Ausgabe 
27.3.1936
 
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kffe Linse, dann die Spulen, die Räder und andere Vestandlekke, mfB seinem mageren Beutelchen dadurch aufgeholfen...

Er habe seine kleine Goldgrube gesegnet.

Die Reste des Apparates sind abhanden gekommen.

Und während die ungeheure Orgel im Roxy-movie ein Stück aus Lachs viertem Brandenburgischen Konzert brausend spielte, sagte nach langem Schweigen mein Bruder:Wenn nun damals...?" a, wenn", sagte ich.

Gesang der Geister über den Wassern.

Von I. W. von Goethe.

Des Menschen Seele Gleicht dem Master;

Vom Himmel kommt es. Und wieder nieder Zur Erde muß es. Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen Steilen Felswand Der reine Strahl, Dann stäubt er lieblich In Wolkenwellen Zum glatten Fels, Und leicht empfangen. Wallt er verschleiernd, Leisrauschend, Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen Dem Sturz entgegen, Schäumt er unmutig Stufenweise Zum Abgrund.

Im flachen Bette

Schleicht er das Wiesental hin, Und in dem glatten See Weiden ihr Antlitz Alle Gestirne.

Wind ist der Welle Lieblicher Buhler;

Wind mischt vom Grund aus Schäumende Wogen.

Seele des Menschen, Wie gleichst du dem Wasser! Schicksal des Menschen, Wie gleichst du dem Wind!

Das Glaubensbekenntnis eines preußischen Patrioten.

Aus dem Leben des Generals von der Marwitz.

Von Harald von Koenigswald.

In der Geschichte der preußisch-deutschen Erneuerung ist eine Persönlichkeit lange Zeit nicht mit dem Gewicht ge- würdigt worden, das ihrer Bedeutung entsprechen würde, nämlich F. A. Ludwig von der Marwitz, der große kon­servative Gegenspieler Hardenbergs, lieber diesen preußischen Patrioten, der die Ueberlieferungen des Junkertums in bestem Sinne verkörperte, erscheint demnächst bei Hesse und Becker, Leipzig, ein BuchPflicht und Glaube" von Harald von Koenigswald.

Im November entwirft. Marwitz eine Eingabe an den König. Er nennt es ein altes Recht der Stände, alsfreie Männer und getreue Untertanen mit ihrem Landesherrn zu reden". Dieses Recht will er geltend machen, ehe es ganz zerstört wird.Wir sind bereit", so ver­sichert er,auf dem Wege des freien Vertrags, wie es unsere Väter taten, alles zu tun, was die Pflicht des getreuen Untertanen erfordert, nur bitten mir Eure Majestät, uns ebenso huldvoll und würdig zu behandeln, wie Ihre glorwürdigen Ahnherrn unsere Väter behandelten, und sie durch diese edle Behandlung über die Selbstsucht erhoben und !u wirklichen Edelleuten machten, die nicht ihren kleinlichen Verhältnissen, andern vor allem dem Regenten und dem Staat angehörten." Stolz auf einen Stand, setzt er der demokratischen Strömung der Zeit den Wert ier ~r*10".ent8e?®n: »Es geht das Bestreben der durch das Irrlicht oer Philosophie verblendeten Skribenten und der sich in ihrer Schule gcbitbeten Jugend dahin, alles darnieder zu treten, was ehedem die Mittelperson zwischen Fürst und Volk war, und diesem Stand alle Schuld und Sunden dieser schweren Zeit aufzubürden. Doch die Ersah- rung wird schwerlich lehren, daß Emporkömmlinge, die weder einen ehrwürdigen Namen zu erhalten, noch durch Erb- und Grundeigentum an das Schicksal eines Staates gebunden sind, getreuer und im Leiden mit diesem Staate ausharrender fein werden wie diejenigen, deren Rech^ zerstört werden sollen..." Darum bittet er, daß ein Landtag öer Stande sich versammeln dürfe,wo wir bereit sein werden alle Opfer zu bringen, die sowohl die Not der Zeit als auch der Zeitgeist

erfordern". Marwitz zwelsest nichk an Bef päkrlokischen Gesinnung (ein Mitstände. Diese Sicherheit läßt ihn vor dem Röntg sagen:... sollt, sich Unwürdige finden, die nach einem solchen Beweis Königlicher Gm> selbstsüchtige Gesinnungen äußern, so bitten wir, ihnen die gan Schwere Ihrer Königlichen Ungnade fühlen zu lassen..."

Nichts als die Erfüllung der alten, bestehenden Verfassung forde Marwitz vom König, die Anerkennung der Gesinnung, die Hardenbei, Gesetze verweigern.

Während neue Gesetze, neue Reformen des Staatskanzlers im Nanu des Königs unnachsichtig den neuen Weg einschlagen, findet sich b Opposition gegen Hardenberg in Berlin zu einem Kreis zusammen, bi sich bald Christlichdeutsche Tischgesellschaft nennt. Hier werden Gebaute und Pläne ausgetauscht, gemeinsames Handeln verabredet, aber an hier reiben sich die Meinungen, zu verschieden sind die Gedanken, fir die Voraussetzungen und Wünsche, mit denen die einzelnen in den Kanq gegangen sind. Marwitz steht bald in vorderster Reihe. So wenig er fu vordrängen möchte, die Lauterkeit feiner Gesinnung, die Sicherheit j Gefühl des guten Rechts läßt ihn nicht schweigen, wenn die anbei ängstlich verstummen. Immer wieder entspringt seinem persönliche Einsatz die Formulierung dessen, was für die Allgemeinheit, für bi Staatswohl, für die Bekräftigung des sittlichen Wertes der Oppositi« notwendig ist.Es kommt darauf an, den Grundbesitz der Spekulativ das ruhig Erhaltende dem Treiben nach Neuerung und leichtem Erweii das Ererbte dem Erworbenen und den festen Grund und Boden, au welchem die Nation erwachsen und mit dem sie verwachsen ist, bir leicht beweglichen Gelbe entgegenzustellen...!" Noch ein Jahrzehnt nachbem der Kampf verloren ist, grollt er:Die Wucherer sind eingehe ten in die Reihe der europäischen Mächte. Männer sind diesem Wuch ergeben und leben davon, deren Väter ergrimmt fein würden, wen man ihnen für ihr Geld auch nur gewöhnliche Zinsen angebot« hätte..."

