Ausgabe 
17.8.1936
 
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Worten ganz überwältigt und sagte: Gutem. Auf einen Eingriff in

^.raniwortlich: vr. Kans Tbtzriot. - ®cud und Bcrlag: Brühl',che Universitäts-Buch. und Steindruckerei. Lange, Giehen.

Ein Offizier", begann Prinz Florizel,ein mutiger und bewahrter Mann der dank seinem Verdienst, schon zu einem hohen Range auf- gestiegen war, und sich nicht nur die Bewunderung, sondern auch die Achtung der Menschen erworben hatte, besichtigte in einer für den Frieden seiner Seele unglückseligen Stunde die Sammlungen eines in- bifdien Fürsten, hier erblickte er einen Diamanten von so außen ordentlicher Grosze und Schönheit, das; er von Stund an nur noch einen einzigen Wunsch im Leben halte: Ehre, Leumund, Freundschaft, Vaterlandsliebe alles war er zu opfern bereit um diesen Klumpen funlelnden Kristalls. Drei Jahre lantz diente er diesem halbbarbarischen Fürsten wie Jakob dem Laban diente: Er versetzte Grenzsteine: er lieh seine Mithilfe zu Morden: er verurteilte ungerechterwcisc einen Kameraden, einen Offizier, der das Unglück gehabt hatte, dem Radschah durch einige freimütige, wahre Bemerkungen zu mißfallen, und liefe ihn hinrichten. Endlich verriet er in einem Augenblick, als sein eigenes Heimatland in großer Gefahr war, eine Abteilung von Truppen und lies; sie geschlagen und zu Tausenden niedergemetzelt werden Schließlich hatte er ein ungeheures Vermögen zusammengebracht und kam mit öcm so heife begehrten Diamanten in seine Heimat zurück.

Jahre vergingen, und aus einmal ging der Diamant durch einen Unglücksfall verloren. Er gerät in die Hände eines fleißigen 3unglings von einfältigem Herzen, eines Gelehrten, eines Dieners am göttlichen Wort der gerade die ersten Schritte in einem nützlichen Berus getan und sogar schon Auszeichnungen sich erworben hatte. Auch ihn umstrickt der Zauber; er wirft alles hin: seinen heiligen Beruf, ferne Studien, und flicht mit dem Edelstein in ein fremdes Land.

Der Offizier hat einen Bruder, einen schlauen, kühnen, gewissen­losen Mann: dieser erfährt das Geheimnis des Geistlichen. Was tut er? Sagt er es seinem Bruder? Macht er der Polizei Anzeige? Nein. Auch diesem Mann hat der Satanszauber gefallen er muß den Stein für sich selber haben. Auf die Gefahr hin, einen Mord zu begehen gibt er dem jungen Priester ein Betäubungsmittel ein und bemächtigt sich der Beute. ,, v. ,

Und setzt kommt durch einen Zufall, der für die moralifd)e Lehre meiner Geschichte ohne Bedeutung ist, der Edelstein aus dem Gewahr- am des Offiziers in den eines anderen Menschen; voll Entsetzen über alles, was er sieht, übergibt er den Diamanten einem hochgestellten Mann, der über jeden Vorwurf erhaben ist.

Der Offizier heißt Thomas Vandelcur", fuhr Florizel fort. ,L>en Stein nennt man den Diamanten des Radschahs. Und" damit öffnete er plötzlich seine Handhier sehen Sie.ihn vor den Augen.

Der Beamte fuhr mit einem Aufschrei zurück.

Wir haben von Verderbnis gesprochen", sagte der Prinz.Für mich ist dieser glänzende Kristall ekelhaft, wie wenn er noni Seidjen- würmern wimmelte, mir ist er entsetzlich, wie wenn er aus unschuldigem Blut zusammengeballt wäre. Ich sehe ihn hier in meiner Hand unö id) weiß, es ist Höllenfeuer, was aus ihm glüht. Ich habe Ihnen nur den hundertsten Teil seiner Geschichte erzählt; die Phantasie schaudert davor zurück, daran zu denken, was in früheren Jahrhunderten um dieses Steines willen geschah, zu was für Verbrechen und gemeinen Hand­lungen er [eit unendlichen Zeiten Menschen angestiftet hat. Jahre und abermals Jahre hat er getreulich den Mächten der Holle gedient. Und ich age: Genug des Blutes, genug der Schande, genug vernichteter Leben und gebrochener Freundschaften. Alles nimmt einmal ein (Enbe das Böse wie das Gute Pestilenz sowohl wie schöne Musik. Und dieser Diamant Gott vergebe mir, wenn ich Unrecht tue aber heute nacht endigt seine Herrschaft!" .

Der Prinz machte eine plötzliche Bewegung mit der Hand der Edelstein beschrieb einen strahlenden Bogen und verschwand in die aus- spritzende Flut des Stromes.

