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2.3.1936
 
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Nummer <8

Montag, den 2. März

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ihm ganz plöhltd) etwas einzufallen. Es war, als nehme er sich zusarn- men und erinnere sich gewisser Gesetze der Höflichkeit Er senkte seine polternde Stimme ein bißchen und sagte ein paar bedauernde Worte. Traurig der Fall. Herr Alwien war noch jung.

Ich bohrte vorsichtig an: Er war Ihr Freund?

Da schüttelte Pfenningshof energisch den Kopf. Alwien kam in unser Haus. Das ist wahr. Er kam nicht einmal selten. Aber und seine Handbewegung schloß den Satz und sagte nichts aus. Der Professor endete: Er war ein miserabler Schachspieler.

Nicht jedem ist es gegeben ...

Weih ich, Herr. Bin auch kein Capablanca.

Ich versuchte ein Lächeln. Alwien kam wohl auch weniger, um mit Ihnen Schach zu spielen, Herr Professor. .

Er sah mich durchdringend an. Sie sagen die Wahrheit. Sie haben mit meiner Tochter gesprochen, nicht wahr? Und als ich vorsichtig den Kopf neigte: Glascha ist sehr traurig; aber das wird vorubergehen; an der Liebe stirbt man nicht mit achtzehn Jahren.

Nur mit achtzehn Jahren, Herr Professor!

Er knurrte wie ein alter Hund. Seine Lippen verzogen sich. Alwien bewarb sich um Glascha; ich hatte es natürlich bemerkt. Aber ich habe die direkte Anfrage zu verhindern gewußt. Wenn ich Glascha damit wehe tun mußte ich habe andere Pläne mit meinem Kind.

Alwien war Ihnen unsympathisch?

Nicht gerade. Aber ich wollte ihn nicht als Schwiegersohn. Ich wollte niemanden! Jeder nimmt mir mein Kind!

Ich hütete mich, seine Rede stocken zu lassen. Es war ,a verwunderlich, daß et überhaupt fo viel sprach. So wollte ich ihm weltethelfen: Sie hatten eine Hilfe gehabt hier auf dem großen Gut. Glascha wird eines Tages nicht mehr allein fertig werden können. Sie sehen das nicht. Sie haben ihre Arbeiter. Glascha steht allein.

Sie hat Lilius, den Inspektor. Sie kann einen zweiten Verwalter engagieren; niemand verlangt, daß sie selber diese Rolle spielt. Es ist ihr freier Wunsch und Wille. Glauben Sie, ich wäre em Rabenvater, wie man io sagt? . ,

Gewiß nicht. Obgleich es egoistisch gedacht ist, zu sagen, jeher TOann nimmt mir die Tochter. Der Sinn des Lebens ist, daß aus der Tochter die Frau wird. .,, . . . _. ,, ,

Ist die Zukunft Ihres Fräulein Tochter nicht m jedem Fall gesichert, Herr Professor! Dieser große Besitz und ich beschrieb mit der Hand einen Halbkreis, der etwas Mächtiges andeutete.

Der Professor sah mich groß an. Merkte er jetzt erst, daß er irrt Grunde genommen zu einem Fremden sprach? Er war ete eine Welle mit der Antwort. Dann warf er abrupt ein: Das Gut ist zu groß!

Ich fühlte, das war ein Berlegenheitsfatz. Er log jetzt, er verschleierte seine wahre Absicht oder Meinung. Aber ich besaß keine Mittel, ihn dahin zu bringen, mir reinen Wein einzuschenken

Alwien ist tot, sagte ich. Sie haben wenig Verkehr. Vielleicht, daß Fräulein Glascha mit der Zeit an Glahn Gefallen findet

Er nickte hastig. Sie erraten meine Idee, sagte er. Glascha schätzte Glahn bisher nicht sehr; er war kein Mensch, der schön reden konnte. Es war ihm nicht möglich wie sagt man Süßholz zu raspeln Alwien verstand das besser. Aber nun ist Alwien aus der Welt. Und wenn Glahn klug ist, gewinnt er das Spiel. Ich will ihm, wenn es denn schon einmal ein fremder Mann fein muß, gern bei der Sache helfen.

