sich nicht ver»
Herr Pfrundt, an. Alwien sei
der Ortsvorsteher zu Protokoll genommen haben, fiert Alwien ist ermordet worden! Es hat nur so ausgesehen, als ob er auf einen Stein gefallen sei. In Wahrheit ist dieser Stein auf ihn gefallen. Klar ausgedrückt: Alwien ist mit einem Stein niedergeschlagen worden!
„Sie waren dort? Haben Sie Beweise für das, was Sie sprechen?"
"Gewiß." Er sah sich um; sie waren allein, da griff er in die Tasche und" brachte einen Stein zum Vorschein Er war faustgroß und rund, dazu ziemlich glatt, wie aus einem Geröll oder am Strande aufgelesen. Steyer hielt dieses Stück in das Licht. „Der Stein »ft blutig, nicht
^"grQU v. Blinkburg nickt gespannt. Ein Schauer durchrann ihre @l'stener suhr fort: „Es ist nicht der Stein, auf dem Alwien lag, als man ihn entdeckte. Dieser Stein sand sich drei, vier Meter entfernt iN der Heide, vom Kraut fast verdeckt. Ich bemerkte ihn zufällig.
Und daraus schließen Sie ..." .... ~
Er hob eine Hand und wehrte ab. „Ich sage Ihnen, gnädige Frau, ich folgere keine Schlüsse; ich mutmaße nicht; ich weiß! S.e werden sich sogleich meiner Idee anschließen. — Man fand Alwien aus dem Rucken liegend in der Heide. Sein Hinterkopf lag auf etnem großen, eckigen Granitblock, einem Findling, der halb aus der Erde ragte. Auch dieser Findling wies Blutspuren auf. Aber nun kommt das Sonderbare. Alwiens Wunde am Hinterkopf war nicht bedeutend. Jedenfalls hatte sie nie zum Tode geführt. Den fofortigen Tod herbeigerufen hat eine Verletzung, die Alwien an der Stirn genau am Haaransatz erhielt.
,,0f) ...", brachte Frau v. Blinkburg heraus. Und dann: „Sie haben den Toten noch gesehen in der Heide?"
Ich war im Krankenhaus, ich habe ihn angesehen; man hat ihn dort aufgebahrt. Ich habe den Ortsvorsteher, den Arzt und den Gen- barmen veranlaßt, noch einmal die Leiche zu betrachten. Sie haben die Verletzung untersucht. Aber von einem Mord will man nichts wissen, trotz meiner markanten Hinweise."
„Ja — aber das sind doch Tatsachen, denen man
fernt, warf ich dringlich ein. .
Sagen Sie doch nicht Tatort! Es gibt keine Tat in diesem Sinne. Und daß der Stein ein Ende weit weg lag — bester Doktor, es sind viele Menschen inzwischen an der Unfallstelle gewesen. Ein Fußtritt hat ihn vielleicht wirklich ein Stückchen beiseite gestoßen.
Und dieser Fußtritt soll zufällig erfolgt fein?, fragte ich.
Da zuckten sie die Schultern und ließen mich fo ungefähr stehen. Der Herr Pfrundt meinte noch, kühl bis zum Halse, wenn ich das Gefühl hätte, es fei bei der Untersuchung etwas versäumt worden, möge ich meine Beziehungen zur Presse benützen und den „Fall" aufrollen. Das Wort Fall kam so überlegen höhnisch, daß ich es aufgab. Ich verlieh das Krankenhaus und ging nochmals zu der Unfallstätte."
„Um Himmels willen!"
„Doch. Ich hatte mich zu sehr geärgert. Cs war beinahe, als ob ich nun für eine persönliche Sache hier fechten müffe. Und es war wirklich gut, daß ich noch einmal zum Wegkreuz zurückging."
„Sie fanden noch etwas, was Ihre Ansicht befestigte?"
,Hch fand noch etwas. Ja. Und vor allem, ich begegnete einem Menschen."
Er sah zu Boden und zögerte einige Sekunden unschlüssig.
„Jetzt müssen Sie mir alles sagen", bat Frau v. Blinkbura „Sie haben mich zur Hälfte eingeweiht, ich muß nun auch den Schluß der Geschichte wissen."
