und hörte • wie
In der (Stabt ■ '
Don Gottfried Keller.-
Was ist das für ein Schrein und Peitschenknallen?
Die Fenster zittern von der Hufe Klang, zwölf Rosse keuchen an dem straffen Strang, und Fuhrmannsflüche durch die Gasse schallen
Der auf den freien Bergen ist gefallen, dem toten Waldeskönig gilt der Drang; da schleifen sie, wohl dreißig Ellen lang, die Rieseneiche durch die dumpfen Hallen.
Der Zug hält unter meinem Fenster an, denn es gebricht zum Wenden ihm an Raum; verwundert drängt sich alles Volk heran.
Sie weiden sich an der gebrochnen Kraft;, da liegt entkrönt der tausendjährige Baum, aus allen Wunden quillt der edle Saft.
Irrlicht auf der Mole.
Von Hans Leip.
Svät gelangten wir mit unserer Jolte vor die Schleusen bei Bruns- büttettooq9 Ern hatte sich oorgenommen, schon bei Tagesanbruch in der Ostsee zu^baden. Wir machten an der Südmole fest, und ich b'esterte nut ben Vermessungspapieren auf die Schleusenwache. Man gahn^ mich a - Eine Schleppgelegenheit? Bor morgen früh kaum. Und segeln darf man nicht im Kaiftr-Wilhelm-Kanal. Wir redeten dies und das. Der Wach, habende wurde munter. Er war als junger Mann m Panama gewesen ■Lhod) hier sei alles größer. Ich stimmte em in das Lob der Heimat. Wir sprachen von Seeschiffahrt und Ueberfeehandel. Aber es nutzte alles
Wenn wir fahren auf der See, wo die Fifchlein fpringen, freuet sich mein ganzes Herz, lauter Heil und Singen. Ery, Ery, wir sind hier, die Fifchlein, die Fifchlein, die fangen wir.
Aber was war das? Die Schritte oben entfernten sich. Kein Zweifel. Sie konnte unser Boot nicht finden. Das kam von dem verfluchten Grog. Ich turnte die Molenleiter hinauf.
„Erp!" rief ich. ,
Sie wandelte schon fern und gerade auf die 'Kleusenbrucke zu. Sie wandte sich nicht um, hatte ihren Schal um den K°pf geschlungen Und da! Träumte ich? Sie trug ein flackerndes Licht in der Hand, ich sah es deutlich, als sie in der Biegung des Weges den Kurs änderte, sah hell ihre andere Hand, die sie vor der Kerze hielt, den Zug abzufangen. War das ein Spuk? Hatte Lotfe Protts abergläubischer Klabanterzauber einen Scherz in ihr entfesselt?
„Ery!" schrie ich.
Sie eilte unentwegt weiter.
Wollte sie etwa ich sollte hinter ihr hertürmen wie ein verliebter Asfe?^ Sie'lief^glatt^auf die Schleusenbrücke zu, die, großer Gott, im nächsten Augenblick sich katzenleise öffnen würde, um den Dampfer herauszulassen. Nun rannte ich doch hinterher.
Ihre schmale Gestalt war umflossen von flackerndem Schein. Jetzt war sie am Brückeneingang. Die Aufbauten dort entzogen sie l h meinem Blick. Dünn und schrill hörte ich das Glockensignal der Schleusen- offnHh„P Atem lanate ich an beim Brückenkopf. Vor mir gähnte der Abgrund, tief unteAas Wasser, die schauernde Schlucht der Rocht, dann ein oaar Hetzen Licht zuckten wie verlöschende Kerzen
Drüben, kleiner und kleiner schwand das Schlußstuck des Schleusentors zum anderen Ufer.
