Ausgabe 
17.7.1936
 
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Der Bruder machte ein Gesicht, dem man deutlich ansah, daß er dem weiblichen Gedanken- und Gefühlsgang nicht völlig folgen konnte. Der Leutnant schüttelte ehrlich den Kopf; das sei ihm zu hoch.

Die Schwester hatte di- Rose fortgelegt und schob mit dem Finger [nnafam ein paar Brotkrllmchen zu einem Stern zusammen:Denk mal nach - dein Leben und das Johann Benedikt Ebeners und ferner Frau Regina Katharina stehen sich doch nicht nur so gegenüber, daß hu hurdi deine erfolgreiche Ahnensuche und dem entschuldige vernünftigeres Verhalten in einer ähnlichen Situation die Verknotungen im Leben der Alten nachträglich entwirrt hättest. Es ist doch auch so daß du deine Sache nur richtig lösen konntest, weil die Ahnen dir die falsche Lösung und ihre Folgen vorgelebt hatten."

Erlaube mal", sagte der Doktor.

Der Leutnant schüttelte stumm den Kopf.

Die Schwester hob beruhigend die Hand:Ich will deine Berdienste um die Erforschung unseres Stammbaums so wenig schmälern, wie die größere Richtigkeit deines Verhaltens gegen das Mädchen bestreiten. Aber sag mal selbst: Wären Johann Benedikt und seine wilde Eifer­sucht gegen Regina Katharina nicht gewesen, hätte dann der Pfarrer er muß übrigens ein reizender Mann fein auch an deine Regina geschrieben?" r ___ .....

Das Gesicht des Doktors bekam einen nachdenkliches Zug: er schüt­telte langsam den Kopf.Siehst du", fuhr sie fort und hob wieder die Rose.Wahrscheinlich hätte er dir auch nicht so energisch den Kopf zu- rechtgesetzt, und ohne das ach mein Lieber, ich kenne dich doch ohne das wärest du bestimmt nicht noch einmal zu ihr hingefahren."

Der Doktor gab zu, daß sie recht haben könnte. In den Zügen des Leutnants hämmerte erstes Verstehen.

Darum aber meine ich, nicht du allein hast das, was die Vor­fahren falsch gelebt hatten, zurechtgelebt: ich glaube, sie haben auch ihr Teil dazu beitragen müssen, daß du dein Leben nicht wieder ebenso falsch anlegtest wie sie das ihre. Die Gegenwart sieht leicht ein bißchen auf die Vergangenheit herab; aber die Zeiten hängen wohl viel tiefer zusammen; ich kann das nicht so ausdrücken."

Du brauchst es auch nicht", sagte der Bruder und hob sein Glas. Es ist gut, daß es unter den Ebeners auch Frauen gibt. Sonst müßten wir uns alles von den Malletkes klarmachen lassen. Der Pfarrer wird an dir sowieso seine Freude haben. Du wirst ihn ja vald kennen­lernen."

Abendlied.

Von Matthias Elaudius.

Der Mond ist aufgegangen, Die golbnen Sternlein prangen Am Himmel hell und klar;

Der Wald steht schwarz und schweige Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille Und in der Dämmrung Hülle So traulich und so hold!

Als eine stille Kammer, Wo ihr des Tages Jammer Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen. Und ist doch rund und schön!

So sind wohl manche Sachen, Die wir getrost belachen, Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder Sind eitel arme Sünder, Und wissen gar nicht viel; Wir spinnen Luftgespinste Und suchen viele Künste Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen, Auf nichts Vergänglichs trauen. Nicht Eitelkeit uns freun!

Laß uns einfältig werden. Und vor dir hier auf Erden Wie Kinder fromm und fröhlich (ein!

Wollft endlich fonder Grämen Aus dieser Welt uns nehmen Durch einen sanften Tod!

Und wenn du uns genommen, Laß uns in Himmel kommen, Du unfer Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder, In Gottes Namen nieder;

Kalt ist der Abendhauch.

Verschon uns, Gott, mit Strafen, Und laß uns ruhig schlafen. Und unfern kranken Nachbar auch.

ßin Freund konnni zu Besuch.

Von Ernst Kreuder.

Es ist noch fünf Minuten bis vier. Um vier wird der Zug kommen und auf den Geleisen halten, und bann werben Überall Türen aufgehen unb Leute aussteigen, und dann wird er Richard Wiedersehen.

Ferdinand geht aus der kleinen Bahnsteighalle hinaus in den warmen Sonnenschein, neben den Geleisen wächst spärliches Gras, hier und da blüht ein Löwenzahn. Es sind nur ganz wenig Leute da, die mit dem Zug hinunter nach Heidelberg fahren wollen. Der Dorfbahnhof liegt ziemlich hoch, man kann von hier aus weit über bas ausgebreitete Dorf mit ben vielen hohen Bäumen, mit ben beiben spitzen Kirchtürmen nach ben Höhen hinübersehen. Dort oben wohne ich also, bentt Ferbinand, ganz bort oben habe ich mich also niedergelassen. Es ist ein warmer Nach­mittag. Es liegt ein goldener Schimmer in der Lust, und über den sonst geschwungenen braunen Höhen ist die Lust aus einmal blau wie Vergiß­meinnicht. Das sind die Felder des Himmels.

Ferdinand macht kehrt und geht wieder neben den blanken, gleißenden Stahlschienen langsam zurück. Jetzt ist es auf der großen Uhr unter der Halle eine Minute vor vier. Mit jeder Sekunde kann der Zug m der Biegung vor den kleinen fernen Welldlechschuppen austauchen, und Ferdi­nand spürt, wie plötzlich alle Friedlichkeit ringsum für ihn verloren geht, der stille, sandige, nachmittägliche leere Bahnsteig verwandelt sich aus feinem gleichmütigen, zeitlosen, schicksallosen Dahindämmern, aus seiner über onnten, dörflichen Vergessenheit in eine erwartungsvolle, ankunsts­bereite Festigkeit. Er wacht auf, als das ferne Bodenerzittern beginnt, er besinnt sich, und bann wirb er mit Donnergetöfe, Dampfgebraus, mit dröhnender Wucht unb herzbeklemmenbem Erbeben übertumpelt.

