Ausgabe 
24.8.1936
 
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Abends imDelphin" erzählte Livinus dem kronengeschmückten Freundeskreis, mit einer vor Liebe und Elend sanfter gewordenen Stimme das Abenteuer seiner Liebe, während er ab und zu einen zärtlichen Blick auf das hübsche Mädchen warf, das Pirruhn nut väter­licher Besorgtheit neben sich hatte Platz nehmen lassen. Der alte Mann zappelte richtig vor Glück und unterbrach Livinus immer wieder mit einemBravo! Bravo!" oderDas ist eine Sache! , und er tätschelte spielerisch die zarten Hände seiner hübschen Nachbarin. .

Als Livinus zu Ende erzählt hatte, wollte der witzige Kuckuck em Lied darauf fingen, aber Pirruhn schlug auf den Tisch:Morgen gehst du mit Grain d'Or zum Pfarrer, in drei Wochen feiern wir ein Fest!

Livinus wurde rot und blaß.

Ich wollte dir vorhin schon sagen ... aber du ließest mich nicht aus­reden. Sie ist minderjährig, und wir haben keine Papiere.

Pirruhn zog die Augenbrauen über seine grünen Augen, erhob sich und ging im Zimmer auf und ab, während er an seinem Daumen sog. . , . .... .

Die Delphine waren still, jeder suchte nach einer Losung. Im Herd brannte das Feuer mit trägen, großen Jungem

Durch die blauen, roten und gelben Scheiben der Glastür blickte man in die Gaststube. Dort stand im braunen Lampenlicht Fräulein Barbara hinter dem Schanktisch: sie zapfte zwei Krüge Bier, trank ein wenig davon und brachte sie dann auf einer Zinnplatte dem kahlen Apotheker und dem Zuckerbäcker, die beim Licht einer Kerze in der Ecke Karten spielten. , , r, .

Hinter dem Schanktisch, auf den eine Postkutsche gemalt war stand die hohe Anrichte, in allen Fächern reichlich mit Zinn, Kristall und buntem Steingut ausgestattet. Das war Fräulein Barbaras Stolz.

Wie alt ist sie?" fragte Pirruhn plötzlich.

Neunzehn und ein halbes ..." r

Also noch anderthalb Jahr", und dann sagte er mit Bestimmtheit.

Ihr Vater muß die Papiere schicken!"

Das wird er nie tun."

Pirruhn setzte sich, stand wieder auf:Er muß sie schicken, ich werde ganz Paris auf den Kops stellen, er muß! Das sage ich!"

Er ging auf und ab, und ein Delphin nach dem anderen meinte: Ein schwieriger Fall, ein sehr schwieriger Fall!" ,

Gar kein schwieriger Fall!" schnauzte Pirruhn erregtSchwieriq- keiten gibt es für mich nicht! Sie wohnen bei mir, bis sie heiraten! Seht ihr nun, wie schwierig das ist? Ihr Affen!"

Ein lärmender Jubel brach los um den Hirten, der zwei Sammlern auf seine Schultern genommen hatte. v , ...

Grain d'Or küßte Pirruhn aus die roten Backen und die kristallnen Römer wurden mit Liebfrauenmilch gefüllt, denn dies war ein großer ^"8,Ach!" sagte Van de Nast, gierig auf den Wein,ichmöchte, daß Livinus jede Woche dreimal jemand aus Paris mitbrächte.

Die gute Nachricht.

Es war um Ostern herum. Während Pirruhn ein Senffußbad nahm, spielte er auf einer langen, silbernen Flöte. Die Töne hüpften wie silberne Böhnchen über den Garten, wo noch alles glänzend und naß war von dem leichten Regenschauer, der soeben über die Stadt gezogen war.

Die Sonne drängte nun wieder mit frischem Frühlingsduft zur offenen Tür herein und warf einen hellen Glanz in ein Fifchglas, in bcm drei Goldfische schwammen. Eine blaugoldene Glaskugel, die wie ein Auge an der Decke hing, spiegelte Pirruhn, dessen nackte Füße, die Sonne, die offene Tür und alles, was das Glasauge erreichte, wider.