Stanb sie nicht ba? War sie gerabe noch t)inaufgelangt und, obwohl es verboten ist, mitgefahren, das tolle Balg? Eben bevor der Spalt aufriß zwischen Leben und Tod? Wahrhaftig, da flackerte drüben dos «eine Licht huschte am anderen Ufer entlang. Klar, sie wollte über die obere Brücke wieder zurück, zu mir zurück. Jetzt verbarg sie der lange sckiwa'-ze Rumpf des rufsifchen Dampfers, dessen Rauch aus dem langen SchloAeuditeSeine Maschine rummelte schon. Eine sonderbare Angst überkam mich, Ery würde mit diesem Dampfer durch tne oufgestoßene Schleuse auf Nimmerwiedersehen davonfahren.
®neniStimmeftunb ^eine Hand tupften mich an. Es war Ery. Ich mutzte mich sammeln und stotterte, sämtliche Olympiaden feien nichts ^eaen sie daß sie jedoch hier erbarmungslos hätte hinemfallen können. 9 9 erwiderte sie und es war ein merkwürdig sanfter Klang
in ihrer Stimme- „Hineingefallen bist augenscheinlich du, mein Lieber.
m in lolckem Tempo fremden Mädchen nach? Das war nämlich niÄ mit d r Kerze Kw war das Irrlicht von der Mole, verstehst d^? D?s war eine Russin von diesem Dampfer. Da geht er raus er hat mahl auf fie«wartet Denn sie hat hinten auf der Mole gebetet, me es h3,, miepin Kreuz aussiehi. Der Schleusenwärter war eben im Lotsen- bn„7 und iE? du dageblieben und hättest mich den munteren Haifischen nicht so eifersuchtslos und lieblos überlassen, hättest du es selber I" pxnrt/m Hnh bah ftp pg tößQcn ihres 9ÄQntlC5 geton bat» bet ITH Gefängnis sitzt. Verstehst du? Und auch, daß in einer Viertelstunde ein Schlepper nach Holtenau geht und uns mitnehmen kann, und wir also koch sth°n morgen früh in der Ostsee baden! Man muß nur richtig ab- warten können und nicht immer gleich lostigern!
Der letzte Satz war wohl wert, gemerkt zu roertien, und er tut als . Lebensweisheit sicher (eine Dienste. Ich hab es spa erhin manchmal erfahren wie gut feine Anwendung tut m allen Fallen, wo es sich um Angelegenheiten zwischen Männern handelt. Ist eine Frau dabei, wird die Sache bann doch verzwickter.
So mußte ich denn unverrichteter Sache über die Schleusenbrucken zurück. Wo aber unlängst ein guter breiter Weg gewesen, klaffte letzt ber Schlund der Nacht. Ein russischer Dampfer war inzwischen emge- ?aufen unö lag am Nordkai. Es sah nicht bedeutend aus m den Schluchten der Schleusenkammern, darin die „Europa und ''Bremen und die mächtigsten Schiffe der Welt Platz haben. Doch vor ben Schleusentoren finb alle gleich. Ich hatte zu warten, llferauf unb -ab bie runben Lampen blühten wie bie Blume Trollius in ben Fischergärten hmterrn Deich, gelb rund unb auf langen Stielen. Ich sah hinunter, wo sie sich Sittng spiegelten tief unten, wo bas Wasier schwärzlich schwappte, ohne baß arohe Schiebetür von jenseits aus ber Dunkelheit heran, geraujchlos, man erblickte keinen Mann Bedienung. Es war em '
qang Und auf einmal war wieder eine bequeme, mild erleuchtete Straße, wo soeben nichts als Abgrund gelauert hatte.
(frn war (ehr enttäuscht. Sie hatte ferne Lust, die Nacht im Boot zu bleiben Sie sagte, sie wolle auf die Lotfenstation. B'elleicht wisse man | bort besser Bescheib über bie Möglichkeit, weiterzukommen Wir würben uns nicht einiq, unb sie verließ bas Boot. .
Schtteßlich würbe mir bie Zeit lang. Auch vermemte ich, "An Stimme» zu vernehmen, bie mir nicht unbekannt schienen. Ich kletterte a s pbpnfnlls bie Svrossen hinauf. Ery stand oben auf den Steinen und neben ihr Lotse fßrott den wir von Hamburg-Altona-Oevelgonne kannten.