Völlig klar ftanb er ba, als ber Zug bicht neben ihm anftürmte unb feine Wucht verlangsamte, unb plötzlich hielt, als wäre alle Kraft unb Wildheit von ihm gewichen. Türen flogen auf, ein Karren mit Süden unb Kisten würbe vorbeigezogen, mit Körben unb Paketen, ein Postschaffner mit bem Briefbeutel eilte vorüber, bas Dorf liegt still unb trdumenb ba im Nachmittagsgvld, unverrückbar ruhen bie weich geschwungenen braunen Hügel vor ben vergißmeinnichtblauen Weihern bes Himmels, still blüht der Löwenzahn längst den Geleisen, nur auf dem kleinen, sandigen, über­rumpelten Bahnsteig herrscht eine übertriebene, unnatürliche, gleichsam geronnene Unrast. Eine Minute Aufenthalt... Ferdinand wirft die an- gerauchte Zigarette fort, sieht, wie vorn der Kinderwagen eilig in ben Zug gehoben wirb, er erlebt bie ganze getriebene, wie traumverstrickte, gepreßte schwere Hast biefer Aufenthaltsminute mit, bann hat er ben hut- schwenkenben, lächelnden großen jungen Mann erkannt, und in diesem Augenblick Haden Zug unb Bahnsteig ihre erbrüctenbe Macht verloren, sie finb zu schemenhaften Unbeteiligten herabgesunken, unb eine völlig neue, erlöfenb weite, branglose Zeit beginnt. Die Freunde gehen sich entgegen, der Angekommene hat noch bie Luft ber langen Reisestunden um sich, die Warte- unb Sitzgeduld auf ber Abteilbank, im Blick bas unausgesetzte Hinausspähen in bie sich immer erneuernbe, fremb vorbeiziehenbe Land- fdiaft, unb Ferbinanb fühlt sich jetzt einen Augenblick arm unb unschein­bar, namenlos unb unbebeutenb, obwohl ihn die Wiedersehensfreude mächtig erwärmt.

Da bist du also, Richard!" sagte er,gute Reise gehabt?" Sie haben sich lange nicht gesehen, was soll man in einem solchen Augenblick sagen k Sie sehen sich lächelnd an, forschen lächelnd in des anderen Gesicht nun sind sie wohl beide erleichtert, unbemerkt rollt ber Zug bavon, schlaft der Bahnsteig in der Sonne ein, verschwinden die Ausgestiegenen. Ferdinand nimmt dem Freund den Koffer ab, unb nun, ba er ben ziemlich schweren Koffer trägt, verwirklicht sich bas Wiedersehen immer mehr, rückt die Zu­sammenkunft näher. Sie gehen nebeneinander durch die Sperre hinunter auf die Dorfstraße, Richard ist viel zu verwundert, um zu reden, er muh sich immerzu umsehen, es ist alles neu und fremd für ihn, er ist zum ersten Male in dieser lieblichen Odenwaldgegend, und Ferdinand ist immer noch ganz betroffen, er findet nicht ein vernünftiges Wort, und fo fragt er höchstens, ob ber Freunb hungrig sei ober Durst habe.Du hast schönes Wetter mitgebracht", sagt er noch,unb wann bist bu eigentlich in Nürn­berg abgefahren?"

Nachmittägliche, burchsonnte Stille liegt in ben Hellen Dorfstraßen, Richarb finbet, baß es hier so viele schöne alte Mauern gibt, unb so sieht auch Ferbinanb bie bemoosten alten Mauern roieber an, unb plötzlich ist er mübe Er stellt ben Koffer hin, sieht Richarb etwas streng an, lächelt unb sagt:Meinst bu nicht auch, daß mir uns erst einen Augenblick hinsetzen könnten? Es ist noch eine gute Dreiviertelstunbe bis zu mir hinaus."

Sie treten burch eine Penbeltür in einen kühlen Hausflur. Ferbinanb öffnet bie Tür zur Gaststube, an bem großen, runben Tisch in ber Mitte sißen brei ältere Dorfbewohner im Gespräch, einfache, werktägig gekleidete Männer. Er geht auf den weißen, blankgescheuerten Tisch in ber Ecke zu, stellt ben Koffer hin, hängt ben Hut an ben Haken, ruft bem Wirt hinüber, ber hinter bem blankgeputzten Büfett steht, baß sie einen Korn trinken, unb nimmt bann neben Richarb Platz.

Da sitzen sie nun unter ber nichtigen, rauchblinben Decke, bie Arme auf ben Tisch gelegt, lächeln unb schauen sich an. Der Wirt, in Weste unb Hembsärmeln, stellt zwei bickwanbige, gefüllte Schnapsgläser vor sie hm. Wohl betomms!"

Also", sagt Ferbinanb unb hebt sein Glas,jetzt bist bu also hier, Richarb. Willkommen unb auf bein Wohl!"

Richarb lächelt sein breites, herzliches, das ganze, große Gesicht füllende, stille Lächeln, er ist immer noch nicht ganz hier, und fo trinken sie sich zu. Der Korn ist mild und läuft weich über die Zunge, erst im Magen fangt er langsam zu wärmen und zu brennen an, und in seinem leichten, ätherischen Feuer schmilzt allmählich die letzte, fremde Betroffenheit des Wiedersehens.