Nummer 39
Zreitag, den 22. Mai
Jahrgang 1936
schon begraben, als sein Dragoner ankam. um uMu uu। die Schlohtreppe, um zu schlafen. Was meinst • ich schlief da nicht schlecht, aber ließen mich die etwa auf egen? Nein, sogleich kam da ein Mann zu ihm, ein Mensch
Nun, der Kaiser war s, Thomas legte sich also auf die Schloß
Das Jahr des Herrn
Roman von Karl Heinrich Waggerl
Copyright by Insel-Verlag zu Leipzig.
14. Fortsetzung.
GiehenerZamilienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger________
sie näht. *
Hnb das Jahr verwelkt, die Sonne wird müder von Tag zu Tag. Im Sommer sprang sie von der Zinne des Berges weg über den ganzen Pummpf und ieht ist sie eine alte Frau auf ihrem mühsamen Weg, sie L nur ein wenig an! Rand der Welt entlang, gleich ^ift fie wleber m ben Wald und schläft. Der Himmel selbst wirk welk, der blaue Garten, in d^r die schönen Wolkenblumen, blühten die riesigen Bu che und Sträucher im Sommerwind, nun sterben sie ab, und eines Tages fal en die weißen Bllltenblättchen auf die frierende Erde herunter
T)ar, fvri wird einem schwer, weil der Sommer so fluchtig ist m oen Bergen, verschwenderisch, a, voll Leidenschaft, stürmischer als anderswo aber so kurz. Das Herz ist noch lange nicht satt, -- hungert m der weißen Ocde es seufzt unter dem Druck des grauen lastenden Gewölkes Und dann geschieht es doch einmal, daß in den Adventnachten der Himmel aufbricht und ein glänzendes Gestirn tritt hervor der Stern der Der- heißung. Irgendwo ist schon Maria unterwegs, die Magd des Her , gebenedeit unter den Weibern durch die Frucht ihres selbes.
Lana vor Tag läuten die Glocken zur Messe. Es ist bitterkalt in oer Kirche der Atem dampft weiß vor dem Mund des Pfarrers, wenn er da Rorate coeli betet und inbrünstig fleht: Tauet, Himmel den Gerechten! Wenn sich die Tür öffnet, staubt Schnee herein. der Wind torkeltdurch die Kirche und wirft sich ungestüm an den Altar so daß die Achter erschreckt zusammenzucken. Die Kirchleute drucken die Tur wieder zu und schütteln sich und klopfen an der Toriaule die Schollen von ihrem Schuhwerk. Schwerfällig und steif vom Frost poltern sie in die B°nke dann kleben sie die Adventkerze vor sich auf das Pult ste hauchen ir die Hände und falten sie um das Licht und warmen die Fmger daran.
Aus den Bärten der Männer tropft das tauende Eis und die Weiber haben weißgefrorene Nasen, — mein Gott, was für eine Kalte ist das Auch"in^Äl'Fenster stellt man zur Kirchzeit brennende Kerzen damit Maria den Weg findet und einen Trost hat, wenn s,e ,m Dunkeln vor- überoeht Man legt neugewebtes Linnen oder em paar Wollstrahne vor die Ürippe im Seitenschiff der Kirche. Don Zeit zu Zeit sammel.^der Pfarrer diese Gaben und verteilt sie unter die Armen aber eigentlich ist das alles der Lieben Frau geschenkt, Linnen und Wolle, weil sie so arm ist und nichts hat, um ihr Kindchen darauf zu betten.
Im Stall kniet sie, ihr Gesicht ist aus weißem Wachs geformt, schon rund und rot blühen ihre Wangen. Zwei blaue Gla^ierlen sind die Augen die schauen so rührend unschuldig ms Leere. Verwirrt ist die jungfräuliche Mutter, ein wenig erstaunt und fdjamig nach allem, was an ihr geschehen ist. Und vor ihr auf einer Schutte Stroh liegt das rosige Himmelskind, da zappelt es und breitet seine Aermchen aus, und Ochs und Esel stecken die Köpfe herein und beglotzen das Wunder. Der Oäis hat sogar noch ein Büschel Heu un Maul, aber er kaut nicht mehr, er starrt nur und starrt, und so tun seither die Ochsen alle. Sie schauen stundenlang vor sich hin und denken nach und begreifen es nie.
