die drei,

Christofer.

Herrgott dem ab-

^^-rräulein Euaenie freilich stand nach dem Spiele noch eine Viertel­stunde in Flammen, als Herr Günther strahlend aus sie zulrat und ihr dankte daß sie sich, wenn auchunbekannterweise", seines Töchterchens anaenömmen habe. Es standen so viel Leute dabei, als er das sagte, und die kleine Himmelsmutter lachte so freundlich an ihrem Knie emp , hnc. t;e ais die Leute sich verlausen hatten, mit dem Vater und dem Kinde zusammen in das Haus ging, als dessen Mutter sie sich >a schon halb^bekannt nitf{e lästig mit dem Kopse, als sie

vom Scheine'des Glücks umleuchtet, bis an die Tur geleitete.

du der Fischer? Ja, ich bin der Fischer, der Alzfischer, mich kennt schließlich jeder Mensch in der Gegend, du bist wohl der einzige, der mich nicht kennt! Du, Fischer, du kennst das Wasser da oben, zwischen Hosmark und Dors? Ja, sag einmal, ist das Wasser so tief, daß man nicht mehr durchwaten kann? Oder geht es noch? Nein, das geht nicht, das sollst du gar nicht erst versuchen. Cs geht nicht!

Wenn ich dich aber um der Liebe Christi willen bitte, daß du mich hinübersührst! Du weißt die Kiesbetten und die Mulden, du kennst das Wasser, wo es Drehwirbel setzt. Und es ist doch nicht sehr tief?

Ach Gott, es ist nicht sehr tief, es geht mir gerade bis an die Brust, wo der Schwemmkies liegt. Aber weiht du, wie das kalt ist und wie es reißt? Ich will es gar nicht wissen, Fischer, führ mich hinüber, um der Liebe Christi willen bitt ich dich, führ mich hinuberl

Wenn den da die große Angst jagte, und wenn er bei allen Heiligen bettelte, dann wollte der Fischer nicht hart sein. Vielleicht hatte es sehr viel Not mit dem, es mußte wohl sein. Freilich morgen war Feiertag, und heute mußte er den Kindern etwas bringen und der Fischerin etwas auf den Tisch legen, da wollte er die Freude selber sehen. Das war vorbei für heute, wenn er nah und ausgefroren heimkam. Aber weil der fremde Bauernmensch fo hastig redete, und weil die Angst aus ihm schrie, kehrte der Fischer um und ging neben dem anderen auf der Straße zurück. Sie gingen schweigend neben­einander, der Fischer hatte eine lange Weile Zeit zum Prüfen des Wasferstandes, bis der andere das Notwendige in der Hofmark besorgt hatte. Dann traten sie beide gleicherzeit hinein, und der Fischer hatte jetzt eine heisere Stimme: Du mußt ganz nahe bei mir bleiben, wer die Kiesbänke nicht weih, der kann abgetrieben werden, und für den ist die Alz dann gefährlich. Hast du alles in die oberen Taschen gesteckt? Herrgott, ist das kalt! So kalt ist es doch sonst nicht!

Bei dem anderen schrie nun auch die Kälte mit, daß sein hastiges Reden ins Zittern kam. Er zog Schritt um Schritt seinen Körper durchs Wasser, und dieser Körper war schwer, er kannte das Wasser nicht fo wie der Fischer es kannte. Dableiben! Bei mir bleiben! Der Fischer war klein und seine Brust war schmal, aber er hielt sich gegen das Wasser. Der andere, der groß war, verlor die Kraft in der schneidenden Wasserkälte. Ich muß doch hinüberkommen!, schrie er.

Aber seine Knie gaben nach. Es geht nicht mehr, Fischer, es wird mich wegreißen, die Füße tragen mich nicht mehr! Er tappte irr, wie Ertrinkende es tun, nach dem Begleiter, und er riß an seinem Gewand, daß auch der unsicher wurde. Auslassen! Nein, er ließ nicht aus. Er klammerte sich fest, und der Fischer spürte auf einmal das Wasser am Hals. Dann schlug der Fischer, und er stieß mit den Kmen gegen den anderen, aber der Stoß hatte keine Kraft im Wasser, er half nicht in dieser sonderbaren Wehr, bis der Fischer den andern am Kopf faffen konnte, daß der schlagende Körper unter dem harten Griff nachgab.