Amen!" sagte Florizel ernst:ich habe einen Basilisken getötet!

Gott verzeih mir!" rief der Beamte.Was haben Sie getan? Ich bin ein verlorener Mann!" . , .

, Ich glaube", antwortete der Prinz mit einem Lächeln,manche wohlhabende Leute in dieser Stadt möchten Sie beneiden."

Oh! Euer Hoheit!" sagte der Beamte:so bestechen Sie mich schließ­lich'doch noch?" s

Wie es scheint, geht es nicht anders", antwortete Florizel.Und jetzt wollen wir uns auf die Präfektur begeben."

Nicht lange nachher wurde die Hochzeit von Francis Scrymgeour und Fräulein Vandeleur im allerengften Kreise gefeiert; der Prinz machte bei dieser Gelegenheit den Brautführer.

Die beiden Vandeleurs hörten gerud)tmei(e etwas von dem Schicksal des Diamanten; ihre geschickten Taucher arbeiten im Scineftrom, bilöcn das Erstaunen und Ergötzen aller Pariser Tagediebs Allcrdings habcn sie infolge einer falschen Berechnung einen falschen Arm des Flusses sich

§Jr Prinz, diese erhabene Persönlichkeit, hat jetzt seine Schuldigkeit getan und mag einen Purzelbaum in den Weltraum schlagen.

Wenn jedoch der Leser darauf besteht, etwas genauer berichtet zu werden, so habe ich die Freude ihm sagen zu können, daß neuerdings eine Revolution ihn von dem Throne des Königreichs Bohem.a ge- stoßen hat; die Ursache war seine beständige Abwesenheit und absicht­liche Vernachlässigung seiner Staatsgeschäfte. Seme Hoheit hat letzt in Rupert Street einen Zigarrenladen, der viel von anderen ausländischen Verbannten und Flüchtlingen besucht wird. Ick; gehe von Zeit zu Zeit hin, um eine Zigarre zu rauchen und ein bißchen mit ihm zu plaudern, und finde, daß er immer noch ein so großartiges Geschöpf ist, wie m den Tagen seines Glanzes. Er steht mit der Miene eines Olympiers hinter feinem Ladentisch; und obgleich seine sitzende Lebensweise sich an feinem Bauchumfanq bemerkbar macht, ist er alles in allem genommen | wahrscheinlich der schönste Zigarrenhändler en ganz London.

Ich rcdine es mir als eine Ehre an", antwortete der Beamte,das; Eure Hoheit sich meines Gesichtes erinnern. Vor acht Jahren hatte ich das Vergnügen einer Unterredung." . .

Ein gutes Gedächtnis für Gesichter", antwortete Florizel,gehört zu meinem Beruf so gut wie zu dem Ihren. Wirklich, wenn man es richtig betrachtet, dienen ein Fürst und ein Geheimpolizist derselben Sache: wir kämpfen beide gegen das Verbrechen; nur ist mein Rang gefahrvoller; in gewissem Sinne aber sind beide Berufe für einen nuten Menschen gleich ehrenvoll. Sie werden es vielleicht für sonderbar halten, aber id) wollte lieber ein charakterfester und geschickter Geheim­polizist sein, als ein schwacher und unedler Fürst!"

Der Beamte mar von diesen ......*---,,nh ,nn*'

Eure Hoheit vergelten Böses mit L..

Ihre Rechte erwidern Sie mit der liebenswürdigsten Herab assung.

Woher wissen Sie", antwortete Florizel,ob ich nicht den Ver- ÄZÄ äff »<r IW ,1-1 °.r

.Ihre Antwort gefällt mir", versetzte der Prinz.Sic antworten als kluger und ehrenwerter Mann. Die Welt ist groß; sie ist voll von Schätzen und Schönheit, und unbegrenzt find die Belohnungen, die man an- bieten könnte. Wer eine Million Pfund Sterling ablehnt, wurde mei- leidjt um eine Kaiserkrone oder um die Siebe eines Weibes ferne Ehre verkaufen. Und ich selber, der ich diese Worte zu Ihnen spreche, habe so verführerische Gelegenheiten erlebt, Verlockungen, die für menschliche Tugend unwiderstehlich waren, daß ich froh gewesen bin, es wie Sie zu machen, und mich der Gnade Gottes zu empfehlen. Dank dieser bescheidenen und wohltätigen Gewohnheit allein können Sie und ich mit reinen Herzen durch diese Straßen geben." . .

Ich habe stets gehört, daß Sie tapfer seien , antwortete der Beamte, aber ich wußte nicht, daß Sie auch weise und fromm sind. Sie sprechen die Wahrheit und Sie sprechen Sie in einem Ton, der mir ju Herzen geht. Unsere Erde ist wahrlick) ein Ort voller Versuchungen!

