Studentenschaft und das Volk, das der Oper zu Ihrem Siege verhalf Der Bann S p o n t i n i s , des damaligen Generalmusikdirektors der Berliner Oper, war gebrochen. _ , .
Unb auch in Dresden, wohin Weber nach vier Jahren in Prag als Direktor der neuen Oper ging, gelang ihm das große Werk, eine deutsche Oper zu schassen. Mit zäher Energie und hartnäckigem Idealismus kämpfte er gegen alle Widersacher, sein eigenes Interesse oft bis zur Selbstverleugnung verdrängend. Doch diese harte Zeit forderte zuviel von der zarten Gesundheit des Meisters. Sein Lungenleiden nahm immer größeren Umsang an. Um die Zukunft seiner Lieben ganz sicherzustellen, entschloß er sich zu einer Reise nach London, um dort die Proben und die Erst- auffüfyrung seines ,,D b e r o n" selbst zu leiten. Als er am 16. Februar in Dresden von den Seinen Abschied nahm, wußten alle, daß sie ihn zum leßtenmal gesehen hatten. Nach glanzvollen Feiern unb unerhörten Triumphen in Lonbon entschlief ber mübe, kranke Meister voll tiefsten Heimwehs nach Frau unb Kinbern am 5. Juni 1826.
Unendlich war Karolinens Schmerz um den geliebten Mann: „Wie reich war ich und nun ganz verarmt an allen Lebensfreuden! Ich lebte ja nur für ihn. Daß ich mit meinen armen Kindern nicht einmal an feinem Grabe weinen kann, daß feine Hülle in einem fremden Lande ruhen muß, wo er zuletzt so ungern war, aus dem er sich mit ganzer Seele hinweggesehnt, ist doch recht hart. Vielleicht vergönnt es der liebe Gott einst, meine Kinder dahin zu führen, wenn sie brave Menschen geworden sind, würdig, die Asche eines solchen Vaters zu berühren." Zwanzig Jahre später ging dieser Wunsch endlich in Erfüllung. Richard Wagner trat an die Spitze eines Komitees, und seiner entschlossenen Tatkraft gelang endlich die Heimholung der sterblichen Ueberreste des von ihm über alles verehrten Meisters. Am 14. Dezember 1844 wurde der Sarg in Dresden beigesetzt.
Schlichte Krivpenwacht.
Von Ruth Schaumann.
Der Esel und das Rind, Die knien bei dem Kind — Soll uns das nicht gelingen. Die Ihm ob allen Dingen Die traurig liebsten sind, Die traurig liebsten sind.
Der Stern steht ob dem Dach — O Kind, so klein und schwach, O Sonne in den Nächten, Demant in finstern Schächten, Sieh unsre Sünde nach, Sieh unsre Sünde nach!
Es rauscht bas arme Stroh, Die Kön'ge beten so. Der Hirt bei seinen Schafen Kann diese Nacht nicht schlafen, Die Hügel hüpfen froh, Die Hügel hüpfen froh.
Und treibt dich Hochmut fort,
Und weißt du keinen Port, Mit Ihr, die dich getragen, O Wort, nicht auszusagen, Nimm mich zum Ruheort, Nimm mich zum Ruheortl
Mit Onkel Ridtari) Spielzeug basteln.
Eine Geschichte von Heinz-Arthur Lehmann.
Onkel Richard hat sich schon seit seinem sechsten Lebensjahr glühend einen Rollwagen mit Holzpferdchen unb ein Regiment Bleisolbaten gewünscht. Beides würbe ihm niemals zu Weihnachten beschert. Darüber ist er selber Familienvater mit einem sechsjährigen Jungen geworben unb ist jetzt, in der Adventszeit, dicht daran, sich die Wünsche seiner Jugend zu erfüllet, indem er seinen Sohn, der imstande ist, Autos zu reparieren, mit solchem rückständigen Spielzeug beglücken will.
