Der Der Der Der
Und Wir
Und Das
fern von Leuten fein, sollen uns befragen fehn auf guten Rat, Leid einander klagen.
kann fein Leid vergessen, es von Kerzen sagt, mutz sich selbst auffressen, in geheim sich nagt.
So uns betreten hat.
Was kann dir Freude machen. Die Einsamkeit verhehlt?
Das gibt ein doppelt Lachen, Was Freunden wird erzählt,
Gott stehet mir vor allen. Die meine Seele liebt: Dann soll mir auch gefallen. Der mir sich herzlich gibt. Mit diesen Bundsgesellen Verlach ich Pein und Not, Geh auf den Grund der Höllen Und breche durch den Tod.
Ich hab, ich habe Herzen, So treue, wie gebührt. Die Heuchelei und Scherzen Nie wissentlich berührt! Ich bin auch ihnen wieder Bon Grund der Seele hold. Ich liebe euch mehr, ihr Brüder, Ms aller Erden Gold!
preis der Freundschaft.
Bon Simon Dach.
Der Mensch hat nichts so eigen. So wohl steht ihm nichts an. Als baß er Treu erzeigen Und Freundschaft halten kann, Wann er mit feinesgleichen Soll treten in ein Band, Verspricht sich, nicht zu weichen, Mit Herzen, Mund und Hand.
Die Red ist uns gegeben. Damit wir nicht allein Für uns nur sollen leben.
Verantwortlich: vr. Hans Thyri^t. - Druck und Derlag: Drühl'sche älntversitäts-Duch. und Lteindruckerei. R. Lange. Sieben.
b^Tws'^Nachkriegserlebnis des deutschen Volkes erfuhr durch diesen Roman eine neue Deutung, und zwar jene uns wesensverwandte die versucht die geistige Ueberwindung einer überlebten Epoche darzustellem den Anfall, die Zielsetzung eines neuen Lebensgefuhls aufzuzeigen sich bemüht. Davon sprechen besonders die letzten Seiten des Buches. Und so scheint es dem Leser durchaus nicht als konstruierte Absicht, wenn Tügel in einem großartig visionären Bilde, durch die Predigt des Pfarrer Garve, das Geschehen seines Romans in enge Beziehung setzt ,zum Erlebnis des neuen Deutschland: die Parallele findet zum Auf- und
ÄÄ w. ml. wr w chm g.mä6. Form gefunden, so können wir die Richtigkeit unserer Annahme in seinem neuen Roman „P f e r d e m u s it" (alle Bücher erschienen im Verlag Lanqen-Müller, München) im schönsten Sinne unter Beweis stellen. Der Roman bestätigt Tügel in noch stärkerem Matze als Dichter von archer- gewöhnlicher Kraft. Ja, wir dürfen sagen, daß er sich wtt diesem Buch für alle kritischen Leser einen Sonderplatz im neuen deutschen Srfrnfb tum erworben hat, den ihm so leicht keiner streitig machen kann. Auch dieser Roman ist, wie „Sankt Blehk", handlungsmaßig im Norden des Reichs angesiedelt, an der Nordseeküste. Und wieder auch sind es die ir,^ fischen Bauern und Menschen, die er schildert. Warum es in diesem Buch geht? Wer Tügel kennt, weiß, datz ihn das Kriegserlebnis nicht los- iätzt- er mutz immer wieder als gestaltender Künstler zu ihm zuruck- kehren wie alle Männer, „denen das Wesen des Krieges mit seinen unvergeßlichen Taten ins Blut übergegangen war, eine Macht, eine Gewalt die sich an den trägen Daseinsformen des Friedens, und noch dazu eines Friedens, wie wir ihn, aller gesunden Vernunft zum Hohn, erlebten. ständig erhitzte". Am besten sagen es ein paar andere Satze aus dem Buch, die das Hauptmotiv anzudeuten geeignet sind: „Mit Man- kenesa, seinem alten Burschen aus dem Felde, war Thyllbeck nad) Kriegsende in Tiemersfle aufgetaucht. Dort hatten sie gehaust, schlecht und recht, in ihren alten Uniformen und ständig bewaffnet ... Was in vielen Bauernsöhnen, die aus dem Felde zuruckgekehrt waren als Wunsch oder heimliches Verlangen vom Kriege her weiter bestand, hatten sie ohne Rücksicht auf die Zeit und die Verhältnisse gelebt, das Land durchziehend, von Hof zu Hof wandernd als Bettler, die Herren waren, überall er- zählend von den Dingen, die damals alle bewegten: daß der Krieg noch nicht zu Ende gegangen fei und auch so nicht zu Ende gehen könne, daß die Sammlung aller derer nun geschehen müsse die willens seien noch einmal die Waisen aufzuqreifen, um dem Wahnsinn, der die Welt beherrsche, einen Wall zu setzen ..." m ,
Wir wollen weiter nichts von diesem starken und schonen Buch aussagen, sondern nur noch mit Nachdruck die Lektüre empfehlen.
Oer Erzähler Ludwig Tügel.
Von Hanns Arens.
Es ist durchaus nicht so - wie manche glauben möchten —, daß Ludwig Tügel mit seinem großen Roman „Sankt Blehk sein erstes ^Buch oorlegte. Vor diesem erschien 1922 bereits eine Novelle, betitelt „Kolma r", und ein großer Roman „D i e S) e r r e ni 21r t und von B e s ch". Diese beiden Bucher — nochi im Mil des Expressionistischen (wenn auch erheblich sich von den üblen Machwerken jener ftahunfl unterscheidend) — sind unwesentlich für die heutige Beurteilung Tügels, wohl aber interessant als Versuche, als Experimental-Bucher eines sehr eigenwilligen Künstlers, der verhältnismäßig spat feine Form fand.
