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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang 1956
Zreitag, den 24. Juli
Nummer 56
ein Vorteil, feine Hochherzig- mußte so schleunig wie nur
Der Diamant öes Raöschah
von Robert Louis Stevenson
Copyright by Verlag Albert Langen / Georg Müller, München
1. Fortsetzung.
Daß zwei Gentlemen seiner Bekanntschaft in so roher Weise auseinander losdroschen, war für Harry ein entsetzlicher Anblick gewesen. Er wünschte diesen zu vergessen, und vor allen Dingen wünschte er eine möglichst große Entfernung zwischen sich und den General Vandeleur zu bringen. Darüber vergaß er ganz und gar, wohin er gehen sollte, sondern lief zitternd nur immer geradeaus.
Wenn er daran dachte, daß Lady Vandeleur die Gemahlin des einen dieser Gladiatoren und die Schwester des anderen war, dann empfand sein Herz ein inniges Mitgefühl für eine Frau, der das Schicksal einen so falschen Platz im Leben angewiesen hatte. Sogar seine eigene Stellung im Haushalt des Generals erschien ihm nicht so angenehm wie früher, da er sie jetzt im Lichte des letzten Vorganges sah.
Er war, in diese Betrachtungen versunken, ziemlich weit gegangen, als er gegen einen anderen Passanten anstieß und dadurch an die Pappschachtel an seinem Arm erinnert wurde.
„Um des Himmels willen!" rief er. „Wo hatte ich denn meinen Kopf?
Stiefel abputzte. , , ,
Ein recht hübsches Dienstmädchen öffnete sofort die Tur und schien den Sekretär mit nicht unfreundlichen Äugen anzusehen.
„Hier ist das Paket von Lady Vandeleur", sagte Harry.
„Ich weiß", antwortete das Dienstmädchen und nickte. „Aber der Herr ist nicht zu Hause. Wollen Sie es mir hier lassen?" .
„Das kann ich nicht. Ich bin angewiesen worden, es nur unter einer gewissen Bedingung herzugeben und werde Sie daher letöer Dinen müssen, mich drinnen warten zu lassen."
„Nun, ich glaube, ich darf Sie hier wohl warten lassen. Ich kann Ihnen sagen, ich fühle mich hier recht einsam und Sie sehen nicht aus, wie wenn Sie ein Mädchen essen würden. Aber fragen Sie jnid) nur nicht, wie der Herr heißt; denn das darf ich Ihnen nicht sagen.
„Was sagen Sie da?" rief Harry. „Das ist,a merkwürdig! Aber ich habe ja seit einiger Zeit eine Ueberraschung nach der anderen. Nur -me Frage darf ich wohl an Sie richten, ohne unbescheiden zu sein, ist er der Besitzer dieses Hauses?"
und wo bin ich jetzt?"
Er sah sich den Brief an, den Lady Vandeleur ihm gegeben hatte. Auf dem Umschlag war nur Straße und Hausnummer angegeben, aber kein Name. Harry war nur angewiesen worden, nach dem Herrn zu fragen, „der ein Paket von Lady Vandeleur erwarte", und wenn dieser nicht zu Hause wäre, sollte er auf seine Rückkunft warten. Der Herr, so hieß es weiter auf dem Umschläge, sollte eine von der Dame selbstgeschriebene Empfangsbestätigung vorzeigen. Dies alles sah äußerst geheimnisvoll aus, besonders wunderte Harry sich über die Weglassung des Namens und die Förmlichkeit der Quittung. Er hatte sich über diesen letzten Umstand wenig Gedanken gemacht, als Lady Vandeleur ihn im Gespräch erwähnt hatte; als er jetzt aber mit kühler Ueberlegung diese Vorschrist aus dem Briefumschlag las und sie mit den anderen sonderbaren Umständen in Verbindung brachte, kam er zu der Ueberzeugung, daß er es mit gefährlichen Dingen zu tun habe.
Einen Augenblick zweifelte er halb und halb sogar an Lady Vandeleur selber; denn er fand diese dunklen Machenschaften einer so hochstehenden Dame nicht ganz würdig, und vor allen Dingen wurde seine Kritik dadurch geschärst, daß sie ihre Geheimnisse sogar ihm vorenthielt. Aber sie beherrschte ihn so vollständig, daß er seinen Verdacht gleich wieder fahren ließ und sich selber einen Vorwurf daraus machte, daß er ihn überhaupt nur hatte hegen können. .
Jedenfalls verlangten feine Pflicht und fein Vorteil, feine Hochherzigkeit und feine Angst eines von ihm; er mußte so schleunig wie nur möglich die Schachtel loswerden. c ,
Er sprach den ersten Schutzmann an, der ihm begegnete, und fragte ihn höflich nach dem Wege. Es stellte sich heraus, daß er gar nicht mehr 0 sehr weit von seinem Bestimmungsort entfernt war, und ein Gang von wenigen Minuten brachte ihn zu einem Häuschen, das frisch getüncht und peinlich sauber gehalten war; es lag an einer schmalen Seitengasse. Türklopfer und Klingelgriff waren blank poliert; blühende Topfgewächse schmückten die Fensterbänke, und dunkle, schwere Vorhänge verhüllten das Innere vor den Blicken neugieriger Vorübergehender. Das Haus hatte etwas Ruhiges und Geheimnisvolles an sich, das auf Harry solchen C tn= druck machte, daß er ganz leise klopfte und ungewöhnlich sorgfältig seine
„Er wohnt hier zur Miete, und zwar auch erst seit acht Tagen. Und nun — Frage für Frage; kennen Sie Lady Vandeleur?"