In unserer Familie ist es Ehrensache, immer alles selbst zu machen, das geht meistens schief wie das weiland verunglückte Zimmertapezieren, aber wir haben unseren Spaß daran. Deshalb mußte ich mich auch mit Onkel Richard in die eiskalte, zugige Bodenkammer setzen und oben erwähnten Spielzeugrottwagen zusammenleimen und nageln. Da wir beide nicht mit sonderlich viel technischen Fertigkeiten ausgeftattet sind, wünschten wir des öfteren, der Weihnachtsmann möge erscheinen und uns den dritten Rollwagen, an dem wir zimmerten, leutselig aus den klammen, leimverklebten Fingern nehmen, und ihn den Wichtelmännern zu weiterem Bau anvertrauen. Wahrscheinlich aber waren wir im Glauben zu schwach, vielleicht hat sich auch Sankt Nikolaus durch die markigen Flüche, die durch die Bodenkammer schallten, abhalten lassen, uns rettend unter die Arme zu greifen.
Der Räder für den Rollwagen hatten wir vorsichtshalber gleich acht gekauft, weil wir wißen, daß wir immer erst Ausschuß fabrizieren, ehe wir unsere Werke so richtig hinkriegen. Aber man sollte es nicht glauben, wie schwer es ist, auch nur sechs kleine Stückchen so von der großen Latte
herunterzufägen, daß sie dieselbe Lange haben! An den zwei, uns bereits windschief geratenen Fahrgestellen hatten wir ein Paket Nägel krumm- geschlagen, und drei Tafeln Leim waren tiraufgegangen; die faßen in unseren Kleidern, das Holz nahm einfach keinen Leim an
Was uns am meisten in der Arbeit hemmte, war unfere Gewissenhaftigkeit. Wir stritten uns herum, wie die lenkbare Vorderachse bei einem wirklichen großen Rollwagen beschaffen fei. Onkel Richard wollte durchaus Recht behalten, er stieg die fünf Treppen hinunter auf die Straße und stellte sich, die Hände in den Hosentaschen, auf, um zu warten, daß ein Rollwagen vorbeikomme.
Als er nach einer Stunde noch nicht wieder erschienen war, und ich ihn in den Verdacht bekam, daß er sich bei Tante Johanna in der Küche auswcirme, kam Onkel Richards hoffnungsvoller Spröhling Harry auf den Boden geschlichen und fragte mich, was wir denn eigentlich hier oben trieben. Ich war fo verdutzt, daß ich die vermurksten Rollwagen nicht mehr verbergen konnte. Harry befah sich den Schaden unb brachte mit geschickten Hänben bie vorbere Rollwagenachse in Orbnung. Solche Lappalien wären ihm schon in der Schule beim Werkunterricht des öfteren zwischen die Finger gekommen, meinte er und fragte, für wen wir denn eioimllich dieses lächerliche Spielzeug bastelten. Ich sagte, wir seien hier grr r- maßen eine Filiale vom Weihnachtsmann, was Harry mit einem wortlosen Lächeln aufnahm, er wollte mir anscheinend meinen Kinderglauben nicht nehmen.
„Erinnere den Papa nochmal dran", sagte Harry bann, „daß ich mir ein Dutzend kleine Rennautos zum Aufziehen zu Weihnachten wünsche! Die Rennbahn aus Holzleisten, genau nach der Avus gebaut, mache ich mir selber, das gibt es nicht zu kaufen, und ihr bringt es doch nicht zusammen!"
Damit lieh mich Harry auf meiner Margarinekiste fitzen und verließ den Bodenraum. Wenige Minuten später kam Onkel Richard, stocksteif gefroren mit blauen Backen, er war seinem Jungen im Treppenhaus begegnet und hatte ihm gegenüber so geheimnisvoll getan, als ob wir hier oben Falschgeld druckten.
„Die Sache mit der Schwingachse am Rollwagen hat sich erledigt", sagte ich. Onkel Richard sah nach und war befriedigt. „Das hat Harry gleich selber zufammengenagelt!" fuhr ich voller Stolz auf meinen kleinen Vetter fort.
Im Augenblick war Onkel Richard warm.
Ob ich denn von einem Leierkasten überfahren worden fei! rief er. Das wären ja schöne Zustände, daß sich die Kinder neuerdings ihr Spielzeug, mit dem sie weihnachtlich überrascht werden sollen, selber bauen!
