Ausgabe 
20.11.1936
 
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werden,

Lächeln

hier auf

Und er dachte nicht daran, bah sie

brücke ein.

(Fortsetzung folgt.)

grüßte stören,

ein paar in ihrem sagte sie.

da kam anderen

Victoria. Sie trug einen Johannes erhob sich. Ich wollte Sie nicht

Blumen holen.

der Hals war bloß.

Ich versperre Ihnen den Weg, murmelte er und trat hinunter. Er beherrschte sich, um keine Gemütserregung zu verraten.

Es war nur ein Schritt zwischen ihnen. Sie machte ihm nicht Platz, sondern blieb stehen. Sie sahen einander ins Gesicht. Plötzlich wurde sie sehr rot, schlug di« Augen nieder und ging zur Seite; ihr Gesicht bekam einen ratlosen AuÄnmck, aber sie lächelte.

Er trat an ihr vorbei und blieb stehen, ihr trauriges Lächeln machte ihn betroffen, sein Herz flog ihr wieder entgegen, und er sagte aufs Geratewohl:

Ja, Sie sind natürlich seitdem noch oft in der Stadt gewesen? Seit damals? ... Jetzt weiß ich, wo früher immer Blumen zu stehen pflegten: auf dem Hügel bei ^rer Fahnenstange.

Sie wandte sich ihm zu, und er sah mit Verwunderung, daß ihr Gesicht bleich und erregt geworden war.

Wollen Sie an dem Abend zu uns kommen? sagte sie. Wollen Sie zu unserer Gesellschaft kommen? Wir geben eine Gesellschaft, fuhr sie fort, und ihr Gesicht begann sich wieder zu röten. Es kommen einige

und wollte sich entfernen sagte sie. Ich möchte mir nur

Leute aus der Stadt. Es wird in den nächsten Tagen fein, aber ich werde Ihnen noch näheren Bescheid geben. Was antworten Sie?

Er antwortete nicht. Das war keine Gesellschaft für ihn, er gehörte

schon untergegangen; die Wärme aber lieber Wäldern, Höhen und Bucht tag kam zum Steinbruch herauf. Es war

auf dem Stein.

Es war Abend, die Sonne

nicht zum Schloß. ...

Sie dürfen nicht nein sagen. Es soll nicht langweilig für Sie ich habe daran gedacht, ich habe eine Ueberraschung für Sie.

Pause.

Sie können, mich nicht mehr überraschen, antwortete er.

Sie biß sich in die Lippe; wieder glitt das verzweifelte

stand noch zitternd in der Lust, eine endlose Ruhe. Eine Frau ~ Kord.

Der Müller begibt sich ^-m Schloß. Auf dem Weg findet er ein Taschentuch, es ist mit Victorias Buchstaben gezeichnet, sie hat es vor- ^Das °Schloßftäulrin ist oben, aber ein Mädchen macht sich erbötig, ihr Bescheid zu bringen, was es denn fei?

Der Müller sagt es nicht. Er will lieber warten.

Endlich kommt das gnädige Fräulein. Ich höre, daß Sie mit nur sprechen wollen? fragt sie und macht die Ture zu einem Simmer auf.

Der Müller tritt ein, übergibt das Taschentuch und sagt: Und dann haben wir einen Brief von Johannes bekommen.

Eine helle Bewegung fährt über ihr Gesicht, einen Augenblick lang, einen kurzen Augenblick. Sie antwortet:

Vielen Dank. Ja, das Taschentuch gehört mir. ___

Jetzt kommt er wieder heim, fährt der Muller beinahe ftusternd fort.

Ihre Miene wird kalt.

Sprechen Sie laut, Müller; wer kommt: antwortet sie.

Johannes.

Johannes. Ja, was weiter? , , ~.

Nein, es war nur .. Wir glaubten, daß wir es sagen sollten. Wir sprachen' darüber, mein« Frau und ich, und sie glaubte es auch. Sie fragten vorgestern, ob er im Frühling heimkäme. 3a, er kommt.

Da freut Ihr Euch wohl? sagt das Schloßfräulein. Wann kommt er?

In einem Monat.

Soso. Ja, war es sonst noch etwas?

Nein. Wir glauben nur, weil Sie fragten ...

Nein, sonst war's nichts mehr. Es war nur dies.

Der Müller hatte die Stimme wieder gesenkt.

