Ausgabe 
24.4.1936
 
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ble keineswegs i sondern gerade also nicht für gegeben sein?

Eine ganz gestalten ist die,

Menschen mit Stirnaugen.

eigenartige Ueberlieferung von urzeitlichen Menschen- worin von einem Stirnauge die Rede ist. Wir kennen

diesen Menschen als Polyphem In der Odyssee; er lebt auch in nordischen Volksmärchen. So heißt es u. a. im Märchen von derSchönen Me­lusins"'Es war eine Mutter aus uraltem Geschlecht der Menschen; die hatten noch ein Auge aus der Stirn." Auch bei anderen Volkern, 'beispielsweise in den Märchen aus Tausendundeine Nacht, oder in altägyptischen Berichten kommt diese Eigentümlichkeit zur Sprache. Man kann nun solches rein allegorisch deuten; aber es ist doch eigenartig, daß es in früheren Erdepochen wirklich Tierwesen gab, denen jene Eigen­tümlichkeit gleichfalls zukam. hat man das aber früher überhaupt wissen können? Und wie kam man dazu, dies von Menschen zu behaupten? Dahinter muß doch mehr stecken als bloße Phantasterei; es scheint Wege des Wissens über eine ferne, ferne Urzeit der Menschheit zu geben, die gar nicht unsere gewohnten naturwissenschaftlichen sind.

Drachen und Seeschlangen.

Vollends die vielen, vielen Md mannigfaltigen Berichte von Drachen, Lindwürmern, Seeschlangen? Wie kommen die Sagen gerade zu diesem immer wieder und wieder abgewandelten Motiv? Nun wissen wir aus der ganz nüchternen Erdgeschichte, daß es im Erdmittelalter auf der ganzen Welt diese sagenhaften Wesen wirklich gab. Wir graben sie aus den Schichten, und für den Naturforscher sind sie nichts weniger als bloß sagenhaft. Konnte der Urmensch solche Gestalten zusammenphai^ lasieren oder hat er sie am Ende erlebt? Man sagt sich zwar: auch unsere Urväter haben gewiß schon Saurierknochen in manchen Ländern im Boden gefunden; in gewissen Gebieten liegen sie ja geradezu her- ausgewittert an der Oberfläche; daran erhitzte sich ihre Phantasie. Dem aber ist entgegenzuhalten, daß die Lindwürmer in den Sagen gar nicht - so knochenmäßig geschildert werden, sondern geradezu in den Gestal­tungen, wie sie in der paläontologischen Wissenschaft als ehemals lebende Wesen mit Fleisch und Blut und Haut und Panzern rekonstruierbar erscheinen.

vermochte.

Zwerge und Menschen mit Schwimmhäuten.

Es gibt Ueberlieserungen, die uns merkwürdigerweise von Dingen berichten, die wie natürliche Geschichte anmuten. So ist zuweilen die Rede von zahlreichen frühzeitlichen Zwergvölkern nicht von den Zwergen und Wichteln in der Natur, das ist etwas anderes; sondern von richtigen zwerghaften Msnschenvölkern. Es ist aber ein Gesetz der natürlichen Lebensentwicklung, daß gerade die höheren Tiere, die Säuge­tiere, zu denen der Mensch seiner physischen Natur nach gehört, stets im Anfang ihrer Stammesentwicklung mit besonders kleinen Rassen begon­nen haben und erst späterhin größere und größere Formen hervorbrach­ten. So entspricht diese Sage von den Zwergrassen durchaus einer naturhistorischen Möglichkeit. Oder es wird uns berichtet von Menschen­arten, die Schwimmhäute hatten und besonders im Wasser sich aufhalten konnten; so wird erzählt, daß gewisse Menschen vor Noah noch ver­wachsene Finger hatten; und die Geschichte eines Königs, der zu seinem Ahn ins Totenreich fährt, um sich Rat über Leben und Tod zu holen, endigt damit, daß der Ahn sich wundert, weshalb der Nachkömmling eine anders gestaltete Hand als er selber habe. Merkwürdig ist nun, daß der Mensch in seinen inneren Organen vielfach Formbildungen aufweist, an das ihm nahestehende höhere Landsäugetier erinnern, an Wassersäugetiere, wie Westenhöfer zeigte. Sollten da gewisse urzeitliche Menschenarten noch Hinweise mit

Weinland am Pol.