Willst du dich ruhig halten! Er schob sich, eben die Lippen noch über dem Wasser, unter dem Arm des anderen durch, er drehte den Körper zurück, daß der große Bauernmensch dann quer über dem watenden Fischer lag, fast regungslos weil die Kalte und die zweite Angst ihn starr gemacht hatten. Hast du mich erdrosseln wollen, du Narr? Nein, gar nicht, aber ich muß doch hmuberkommen Der Mann keuchte, und unter der Last seines Körpers stöhnte der Fischer bei jedem Schritt.

I Jetzt haben wir gerade die Mitte. Halt dich ruhig! Er konnte ihn wohl nicht tragen bis hinüber, die ganze Strecke, noch wenigstens achtzig Meter. Mußt dich ruhig halten! Sem Mund "ahm Wasser auf, wenn die plumpe Last sich regte. Er schlug nun auch schon mit den Händen, wie der fremde Bauernmensch geschlagen hatte. Hat das sein müssen, diese Narretei? Hat sein müssen, ja, Fischer Sonst geht das arme Vieh drauf. So redet doch kein Christenmensch Vieh! Ist doch ein armes Vieh! Warum? Jst's denn wirklich ein Vieh? Was denn sonst? Hab' ich's denn nicht gesagt? Ein Roß ist krank, es wird draufgehen, wenn ich nicht schnell heimkomme.

So ein Roß. Sonst gar nichts! Und der Fischer bäumte sich auf, er riß an der plumpen Last, er wollte den Menschen hineinstoßen, der ihn um eines Tieres willen da durch das Wasser gejagt hatte. Der Bauernmensch spürte, was sich auflehnte gegen ihn er bettelte wieder mit dem Wort von der Liebe Christi, aber der Fischer stieß mit den Fäusten gegen ihn. Da sah er in dem gehässigen Wenden des Kopfes einmal die Augen des anderen, in denen die Sterbensangst stand, er sah sie so groß und so starr wie die Augen eines Pferdes, das auch sterben mußte und auch diese großen Augen riß, aus denen das ungeheure Leid der Kreatur weinte um tue Liede. Der mußte sterben, und das Roß mußte draufgehen - aber sie hatten so riesengroße Augen und nichts stand darin als das Betteln um eine kleine Liebe. Hatte der nicht von etwas ganz Großem gesprochen, als er um dieses sonderbare Weggeleite bat um eines kranken Tieres willen?

Was war denn für ein irrsinniger Tag heute, daß er den Menschen nicht ins Wasser rannte? Er ging mit seiner Last und brach drüben nieder, wie er schon vor sechzig Meter hätte niederbrechen müssen, wenn er nicht die Augen gesehen hätte und ihre Bitte um Liebe.

Und dann, als der Fischer wochenlang im Fieber lag, schrie er wie er im Wasser geschrien hatte. Nach dem Aufwachen wußte er nichts mehr von dem, was geschehen war. Er hatte ein paar swh- farbene Dinger in den Taschen getragen, und was den Kindern zum Sviel hätte sein sollen, war zerdrückt. Der Fischer aber, weil er von attern nur noch das Große und Schwere und Ungeheure eines von der ganz stillen Liebe geforderten Dienstes im Erinnern spurte, Jagte im fiebriacn Erwachen, er tjabe den Herrgott getragen tn ber felbigen karfit9 Und weil nach dem sonderbaren Geschehen kein Mensch mehr nach der Wttksichkeii fragte, erzählen es heute die Kinder noch so wunderlich, wie es vielleicht doch die einzige Wahrheit» dieser Nacht ist. daß der Fischer den Herrgott getragen hat über die Alz.

gedrehten Tüten aus. Am Abend des nächsten Tages über ging sts mit ] ber Base, die vom Kopfnicken zum Kopsichütteln übergegangen war, nut lesie brennendem Herzen und voller Ahnungen m ben Stadtsaal zum Weihnachtsspiel der Schulkinder, das man mitten zwischen die Feiertage