„Ich bin ihr Privatsekretär", antwortete Harry mit einem Erröten bescheidenen Stolzes.
„Sie ist Mbsch?" fragte das Dienstmädchen weiter.
„Oh, schön!" rief Harry; „wunderbar lieblich, und dabei nicht weniger gut und freundlich!"
„Sie ehen selber recht freundlich aus, und ich möchte daraus wetten, Sie sind so viel wert, wie ein Dutzend Lady Vandeleurs."
Harry war geradezu empört über diese Worte und rief:
„Ich bin ja nur ein Sekretär!"
„Wollen Sie mich damit zurechtweifen, denn ich bin ja nur ein Dienstmädchen, wenn Sie nichts dagegen haben!"
Als sie aber Harrys offenbare Verlegenheit fah, besänftigte sie sich und fuhr fort:
„Ich weiß, Sie haben es nicht böse gemeint, und Sie gefallen mir. Aber Ihre Lady Vandeleur! Oh, diese Herrschaften! Einen richtigen feinen Herrn, wie Sie — am hellen lichten Tage — mit einer Pappschachtel auf die Straße zu schicken!"
Sie waren während dieses Gespräches auf derselben Stelle geblieben — sie stand in der offenen Tür, er auf dem Bürgersteig. Wegen der Hitze hatte er den Hut abgenommen und am Arm trug er feine Pappschachtel. Als sie aber diese letzten Worte sagte, nahm Harry eine andere Haltung an und sah verlegen nach links und nach rechts; denn er konnte solche Komplimente über sein Äussehen, die ihm gerade ins Gesicht gemacht wurden, nicht vertragen, und besonders nicht den aufmunternben Blick, womit sie begleitet wurden. Wie er sich nun umsah, sah er am Ende der kleinen Gasse zu seinem unbeschreiblichen Entsetzen den General Vandeleur austauchen.
Der General war in seiner Entrüstung trotz der Hitze durch die Straßen gerannt, um seinen Schwager zu erwischen; sobald er aber seinen pflichtvergessenen Sekretär erblickte, wurde sein Zorn in ein anderes Fahrwasser gelenkt. Er drehte sich um und stürmte mit wilden Gebärden und Flüchen die schmale Gasse hinauf.
Mit einem Satz war Harry im Hause, indem er das Mädchen vor sich her schob; und im nächsten Augenblick hatte er die Tür seinem Verfolger vor der Nase zugeschlagen. ___ , , ,, a„ r . -
„Ist ein Riegel da? wird das Schloß auch halten? sagte Harry, während eine Salve des Türklopfers durch das ganze Haus schallte.
„Aber was haben Sie denn?" fragte das Mädchen. „Haben Sie Angst vor dem alten Herrn?" , , .
„Wenn er mich kriegt", flüsterte Harry, „bin ich so gut wie tot, er hat mich schon den ganzen Tag verfolgt; er hat einen Stockdegen bei sich und ist ein alter indischer Offizier." .
„Das sind ja schöne Manieren!" rief das Mädchen; „und rote heißt er denn wohl, bitte?" . . „ ... , .
„Es ist der General, mein Herr, antwortete Harry; „er will feine Schachtel haben."
Sagte ich es Ihnen nicht?" rief das Mädchen triumphierend, „ich sagte Ihnen ja, daß ich von Ihrer Lady Vandeleur ganz und gar nichts halte- und wenn Sie Augen in Ihrem Kopf hätten, könnten 6ie selber eben’ was an ihr dran ist. Eine undankbare Kokette ist sie, daraus will ich Gift nehmen!" Der General erneuerte seinen Türklopfersturm; als immer noch nicht aufgemacht wurde, geriet er in eine geradezu fürchterliche Wut und begann mit den Füßen gegen die Tur zu stoßen.
Es ist ein Glück", bemerkte das Mädchen, „daß ich allein im Hause bin;’ Ihr General kann klopfen, bis er müde wird; aufmachen tut ihm niemand. Kommen Sie mit."
Mit diesen Worten führte sie Harry in die Küche, ließ ihn Platz nehmen und stand neben ihm, indem sie ihm zärtlich die Hand auf die Schulter legte. Der Lärm an der Tür liefe nicht nach, sondern wurde immer stärker, und bei jedem Schlage, den er hörte, zitterte dem unglückseligen Sekretär das Herz.
s.Wie heißen Sic?" fragte das Mädchen.
"Ich^ heiße" Prudence. Gefällt Ihnen der Name?"
Sehr! Aber hören Sie doch bloß mal, wie der General gegen bie Tür haut! Er wird sie sicherlich aufbrechen, und um des Himmels willen, das ist ja mein sicherer Tod!"
Sie regen sich ohne jeden Grund viel zu sehr auf", antwortete Pru- ben’c’e .Lassen Sie Ihren General nur gegen bie Tür hauen; damit schlägt er sich höchstens bie Hänbe entzwei. Glauben Sie denn ich wurde Sie hierbehalten, wenn ich nicht sicher wäre, Sie zu retten? O nein, ich bin eine treue Freundin, wenn einer mir gefällt! Und wir haben eine Hintertür, die nach einer anderen Seitengasse hinausgeht. Aber , fuhr sie fort und drückte ihn wieder auf feinen Stuhl zurück, denn er war sofort aufgesprungen, als er diese willkommene Nachricht vernahm, „aber ich


