frischen Farben bemalt. Sie fußte auf einer künstlichen Wiese, die gleich einer runden Tischplatte im Raum hing. Grasstofs wuchs daraus, ein zierlicher Busch und einige hochstenglige Blumen mit Blättern. Die junge Schöne hatte ein schwefelgelbes Kleid angetan, trug ein schwarzes Pelz, jäckchen und einen kecken schwarzen Hut. Vor ihr sprang ein kleines Mädchen mit Reifen, hinter ihr hüpfte ein Drahthaarterrier. Die Beine dieser schwungvollen Dame mußten mindestens so lang wie ein Stockwerk hoch sein. Klick im zweiten Geschoß bewunderte die schmissige Gestalt.
Aus einmal erwischte sein Blick eine braune Wollmütze zwischen den Wühltischen. Sie saß auf einem Jungenkopf, und kein Zweifel, es war jener aus der Webergasse. Rasch entschlossen sauste Klick zum Fahrstuhl, aber der Aufzug war unterwegs, er huschte gerade an der Glastür vorbei zum dritten Stock hinauf. Mit ein paar Sätzen fprang Klick die Treppe hinunter, — als er unten ankam, war der Junge fort. Klick glaubte, ihn plötzlich auf der Rolltreppe zu sehen. Er stürzte sich auf die laufenden Stufen nach oben. Nichts. Alle Verkaufstabteilungen besuchte er und rollte auch in den dritten Stock, wo im Erfrischungsraum die Nachmittagsmusik aufprasselte. Sogar in die Telephonzellen schaute er — der Gesuchte aber blieb unsichtbar. Er hatte wohl durch einen zweiten Ausgang das Geschäft längst verlassen.
Klick beugte sich noch einmal über das Geländer des Lichthofes, und auf die Wühltische blickend, trauerte er der Mütze und ihrem entwichenen Träger nach. Die schöne Dame lustwandelte auf der Blumenwiefe. Wie eine Kleiderfee schwebte sie über den Strümpfen, Blusen und dicken Frauen, die in dem halbseidenen Zeug herumfingerten.
Andertags in der Schulpause zwischen Rechenstunde und Aussatz sah Klick seinen Mützenmann wieder. Diesmal aber war er bloßköpfig. Er stand im Hof bei Mehlhose aus der Zahnsgasse und einigen anderen Schülern. Klick umstrich die Gruppe, weil er dem Jungen ins Gesicht blicken wollte, da sah er es: es war Schrimps, der bei der Schneeballschlacht auf der Gegenseite gekämpft hatte. Ein Freudenblitz durchzuckte Klick.
Als der Schüler von der Gruppe wegging, trat Klick zu ihm.
„Schrimps, du erinnerst dich doch noch an die Schneeballschlacht auf dem Altmarkt?"
Schrimpf, der etwas älter als Klick war, streifte ihn mit abweisendem Blick. „Kann schon sein, daß ich mich erinnere, wie feig du warst. Aus- reißet!** "
Feig?", sagte Klick scharf. „Es war bloß ein geordneter Rückzug. Nicht vor euch, deinem Mehlhose und dem Zulauf, vor dem Chauffeur ging ich in sichere Stellung. Wahrscheinlich hast du nicht bemerkt, daß ich ihm einen Ball aegen die Schutzscheibe warf ..."
,®as willst du mit dem alten Kohl? Mensch, du bist von gestern.
„Von gestern? Na, ich bin jünger als du. Aber darüber wollte ich nicht mit dir sprechen. Damals verlor ich nämlich meine braune Mütze. Ich hatte Schneeballen darin, sie muß mir auf dem Altmarkt aus der Hand gerutscht fein. Hast du vielleicht gesehen, wer sie aufhob?"
„Du meinst wohl gar", versetzte Schrimpf, „daß ich mich um deine speckige Dreckmütze gekümmert hab? Was du dir denkst!"
„Sachte, färbte!"', meinte Klick. „Ich habe dich gestern mit einer braunen Wollmütze gesehen."
„Und da glaubst du nun, es wäre deine Mühe?", suhr ihm Schrimps grob In die Rede.
Das sagte ich nicht", erwiderte Klick. „Deine Mütze erinnerte mich nur an meine, die auch braun war. Ich würde sie unter vielen heraus wiedererkennen." ...
.Jedenfalls möchte ich sie meinem Kopf nicht zumuten, nicht einmal, wenn du sie mit Karbol wäschst und ein Jahr lang in Kölnisch Wasser legst"
Mehlhose machte sich heran.
„Was habt ihr da?", fragte er.
Mehlhose und Klick waren nicht gut auseinander zu sprechen. Zwischen ihnen Ion die alte Feindschaft der Nachbarsgasfen, der Zahnsgasse und Webergasse. Schrimps berichtete.
