Ausgabe 
17.8.1936
 
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Eichener ZamilienbMer

Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger

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Fridericus 3^ex.

Von Willibald Alexis.

Fridericus Rex. unser König und fierr, Der rief seine Soldaten allesamt ins Gewehr, Zweihundert Bataillons und an die tausend Schwadronen, Und jeder Grenadier kriegte sechzig Patronen.

Ihr verfluchten Kerls", sprach Seine Majestät, Daß jeder in der Bataille seinen Mann mir steht.

Sie gönnen mir nicht Schlesien und die Grafschaft Glatz Und die hundert Millionen in meinem Schatz.

Die Kaiserin hat sich mit den Franzosen alliiert Und das Römische Reich gegen mich revoltiert. Die Russen sind gefallen in Preußen ein;

Auf, laßt uns zeigen, daß wir brave Landeskinder sein!

Meine Generale Schwerin und Feldmarschall von Keith, Und der Generalmajor von Zielen sind allesamt bereit. Potz Mohren, Blitz und Kreuzelement,

Wer den Fritz und seine Soldaten noch nicht kennt.

Nun adjö, Lowise, wisch ab das Gesicht,

Eine jede Kugel, die trifft ja nicht. Denn traf' jede Kugel apart ihren Mann, Wo kriegten die Könige ihre Soldaten dannl

Die Musketenkugel macht ein kleines Loch, Die Kanonenkugel ein weit größeres noch; Die Kugeln sind alle von Eisen und Blei, Und manche Kugel geht an manchem vorbei.

Unsere Artillerie hat ein vortrefflich Kaliber,

Und von den Preußen geht keiner zum Feinde nicht über; Die Schweden, die haben verflucht schlechtes Geld, Wer weiß, ob der Oesterreicher besseres hält.

Mit Pomade bezahlt den Franzosen sein König, Wir kriegen's alle Wochen bei Heller und Pfennig. Potz Mohren, Blitz und Kreuzsakrament, Wer kriegt so prompt wie der Preuße sein Traktament! Fridericus mein König, den der Lorbeerkranz ziert, Ach, hältst du nur öfters zu plündern permittiert, Fridericus Rex, mein König und Held, Wir schlügen den Teufel für dich aus der Welt.

Bei Hochkirch.

»erung der Niederlage Frieoricys oei entnehmen wir dem packenden Buche

Die Schilderung der Niederlage Friedrichs des Großen chmen wir dem packenden Buche:Logan- Erlebnisse als Reiteroffizier unter dem

Logejus, Meine

großen König 1741 bis 1759" (Wich. Gottl. Korn Verlag, Breslaus.

Die Nacht vom 13. zum 14. Oktober war leidlich ruhig verlausen. Ich ichlief in meiner Strohhütte innerhalb unseres Regimentslagers noch ganz fest, ja ich träumte, ich wäre mitten im Kanonendonner einer Schlacht und während ich mich entsetzlich abmühte, mein Pferd das un­verrückbar stillstand, vom Fleck zu bringen was mir aber trotz aller Anstrengungen, bei denen ich mit dem Kopse gegen den einen Zeltpfahl stieß durchaus nicht gelingen wollte, stürmte der Josef in meine Hütte und meldete, daß vom Hauptquartier her Schlachtenlarm klänge und Häuser von Hochkirch brennten. Trotz traumschweren Kopfes war ich ,m Nu auf den Beinen. Eilends schwang ich mich m den Sattel. De General von Puttkamer traf ich schon zu Pferde, auch unsere Husten waren dabei aufzusitzen, was die Krockowdragoner ebenfalls taten, während unsere Jäger ihre Stellung vor den Zelten An-

So waren wir hier auf dem linken Flügel bereit, leben feiMlchen An­griff abzuschlagen. Der beängstigende Lärm bei unserem rechten Flügel nahm mehr und mehr zu; immer dröhnender krachtendie Kanonen- schiisse und das Geprassel des Gewehrfeuers steigerte sich immer ver- "^Richt^ehr weit rechts von uns war eine mit Geschützen und Grena­dieren ^besetzte Schanze. Kaum hatte sich der Nebel gehoben und die feindlichen Fahnen erkennen lassen, als auch schon die Geschütze von den Grenadieren auf Teufel komm heraus abgefeuert wurden. Diese

Tod und Gefahr wie jeder Soldat ge-

Schüsse ließen Puttkamer den Entschluß fassen, den mehr seitwärts anrückenden Feind zu attackieren. Bei unserer Attacke traf meine Schwa­dron aus die Flügelschwadron eines Kllrassierregimentes. Wenn wir auch Unordnung in den Feind hineintrugen, so muhten wir uns doch zuruck- ziehen weil die Uebermacht des Feindes zu groß war und wir leicht hätten überflügelt werden können. Hatten wir also wenig Gluck, so unsere tapferen Grenadiere noch viel weniger. Da der Feind durch den dauernd wechselnden Nebel, der sich bald hob, bald senkte, gedeckt wurde fiel er unseren Grenadieren sogar in den Rücken. Ohne unseren heldenmütigen Brüdern helfen zu können, weil wir uns mit der Zeit noch selbst mit den feindlichen Reitern herumschlugen, nahm der Feind den unverwundeten Rest von ihnen gefangen tznd eroberte die Schanze. Nur allein das Regi­ment der Fußgänger vermochten wir aus dem von Puttkamer anbe­fohlenen Rückzüge mit uns zu nehmen.