Wissen Sie, ob der Pächter Glahn Ihre Tochter liebt?

Der Professor neigte den Kopf voll Stolz. Wer liebt dieses Madel nicht! Glahn hat mir gesagt, er sei in jeder Stunde bereit.

Glahn hat Ihnen das gesagt? - Ich war ein bißchen erschrocken.

Der Professor merkte das. Er war sofort abgekuhlt. Er erhob sich. Sie entschuldigen, sagte er und schien etwas abzuschütteln. Soviel geredet zu haben, verwunderte ihn nachträglich. Ich muß nun wieder an die SItbcit

Als ich mich vor ihm verbeugte und zur Tür ging, äußerte er noch, und es klang fast, als riefe er mir das als wichtig nach: Glahn hat mir das natürlich schon vor dem Mord gesagt!

Ich konnte nicht antworten. Sie können es sich denken, Frau v. Llink- burq daß es mir den Atem verschlug. Der Professor sprach nicht von dem Unglücksfall, sondern Professor Pfenningshof sagte klar und deutlich das Wort Mord!

Wie ich die Tür erreichte, weiß ich nicht. Ich lief davon.

6.

ffrau v. Blinkburg fand sich einfach nicht mehr zurecht. Sie saß diesem Mann gegenüber und konnte sich des Gefühls nicht erwehren: ich bin wieder ein kleines Mädchen. Ich habe einen Verdacht auf ihn gehabt, nun schäme lch mich fast. Natürlich habe ich Unsinn gemacht als ich seinen Stock zersägen ließ, um den Griff der Chemischen Fabrik einzu- schicken. Zu ihm selber hätte ich hingehen sollen, ihm den Stock zeigen sollen, dann hätte er mir gewiß eine Erklärung geben können. Aber wir

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Unterhaltungsbeilage ;um Gießener Anzeiger

L ßHeheimnis der Heide

ROMAN VON FRANK F. BRAUN

5. Fortsetzung.

So", spöttelte er,das ist eine Frage der Zeit? Nun, Glascha !rauchte ja nicht zu antworten." , ....

Alles in Ordnung", sagte Frau v. Blinkburg trocken.Erzählen Sie Ve'(Sin Abgrund des Erstaunens trennte ihn noch immer von ihr; aber 15 war nicht so, daß er Frau v. Blinkburg nicht verstanden hatte. Er lenkte den Kopf ein bißchen. Sie brauchte ja nicht zu sehen, daß er rot -eworden war wie eine Hummerschere. Immer passierte ihm so etwas, tuet) in seinen Romanen. Er war zu ehrlich, zu geradezu. Aber das menschliche Beieinander ist ein Kunstwerk, und es kommt gar sehr aus tne Form an und die Formen.

Ich verspreche, mich zu bessern", sagte er leise, und «hm schien, als habe Frau v. Blinkburg ein bißchen gelächelt zu diesen Worten. Er räufperte sich grundlos, lediglich erfreut, und hob wieder an:

Sie haben den Pfenningshof ja auch sicher schon einmal von weitern reichen Er liegt da wie eine kleine Burg. Ich näherte mich heute mor­gen von der Rückseite, da ist der Anblick nicht so imponierend. Eine Art »Lall umgibt die Gebäude, aber er ist niedrig. Wege führen darüber hin­weg in die Scheunen und Ställe. Das Herrenhaus ist ein mächtiger, sicher ich? alter Backfteinbau; es leuchtet gelb; der Turm, in der Form eines nicht sehr hohen Obelisken, ist gemauert und weist die rote giegelfarbe; 'tr wird neueren Datums fein, wahrscheinlich hat ihn erst der jetzige Be- litzer des Gutes, Professor Pfenningshof auffetzen lassen, um ihn als Observatorium zu benutzen, ober um Fallgesetze und andere Mathematik ;u erproben. Archimedes, nicht wahr, kletterte ja auch auf ben Türmen mb Wällen von Syrakus herum, bis ihn ein Solbat totschlug. Aber »erzeihen Sie, bas ist eine recht lieblose Art, zu erzählen."