Da stieh Mehlhose Klick vor die Brust, so daß der einen Schritt zurücktaumelte. . , , , „
„Meinst du vielleicht, deine Mistmütze hat jemand aufgehoben? Tagelang noch lag sie auf dem Altmarkt herum. Nicht mal 'n Hund mochte dran schnuppern."
„An deiner hätte er geschnuppert!", versetzte Klick, und wenn jetzt nicht die Schulglocke das Ende der Pause angekündigt hätte, wäre es zu einer Balaerei gekommen.
Cs war sicher, daß weder Mehlose noch Schrimpf etwas von der verlorenen Mütze wußten. Klick kannte ihre Lügereien. Außerdem b^ - er ia mit Ali am gleichen Spätnachmittag den Altmarkt abgesucht. Wenn die Mühe noch dort gelegen hätte wäre sie ihnen nicht enloangen.
Schrimvf hafte eine braune Wollmütze noch Schulschluß auf, sie war der von Klick ähnlich doch fehlte ihr der blaue Konierfleck. Und darauf kam es an Er war das Klückszeichen. das Klickfche Wappen.
Am Nachmittag schickte der fiuftenonfel zu Klick einen Zettel darauf stand das eine Wort: Kommt! Klick rief seine Freundin an und ging mit ihr in den Tierladen.
Sollte er etwa von meiner Mütze wissen?, fragte sich der Junge.
Nein, er muhte nichts davon.
„Das Krokodil irf da!", erläuterte der Hustenonkel.
„Hurra!", rief Klick.
Das war wieder mal etwas Neues in der Webergasse. Da stand der Käfig von starken Metallstäben, und darin auf einer flachen Blechwanne, lag das Krokodil.
„Willkommen!", saate Klick.
„Ein fnnaesl". rief Ali.
Der Wistenonkel hatte den Käfig in die Nahe des Ofens geruckt, der tüchtia Wärme auslnuckte. und aeaen den Kosta hatte er eine el-ktrilche fieirinnne aerWM. hie dem Tier den Nanzerrücken wärmte. Ganz still lag es, stocksteif, faul und gar nicht aefräßig.
(Fortsetzung folgt.)
spürt. Auch das Schiff war rassig geformt, wie ein Bogel, wie ein Bogel schmal und zugespitzt. Braun gebeizt waren die Schiss-wanbe, und eine rote Wasserlinie war darausgesetzt. Der Kapitän rüttelte an den Masten. Sie faßen fest. Er ließ das Ruder spielen. Leicht schlug es aus. An den lauen zog er. Sie waren gut gespannt. Er drehte das Steuer. Es arbeitete genau. Alle Vorrichtungen waren musterhaft. Er brummte und nickte zufrieden. Endlich ließ er alle Segel fallen und blies zum Spaß kräftig hinein. Wie ein gemalter Winbgott hatte er Pausbacken. Die Leinwand bog sich, und die Segel wurden für einen Augenblick prall. Auch die Flagge erhielt einen kleinen Luftstoh. „Anastasia" hieß das Schiff.
Er erkundigte sich nach dem Preis.
Für Klick schien es eine schwindelnd hohe Summe, ihm wurde ein wenig bang, als er sie hörte. Wenn dem Kapitän der Preis nicht paßte, mußte er das Segelschiff wieder hinaufschasfen. Aber der Kapitän sagte: „Ich nehm's. Ich chartere das Schiff."
eine Schiffslast rutschte vom Herzen Klicks. Gott fei Dank, die Fregatte wurde verkauft, schwamm weg.
„Kannst du das Schiff zu mir hinbringen?", wandte sich der Kapitän an Klick und nannte ihm seine Wohnung in Loschwitz.
Nichts tat Klick lieber. Er trug es sogleich auf den Packtisch, verstapelte es in den großen Pappkarton und verschnürte bas Paket. Nachmittags setzte er seine Mütze auf und fuhr mit dem Segelschiff nach Loschwitz.
Der Kapitän wohnte in einem hübschen Haus mit großen Fenstern in einem terrassenförmig abfallenden Garten. Von der Gartentür aus, auf der zu lefen stand: Kapitän Kasimir Schneider, sah Klick in die Tiefe des Elbtales aus den blitzenden Fluß.
Sassasraß weilte gerade im Garten, als Klick läutete. Er trug eine blaue Hose von Seemannstuch und eine graue Strickweste. Aus dem Kops hatte er die Bordmütze mit einem goldenen Anker über dem Schild.
„Komm herein, mien Jong!", rief er gutgelaunt. „Wie heißt du eigentlich? Hab vergessen, wie dich der Papagei nannte"
„Ich heiße Nikolaus Bodenweber und werde Klick genannt", sagte der Bote aus der Webergasse und folgte dem Kapitän.