Ich erwiderte, daß er stolz fein möge auf seinen Sohn, der so geschickt mit den Händen fortkomme und auch in der Intelligenz gar nicht feinem Vater gleiche. Im übrigen wünsche sich Harry Rennautos!
Onkel Richard war nun nicht mehr zu halten.
Solange er den Jungen noch unter der Fuchtel habe, müsse er mit den Sachen spielen, die ihm, dem Vater, gefallen! Und Rennautos kämen nicht ins Haus, wo der Junge ohnehin schon immer davon rede, daß er Omnibusschofför werden wolle. Ich solle mich mit meiner Pädagogik ein- pökeln lassen! Es fei fein Wunder, daß mich meine Frau mit unserem zweijährigen Buben nie ohne ihre Aussicht spielen ließe. Der Kleine würde noch früh genug durch meinen leichtfertigen Umgang verdorben. Als er, Onkel Richard, noch Junge gewesen sei, habe er sich an den Spielsachen erfreut, die ihm zuteil geworden wären, aber jetzt, zum Donnerwetter, wolle er sich endlich die Wünsche erfüllen, die er sich damals aus Angst vor der väterlichen Autorität habe verkneifen müssen. Ich beschloß, Harry mit den Rennautos zu beglücken, Onkel Richard würde bann schon mit uns spielen, wenn er des Rollwagens überdrüssig würde. Außerdem kenne ich Tante Johanna, die erlaubt es bestimmt nicht, daß ihr Gemahl am Heiligabend bis in den Morgen des ersten Feiertags hinein mit einem Rollwagen durch die Wohnung rasaunt. Aber so ist Onkel Richard, er versucht es auf. alle Art, wider die Gewalt aufzumucken.
„Was wird nun mit dem Rollwagen, wo er ihn schon gesehen und gewissermaßen selber gebaut hat?" fragte ich. „Das Holz wird ausgezeichnet brennen!"
„Ich werde mir sämtliche Adventsnächte um die Ohren schlagen", antwortete der Onkel. „Aber ich will meinen Rollwagen haben!"
Er war schon früher so ein eigensinniges Kind, hat mir mein Vater, fein Bruder erzählt, unb nun wundert er sich über feinen Sohn, ber bie gleiche Erbmasse hat, was roieberum die alte Wahrheit beweist, daß der Apfel nicht weit vom Stamm fällt.
Wir bastelten weiter an dem Rollwagen unb bekamen denn auch die von Harry gerichtete, lenkbare Vorderachse des Wägelchens wieder entzwei. Onkel Richard schob bie Schulb am Mißerfolg auf unsere starren Finger, die außerdem für solche feine Bastelei zu groß feien. Als ich etwas von Ungeschick murmelte, warf er mir einen giftigen Blick zu. Eine Gemeinheit sei es von Tante Johanna, fuhr er fort, daß sie uns nicht in der Küche weiter fügen, leimen unb hämmern lasse. Tags zuvor war ihr nämlid) unser Sägemehl zwischen ihren Stollenteig geraten, unb daraufhin hatte sie uns aus ber Küchenwärme in bie Kälte ber Bobenkammer verscheucht.
Als wir auch den dritten Rollwagen so weit fertig gemacht Hatten, daß er auf allen vier Rädern lahmte, unb aus ben Leimfugen ging bei der Erschütterung, bie ein auf der Straße fahrender Fernlastzug hervorrief, hatte Onkel Richard Tränen in den blauen Augen. Er stemnLe sich die beleimte Werkmannshand unter das Kinn und starrte auf unser Machwerk. Wie er die Hand wieder in die Hosentasche stecken wollte, blieb sie am Kinn kleben, der Leim war von besonderer Art, mit ihm konnte man sich bestenfalls Nikolausbärte anpappen, aber kein Holz zufammen- kleben. Wir rissen die Hand mit vereinten Kräften los unb bie schmerzende Stelle am Kinn gab Onkel Richard Anlaß, den Rollwagen zu verwünschen.
Lderantwortlich: vr. HansThyriot. — Druck undDeriag: Brühl'sche Universitäts-Buch» und Steindruckerri. R. Lange, Gießen.