Joseph hingegen steht am Hackstock und versucht die neue Axt, die er vom Schmied geschenkt bekommen hat. Gleich wird er Feuer anmachen und einen Tops für die Suppe zusetzen. Draußen kommen ,a schon die Hirten gelaufen, Käse bringen ste und Brot, und einer schiebt em Lamm chcn vor sich her. Ja, alle sind unterwegs, sie rennen und wersen die Aime empor, Sennhüter mit zottigen Bärten, Weiber und Buben, und nur der gläserne Hund sitzt hoch oben int Gebirge und bewacht das Schweizerhäuschen zwischen seinen Pfoten. Heber allem aber schwebt ein Engel, golden gefiedert, der Bote des Friedens.
Das hat der Pater Johannes schön gemacht auch der Pfarrer findet ein herzliches Gefallen daran. Seht nur den Hund auf dem Berg, den blauen Glashund, ist er nicht wunderbar? Und daß der erste Hirt eine wirkliche Laterne trägt mit einem winzigen Kerzchen darin, das man vielleicht fogar anzünden kann, betrachtet das alles, sagt er m der
Truhe" um ihm gleich den' Hals'umzudrehen, wenn er nach Hause kam Ack Gott wie war dem Bischof um die arme Seele bang! Er beschrie unb beschwm den Bösen und schlug das Kreuz ^er ihm allem der wollte nicht weichen. Der Teufel wand sich nur und schwitzte und stank so fürchterlich, daß dem Gottesmann die Augen übergingen.
Indessen kam der Eseltreiber heim, er hörte den Lärm im Hause und erschrak weil er meinte, es sei schon die Wache hinter ihm her Ei ig lief er und brachte den gestohlenen Sack wieder an fernen Ort. Auf diese Weise half der Teufel dazu, einen Sünder zu bekehren, und das gef.et dem heiligen Nikolaus so wohl, daß er ihn fortan als Grausknecht in ^'"Alle Kinder kennen ihn, es ist ein haariger Teufel namens K^aubauf. 3m Umgang mit dem Heiligen ist er zahmer geworden, als es sonst der
Bettachtet auch den Vater Joseph. Er hatte ja seine Werkstatt in Nazareth Haus und Garten und ein paar Geißen dabei, und nun dachte er ’bafj er wohl auch eine Frau haben konnte etliche Kinder um bie Beine, wenn er aus dem Zimmerplatz stand^ Das wäre nicht sch echt, meinte er Seht, und da war Maria vom Nachbarn, die gefiel ihm schon tonae er überlegte bas hin und her in seinem Kopf. Du konntest einmal ein9®ort fallen'lassen, dachte er, sie wäre die Rechte für das Haus und die Geisten und alles. Ja, das machte er dann so, und es war gut bis ber Engel mit der Botschaft kam, meine Lieben. Und dennoch verstieß er sie nicht und vertraute ihr. Wenn ihr aber das bedenkt, so ist es mehr, als der Lobgesang der Hirten und das Gold der Könige, denn Joseph erkannte den ungeborenen Gott, bloß durch die Kraft feines Vertrauens und seiner Liebe. Und es möchte wohl zuweilen geschehen, daß der Herr in einem von euch ein Werk tut, und ihr haltet ihn für sündig dem Ansehen nach Aber das sollt ihr nicht tun, ihr mußt auf den Engel Horen, agt der Pfarrer. Wer seinen Bruder verurteilt, der kann immer irren, ober wer ihm verzeiht, der irrt nie. .
