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Nummer 58
Montag, den 18. Mai
Jahrgang 1956
zu hitzig Händel,
die Frau. Christine geht heim, daher rommi es uicueiu;i, uu0 । im Herzen ist/ Bisher lief sie viele Wege, aber diesen Heimweg geh sie num ersten Male. Und sie kann nicht anders, einmal mutz sie stehen bleiben Ln? mutz den Mann herankommen lassenNurumihnnahevvrsichZU haben, um seine Schultern zu sehen und sein dunkles Gesicht unter
Das Jahr des Herrn
Roman von Karl Heinrich Waggerl
Copyright by Insel-Verlag zu Leipzig.
13. Fortsetzung.
GiehenerZamilienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
^Ät sich nicht sagen, was sie so bewegt es mm gesagt sein. Aber sie lehnt sich em wemg an ^unb t darüber, daß er il
- ■ ■ - - - - ih ja auch nicht
u/ti„ ....... .... ist heimlich froh
ihr sogleich seine Hand auf die Hüfte legt. Raste nur, meint er, laß dir Zeit! , h
Latz dir Zeit, denkt Christine. Der Winter w.rd °°rubergehen, der Frühling. Dann wird das Kind kommen, und es wird hellhaarig seim J , eine neue starke Wurzel wird sie in den Boden treiben, den sie erobert hat Und auch der Mann wird zufrieden sein, freilich, anfangs; gab es allerlei auszutragen, aber das war in der Jugend das zahlt nicht mehr wenn ein paar Jahre um find. Die Kinder zählen, d,e guten und schweren
Roch einenl schreit der Brautführer in das Gelachter. Er hat sich etwas aonx Verteufeltes ausgedacht, ober leider wird nichts daraus, es per= Meli kick alles in seiner Kehle. Der Wein ist schuld, er steigt zu hitzig in die löpfe. Plötzlich geraten ein paar weitschichtige Lettern in Handel, sie haben sich ihr Leben lang nie gesehen, aber das macht nichts aus letzt u, fijf. trofabetn allerlei dunkle Schandtaten vor. Du Rotztauscher, ^ack der eine schwer^üngig dich kenne ich! Und dafür bohrt ihn der andere mit dem Zeigefinger an, er schnaubt vor Wut und sucht nach einem vernichtenden Schimpfwort, bis sie einander unversehens um den L>als fallen und einen Bund für Zeit und Ewigkeit fchlleßen. Die Musik und der Tanz der ganze fröhliche Lärm macht auch die Mädchen gefügiger, sie lassen sich wMi? um den Hals nehmen und mit Kuchen futtern und wenn man sie nachher ein wenig hinter das Haus in die Kuhle fuhrt, haben sie nichts weiter dagegen einzuwenden.
Es kommt die Stunde der Reden und Rührseligkeit Da klettert em [n nraues Bäuerchen auf den Ofen und hält eine Predigt, es ist die !chöne und erbauliche Predigt von den zwei Jüngern, die nach» Emmaus gingen Zwei, sagt das Bäuerlein, und zwar Junger, betrachtet das mit gehörter Andacht. Es waren keine Kinder und keine alte Narren, so wie ihr meine Lieben sondern Jünger, und zum andern fuhren sie nicht und ritten sie nicht, sondern sie gingen nach Emmaus, zwei Junger gingen, ob wie ist das schön und erhebend! Nach, sage lchs nach Emmaus, statt nnr ffmmaus wie ihr vielleicht meint, oder hinter Emmaus was wiederum so viel heißt wie ebenaus, nicht obenaus, ihr Kleingläubigen, und nickt untenaus, sondern Emmaus!
Oh ihr besoffenen Heidenkinder, schreit das Bäuerle,n, wie werden eure Knocken knirschen und eure Zähne zittern! — und bann oeifagt ihm die Stimme vor Rührung, er rollt vom Ofen herunter auf die Bank ^Erst'Oqeqen^ Abend nehmen die Brautleute ihren Abschied von allen, die noch einer Ansprache zugänglich sind Ja, leb wohl, Adam, du auch, Schwägerin, ihr habt einen weiten Weg!
Vor dem Dorf schürzt Christine ihre Röcke und geht voran Sie hort den knappen Tritt d7s Mannes hinter sich, seinen Atem, da- alles ist hr lang vertraut, und doch ist es auf eine gewisse Ar neu und trostvoll für Frau. Christine geht heim, daher kommt es vielleicht dah ihr so woyi (Serien ist. Bisher lief sie viele Wege, aber diesen Heimweg geh sie
^Christine schaut hinter sich, das Dorf ist °ersunken. Nur ein^paar Lichter glimmen noch, feindselige Augen in der schwarzen T f, v
Nichts, es war nicht gefragt. Wir find bald daheim, Adam, ich höre
Am7nKn Morgen kommt der Knecht in die Stube, fteHt P* auf;
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vom Unaliick verfolgt, jeden Tag gerat dem 1 . . Radreifen
was ihn ärgert. Er zieht den Jauchenwagen heraus, da ift em Jtaoren
gesprungen. Er sucht eine Kliebhacke, die erste, die er findet, ist schlecht verkeilt, die andere ist schartig.
Was heiht das, sagt er zum Knecht. Bist du aufsässig oder was?
Nein der Knecht weitz selber nicht, wie es zugeht. Auch sruher brach mitunter etwas, eine Deichsel, ein Sensenblatt, das verschwand eben zu gelegener Zeit, es muhte nicht gerade dem Bauern vor Augen kommen. Und jetzt verschwindet nichts mehr ungesehen, alles, was verschlampt oder sonst verdorben ist, legt sich wie von selbst in seinen Weg.
