Lbsen.
Das Gärtchen.
Von Ruth Schaumann.
Weht der Wind mein Seidentuch, Spielt dein Wunsch an mir vorbei. Rührt ein Falter mir am Buch, Spricht dein Odem: lieb dich frei.
Birgt das Kind fein Haupt bei mir, Singt dein Bild: fo war ich einst.
Alter Ring sagt stumm von dir: Lächle, Liebe, weil du weinst.
Dust und Tau und Echo spricht. Händlern wacht am Gartentor. Die vertraute Zuversicht Legte schon den Riegel vor.
— dichterisch starke Momente hat und wider "— —• Werte die
gut so. Wiederkehr seines Todestages am 23. Mai.
Von Wilhelm von Scholz.
Am 23. Mai jährt sich zum dreißigsten Male der Tag, an। bem ftenrit Ibsen — aus der noch unverminderten Hohe seines Ruhmes nnh (FinHuffea — in Oslo starb. Drei Jahrzehnte geben, auch nach dem Tode eines im biblischen Alter gestorbenen Schöpfers und Kulturträgers, nocb nicht die Sicht für den endgültigen Rückblick auf ihn frei. Dennoch St es eine Erscheinung, von der die Zeit so stark beeinflußt wurde wie von Ibsen, auch jetzt schon im Rückblick neu in uns auszunehmen und “"’Ä LL ÄÄ'-Tw-, °-x
Icheirt schon heute das Geheimnis geschwunden zu sein, das er d'eses Schwindens sicher vor uns allen bewußt - in «einen von einem aren endlichen Verstände erhellten Stücken fast immer mit künstlichen Mitteln, mit halb symbolisch, halb real gesehenen Gestalten, mit Seltsamkeiten, die manchmal fast Schrullen waren, zu erhalten und zu nähren suchte, das Geheimnis das der junge Dichter der „Kronprätendenten , des Peer Gynt", der „Kaiser und Galiläer" in seinem ^erpen I>atte bas vielleicht dem späteren letzten Ibsen, der ,eine zweifelhafte „Nora - Periode weit hinter sich gelassen hatte, der den Borkmann und die erwachenden Toten schuf, wieder zu erreichen gelang.
Ibsen hat im Jahre 1874 in einer Rede zu Studenten in Kristiania, die ihn feierten, das merkwürdige Wort gesprochen: „Wenn Kaiser Inlian am Ende seiner Laufbahn steht und alles um ihn her zusammenstürz" da Lt 8n Gefühl nichts so tief nieder der Gedanke daß er keinen anderen Erfolg als diesen aufzuweisen habe: mit achtungsvoller Anerkennung weiterzuleben in klaren und kühlen Köpfen, wahrend seine Widersacher „reich an Liebe, wohnten in warmen lebendigen Menschenherzen Dieser Zug ist etwas Durchlebtem entnommen: er hat seinen llHnruna in einer Frage, die ich mir zuweilen selbst vorgelegt habe . I M e /fürchtet für sich selbst, daß er nur in der Achtung der klaren und kühlen Köpfe weiterleben werde (was nicht wenig ist ). Er suh das Schwinden des Geheimnisses, in dem alles Nichtkuhle, Nichlklar to° öas/ft das Geheimnis, wenn man von einem Dichter von Dichtwerken spricht in denen, um die es ist oder nicht ist? Es ist d.e wesent- lickste Aehnlichkeit oder Gleichheit der Dichtung mit dem Leben, de
sei ist mir immer gefährlich erschienen. Sie gehennmslose Dichtung wird durchschaubarer Ablauf, nicht Geschehen sein. _ . n
Wo^fm rma/fihn^’^^^^rauZ^mn Sie ge-
denkt Sw. -I- an B-tlpi-I- b««
Romane, deren Spannung, sobalb mcm sie za{aube jjcift
Vorgänge und Gestalten immer wieder in sich »uruckmmml oas um,
sSn Ä.«7t!"L"-n »Ä schulen, ssnd d-s.'-s'b--. UN- «>- mal, wenn man es betritt neue ^verwandelte Raumes,no^,^ unb Rän/e vDchwunde/sind wenn ^^wi^d« hineinkommt^In bet geheimnisvollen Dichtung a^*»Lb ® k be" Schreiner vom Holz sagt.