Wenige tausend Schritte neben uns zur linken Hand sahen plötzlich die teils brennenden, teils schwelenden Ruinen von Hochkirch aus dem Nebel hervor, auch konnten wir jetzt ganz deutlich unser vom Feinde erobertes und geplündertes Lager erkennen. An diesem vorbei zogen die Truppen unserer Armee, die bisher den rechten Flügel unserer Stellung in und bei dem Dorfe Hochkirch gebildet hatten. Diese unsere Bruder führte der König von dannen. In derselben schönen Ordnung wie wir zogen auch jene dahin. Wenig später stießen wir zu ihnen und, um sie vor erneuerten feindlichen Angriffen zu schützen, blieben wir hatten; so zogen jene an uns vorüber. Der König war verwundet, seine Uniform war zerrissen und äußerst beschmutzt, sein Hut war von zwei feindlichen Kugeln durchbohrt, sein Degen stak ihm ohne Lederschelde in der blut­befleckten Schärpe. Die Insignien vom hohen Orden des Schwarzen Adlers waren abgerissen. Puttkamer, der zum Monarchen voraus­geritten war, um zu rapportieren, erhielt den Beseht, mit dem Regimente der Fußjäger, mit den Krockowdragonern und seinem Regiment eine regelrechte Arriergarde zu bilden. ... ,

Die Regimenter und Bataillone, die tn und bei Hochkirch vom Feinde in ihren Zelten und Häusern überfallen worden waren, hatten, obwohl sie sich wie die Löwen zur Wehr gesetzt, alles verloren, ihre Geschütze, ihre Wagen und sogar ihr kleines Feldgepäck. Viele ihrer Leute hatten sich nicht einmal ankleiden können, weswegen Grenadiere und Musketiere, die ihrer Hofen, Stiefel oder Röcke verlustig gegangen waren, keine Seltenheit waren, und sie waren es, die zur dauernden Zielscheibe der Spaßvögel wurden und, um der in der Armee herrschen­den Stimmung Rechnung zu tragen, gute Miene machten. Aber ebenso gab es sehr viele unter den Gerupften, und sie waren eigentlich in der Mehrzahl, die sich den Dreck was aus dem Verlust machten und selbst scherzten, als ob sie Bänkelsänger wären, und in diesen Chor stimmten auch die Verwundeten mit ein, um nur ja nicht nachzustehen. Der Boden aber, aus dem diese Stimmung erwuchs, war der alte unerschütterliche Preüßenmut, der einen Grenadier sagen ließ:Wir und der König haben zu fest geschlasen, so hat uns der kleine Daun seine Aufwecker geschickt". Alles ringsum lachte. Dann riefen sie dem gerade vorbei- rcitenben Monarchen jene Worte zu, indem sie sich gegen alle Regeln ber Disziplin aus Reih unb Glied herauswagten, um naher an den König heranzutreten.

Aber auch noch etwas anderes vermochte man sestzustellen: der König war mit dem heutigen Tage für einen jeden unserer Krieger zum Gott geworden. Er, der sich in seiner vom Staub und Pulver- aualm völlig geschwärzten Uniform von keinem Grenadier unterschied, der mitten in einer Hölle von Tod und Gefahr wie jeder Soldat ge­standen und unerschrocken mit dem Degen in der Hand allen ringsum bewiesen hatte, daß er auch zu kämpfen vermochte wie ein jeher anbere aemeine Mann, er hatte, ungeachtet des Verlustes einer Schlacht, eines Lagers und vieler Generale und Soldaten, im Scheine des brennenden Hochkirch sich die Herzen seiner Krieger für Jem Leben erobert. Und mag man auch später in den Annalen dieses Krieges d,e Namen Prag, Roßbach, Leuthen und Zorndorf mit goldenen Lettern versehen, o joUte man hierbei des Namens Hochkirch nicht vergessen. Denn nur allem auf diese Bewunderung, diese Anhänglichkeit, die seine Krieger, ihm, dem Großen von diesem 14. Oktober an entgegenbradjten, vermochte er feine Pläne auszubauen und bas zu erreichen, was er in biejem bentmurbigen Kriege erreichen sollte. Hier in dem brennenben Hochkirch hatte unser König bewiesen, daß er auch zu seinen Worten stand, zu ihnen stand mitten im Krachen der Kartätschen, mitten im Geprassel des Gewehr­feuers, mitten zwischen brennenden Häusern und unm'hclbar vor den Bajonetten anstürmender feindlicher Grenadiere, die sich doch wirklich nicht willens gezeigt hatten, auch nur einem einzigen Preußen als Ant­wort auf Leuthen Pardon zu geben. .

9lur von einem, der es erlebt hat, kann ausgesprochen werden. Der Ueberfall auf unser Lager, mit dem ber Feldmarschall Daun unb seine Heerführer doch etwas ganz anberes zu erreichen trachteten, wurde ein ! Fundament zum Ruhme und zur Größe unseres Königs, wurde em