Dchür gibt es Beispiele in ber Geschichte ber Heiligen, wie etwa den frommen Bischof Nikolaus, dessen Fest UM diese Zelt gefeiert wird. Nikolaus war ein rechter Bater der Armen, ein Wohltäter im stillen, und moif Jr hnrhte es sei besser wenn die Leute dem Herrn dankten, von dem aller6 Segen kommt, statt ihm, der doch nur sein Knecht und Sachwalter war, darum schlich er des Nachts m tue Hauser, em wunderlicher Einbrecher, der nicht raubte, sondern schenkte.
Einmal wollte der Bischof Nikolaus einem armen Eseltreiber Mehl in bie Truhe schütten, da saß der Teufel auf dem Deckel.
Hebe dich hinweg! sagte der Bischof.
Mit nicbten sagte der Teufel, ich sitze hier gut.
Der Eseltreiber war nämlich in seiner Verzweiflung ausgegangen, ..... Sack Mehl zu stehlen, und deshalb hockte der Teufel auf der i ihm gleich den Hals umzudrehen, wenn er nach Hause kam.
du emählt er, ich schlief do nicht schlecht, aoer liegen miaj uie ben Steinen liegen? Nein, sogleich kam da ein Mann zu iljni, ein Mensch in einer prachtvollen Uniform, mit Helm und Säbel, wahrscheinlich ein Bedienter des Kaisers. Was ihm einfalle, sagte er, das S'uge nicht da werde er doch nicht schlafen wollen? Und er nahm ihn mit sich in eine warme Stube, da schrieben sie seinen Namen auf. ©o sagten tu Dragoner warst bu bas gefiel ihnen. Und nun bekam Thomas ein Bett für bie Nacht, bas kannst bu bir gar nicht vorstellen, so pradjhg hat A 's? AAen nicht roieber geschlafen. Licht brannte an ber Decke, unb ein Waschgeschirr ftanb da und wenn du vielleicht meinst, daß nun der Zauber em Ende hat, o bist du auf dem Holzweg. Am andern Tag stellten sie ihm das Essen hin er brauchte gar nicht darum zu bitten. Iß nur, Herr Dragoner, s 9 UnJ bann, ob man es glaubt ober nicht, bann fuhr er mit der Eisenbahn nach Hause. Immer mit einem Bedienten hinter sich, unb an ber Seite, und das alles, die gute Kost unb bas Quartier unb bie Reife bas hat ihm keinen Groschen gekostet. Da kannst bu sehen, wieviel em Kaiser Dcrmaa selbst wenn er gestorben ist! ,
O fa, bas versteht David, er hat fa selbst einmal mit einem großen Herrn zu tun gehabt, und es schlug ihm zum Segen aus Seit damals rundet sich sein Leben. Er ist ja eigentlich noch em Kind, noch nicht einmal ber Schule ganz entwachsen, aber trotzdem hat er schon eine eigene Kammer und seine Truhe auf dem Dachboden und bas alles hat e n Ansehen unb eine gewisse Festigkeit. Sein Besitztum vermehrt sich aus geheimnisvolle Weise von Tag zu Tag die Schillinge hecken ganz von selbst Groschen in seinem Sparbuch, bald ist schon der siebte voll. Acht kostet ein Paar Kaninchen von guter Zucht, und wenn er einmal so wett ist bann kann er einen Handel mit Fellen anfangen, oder er wird noch inmarten unb schließlich einen von den Ringen kaufen, bie Agathe im Laden hat. Der Ring mutz genau so groß wie die Oese an feiner Uhrfette Agnes kann gerade noch den Finger durchstecken.
Die Dorsleute reden mit ihm wie mit ihresgleichen. Gm wenig verdreht ist David ja immer noch, aber schließlich hat ihn der Bischof an Tafel geladen, der Kämmerer ist fein Pate. Einmal kommt fogar die Köchin 9Helene und klagt, ihre Nähmaschine sei steckengeblieben. Warum gellt sie denn nicht zum Pater Johannes oder zum Schmied t
Ja so ist es nun einmal. Und David legt sich ins Zeug und bringt die Maschine in Gang. Ein paar Schrauben bleiben ihm zwar übrig, aber


