Das Unvergängliche.
Bon Heinz Rusch. Nichts hat, was atmet, Bestand, Alles ist im Vergehn: Ueber das trunkene Land Zieht schon ein kühleres Wehn. Wenn wir uns ansehn im Licht, Welkt schon die Stunde wie Trug; Aber des Freundes Gesicht Weih um die Wolke im Flug. Weih, im verklingenden Raum, Ahnend das ewige Bild: Aller Gezeiten Baum, Der sich im Wandel erfüllt.
Die freiherrlichen Hofen.
Einer altsteirischen Anekdote nacherzählt von Paul Anton Keller.
Ferdinand II. von Gottes Gnaden erwählter römischer Kaiser ein harter Streiter wider die Lutherischen, hatte den.strengen Befehl erlassen, dast jedermann, ob arm, ob reich, ohne alle Ausnahme, an den feicrltdjen Tagen die heilige Messe zu besuchen habe. Er war em treuer und demütiger Anhänger der Lehre Jesu und als solcher gar wohl bekannt Gegen die, so wider feinen Befehl handeln wallten, setzte er harte Buhen fe^
Anno dazumal saß auf Gästing bei Grätz Maximilian von Schratten, bacfi Freiherr zu Heggenberg und Osterwitz, oberster Erbvorschneider in St?i'ermark Geheimer Rat und Vieedom in CM, ein gar wackerer und unerschrockener Herr, von springlebigem Blut und immer frohem Sinn erfU2?n einem schönen Margen im jungen goldfarbigen Herbst hielt es ihn nickit auf feiner Burg er streifte mit den Jagdgesellen durch die Walder und fällte einen mächiigen Hirsch. Er war so gewaltig, daß der Freiherr keine Reue in sich fühlte, weil er mit Absicht die heilige Messe versäumt hatte, sondern vielmehr von Herzen froh war und voll Lust, angesichts
Ab^ sein?Gestll7n'h°tten ein leichtes Mundwerk, die Sache kam bald ftÄÄÄ* Ä™ .»tnnmwn hab fierr Maximilian von Schrottenbach den Ketzerworten de ^‘7n
hatten die Mäuse Locher genagt. Der Vicedom Gratz war^m Kmser
Köstliche Llrlaubstage auf einsamer Insel
Von Sofie von Uhde.
Der Morgen hebt sich über dem Atlantischen Ozean.
Von zartestem Frühlicht übergossen steigen die t einen, westmd'schen finfeln die zu Trinidad gehören, aus dem meerumrauschten Schlafe. motzen schweren Pelikane schütteln sich die Nacht aus den Flügeln und ^reichen von ihren Bäumen hinab aufs Wasser zum ersten Fischzug, !>nd aus den in Koios- und Bananenhainen versteckten Negerdorfern steigt der Rauch der Morgenfeuer.
Aber dieser Rauch steigt auf den großen Inseln, die ich durchs Glas erspähe; auf meinem winzigen Korallenriff, auf dem uh außer den erwähnten Pelikanen das einzige Lebewesen bin ste gt statt des früh stückverkündenden Rauches nur meine herzliche «atlofigteit
Es der fünfte Morgen, an dem ich aufs Vergeblichste Der(u^^)e, aus den safttriefnden Zweigen des Urwaldes, der mein.unzugängliche , mit senkrechten Felswänden aus dem Meere steigendes Inselchen bebedt, Tin Feuer anzumachen. Holde Träume von goldenem Tee oder duft n- dem Kaffee zerrinnen heute so wie alle Tage, und ich wandere gefaßt Schrittes in den Vorratsraum meines kleinen, hölzernen Bungalows unb wähle mir zum Frühstück eine bicke Papaya und reife leuchtenbe Bananen — meine Nahrung nun seit TagenI
Ais mich ber schwarze Diener meines englischen Gastfreundes, dem dies Jnlelcken gehört, hierher gerudert hatte, galt bet ber begeisterten Besichtigung meines neuen Reiches kein Gedanke diesem verflixten, kleinen Herd zumal Ali voll Eifer briet und buk. Aber da es mein Haupt- ferienwunsch war, diese Wachen ganz alleme auf dem Inselchen zu sitzen verließ Ali mich wieder und Überließ mich einer nicht bedachten Unkenntnis dieser seltsamen Feuerstelle — zu meiner Unkenntnis