Die Opposition hat zu Beginn des Kampfes versucht, durch ei» Zeitung auf die Oeffentlichkeit zu wirken. Kurz vor dem bitteren En!« seines von Dämonen getriebenen Lebens hat Heinrich von Kleist bi Schriftleitung derBerliner Abendblätter" übernommen, deren Erschb nen er mit dem inbrünstigen Gebet eingeleitet hat:... stähle mich nt Kraft, den Bogen des Urteils rüstig zu spannen, und, in der Wahl bu Geschosse, mit Besonnenheit und Klugheit, auf daß ich jedem, m es zukommt, begegne: den Verderblichen und Unheilbaren, dir zm Ruhm, niebermerfe, den Lasterhaften schrecke, den Irrenden warne, br Toren mit dem bloßen Geräusch der Spitze über sein Haupt hin nette Und einen Kranz auch lehre mich winden, womit ich auf meine 2Bei> den, der dir wohlgefällig ist, kröne I lieber alles aber, o Herr, möge Liebe wachsen zu dir, ohne welches nichts, auch das Geringfügigste mtf|t gelingt: auf daß dein Reich verherrlicht und erweitert werde durch ali« Räume und alle Zeiten. Amen..."

Aber Hardenberg knebelt den Kampfwillen der Zeitung. Bald ist Klch gezwungen, zu Kreuze zu kriechen: er muß Hardenberg versprechen, bas kein anderer Aufsatz als der in seiner Exzellenz Interesse geschrieben ist", ausgenommen werden soll. Ein halbes Jahr nach ihrem Erschein«! sterben dieBerliner Abendblätter" unbeachtet dahin. Kleist ist mittel* los in die letzte Verzweiflung gestoßen.

In diesen Monaten des Kampfes wird Marwitz' politisches Glauben»' betenntnis fest und klar:Der Monarch ist groß durch das Gesetz, aber viele Diener der Monarchen haben niedrige Seelen und verwechsel« Gewalt und Würde..." sagte er einmal, dann wieder:Die Richtschnur für das Tun der Regierenden heißt die SBerfaffung, für die Regiertet das Bürgerliche Recht."

Er fetzt feinen lebensvollen Glauben gegen einen starren Mecham» mus:Der Staat besteht weder in den Regenten, noch in den Unter tanen, sondern in dem freien, sich gegenseitig durchdrängenden Lebe der Regierung und der Untertanen. Wo dieses nicht stattfindet, da il politischer Tod ..."

Immer wieder betont er die Verantwortung und Verpflichtung bei einzelnen als die notwendige Voraussetzung alles staatlichen Sehens Der Staat ist die gemeinschaftliche geistige Richtung ihres Wollens woraus dann folgt, daß dieses Wollen niemals auf ein Individuum gerichtet fein kann, sondern auf das Ganze gerichtet fein muß, daß all-' die Regierten wollen müssen, daß man sie so regiere, wie es dem A gemeinen frommt, daß die Regierenden wollen müssen, daß man nidf ihnen, sondern dem Gemeinwohl gehorche. Darum ist Despotie feit Staat." Darum stellt er auch mit dem ganzen Ernst seines Veranb wortungsgefühls den liberalen Theorien der Zeit seine Ueberzeugun« entgegen:Man vergesse nicht, daß der Wille der Nation nicht noif der Mehrzahl ihrer Köpfe und Meinungen bestimmt werden kann, so«' dem man bedenke, daß die Nation aus denjenigen Individuen nut besteht, die die Idee Vaterland zu denken vermögen, daß also alle bie jenigen, die dessen nicht fähig sind, weiter nichts sind, als eine tott Masse..."

Denen aber, die in dem ausgebrochenen Kampf nur einen Streit um Erhaltung ober Verlust wirtschaftlicher Vorteile sehen wollen, wirst er mit scharfer Spitze gegen die Jünger Adam Smith', deren Bibel fei« Wealth of nations" ist, die Fragen vor:Beruht denn das Heil bes Staats auf ökonomischen ober auf moralischen Prinzipien? Ist bei reichste Staat seines Reichtums wegen der glücklichste? Oder oerbienl der glücklich genannt zu werden, welchem die Freiheit der Bürger am festesten gegründet ist? Und wenn ein Staat durch die Unbürgerlichkeil seiner Bürger gefallen ist, kann ihm durch ökonomische Maßregel« geholfen werden. Wird es nicht vielmehr darauf ankommen, ob man bas äene Volk zur Bürgerlichkeit wieder zurückführen könne ober nicht?

man enblich ben Entbürgerlichten, also selbstsüchtigen Individuen Reichtum darreicht, werden sie dadurch bürgerlicher werden ober noch selbstsüchtiger?..."

Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivl. - Druck und Derlag: Drühl'lche Universitats-Duch. und Steindruckeret. A. Lange, Gieb^