»ig eine Ä< »-i»n°ch>-mn>i, und di- Schn. Ser schon zum Spiel gekleidet, zogen em; zuerst mit viel Getrappel, die Hirten dann die Heiligen Drei Könige und zuletzt Maria und Jo eph. Das kleine Mädchen, basbie Jungfrau spielte, trug ihr Kmblem sittig im Arm auf der Bühne war schon die Krippe ausgestellt, in ber es liegen sollte. Aber da widerfuhr der Heiligen Familie em bitteres Miß- 0C'1ns die kleine Maria von dem Treppchen das, allen sichtbar, zur Bühne hinausführte, in die Seitenwande rauschen wollte, wo sich schon die Hüten mit den Engeln leise aber innig stritten, da trat Joses der ungeschickte Joseph, auf Mariens silbernen Brautschleier, und er siel samt dem Heiligenschein zu Boden und rollte die Treppe hinab in den Zu- ^M^arme kleine Jungfrau brach sofort in lautes Weinen aus, Joseph ftanb verstockt und tölpisch daneben, und auch die Zuschauer waren durch die Szene dieses Unglücks so gefesselt und vielleicht sogar belustigt, daß "'°Jn"die?em^Augenblick erhob sich Fräulein Cugenie^ Sie eilte zu der Kleinen, die sassungslos meinte, band ihr den Brautschleier wieder schon um das Häuptlein und führte sie, da sie sich heftig an 'hre Kme druckte mütterlich auf die Bühne. Sie hörte nicht das Tuscheln und Kichern des ganzen Saales, als sie hochrot, die große Mutter der kleinen Mutter, auf die Bühne trat und das Kind erst vor der Krippe entlieh.

Es war qut, daß sie in der Seitenwand stehen blieb. Die kleine Himmelsmutter nämlich bemerkte, kaum daß sie an die Krippe getreten wa? daß dort im Stroh schon ein anderes Kindlein tag, von einer am beren Klasse die gestern gespielt hatte, jämmerlich vergessen und dort zurückgelassen Die Selige faßte das falsche Kindlein nicht eben zart an, sie war zornig vor neuer Scham und man sah, sie hatte es beinahe Inrtnpmnrien- beinahe denn als sie es schon hoch in den Schein der goldenen Lampe gehoben hatte, sah sie plötzlich ihre neue Mutter m einer ntifrhe der Seitenwände stehen. Freudig lief sie zu ihr, Fraulein Eugenie nahm das wächserne Kindlein auf ihre Arme und die Kleine lies nun eilig ihrem echten Kinde in der Krippe das Lager zu bereiten. Sie fchüttelte das Stroh auf, glättete es liebevoll mit den Händen und fetzte endlich voll mütterlichen Stolzes dem Christ ihren eigenen Heiligem

^Vn^nem Abend im Winter - das mag so gewesen fein mie jetzt - muhte der Fischer in der Hofmark die Häufer abgehen mt ber alten

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Sebältar treppauf0 und treppab, er wurde verdrossen dabei, weil die Staffen im schlenkernden Wasser nur ganz langsam w°ni^r u>urden u i)\hpr hie Hokmark war groß, und es kam doch allmayucy jo, vay die suchende Hand im Wasser nicht mehr überall auf einen fluchtigen Flos enrücken stich Da war es aber schon Nacht und da- Dors war weit weg - was heißt weit weg? Das Dorf lag gleich ba bruoen man sah9 die paar Lichter in ber Nacht, das Dorf war ganz nahe, aber die Alz war dazwischen, und die Brücke war irgendwo da drunten, wo es kein Licht <pb, nur einen langen Weg. Em pnar Ladenglocken wurden noch angeschlagen, es war schon spät, aber ber Fischer brauchte Än Stück Fleisch für daheim und viel Brot für bie Feiertage unb em ganz klein wenig von dem muhte er kaufen was die^Kindersich erdete hatten und die Fischerin vergessen ließ, daß es sehr kalt war den aanien Tag auf ben gelben Steinfliesen >m Haus. Bann ging der Mr brütfenmärts auf ber Straße. Gute Nacht!, sagte irgendwer, der von unten her die gleiche Straße gm^ Das Poltern des Zug wägerls war lauter als ber Gruß. Em Kind stapfte nut schweren Schuhen vorbei. Dann sagte wieder einer Gute Nacht, und eine Magd ging die Straße, bie sagte es ebenso. m

Einer aber kam, der faßte ben Fischer an der Wasserioppe, de sagte nicht still seinen Gruß, denn hinter ihm jagte bie Angst.

Erzählung von Joses Martin Bauer.

Da isi die heilige Mär von dem kleinen Flutzsischer, der ben