Einige Jahre später gab Tügel dann seinen Freunden den Beweis seiner sprachlichen und dichterischen Kraft in dem 1926 erschienenen Buch über den Lübecker Bürgermeister Jürgen Wullenwever, das in der bekannten Diederichsschen Sammlung „Deutsche Volkheit erschien.
Aber auch dieses Buch konnte den Namen Tügel nicht an die breite Oessentlichkeit bringen. Aber dann — 1929 — erschien ein Buch von Tügel, ein erster großer Roman „Der W i e b e r g ä n g e r , den man aber unverständlicherweise in Deutschland ganz Übersehen hat.
Tügel hat den „Wiedergänger" als Protest gegen die Verkennung der Einheit Leben geschrieben. Es kam ihm darauf an, das seelische Leben unserer Tage zu betonen, seine Zerrissenheit zu schildern, das tn Verkennung seiner natürlichen Kräfte bald diese, bald jene Kraft auf Kosten der anderen hervorhebt und damit den Menschen ins Unglück treibt Die Hauptperson des Romans: Erich Zamel und Elisabeth, seine Frau sind Beispiele dafür. Ausgehend von der Gegensätzlichkeit dieser beiden Menschen wird das Wunschleben Erich Zamels als das leitende Motiv des ganzen Romans behandelt. Sein Tod, von ihm selbst vorhergesehen, ist eine Folge der Verkennung der Lebenskräfte. Die seelischen Triebe sind nicht sein Eigentum, sondern Zeichen seiner Tellhaberschaft an der Einheit Leben, gehen von ihm aus einen anderen Mann über, dessen Geschick zur Fortsetzung und Erfüllung dieser Triebe bereit ft. In diesem Manne, dem „Wiedergänger". sind die Kräfte anders, besser
geordnet als bei Erich Zamel. Sie offenbaren sich Zur Einheit Gebeni unb werfen auf den gegen die Einheit Sturm laufenden Men scheu (Elisabeth ■Ramel) einen Bann, der sie zwar zerbricht, aber auch erloft
Man sieht, ein mehr grüblerischer als gestaltender Wille beherrscht dieses Buch, das voller dichterischer Schönheiten ist, geschrieben in einer Haren, kraftvollen Sprache, der Sprache eines Dichters sehr persönlicher $Ql®m9 TOann von der Prägung Tügels hatte es fehr schwer, sich Beachtung zu verschaffen. Nach einem langen Abstand erfolgte bann die Veröffentlichung einer kleinen Novelle „D i e Z r e ue , bte eigentlidjer ft den Namen des Dichters mehr in den Vordergrund stellte. Es wird m der „Treue" das Erlebnis erzählt, wie ein Kamerad aus dem Kriege die Braut feines Freundes kennenlernt, die, obwohl sie we'ß, daß ihr Ber- lobter gefallen ist, an die unbedingte Rückkehr glaubt. Dies das fehr schwere Thema, an dem Tügel feine Begabung erproben konnte und — k^Züeje kleine Dichtung zeigt in außerordentlicher Weise Tügels urtümliche Begabung. Zugleich auch feine visionäre Wesensanlage, die schon im Wiedergänger" deutlich spürbar war, auch wenn sie, weil noch zu sehr im Dunst einer nebelhaften Phantasie, nicht zur klaren Sicht gelangen konnte. In der „Treue" ist ein metaphysischer Hintergrund der sich durch die gestaltende Kraft des Dichters mit allem Geschehen auf eine wunderliche und zugleich packende Weise verknüpft. __
Sie e Dichtung wird lange bleiben und im Fruhschaffen lugels immer bedeutungsvoll sein. Sein großes Epos „Sankt Blehk aber be- deutet das endgültige Durchdringen zur Form
Sankt Blehk — Jochen Luehrsen — ist bte tragenbe fjigur im Roman. Jnbem ber Dichter vor allem ihn sichtbar macht, rollt er gleicherweise bie Gegensätze zwischen ihm unb (einem Vater »wischen seinen Eltern auf, schilbert er den Zwiespalt zwischen Stadt und Land. Ein Buch, angefüllt mit den Fragen der Nachkriegszeit rote es 'n ihr garte unb brodelte, ohne daß jene langersehnte „große Veränderung emtrttt. Erst nach langen Jahren der Enttäuschung, Anfeindung und Uneinigkeit __ wir all» erlebten diese Jahre der Plan- und Ziellosigkeit , gelingt der Durchbruch. Es ist ein im besten unb tiefsten Sinne nationalsozialistisches Buch, ohne daß je einmal die Rede vom Nationalsozialismus ist.
In einer Handlung von überaus starker innerer Spannung (ja, manchmal glauben wir zu meinen, es fei em ZuvM cm Dramatik m diesem Buch) gelingt es Tügel mit geradezu überraschender ©efölo n heil, ein Bild jener Zeit zu entwerfen. Man denkt beim Lesen an Bilder von Breughel, so voller Farbe und Vitalität ist dieses Buch. Und wer - wie der Verfasser dieser Zeilen — em Kind der niederdeutschen Marsch ist, bestätigt dem Dichter gern, wie sehr ihm die Schilderung dieser f4roetg- [amen, verschlossenen Landschaft gelungen ist, wie genau auch der Dichter ihre Menschen kennt, ihre Wesensart in den typischen Setten heraus- zumeißeln verstand. Sein Bauer Luehrsen, dieser polternde Grobian der Pfarrer Garve, Jochen Luehrsen, der Sohn, feine Mutter, um nur diese Gestalten aus der Fülle der in diesem Buch schicksalhaft miteinander oer- bunbenen Personen herauszuheben, zeugen für bte bebeutenbe Gestaltungskraft Tügels: sie legen den schönsten Beweis für ferne bildnerischen