Oder wenn in nordischen Sagen die Rede ist von Polarländern, in denen es mild und wohnlich war, wo Wälder standen und Weinlaub gebiet) wann könnte das gewesen sein? Denn in den vergangenen Jahrtausenden gab es dort oben doch nur ein rauhes Klima und Eis, und zuvor erst recht; denn da war die Eiszeit, in der das ganze Polar­gebiet bis herunter in unsere Breiten von Gletschern und Jnlandseis überzogen war; so kann es auch damals keine Wälder, keinen wärme­liebenden Pflanzenwuchs im Norden gegeben haben, und wir dürften danach meinen, es handele sich in der oage um bloße Wunschträume. Aber da finden wir nun merkwürdigerweise unter den Ablagerungen der Eiszeit in Grönland und anderwärts tertiärzeitliche Schichten, in denen wirklich wärmeliebende Gewächse fossil liegen und uns zeigen, daß es ehedem in jener weiter zurückliegenden Erdepoche dort oben üppige Vegetationen gab, daß es mild, ja warm war und so ent­spricht die Sage wirklich den naturhistorischen Tatsachen. Warum sollte sie also nicht eine rechte Urkunde aus urweltlicher Vergangenheit des Menschengeschlechts sein, freilich eines Menschengeschlechts, das weit, weit älter ist, als es unsere Schulweisheit sich heute noch träumen läßt?

Der Urmensch in neuem Licht.

Wir haben eine Epoche allzu rationalistischer Gelehrsamkeit hinter uns, in der man es für ausgemacht hielt, daß die alten Mythen und Sagen nur die Ausgeburt der unzureichenden Urteils- und Denkfähigkeit verängstigter spätzeitlicher Naturmenschen gewesen seien. Alles, was für unser rationalistisches und materialistisches Denken unverständlich war, wurde in seinem inneren Wirklichkeitswert geleugnet. Die positivsten Aeußerungen und menschheitsaeschichtlichen Ueberlieserungen wurden als Wahn erklärt und zu Nichtigkeiten heruntergesetzt. Nun aber stehen wir, da wir nicht mehr an die Abstammungslehre in der Ausgestaltung, die ihr das 19. Jahrhundert gab, glauben und andere Gründe für em sehr hohes erdgeschichtliches Alter der Menschheit haben, plötzlich vor | der überraschenden Aussicht, auf eine neue, erweiterte Weise in das Dunkel der Urzeit, in die Urgeschichte unseres Geschlechts einzudringen. Der Mensch erscheint uralt, und seine sagenhaften Ueberlieferungen bekommen nun eine zeitliche Weite und Tiefe, die man zuvor nicht ahnte. Ein anderer mannigfaltigerer Urmensch erscheint an Stelle des vermeintlich ersten Menschen der Eiszeit, der etwas mehr tierische Merk­male gehabt hat und der irrigerweise für den Ahnen gehalten wurde, während er nur ein seitlicher Abspalter einer viel umfassenderen und viel weiter in die Vergangenheit zurückreichenden Menschheit war.

Wir wissen im einzelnen noch nicht, wie jene märchenhafte, in den Sagen auftauchende Frühmenschheit mit ihren vermutlich vielen Ab­wandlungen ausgesehen hat, und sind mit unseren Vorstellungen zunächst noch auf die Ueberlieserungen selbst angewiesen. Wohl können wir etwas Allgemeines von ihr sagen. Wir kennen ja den jeweiligen Entwicklungs­zustand der Tierwelt in Öen einzelnen Erbepochen, und irgendwie muh der Mensch in feinen Körpergestaltungen auch an solchen Entwicklungs­zuständen, den Zeitformbildungen, teilgehabt haben. Und da kommen wir durch solche Vergleiche zu Vorstellungen, die naturwissenschaftlich gefaßt und begründet sind, die aber nun gerade dem entsprechen, was uns die Sagen spiegeln.

Hat die Menschheit körperliche Wandlungen durchgemacht, die viel­leicht viel, viel weitergehen als die geringe Abwandlung vom uralten Vollmenschen der Eiszeit und vielleicht Voreiszeit zum mehr tierischen. Neandertaler? Gab es am Ende ergeschichtliche Zeiten, in denen der Menschenstamm auch primitive Säugetiermerkmale ober noch tiefere Stadien des Tierreiches als eine Art Zeitbauftil an sich trug? Und wenn auch, so wäre er doch immer feiner inneren Potenz nach Mensch gewesen und nicht Tier, nicht Vierfüßler. Die alte Vorstellung der darwinistischen Abstammungslehre, als fei einmal der Mensch Amphw und Fisch und wer weiß was alles Tiefere gewesen, mutet wie ein I irreales Bilderspiel an. Aber hier liegt Geheimnis über Geheimnis.