Ali arinft Ali eilt auf federnden Sohlen ins Haus, ich beschleunigt hinterdrein" Nein, Ali gibt sich keine Mähe, meinen Vorrat an grünen Zweigen zu entzünden, mit einem erstaunten Blick aus mich nimmt er bas Zeug von ber vermeintlichen Feuerstelle, setzt mit em paar Griffen einen mir unklar gebliebenen Gegenstand auf das eiserne Gestellchen, gießt aus einem tönernen Gesäß, bas uh als Dekoration ansah, Del hinein, und in wenigen Minuten raucht Wasser auf mauern HerdI Man blamiert sich ungern vor feinem schwarzen Diener, ich hab "" Aber 7as °Esien war gut, das er gekocht fjat unb hat mir nach dem Ziegendasein neue Kräfte gegeben, niemand steht mir zu, und das ist gut; denn zunächst besteht mein Angriff aus einer Sette von Niederlagen, meine ganze alpine Technik wird hier zu Schanden vor dies Wanden, die mich mit der doppelten Waffe der spitzenf Rftfe und der undurchdringlichen Pflanzenverkettungen zuruckroersen. Aber heute hab ich mir's geschworen: nicht länger blamiere ich mich vor meinem Vor 9ar,®lanKfann0 viel, wenn man nur wirklich will: nach unzähligen Abstürzungen und Verstrickungen in einem wahren Hollennetz von Pftanzen- armen,3 nach verzweifeltem Klettern, Rutschen, Hangenbleiben und Verschnaufen unter befreienden, bayerischen Kraftausdrucken komme ich wahrhaftig, wenn auch um und um zerschunden, oben an.
D ich bin oben! Ein kleines Plateau tut sich auf, unter mir liegt sckwarzarün ber Urwald, frei geht der Blick über das meerumtofte, unroeaiame Inselchen hinüber zu den fernen Nachbarinfein, hinaus auf die grenzenlosen Weiten des Ozeans. O Gnade und Gluck des Schauens! Hingeworfen in bas harte Gras der Höhe, vom Wind umbraust, von Orchiebeenduft unb Salzhauch der See gleichermaßen umspielt, seh rch den roten Abend kommen über Insel und Meer Weiße Wo kchery selig hinsegelnd durchs freie Blau, werden golden, werden P“PuroloIc.tt;(”er^ iüberarau verlöschen. Die Pelikane, nach letztem Fischzug, fallen auf bem Inselchen ein unb bäumen auf, nicht weit von mir auf einem Urroalbriefen. Nach einmal streicht hier, streicht bort D0™ Lr
frfnnanen Vögeln fliegt eine letzte Runde über dem abendlichen Wasser K fällt mlX ein auf feinem Saum. Ein Friede ohnegeichenschreitet über die Welt. Wo ist die Unruhe der Städte, wo ist die Unrast der Menschen? Es ist, als gäbe es auf Erden nichts weiter mehr als diese Jnselm di- in Schatten sinken, das Flügelschlagen der großen, heim- febrenben Vögel unb bas unendliche, beruhigte Meer.
Die rasche9Tropennacht zwingt mich zum Mbftieg. Es geht rascher, als mir lieb ist, erstaunt schauen die schläfrigen Pelikane dieser blamablen Geschwindigkeit zu. Aber wenigstens bin ich unten! ___
kleine liebe, schützende Hätte, um die ber Ozean brandet! Zwar versagt — ach, Ali! — bieser verdammte Herd schon wieder! Er gibt furchtbare Fehlzündungen von sich, stinkt und raucht und wird siche erplobieren.^Qieber kehre ich für heute nochmal zu meinem bewahrten Affendasein zurück — der Menfch vertragt viel an ©runfutter!