Sie gingen auf einem grauweißen, geleckten Plattenweg, In dessen Fugen kleines Gras sproßte. Klick wagte kaum aufzutreten, befürchtend, das Gras zu beschädigen. Die Sonne schien hier viel wärmer als in Dresden. Blumen blühten in der Wiese. Die Büsche öffneten ihre Knospen.
Der Kapitän führte ihn zu einer Baumgruppe rund um einen Teich. Hier hatte Sassasraß gearbeitet und den Boden mit feinem, glitzerndem Kies überzogen. Mit Kies von einer Beschaffenheit, wie ihn Klick noch nie gesehen batte. Solchen Kies gab es an der ganzen Elbe nicht.
„Stell ab!", sagte der Kapitän.
Klick setzte die große Schachtel zu Boden. „Was für ein schöner Sand Ist bas?", fragte er.
„Du hast Augen. Junge! Gesällst mir, siehst was. Das ist ein befonberer Kies ... Kies von ber Ostsee. Hab ihn mit der Bahn kommen lassen. Wie ber glänzt unb flimmert, nicht wahr? Das Meer hat ihn gewaschen, bas Salz gebeizt. Eine Kostbarkeit!"
Klick betrachtete ben Kies beinahe ehrfurchtsvoll. Die Sonne über» sprühte ihn. unb er schimmerte, als wären winzige Müschelchen in ihn hlnelngemilcht.
„Pack aus! Will dos Schiff gleich mal vom Stapel lassen, um zu sehn, ob es auch seetüchtig ist."
Klick packte es aus und überreichte es dem Seemann. Der besah es liebevoll von allen Seiten.
„Schade bah mir keinen Winb haben, sonst könnte die .Anastasia' gleich mal nach Schweben in die See stechen", sagte der Kapitän und senkte das Schilf auf ben Wasserspiegel.
Klick erschartte rings um ben Teich ein SeefaHrerl.and. braune unb grüne Küsten. Er ließ sich in ben Kies nieder, der Kavstän gab dem Schiff einen leichten Wink. Es scheuerte am Riff entlang. Aber auf die See hinaus konnte er es nicht fahren lassen. Er Hatte auch fein Garn da, an dem er es hätte zuriickholen können, unb außerbem herrschte Winbstille.
„Die .Anastasia' hat Haltung", sagte er. „Wie eine Dame schwebt sie. Ein gutes Fobweua. Es fehlt nur ber verwünschte Winb. sonst könnte man einige Schifssknoten zurücklegen. Na, ein anbermal, Klick. Kannst wieberkommen, wenn hu Lust haft, kannst mein Schiffsjunge werben. Muß einen haben, so einen Kerl, wie bu einer bist, mit Mövenaugen. Willst bu angeheirrf werben? Sprich!"
Er hie't (hm seine geöffnete Bärenpfote hin. Klick befann sich nicht lanoe: in bleiern Garten gefiel es ihm. Der Ostseekies Wimmerte, bas Wasser blitzte, bie Auaen bes Kavitäns lachten, ein neues Erlebnis winkte. So legte er rafch entschlossen leine Jungenhanb in bie Männerhanb — unb her Seefabrerbimb war geschlossen.
„Ick, habe keine Kinber ", saate Sassasraß. „Einen Gruß an ben 'Nen Noaelhänhter. ich käme nächstens wieher zu ihm. muß ein paar wische hah«n. Unb hier, tnien Jong, hast bu Handgeld, Heuergeld, ich bin Mn Srhiffspatron."
Er fingerte eine Mark aus seiner föosentasche unb sckenkte sie Klick.
Der zog mit vollen Seneln eine Fregatte ber Begeisterung unb bes 'tbenfeiiers. ber Webergasse entgegen.
Klick hatte sieh damals nach her Afsensagd die Gestalt Jenes Jungen ■>ut gemerkt ber in b=r Webergasse mit einer braunen Wollmühe an bem ^äseaeicküilt narühergina. gerade als er mit Pong aus bem Apfelsinenlager herauefam Nun Iah er ben fiunaen wieher.
Es war Im Kaitthaus. K'ick ftonb nm Gelänher des großen Lichthofes unb bstckk- hinunter in ben N-rkgufsraum. Er betrachtete bie Waren bie nach ben Siahrpgieitm wechselten, ähnli-h wie bie Svielfochen bei Wau Trn-fenhut. im Sniefaeuglaben lebt vor allem Sanbformen. Ball-
tchläaer unb .$t"bernarten(nMe ausgestellt, fo erschienen im Kaufhaus Snortstrüm"se ftrilhinhrgbtufsn. Badezeug fflartenftühle. bunte (Barten« Wirme unh a-,sche für Erwachsene für die Wachenendbäiischen Wir eine Waufuftige Menge Wroebte mitten im Li-Whof. wo in den Weihnachtsmachen her Niesenbaum aufmvcüs die grobe, vrächttge Dame Aus einem ''"gen Brett hatte sie der Tischler herausgesägt unb der Maler sie mit