Und bann sagten seine Augen noch einmal burch die Zellen, und er las wiederholt:In dem Häuschen war am vergangenen Mlltwoch- nachmittag Feuer ausgcbrochen. Sie hatte einen solch schlechten Herd. Anscheinend war die Feuerungsklappe nicht geschlossen. Glühende I Kohlen mußten herausgesallen sein. Beim Herd hatte sie em Gundel Rebholz liegen. Das ist in Brand geraten und hat die Küche angesteckt und im Nu das ganze alte Gerümpel. Da sie seit längerer Zell nur noch am Stock humpeln konnte, kam sie nicht schnell genug aus ihrer Stube Bevor noch an eine wirkliche Rettung zu denken war, hatten ble Flammen ihre Kleider erfaßt. Die Feuerwehr brachte sie zwar noch über die Leiter aus dem brennenden Haus auf die Gasse aber tm Spital ist sie dann ihren Wunden erlegen. Das Häuschen brannte bis auf den Grund nieder..."

Arme alte Babett! Schrecklich und sonderbar ...

Mit dem Mitgefühl für die unglückliche Frau einte sich in feinem Innern eine fremdartige, beunruhigende Empfindung: er wußte sich feine Antwort daraus zu geben, wurde aber auch seiner Verstörtheit "'^Benommen^zerriß er den Brief in lauter kleine Stücke und erwähnte von dessen Inhalt kein Sterbenswörtchen.

Mandelst mmchen.

Von FritzGräntz.

Kleines Mandelstärnrnchen, bogest zärtlich Dich mir zu im ersten Blütenschmelze, Weiß und rote Anmut, schön zu schauen. Rühren dich die kahlen Wiesengänge? Dauert dich die leere Gartenmauer? O dahinter warten tausend Blüten, O dahinter lauert groß der Frühling! Sieh doch seine ersten Falter lodern lieber dürres Laub und junge Knospen, Lodern über deine Blumenarme!

Doch du lächelst, deiner zarten Neigung Sicher trauend, mein erblühtes Bäumchen.

tfrmenfd) und Sagenwett.

Von Edgar Daegus.

Eine neue Art der Deutung für die Erscheinungen der Erd- und Lebensgeschichte sucht heute die Wissenschaft, indem sie, statt nach der äußeren Beschreibung und Darstellung zu streben, wieder nach dem ideenhaften Gehalt in allen Däferns« formen fragt, und sie gewinnt damit einen tieferen Einblick in die Wirklichkeit des Menschen selbst und den Zusammen­hang alles Geschehens. In diesem Sinne behandelt Edgar DacguL ausgewählte Stücke aus der Geschichte unseres Erdballs ünb des Lebens auf ihm in einem neuen Buche Aus der Urgeschichte der Erde und des Lebens", das tm Verlag R. Dlbenbourg, München-Berlin, erscheint. Wir geben von feinen höchst anschaulichen Darstellungen einen Abschnitt wieder, der eine besonders fesselnde Frage erörtert.

Im Gedächtnis aller Völker leben von altersher Märchen, Sagen und Mythen. Niemand kennt ihre Schöpfer oder ersten Erdichten Selbst bei den wildesten Naturvölkern, als man sie entdeckte, lebten brefe Ueberlieferungen in einer Reinheit und Tiefe, die denen unserer Ahnen In nichts nachstehen. Freilich sind sie vielfach umgedichtet, und wohl ,edes natürliche Volk, jede Rasse hat sie in anderer Weise ausgestaltet aber im Kern und Wesen sind sie alle gleichartig und deuten auf eine Urvergangenheit menfchlichen Wesens und Denkens. Und gerade da, In den Sagen und Mythen, finden wir nun allerhand Aufschluß, den uns die Naturwissenschaft bis heute noch nicht in gleicher Weise zu geben

Verantwortlich: vr. Hans Thhriot. - Druck und Derlag: Drühl sche Universitäts-Buch. und Steindruckerei.D. Lange, Gießen.