•* * **
man in stillen Nächten es sich regen h Publikum Ibsen
Sie Sichtung des mittleren 3hb*en^ u6t ein5[aqe zu weit ab vom schlechthin ist, ist wohl zu doch 'N Ahnungen aufgefaßt worden,
untergründigen Spiel der Kräfte, Strom , 0 ' i($t u
zu nahe einem klaren Hellen Verstände - was 1'e an 1 ,
mindern brauchte — aber einem Verstände, der nur praktisch umschrankt, mit Zeitfragen beschäftigt, der nicht verwoben war in das Ra elfem, das unlösbar ist, sondern mit lösbaren, moralischen, auf Besserung menschlicher Einrichtungen und Verhältnisse zielenden Ausgaben be- schöftiqt. Ser Ibsen der „Nora"-Zeit erscheint nicht einmal mehr wie ein Dramatiker, der ins Moralisieren geraten ist, sondern geradezu als etn Moralist, der sich der dramatischen Form bedient.
Manche der Fragen, die ihn zum Schaffen von Dialogen und Ge- stallen reizten — Frauenfrage, Ehe vor allem, Soziales — sind seither in eine andere Phase der Entwicklung getreten. Sie sind, gewiß nicht zuletzt durch Ibsens reformatorisches Einwirken auf die beitimmenben Kräfte der Zeit, gelöst ober boch weiter geförbert worben. Unb er — ein Teil von ihm wenigstens — erleibet bas Los der J**
durch ihr eigenes Einwirken veralten muffen, weil ihr Wollen sich zum Schaden ihres unmittelbaren Weiterlebens erfüllte. Das geht Entdeckern, Reformatoren, großen Erziehern ost fo; es ist ihr Berufslo-. Einem Dichter kann es nur begegnen, wenn Tendenz in sein Schaffen einörang.
Ibsens Dichtung empfängt nicht in erster Linie von Tendenz ifyren Antrieb. Wohl aber ist Tendenz überall in sie eingedrungen, scheint schon ins Keimen der Werke im Geist eingedrungen und gibt seinen tragenden Gestalten mehr Programm als Charakter.
Wenn sich in bezug auf einen so bedeutenden, die Bühm so uberlegen meisternden Schriftsteller von Tendenz spreche, so meine ich freilich nicht, daß er seine Dichtung nur als Dienerin von Programmen — gar ben Programmen anderer! schuf. Es »st aber schon Tendenz in einem Dichter wenn er mit seiner Dichtung irgend etwas auf dieser rollenden Erde zu ändern zu reformieren strebt, nicht in allem bte ungeheure Erscheinung des Ledens nicht, die Übergroß vor ihm steht die in ihm sich W neuer aeUtiaer Erscheinung wandeln will. Ein Dichter soll außerhalb seiner Dichtung Gutes tun, atis Mitleid Opfer auf sich nehmen, aus Altruismus sich selbst opfern, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit legren, d'e Schaden bes Lebens bessern, reformieren wollen — sobalb er an sein dichterisches Werk geht (unb bas ist bei manchen großen Dichtern in allen Augenblicken ihres Lebens) barf nur noch bas Gnbgulhge m ihm fteben. Co_ lange ber Dichter in feinem Werk ist, ist ihm bas Leben nur in seiner Sichtung, strahlt bas ganze Weltall in sie als bte Wesensmitte ein.
In biefem hohen Sinne war Ibsen, vor allem ber Ibsen ber mittleren Zeit, nicht von Tenbenz frei. Er ist selbst unser Zeuge. Er sagt, duß et —' zwar „ohne es bewußt unb unmittelbar erstrebt zu haben als Schilderer von Menschencharakteren unb Menschenschicksalen „ju ben gleichen Ergebnisfen gekommen ist, wie bie sozialistischen Moralphtlo- sophen burch wissenschaftliche Forschung".