FiaLl" sagte ich. Aber die beiden sahen, ohne sich stören zu lassen, ana'eftrenqt nach dem fernen Ende der Mole, nach dem Wasserstands- zeiner dort ode? was es fein soll, der je rechts und links einen waagerechten Arm hoch hatte und gegen den Westhnnmel Esah wie ein riesiaes Kreuz. „Könnte gleichsam zum Gedenken für Skagerrak se . äußerte ich. Prott warf mir einen knurrigen Blick zu und Ery fchuttelte den Kopf. , . „ . .
fÄK1WÄ n-ch ->n„ W.U.
ßotfe Drott- Nö Beern, nu is es djä denn woll rem roeggepuft .
Lotte Prott war e^Berg von Mensch, und sein Brösel qualmte w.e ein Vulkan. Sein Benehmen war grobdrahttg und (eine Seele bie em Mndes. Er war als abergläubisch verrufen Darum »ahm ich die Sach nicht weiter für Ernst, unb mir gingen zu Bntt zur Station, um Nachtkühle durch einen Grog aufzuheben. f t rae.
Die Gaststube war voll Taba squalm und Rumbunsd D e rokn G sichter bie darin glommen, grohlten: „Mansch, Prott, is oar
"und Drott schien es für richtig zu halten, die Sache so beizudrehen und erklärte dAnend das könne ein Taubstummer mit dem Stocke sitzen. Notgedrungen wurde auch» mir vobingeschenkt^ Runde
SksSwä» s Wänden musizierten. fld) ben walsischgroben Hof
Ery glühte mitten dazwischen unb B 1 ' Sofa. Und
machen. Ihr Haar stand wie eme «el^ Flamme über •
sie erzählten ihr Geschichten von de. - mpnaouenao-Inseln. Sie I den spaßigen Sitten der Damen auf ■ 9 empfindlich war zu, wie em Schiffsjunge so lapfer, s , (gren$e zwischen Groß- Seibenpapier; bie ®arne fpannen I)art an oer mrerj ö
Mamas Schaukelstuhl und Störtebekers Stammtifch.
Ab und an wurde einer der Lotsen aufgerufen; dann roar fein ZSttl ba unb er mußte in bie buntle Beranba unb durchs Glas nach den von See kommenden Schüfen luxen wie eine Spinne nach Wlu«en UW) andere wurden bann gerufen und mutzten hinaus m die Nacht und aus die Lotsenbarkasie und weit in den Strom an die Dampfer heran und die Jakobsleiter mühsam hinauf an Bord um Mensch ""d Fracht sicher hinzugeleiten elbauf durch Untiefen und Leuchtfeuer zum Hamburger $ ^Und ehe er sich's versah, war auch Lotse Prott an der Reihe, um auf Ausguck in die Veranda zu gehen. Er erhob sich schwer. Ich sah meine Zeit ebenfalls gekommen und wollte an Bord.
Recht so, Jung!" meinte Prott väterlich: „Sieh nach die Boot. Anne Süd is ümmer ekligen Sog. Aderst Dein Deem laß man noch n duschen h'^Der Beifall der Runde übertönte jeden Einwand. Ich ging zum Boot, zog die Leinen nach, machte die Schlafplätze bereit und wartete. E« war eine windstille Nacht. Nein, wenn wir auch hatten fegeln dürfen, das Morgenbad in ber Ostfee war unerreichbar. Hinter ber hohen Schleusentür zischte ber russische Dampfer. Sem Signal "
Nacht Warum schrie er so? Warum lag er noch ba? War wohl nicht alles in Drbnung? Hatte er noch jemanb an ßanb?
। Ich hatte auch noch jemand an Land. Doch sah ish keinen Grund zum Heulen. Obschon ich mir diese Reise anders vorgestellt hatte. Oben auf ber Mole klangen leichte rasche Schritte auf. Ach, mem Herz blies leben Groll von bannen unb fang bas alte Kmberlieb, ob es wollte ober nicht.