Unb nun wird die trauliche, kleine Detlampe entzündet; rasch noch ein abendliches Bad im Meer nach biefer heißen Gipfeltour, dann halte ich tauernb auf ber wafterumrauschten Haustreppe die große Stunbe der Nachtandacht. Die ewigen Fragen rufen aus ^em Buntel. gttoalhg kreisen die Gestirne durch das All, rote klein werden da ine Menschen- roeae! Das Südenkreuz schifft über meinem Hausbach hm, das Del lichteben leuchtet ein einsamer, roter Stern mitten im Meer unter den Sitberfternen' be's Himmels, grenzenlos ist die Einsamkeit dieser S un e und doch wie fern ist sie von Verlassenheit! Teil vom @anien, Atom unter Atomen demütiges Glied einer geschwisterlichen Kette, so lege ich mich schstistn zu Gottes Füßen, bis das große Licht über den Horizont schreitet. ________________
K°<Nicht "ohne°eine gewisse Mißgunst denke ich an meinen Vorgänger 'Robinien. Diese Mannsleute ziehen sich ja immer irgendwie aus de Affäre! Er hätte sich wahrscheinlich getrockneten Vogelmist gesucht zum Feueranzünden ober hätte in irgenbeiner Felsspalte dürres Laub ober roas weiß ich gefunden. All right, machen mir auch! Aber will mir nicht einer verraten wie ich zu diesem Zwecke den undurchdringlichen Urwald dieses Inselchens erklettere? Er lockt mit tausend Orchideen, d,e wie Märchenrounder von den Bäumen hangen, aber er laß.. auch nicht hinein in fein dunkles Reich; meine zerschundenen Knie meine zerfetzte Khakihofe erinnern allzudeutlich an abgeschlagene Angriffe.
Ach, legen mir uns lieber in die Sonne, solange bie Ebbe bie kleine Sanbbant freigibt, schwimmen wir, solange bas seichtere Wasser bie fiaie fernhält! Wunberbare, große Fische, leuchtend smaragdgrün mit purpurnen Flossen und Schwänzen, holen sich die Wahrung aus den (leinen Höhlen der Korallenriffe. Rosige, gewundene Muscheln liegen umher von der Flut vergessen; das Meer rauscht in tönen, roenn man fie ans Dhr hält, und neben ihnen liegen seltsam zerbrechliche Gebilde, Gerippe von Tiefseepflanzen, kleine Bäumchen mit Stamm und Aesten, durchsichtig wie Filigran. Was werden fie mir erzählen, wenn sie einmal irgendwo in^Deutschland vor mir auf dem Schreibtisch liegen, zarte Zeugen eines eigentümlich verbrachten Urlaubs.
Eigentümlich verbracht? Sagen wir lieber un°°rstellbar schon ver- firnrfiti Diele kraftvolle weiße Brandung, die ich schwimmens reue, dicftr sonnenbestrahlte Sand, der mich mit der ganzen Glut der Tropen umfängt, dies kleine Haus, durch beffen gefächerte Wanbe T°g unb Nacht ber große Meerwinb streicht unb bas ewige brachen ber Wogen ralli(ht unb rings um bas kleine urwalbverstrickte, einsame Riss da armenMe gewaltige Meer - ist bies nicht ein Glück, für bas es kerne Worte gibt'?9Was tut es da, daß sich mein Magen langsam zu einer Obstverroertungs-Gesellfchaft umbildet unb aus allen Klippen un Wänben meines uneroberten Reiches meine Untauglichkeit zum Robins mich anarinft? Wartet nur, heute schaff ich s, heute erreiche ich v Gipfel! Unb überbies kommt mittags Ali mit Wasser und Lebensmitte , der wird die Feuerangelegenheit schon lösen! t snün[t=
Mit ber Flut kommt er an. Zunächst ein winziges, schwarzes Punkt d;en 'm ber Ferne, nur durchs Glas zu sehen. Aber er rudert gut w e al' gäqi;r, bie auf dem Land wie Antilopen und auf dem Meer wie Fische sind; bald tanzt fein Einbaum zwischen meinen Klippen und unvorstellbar geschickt rettet er ihn durch Brandung und Riffe auf den San,Morning, missis!“ „Morning, du schwarzes Schokolabengesicht, gut daß du da bist! Was ist denn das für em gottoerlaf ener Herd in dieser Hütte?! Ich esse schon Baumfrüchte wie die Asien!


