum Mittag arbeitete er, bann war die Tür freigelegt. Sie atzen zu Mittag Rauchfleisch und Brot. Und tranken heitzen Kassee dazu. Der Alte konnte sich schon im Bett aufrichten. Er dankte dem anderen, als der feinen Rucksack nehmen wollte, um seiner Wege zu gehen. Er sagte:Nimm die Bretter! Sie stehen im Hausflur! Du kannst nicht ohne Bretter weitert Willst du jetzt noch ins Böhmifche?"

Nein!" jagte der Pascher.Ich geh nimmer verbotene Wege!"

Der Alte seufzte. Er schien zufrieden mit dieser Antwort.Ich mache nicht mehr lange, flüsterte er mit seltsamer Stimme.Da liegt meine Arbeit, da ist der Leimtopf und die Drehbank. Das soll nun alles aus sein? Du gehst also nicht mehr paschen?"

Nein!"

Siehst du", suhr der alte Würssel fort, und richtete sich noch höher in feinem Bett auf.Hier wäre ich nun eingeschlasen, wenn du nicht wärst und mein Hund! Ich will die Drehbank noch einmal surren hören. Kannst du Reisen drehen, Pferdchen, Kühe, Elefanten?"

Der andere nickte nur.

Des alten Schnitzers Augen leuchteten.Ich mochte die Drehbank surren hören, kannst du das verstehen?"

Ja, soll ich dir einen Reifen drehen?"

,£), bitte", kam es froh zurück.

Der Pascher legte seinen Rucksack wieder ab. Er setzte sich vor die Dreh» bank, spannte einen Reifen ein und nahm ein geschweiftes Eifen in die Hand. Hei! Nun flogen die Späne! Nun furrte die Drehbank! Und der Alte faß aufrecht im Bett und hielt den Atem an vor Freude über das Lied feines Lebens.

Der Hund lag neben dem Arbeitenden. Und auf dem Holzreifen formte sich der Umriß eines Tieres.

Es war eine Meisterarbeit.

Als der Fremde damit fertig war, zeigte er sie dem Alten. Die beiden Männer blickten einander stumm in die Augen. Die alte Uhr tickte ihr heimliches Ticktack in die warme Stille dieses Augenblicks.

Das Haus im Schnee.

Von G. A. Dcbemann.

Ein Schneesturm heulte über den Kamm. Die Fichten trugen weihe Last und glichen geheimnisvollen Gestalten. Schnell kam die Nacht daher. Sie machte den Wald so tief und verlöschte die matten Höhenzüge der Waldberge.

Ein Mann kam mühsam die Waldlehne herauf. Er trug einen Rucksack und trotzte mit vorgehaltenem Kopse dem Sturm. Schritt für Schritt kämpfte er sich durch den Schnee, der tiefer und tiefer wurde, je weiter der nächtliche Wanderer den Berg hinaufftieg. Manchmal blieb er schnau­fend stehen, murmelte einige unverständliche Worte, trank aus einer Flasche wärmenden Kornschnaps.

Dann ging er weiter.

Tiefer sank sein Fuß in den weichen Neuschnee; es war eine Rast­losigkeit in diesem Menschen, der sich mit verzweifelter Energie vorwärts- tämpfte. Der kalte, singende Ost fauchte in den Fichten, die Gewalten lachten über die Tollkühnheit des Mannes, der nun schon bis über die Knie im Schnee versank und dennoch den Kamps nicht aufgab.

Würde er das Ziel erreichen, das Dorf im Böhmischen? Sollte er lieber umkehren? Aber das war nun wohl gleichgültig, ob zurück ober vorwärts! UeberaU war biefe weihe, fürchterliche Grunblosigkeit, überall war bies mühevolle Tasten und Versinken und mühselige Herausarbeiten! Vorwärts oder zurück, das spielte nun keine Rolle mehr.

Der Rucksack war so schwer. Unaufhaltsam wirbelte der Schnee her­nieder; das war, als wollte der Himmel die ganze Erde zudecken mit feinem Leichentuch. Die Bergfichten steckten unheimlich tief im Schnee. Nur die Wipfel ragten noch ein wenig oben heraus wie Ertrinkende.

Der Wanderer fror trotz feiner Anstrengungen. Er trank. Er wurde müde. Eine grenzenlofe Gleichgültigkeit überfiel ihn. Er legte den Rucksack ab und setzte sich daraus. Er schlief. Diese lähmende Müdigkeit, dies sanfte Hinüberträumen in eine andere, bessere Welt, das war wohl der weiße Tod? Alles körperliche Empfinden entschwand dem Ruhenden. Er hatte den Kopf in die Arme gestützt und schlief.

Manchmal schreckten ihn seltsame Geräusche auf. Das war nicht der Sturm das war wie das Winseln eines Hundes! Der Wanderer horchte mit müden Sinnen dem fernen Saut. Dann erschreckte ihn wieder em anderer Laut, ein Geräusch wie das Klirren einer Fensterscheibe. Nun schlief er wieder. Und schreckte wieder auf. Hundegebell! Immer naher kam der heisere Ruf. Nun war der Mann ganz wach, er richtete sich auf in seinem Schneeloch, blickte um sich, schrie, schrieb vor Freude.

Ein schwarzes Wesen kämpfte sich durch den Schnee, ein Hund!

Der Hund winselte und stemmte die Vorderpfoten gegen die Brust des Mannes. Der streichelte ihm das Fell, drückte den warmen Hunde- körper gegen feine Brust, die Hand tastete dankbar über das Tier, tue Lippen murmelten zärtliche Namen. Und plötzlich erschrak der Mann. Er fühlte Blut an feiner Hand, klebrig warmes Blut

Nun war wieder Leben in dem Wanderer. Er folgte dem Hunde, der mit schlagender Rute vorausstapfte und mit öfterem Wenden des Kopfes zu schnellerem Kommen aufzufordern schien. Hinter den Fichten war nut einmal die weiße Silhouette eines Hausdaches sichtbar. Das Haus war eingeschneit, nur der kleine Giebel ragte noch über den Schnee und em Stück Fenster, bas zerbrochen war.

Der Mann tastete mit der Hand in bas Scherbenloch und öffnete ben Riegel von innen. Dann kroch er hinab in bie Stube des «tten Holz­schnitzers. Der Hund folgte ihm. Im Winkel ftanb ein Bett. D g der alte Würffel mit rotem Fieberkopf. Der Fremde kraufette ihm em paar Löffel Kornschnaps in den Mund und rieb ihm auch die Stirn damit ein. Der Alte röchelte leise. Der Hund schmiegte sich an den Fremden und beobachtete jede seiner Handreichungen. rtr«mh»n

Nun wurde Feuer gemacht ... Immer war der Hund um den Fremden herum und beschnupperte ihn mit blutender Schnauze Im Oft" knisterte das brennende Holz, eine wohlige Wärme füllte die Herne S^be. Dann riß der Mann schmale Streifen vom Bettzeug und wusch dem Tier die Wunden aus, sprach mit ihm wie mit einem Menfchen und verband die ^"Der^Pascher hatte Fleisch und Butter und Brot in feinem fRucffarf. Er teilte treulich mit dem Tier und steckte dem Alten saftige Dissen zu. Die Stunden vergingen. Die Wärme im Raum schlug bas Fieber bei dem alten Schnitzer ein wenig zurück. Er schlug die Augen auf. Da faß nun ein Fremder neben ihm auf bem Bettrand ""d ftm Hund, fern eigener Hund lag mit verbundener Schnauze auf dessen Fußen ...