Senn im Wesen unbesserbar, unreformierbar ohne Ergebnis ist das Leben, das zwischen Geburt unb Tob liegt, bas für unser 2luge oft ungerecht unb grausam ist, bennodj: ein Herrliches unb das Einzige! In ihm stehenb, baß es wie ein Laub oder ein Fluß, em H1 mmeswitch oder ein raunenden Baum um ihn ist, bildet der unnutzltche geheimnls- beschenkte ergebnislose, der in hundertfachem Sinne germanische Dichter aus dem ungreifbaren Stoff, ber bas Ewige m allem allen Ersehet nnngen Gefühlen, Gebenken, im Dasein unb im Geiste ist. Ist er wirk lieb aant unnützlich? Nein, er ist wichtiger als ber Reformer mit Ergeb- nsisen, die denen der Moralphilosophen gleich sind! Er lehrt ganz er- traaen was jener ein wenig bessern wollte: bas Leben. - Sem „Nora - 3bkm sieht hier vielleicht schon ber bes „Solneß , sicher ber bes t- mann" als reiner Sichter gegenüber, ber, wenn er auch noch Eigen- tiimlichkeiten bes Zeitschriftstellers bewahrte, boch jetzt — wohl durch die späte, dem Abschied nähere Lebensstunde gemahnt — ■ tn bte tieferen Gründe hinabstieg, sich wieder auf das Lebensuberzeitliche besann.
Natürlich kann diese Gegeneinanderstellung, bie, um deutlich zu sein, : in Farbe unb Behauptung übertreiben, schwarz und weiß, stark ab- ; heben mußte, nur bas Wesentliche bes ganz auf bie Zeit eingestellten
’ Ibsen im Gegensatz zu bem Sichter kennzeichnen, um bas zu erkennen
> * die dreißigste Wiederkehr seines Todes besonders nahe bringt:
mos uns der zeitliche Abstand von ihm 'ehrt Saß ein Mann der dichterisch so große Singe geschrieben hat wie „Aases Tod , wie die Toten- klaae in den Helden auf Helgoland", der die „Kronprätendenten schuf, auch in den Sramen der „Nora"-Periode - vielleicht mit Ausnahme Duvvenheims" selbst - dichterisch starke
leche" Ti/rie und sein Moralisieren ost zugunsten höherer Doktrin verläßt, ist selbstverständlich. Auch die Ablehnung ist, nach einem Wort Fontanes: „Ablehnung mit Bewunderung
So ist schon zum Beispiel bie „Frau vom Meere ber verwandten Hora nach ber Seite bes Lebenspositiven weit überlegen. So haben auch Se bie anberen Sramen biefer, Ibsens Zeitbedeutung festlegenden Schaffensperiobe Sichterisches in sich, bas uns einst erschütterte, das heute nnn bem Veralteten uberbeeft erscheint, unb bas vielleicht einmal spater ^"wenn bas Veraltete gleichgültig geworden, zerfallen ist ober ohne meiUres historisch gesehen, das heißt verziehen wird — zu einer neuen Bewunderung Ibsens führt. „
re. läfct sich heute noch nicht erkennen, ob bann aus ben lebendig unb erhalten gebliebenen Seilen seines Werkes genug Geheimnis aus- Urhmen mirb bas Ganze schwebend zu erhalten. Immerhin glaube ich, Iblen wird später noch einmal zur Bewährung im geistigen Kampf Piner Zeit stehen. Sas scheint mir wahrscheinlicher, als daß fein Bild (ich für die Menschheit einst zur Sage wandelt, wie es ihm geschah, mit rührendem bei Ibsen besonders rührenden Worten einmal an- lätzlick einer Feier gesagt hat: „Ich, der alte Dramatiker, «ehe mein geben selbst sich zum Gedicht, zur Märchendichtung wandeln. Es hat sich mir in einem Mittsommernachtstraum gewandelt! .
Dies aber erscheint heute schon gewiß: er wird Se«ch>chtlich stets> eine bedeutsame Stellung in der großen sozialen und ethischen Entwicklung einnehmen, die bas‘19. Jahrhundert brachte, unb feine Erscheinung wird von ihr immer untrennbar sein.