Sie begleitet ihn hinaus. Im Gang begegnen sie ihrem Vater, und sie lagt im Vorbeigehen zu ihm, laut und gleichgültig:

Der Müller erzählt, daß Johannes wieder heimkommt. Du erinnerst dich doch amJohannes? ___ ... ...

Und der Müller geht zum Tor des Schlosses hinaus und schwort sich, daß er niemals, niemals mehr ein Narr sein und auf seine Frau hören werde, wenn sie sich auf heimliche Dinge verstehen will. Das wollte er sie wissen lassen.

7.

Den schlanken Eibischbaum am Mühlteich hatte er einmal als Angel­rute abschneiden wollen, seither waren viele Jahre vergangen, und der Baum war dicker als sein Arm geworden, er sah ihn mit Erstaunen an und ging weiter. Am Fluß entlang gedieh immer noch die undurch­dringliche Wildnis von Farnkraut, ein ganzer Wald, auf dessen Grund die Tiere feste Wege getreten hatten, darüber schlossen sich die Blätter der Farnkräuter. Wie in den Kindheitstagen kämpfte er sich durch die Wildnis hindurch, mit den Händen schwimmend und sich mit den Fußen vorwärts tastend, Insekten und Gewürm flohen vor dem gewaltigen Mann.

Oben am Granitbruch fand er Schlehen, Anemonen und Veilchen. Er pflückte ein paar Blumen, der verborgene Dust rief ihm vergangene Tage zurück. In der Frne blauten die Höhenzüge, die zu der Nach­bargemeinde gehörten, und auf der anderen Seite der Bucht fing der Kuckuck zu rufen an.

Er setzte sich; bald begann er zu summen. Da horte er Schritte unten

über ihr Gesicht.

Wozu wollen Sie mich denn bringen? sagte sie tonlos.

Ich will Sie zu nichts bringen, Fräulein Victoria. Ich saß einem Stein, ich bin gerne bereit, wegzugehen.

Ach ja, ich war zu Hause, ich ging den ganzen Tag umher, ich hierher. Ich hätte am Fluh entlang gehen können, auf einem Weg, dann wäre ich nicht gerade hierher gekommen ...

Liedes Fräulein Victoria, der Platz gehört Ihnen und nicht nur.

Ich habe Ihnen einmal weh getan, Johannes, ich will es wieder gutmachen, wieder gutmachen.

Ich habe wirklich eine Ueberraschung für Sie, und ich glaube ... bas heißt, ich hoffe. Sie werden sich darüber freuen. Mehr kann ich nicht sagen, aber ich möchte Sie bitten, dieses Mal zu kommen.

Wenn Ihnen das einiges Vergnügen bereitet, so werde ich kommen.

Wollen Sie?

Ja, ich danke Ihnen für Ihre Freundlichkeit.

Als er in den Wald hinuntergekoininen war, wandte er sich um und sah zurück. Sie hatte sich gefetzt; der Korb stand neben ihr. Er ging nicht ach Hause, sondern folgte dem Weg und kehrte wieder um Tausend Gedanken stritten in ihm. Eine Ueberraschung? Sie hatte es [oeben ge­sagt erst vor kurzem, ihre Stimme hatte gebebt. Eine heiße und nervöse Freude «teigt in ihm aus, läßt sein Herz gewaltig schlagen, und er suhlt sich von dem Wege, aus dem er geht, emporgehoben. Und war es nur ein Zufall, daß sie auch heute ein gelbes Kleid trug? Er hatte ihre Hand angesehen, wo der Ring einmal gesessen hatte, sie trug keinen Ring.

Eine Stunde vergeht. Die Dünste aus Wald und Feld umschwebten ihn, mischten sich in seinen Atemzug, drangen in fein Herz. Er setzte sich legte sich zurück und faltete die Hände unter dem Nacken und (outete eine Weile dem Ruf des Kuckucks an der anderen Seite der Bucht. Ein leidenschaftlicher Vogelsang zitterte rings um ihn in der Lust.

So hatte er es wieder erlebt! Als sie in ihrem gelben Kleid und mit dem blutroten Hut zu ihm in den Steinbruch herausstleg, sah sie wie ein wandelnder Schmetterling aus. Sie trat von Stein zu Stein und blieb vor ihm stehen. Ich wollte Sie nicht stören, sagte sie und lächelte; ihr Lächeln war rot, ihr ganzes Gesicht mar erhellt, sie streute Sterne aus. Aus ihrem Hals waren einige seine blaue Adern sichtbar geworden, und die Sommersprossen unter den Augen gaben ihr eine warme Farbe. Sie ging in ihren zwanzigsten Sommer.