Sie kommen überhaupt langsam von ber Stelle."

.Tatsächlich? Wie peinlich. Ich wollte hier gerabe etwas vom Kriege tinfügen, aber bann will ich nur kurz erwähnen, baß ich ben Felbzug i»ei ber Artillerie mitgemacht habe. Der Name bes Professors war mir Häher nicht unbekannt. Pfenningshof hat ein bifjcfyen sehr spat, erst 1918 eine wesentliche Verbesserung an der Feldhaubitze erfunden. Ich nahm mir vor, dieses Thema anzuschneiden, wenn ich vor dem Professor stehen würde. , . ,

Ich gab einem Diener meine Karte, der nahm sie unb trug sie hinein. Ich bürste in einer Halle warten. Viel Zeit, mich umzusehen, blieb mir ; Nicht, benn ber Professor kam halb. Ich hatte bas nicht zu erklarenbe Gefühl, er habe gerabe,^u bereitgeftanben. Vielleicht hat er mich über ben Hof herankommen sehen, ober bas fiel mir allerbings erst spater ?in ober er hatte mich burch eines seiner Fernrohre schon auf bem gelbe im Gespräch mit Glascha bemerkt. Er sah aus nun, Sie ken­nen ihn ja Frau v. Blinkburg, ein runbes, rotes Gesicht, bartlos, weiße, aussallenb buschige Augenbrauen. Die Augen selbst hinter einer Brille. Ich stellte mich ihm als Reporter vor. Begann em Lobsteb bei ber Haubitze anfangenb, unb bat ihn, mir einiges über feine ledigen Ar­beiten unb Versuche zu Jagen. Ich beabsichtigte, eine Artike.ferle über seine Monbrakete zu veröffentlichen. .

Ich hatte (Erfolg. Pfenningshof schien geschmeichelt; er (ub mich ein, Platz zu nehmen. Spricht man braußen von mir?, meinte er lächelnd, hat man den alten Pfenningshof doch noch auf ber Rechnung?

War fein Gesicht zuerst verschlossen, ja, gerabezu finster gewesen, 'o begann cs sich jetzt aufzuhellen. Er würbe beinahe liebenswurbig.

s Freilich erzählte er von Tatsachen nur Spärliches; aber Plane, tn drei, oicr Jahren reif zur Ausführung, enthüllte er mir gern. Es roar offen*

i sichtlich, er gebuchte burch mich unb meine Presse einem breiten Publikum : Zukunftsmusik zu machen. Als ich ihn nach bem Stand feiner Versuche tm Augenblick fragte, lenkte er ziemlich plump ab .

Ganz verdarb ich es für eine Weile, als ich ihn bat, mir feine Ar- beitsräum» tu zeigen. Er .zog sich in sich zurück und wurde sogar grob wAterwendilch wie ein Turmhahn, anfallsweise ein bissiger Choleriker. Aber fein Zorn verrauchte auch wieder, und wir plauderten weiten

Leider konnte ich es nicht vermeiden, ihn später nochmals Zur Explo­sion tu bringen. Ich war ja mit einem ganz bestimmten Plmi hierher m den Pfenningshof gekommen. So erwähnte ich gegen den Schluß unsere Unterhaltung bas tragische Ende bes Herrn Alwien. Ob er davon ^Äin°Gesicht verfinsterte sich sofort. Natürlich knurrte er. Seine Brillengläser funkelten, als er mich unverwandt ansah. Aber bann schien