Dah ich nicht vergesse, sagt Christine einmal beim Essen, es liegt ein Halfter hinter dem Zaun, könnt ihr den nicht flicken?
So ein Halfter, der Bauer weih nicht einmal, dah einer zerrissen ist.
Was treibst du mit meinem Zeug? fragt er den Knecht. Sagst du ^^tzftchts, nein, der Knecht zuckt nur die Schultern. Schrei nicht mit mir, brummt er, ich bin schon lang genug da auf dem Hof.
Ja, ja, acht Jahre, zu Lichtmeh werden es neun. Aber dann ist deine $6'©o,n3u°ßict^tme6?* 2)as Überlegst du dir wohl noch, du auch, Christine! Damit'es dich nachher nicht reut!
Der Bauer schweigt, er legt den Löffel weg und geht. Spater hort Christine einen lauten Wortwechsel vor dem Haus. Der Bauer kommt herein, er schnauft und wirft seinen Hut auf den Tisch. Gib Zeug für ein Hemd heraus, sagt er kurz.
Für ein Hemd?
Ja, das steht ihm zu. Er geht morgen.
Ein paar Tage zieht der Knecht im Dors umher und säuft, er mochte seinen Kummer loswerden oder seine Wut ertranken, was soll er sonst anfanqen? Es ist Herbst, die trübe Zeit um Allerseelen. So spat im Jahr braucht niemand mehr einen Knecht, jedenfalls keinen, atL“n?
mienpfrhunben ift wie er Jawohl, ausge chunden, das kann >eder Horen, undlA llegf er a7f dem Mist, und wer ist schuld? Das Weibsbild Diese Giftmischerin! schreit der Knecht. In seinem Rausch gerat er auf den Friedhof und klagt dem alten Adam femen 3ammer. Da liegst du sagt er schön haben sie dich herausgeputzt jaja, das h'lft dir nicht, tot bist du doch. Ein neues Hemd hast du noch bekommen, und dann war deine Zeit ""^Dft^ßeute bleiben stehen und hören zu, es ist ein Aergernis, dieser betrunkene Mensch auf dem Friedhos. Ich konnte euch etwas erzählen, plärrt er ich verbrenne mir nicht das Maul, verstanden, aber die Zeit kommt noch, der Zahltag, ihr wiht nicht, was ich weiß!
Lauter Geschwätz. Der Wachtmeister nimmt den Knecht mit sich. Schlaf deinen R-ni'ck aus, sagt er, dann kannst du reden. Hier nicht.
Die armen Seelen feiern ihr Fest nach den Heiligen Sie leiden ja noch im Fegefeuer, während die Seligen schon »in Himmel triumphieren, verklärt vor dem Angesicht des Herrn. Unabsehbar ist die namenlose Schar der Märtyrer und Bekenner. Sie taten freilich keine großen Wunder, lehrten nicht und bauten keine Klöster, aber Gott nahm (le bennorf) an fein Herz um ihrer Demut willen, weil sie ihm rühmlos und in der Stille bienten unb vielleicht gelten sie ihm nicht weniger als viele von benen, bic mit prächtigen Festen, mit Rang unb Ehren im Kalenber prangen. Man darf alten Geschichten nicht zu viel Glauben schenken, sicher ist es nur erfunben, wenn man sagt, es sei auch im Himmel nicht immer friedlich orosten Sperren hätten sich dort wie hier aus Erben bre9it9aemad)tBunb9aui bie besten Stuhle gesetzt Es ist nämlich so, daß ber Herr ben Müßiggang verabscheut unb selbst im Himmel keine Daumenbreher dulden will, unb barum hatte er feinen Helligen aller e. Arbeit anvertraut, wie sie ihnen nach ihrer Neigung unb nach ihrem zeit- llcken Beruf anftanb So tarnen einige, wie Pe rus oder Andreas, als Vatrone ihrer Zunft zu hohen Ehren. Anbere hatten Macht über die GIe= Florian sum Beispiel gebietet bem Feuer, Jakobus ben Winden unb 2BeUern, unb wieder welche batten in ßeibesnöten Erfahrung, Blasius Ptmn nher Avollonia, die gegen das Zahnweh hilft.
Gut soweit Allein es wurden der Himmelsbürger immer mehr, nicht aenua daß die alten Heiligen einander ins Gehege kamen sie eiferten auch neuen'bie jüngeren unb meinten, es ginge nicht an, daß nun jeher Her- aeiaufenc belohne Verbienft unb Ansehen, bloß burd) Go tes unbegreif- ttcke Güte burd) bie Tür geschlüpft fei, wie ihresgleichen beim Herrn vor- fnrecben bürfe. Darum taten sie sich zusammen unb grunbeten eme fBruber- frfiaft die Zunst ber Kalenberheiligen, jeder mit Titel unb Jahrtag für all? ^eit Weil sie sich aber nicht einig werden konnten, wer unter ihnen baa amt des Meisters verdiente, ließen sie einen Tag frei und gingen sum Herrn unb baten ihn, bah er ihnen ben Würdigsten aus der Reihe nennen möge, der sollte dann der Hauptheilige fern.
Ack bie lieben Apostel unb bie Kirchenväter alle, da ftanben fie nun in ihrer Glorie unb spreizten sich unb sahen fefjed aufetnanber!®tn leber hatte auch [ein Zeichen mitgebracht, Anbreas sein Kreuz, Paulus se Schwert Der Herr aber ließ bie Augen von einem zum anberen gehen.