Gegen die weißen Wolken am Himmel zeichnete sich ein Gänsedreieck ab, die Spitze nach den Kempen gerichtet, und Pirruhn freute sich über den Frühling, der die Bäume wachschüttelte und die Vögel nach unserem Lande zurücklockte.

Es wurde so heftig geklingelt, daß es im ganzen Hause widerhallte, und Kato brachte einen kleinen rosafarbigen Brief, der angenehm nach Blumen roch. m

Pirruhn sog den Dust ein und sagte:Von Anna - Marie, ich ticcfyc es "

Er riß den Umschlag hastig auf und las, daß sie nun endlich doch kommen würde. Mitte Mai würde sie in Brüssel fein und hoffte, Pir- ruhn imKönig von Spanien" zu treffen.

Pirruhn sprang vor Freude aus dem Fußbad, lachte laut auf, schlug sich auf den Bauch, lief ein paarmal mit nackten Beinen um den Tisch herum und liefe sich vor seinem Schreibtisch auf einen Stuhl fallen, um ihr mit einer Gänsefeder sofort eine Antwort zu schreiben. Es war nun plötzlich still geworden, eine samtene Stille.

Sonnenschein klebte auf feiner Hand. . . »

Im Bibliothekszimmer, dessen Tür offen stand, horte man das trage Ticktack einer Standuhr. Eine freche Drossel tanzte aus dem Gartm in die Stube herein, fafe auf dem himbeerroten Teppich, guckte um sich, und als sie Pirruhns nackte Füße sah, surrte sie erschreckt davon und sang ein wütendes Lied im schleimigen Kastanienbaum. ., {iA

sßirrubn zog seine weißen Strümpfe und feine Schuhe an, machte sich schnM 8/und ging dann zu Adelaide von Sint-Jan, um ihr die

Bevor er wegging' wollte er noch einmal das Miniaturbildnis von

Anm^M je btaufamtene Schachtel aus der ScfeuMabe unb be= trachtete gerührt das Medaillon. Anna-Marie war auf diesem Bild zwölf Jahre alt. Sie war schlank und blaß, nut großen grauen Augen und pechschwarzen Haaren, die einen bläulichen Glanz hatten. Sw trug e seidenes Kleid, das grün und rosa schimmerte; m der zarten Hand hielt ie einen Rosenstrauß, und ein kleiner Hund mit langen weißen Haaren und einer schwarzen Nasenspitze fafe stolz aus ihrem Schoß.

Während Pirruhn das Bild betrachtete, kam Putiphar herein paz.ert, die aanie Farbenpracht seines kostbaren Schwanzes hinter sich her scklevvend Pirruhn streichelte seinen seidigen, blaugoldenen Hals und M ihm das Miniatu?bild.Das ift Anna-Marie", sagte er die kommt letzt her!" Aber der Bogel kehrte gleichgültig m den Garten zurück, den glänzenden Hals stolz hin und her bewegend. _ u ( " * küßte die knospenden Bäume, und aus einem offenen Fenster tiangen die friedlichen Töne eines Klavizimbels.

Das Glockenspiel des Turmes kündete die Mittagszeit. .

Herr Pirruhn, das Essen ist fertig!" rief Kato aus einem anderen

Livinus selbst war noch magerer geworden, tritt blauen Schatten unter den tiefliegenden Mönchsaugen; seine Kleider waren völlig abgetragen, aber eine schöne Begeisterung strahlte hell aus seinen guten, dunklen ^Pttruhn hörte Vater Bruderherz, den Livinus in seiner Verzweiflung batte rufen lassen, mit blecherner Stimme schelten:Mir kommst du nie mehr ins Haus, nie und nimmer. Für einen Klecksmaler habe ich kein Geld mehr übrig, du kannst mit deinem sauberen Fräulein hingehen, woher du gekommen bist!" ..... , . ...

Dann kommen die beiden zu mir! , rief Pirruhn dazwischen.