Wir befinden uns jetzt", sagte Florizel,mitten auf der Brücke. Stützen Sie sich mit den Armen auf das Geländer, und blicken Sie hinabl Wie das Wasser unter der Brücke durchschießt, so reißen die Leiden­schaften und Verwickelungen des Lebens die Ehrenhaftigkeit schwacher Menschen mit sich. Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte erzählen!

Id, flehe zu Eurer Hoheit Beschien", antwortete der Mann.

Und wie der Prinz, stützte er sich auf das Geländer, um auf Florizels Worte zu hören. Die Stadt war bereits in Schlaf versunken; wären Nicht die unzähligen Lichter und die Umrisse der Gebäude gewesen, die sich gegen den sternklaren Himmel abhoben, die beiden hätten sich auf einer Flußbrücke irgendwo im Freien befinden tonnen.

Der Prinz nahm den Brief und überflog ihn beim Schein einer Straßenlaterne Er wurde mit vielen Entschuldigungen ersucht, dem Ucberbringer unverzüglich auf die Präfektur zu folgern

91( 0 kurz gesagt", rief Florizel, ,,id) bin verhaftet!

"Hoheit", antwortete der Beamte,ich bin sicher, daß nichts der Ab - [idjt des Präsekten ferner liegen könnte, Sie werden bemerken, daß er keinen Verhaftbefehl ausgestellt hat. Es ift eine bloße Förmlichkeit oder, wenn Sie lieber wollen, eine Gefälligkeit, die Eure Hoheit den Be- °r^$Benn ich indessen mich weigern sollte, mit Ihnen zu stehen?

Für diesen Fall will id) Eurer Hoheit nicht verhehlen, daß be trächtliche Machtbefugnisse mir cingeräumt worden sind , antwortete der Beamte der Kriminalpolizei mit einer Verbeugung.

iluf inefti Wort!" rief Florizel,Ihre Unverfrorenheit setzt mich in Erstaunen! Ihnen selbst, der Sie nur aussührender Beamter sind, muß kch verzeihen; aber ihre Vorgesetzten sollen ihr unerhörtes Benehmen bitterlich zu bereuen haben! Haben Sie eine Ahnung, was die Ursache dieser unpolitischen und gegen die Gesetze verstoßenden Handlung ist? Sie werden bemerken, daß ich bis jetzt weder '>'") geweigert noch muh bereit erklärt habe; und meine Entscheidung wird mell eicht sehr von Ihrer fdmellcn und aufrichtigen Antwort abhastgen. Soffen Sie mich Sic darauf aufmerkfam machen, Herr Beamter, das; es fi* um eine An­gelegenheit von einer gewissen ernsten Bedeutung handelt.

Hoheit!" sagte der Geheimpolizist bescheiden,General Vandeleur und" sein Bruder haben die unglaubliche Kühnheit gehabt. Sie eines Dieb- tahls zu beschuldigen. Sie behaupten, der berühmte Diamant be mdet ich in Ihren Händen. Sie brauchen nur nut einem Wort zu ert aren, )aft dies nicht der Fall ist, und der Präfekt wird vollkommen zufrieden- gestellt sein. Ja, ick; gehe noch weiter: wenn Eure Hoheit einem Unter­beamten wie mir die große Ehre erweisen wollten, zu erklaren daß S e von der Sache nichts wissen, so wurde ich um die Erlaubnis bitten, WS! £ü"& t«in »

eine Kleinigkeit betrachtet, die nur ernst werden konnte roenn inter­nationale Beziehungen im Spiel waren. Als der Beamte den Namen Vandeleur nannte, wurde dem Prinzen plötzlich die entsetzliche Wahr­heit bewußt: er war nicht nur verhaftet, sondern er war schuldig. Es war nicht einfad) ein unliebfamer Zwischenfall sondern ferne Ehre stand in Gefahr. Was follte er sagen? Was sollte er tun? Der Diamant des Radschahs war roirtlid) ein Stein der Hölle, und es hatte den An­schein, wie wenn er das letzte Opfer feiner Wirkung fein foUte.

Eins war gewiß: die verlangte Versicherung konnte er dem Beamten nicht geben. Er mußte Zeit gewinnen.

Sein Zaudern hatte keine Sekunde gedauert; er sagte:

, Es fei. Wir wollen zusammen nad) der Präfektur gehen.

Der Mann verbeugte fid) wieder und folgte dem Prinzen m einem ehrerbietigen 2lbftunb. . o .

, Kommen Sie näher!" fugte Florizel. ,,Jch bin in der Lonne, etwa.» ZU plaudern; und da ich Sie mir jetzt richtig ansehe, kommt es Mir vor daß id) Ihnen nicht zum erstenmal begegne, wenn ich mich nicht sehr