Eine Ueberraschung? Was hatte sie vor? Wollte sie ihm vielleicht seine Bücher zeigen, ihm diese zwei, drei Bände zeigen und ihn damit er- reuen, daß sie sie alle miteinander gekauft und ausgeschnitten hatte? Bitte schön, ein ganz klein wenig Aufmerksamkeit und ein milder Trostl Verschmähen Sie nicht meinen geringen Beitrag.

Er erhob sich heftig und blieb stehen. Victoria kam zurück, ihr Korb war leer.

Sie fanden keine Blumen? fragte er abwesend.

Nein, ich gab es aus. Ich suchte auch nicht, ich saß nur dort.

Er sagte:

Da ich eben daran denke: Sie sollen durchaus nicht umhergehen und meinen, daß Sie mir wehgetan haben. Sie haben gar nichts wieder gutzumachen durch irgendwelchen Trost.

Nicht? antwortete sie überrumpelt. Sie dachte barübep nach, sah ihn an und grübelte. Nicht? Ich glaubte, daß damals ...Ich wollte nicht, daß Sie die ganze Zeit um des Geschehenen willen Groll gegen mich hegen sollten.

Ich hege keinen Groll gegen Sie.

Sie dachte noch eine Weile nach. Plötzlich reckt sie sich auf.

Dann ist cs gut, lagt sie. Nein, das hätte ich ja wisien müssen. Einen so starken Eindruck hinterließ es nicht. Ja, ja, dann wollen wir nicht mehr davon reden. m . .. .

Nein, bas wollen wir nicht mehr tun. Meine Eindrücke sind Ihnen jetzt so gleichgültig wie Irüher. Leben Sie wohl, sagte sie. Leben Sie wohl einstweilen.

Leben Sie wohl, antwortete er.

Sie gingen jeder seines Weges. Er blieb stehen und wandte sich um. Dort ging sie nun. Er streckte die Hände aus und flüsterte, sagte zärtliche Worte vor sich hin: Ich hege keinen Groll gegen Sie, nein, nein, bas tue ich nicht; ich liebe Sie immer noch, liebe Sie ...

Victoria I rief er.

Sie hörte es, zuckte zusammen und brehte sich um, ging aber weiter.

Einige Tage verliefen. Johannes ging in höchster Unruhe umher und arbeitete nicht, schlief nicht; er brachte fast den ganzen Tag im Wald zu. Er ging auf den großen Fichtenhügel, wo die Fahnenstange des Schloßes stand; die Stange trug eine Flagge. Auch auf dem runden Turm des Schloßes war eine Fahne aufgezogen.

Eine merkwürdige Spannung ergriff ihn. Fremde sollten auf bas Schloß kommen, es sollte ein Fest stattfinden.

Der Nachmittag war still und warm; der Fluß lief wie ein Puls durch die heiße Landschaft. Ein Dampfschiff glitt aufs Land zu und hinterließ einen Fächer von weihen Streifen in der Bucht. Nun fuhren vier Wagen vom Schloße weg und schlugen den Weg zur Landungs-

Er antwortete nicht.

Garten ja alle erdenklichen Blumen hatte.

Ich nahm einen Korb mit, um die Blumen hineinzutun, , . Aber vielleicht finde ich gar keine. Wir brauchen sie für unser« Gesell­schaft, auf den Tisch. Wir werden eine Gesellschaft geben.

Da sind Anemonen und Veilchen, sagte er. Weiter oben gibt es meistens Hopsen. Aber dazu ist es vielleicht noch zu srüh im Jahr.

Sie sind blaßer als bas letztemal, bemerkte sie zu ihm. Es ist über zwei Jahre her. Sie sind sortgewesen, habe ich gehört. Ich habe Ihre Bücher gelesen.

Er antwortete immer noch nicht. Cs fiel ihm ein, daß er sagen könnte: Ja, guten Abend, gnädiges Fräulein! Und dann gehen. Von der Stelle, wo er stand, war ein Schritt hinunter zum nächsten Stein, von dort einer bis zu ihr, und dann konnte er sich zurückziehen, als treffe es sich ganz von selbst so. Sie stand mitten in feinem Weg. Sie trug ein gelbes Kleid und einen roten Hut und war seltsam und schön;