Livinus warf sich gleich in die Arme des Notars, und sie küßten sich, mie Komm!", jagte Pirruhn; er nahm das Mädchen bei der Hand, stieß feinen Stock herzhaft aufs Pflaster, und sie schritten tn die Stadt hmem.

Sie gingen zu tritt nebeneinander durch die engen Straßen, wobei sich das Mädchen immer wieder bückte, um den herabrutschenden weihen Strumpf hochzuziehen, an dem sich das Band gelockert hatte ...

Das Paar war zu Fuß von Paris gekommen, in der Hoffnung, bei feinem Baler ein Unterkommen zu finden. Unterwegs hatte er in Den Dörfern Geige gespielt und gesungen, um die Kost zu verdienen. In Brüssel hatten sie so viel Geld erübrigt, daß sie die rote Postkutsche Der Windhund" nehmen konnten, der sie hierher in die kleine braban- tische Stabt gebracht hatte.

effe nicht!" rief Pirruhn zurück, legte das Miniaturbild sorg- "y's -u. »-m«

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^L'Veilch7n zu holen, die er heute morgen im Grase gesunden und für Adelaide von Sint-Jan gepfückt hatte.

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SStaS» "» "f i'1" TOiW; trsr-S" » schönen Häusern glanzte das bräunliche Gold Gewehr im Arm, landen. Am Rathaus staub aufrecht ein Solbat ogs O betDrarf)tete bie &S*1S £"l. S- MU UM-Lch,-l,.7^|l°|l-.|I.M. M

S" VS M«Itei. »<?» LBL-SS?-?>-8» u»d'K »°-j-i. heil, interessierte sich lebhaft für b°s, was auf den Aushaus TOau(= der Läden gemalt oder 3" lesen war. Da hi ß .Z , Zucker-

assen",Im zunehmenden Mond,Im Gelobten Lande ,ä |On3(a58"erU?m Ende der Butterstraße angelangt, Adelaides weißgeköktes Sians mit der kleinen Freitreppe aus dem Schatten hervorleuchten , - sihob e7 die Lippen nach vorn und schritt rascher aus, um früher "i if,r E Butterftraße jedoch begegnete ihm die Zauberhexe 3°° die aufdenFeldern Kauter gesucht hatte Er bekam eine olche Lst nach ihrem ausgezeichneten Schnupftabak, daß er die Straß q

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-In« blauen Bellte °-r den 8lug«n, worin wte man - . t .

Spiegelbild zu sehen war, unO wer chr in die bloßen Augen fay, ieo> nid,®rTuer Tettige Haarsträhnen guckten aus ihrer °erschmi.tzten-' hervor und ihre behaarte Oberlippe war schwarz vom Schnupftab- iaftai5 sßirrubn sie um eine Prise bat, holte sie aus der Tasche> ib* Sdüime eine hölzerne Schachtel und klopfte mit dem Fingerkn) au\ den Deckel; Pirruhn schöpfte mit dem Daumen eine Portion ans und 30a den ausgezeichneten Schnupftabak in die Nase. . .

Dieses Jahr wird ein Unglücksjahr", sagte Ivo nut eiserner Stirn?. "Mir machst du nicht bange", rief Pirruhn ihr nach,denn mit bei @nnrhen werde ich noch die Nüsse von den Baumen werfen. 2(15 Adelaide aus Pirruhns Munde erfuhr, daß Anna-Marie doch kommen wollte, wurde sie blafe, und die Veilchen zitterten m chr ^Seitdem Fräulein Angelina aus dem Blauen Haufe geftorber, w. fühlte sich Adelaide wie neugeboren: sie war nun mieber !b e etnjf adelige Perfon der Stabt; bas entfaltete ihren ganzen Stolz unb chü And mut Jon neuem, unb sie hatte wieber bas begluckenbe Gefu. ! aanr allein über bie gewöhnlichen Bürger ber Stabt erhoben zu fei

Der silberne Stern auf blauem ®runb unb bas Bild Johannes i Täisiers, die sie im Wappen führte, bekamen wieber ben ganzen Ren ihrer symbolischen Bebeutung: Hossnung unb Steg.

(Fortsetzung folgt.)