Er hob den Kopf mit einem Ruck. „Den Schluß!? Oh, Frau o. Blinkburg, der Schluß steht noch aus. Diese Geschichte, wie Sie sagen, beginnt erst. Sie ist doch recht düster und geheimnisvoll, und kein Lichtschein will sie vorläufig aufhellen."
(Fortsetzung folgt.)
nm einen Unglücksfall, einen Hef bedauerlichen natürlich; aber eine 1
Schuld frage kann nicht gestellt werden. Das bewies der Ve,und an ,
Drt und Stellbar g^nug.. bei)elmten Gendarmen an Ein j
Mann.' blond bebartet, mit gutmütigem Gesicht, das kaum die Gabe triminaliftitoer Findigkeit verriet. „Run, das ist auf jeden Fall besser, als wenn fid) an die Tragödie noch ein Prozeß anschloffe, Raubmord °^^Ia""wrach Herr Pfrundt, „solchen Fall haben wir in unserer Gemeinde Gott sei Dank noch nicht erlebt." Er faßte an den Hut und beendete die Unterredung. Adalbert Steyer hielt ihn nicht mehr zuruck.
Ohne Eile schritt er weiter. Ich bin wahrhaftig ein Narr, dachte er. Was redete ich da von Mord und Totschlag. Ich bin in dieses Heio^ dors gefahren, um auszuspannen. Nun kommt mir dies dazwischen. Ach tann ^beifeite treten. Niemand will etwas von mir. ^tuß ich mich vordrängen. Er blieb stehen. Ich sollte umkehren. Was habe ich beim Weg- kreuz, wo man Alwien fand, zu suchen. Eine Sekunde Zögerte er, fein Schritt stockte, dann ging er weiter. Er schritt sogar rascher aus. Wes halb? Es war nicht zu erklären. Wie sollte er em Gefühl beschreiben, wenn es keine Auswirkungen zeigte, als diese Beschleunigung des Marfcktempos? Ihm war, als habe er einen inneren Ruf gehört- Er mußte noch einmal zum Wegkreuz gehen. Es war wichtig. Vielleicht war doch etwas vergessen worden. So wehrte er sich denn nicht langer.
Stand etwas gegen ihn? Der Mond verschwand. Der Wind am stärker auf; er jagte pfeifend Wolkenfetzen niedrig über die Heide. Aber Steyer war nun'nicht mehr zu beirren. .
Dort war der Kreuzweg. Wahrhaftig, die Stelle lag wie ein helles, großes Kreuz in der dunklen Heide. Hier waren Menschen gewesen vor kurzer Zeit/ Die Wegränder waren zerstampft, das Heidekraut war niedergetreten. Steyer schritt gebückt. Er suchte den Boden °b Wenn Alwien an dieser Stelle vorn Weg abgebogen war, um zum Hotel über die Heide querfeldein, rascher vorwärts zu kommen, mußte er hier gestürzt fein. Dort lag ein Stein. Und da nneder emer. Diele Steine. Man bemerkte sie erst gar nicht, sie waren zur Hälfte noch m der Erde.
Steuer schritt den Weg, den Alwien genommen haben mußte. Fern schimmerten die Lichter des Hotels. Da faß eine entzückende Frau und wartete. Weshalb ftapfte er hier durch das Heidekraut? Vollkommen sinnlos. Sein Interesse war, hier sernzubleiben. Der Tote war abtrans- oortiert Diese Stelle zu finden, die Steine anzufehen, ob er vielleicht ben einen mit den Blutspritzern wiedersand, war ein unsinniges Unter» fan®r" roar im Begriff, sich aufzurichten, da stolperte er. Fast wäre er auch gestürzt. Duplizität der Ereignisse. Jagte ihm das solchen Schreck ein? Er richtete sich nun doch auf. Gerade tarn der Mond einen Augenblick hinter einer Wolkenwand hervor. Er warf ein unwirkliches l-icht auf Siegers Gesicht. Das war es wohl, was diefe Züge fo verzerrt und gespannt zugleich erscheinen ließ. .
Denn den Mann, der da über die Heide in feinem Rucken herankam, hatte Adalbert Steyer noch nicht bemerkt, weder gehört noch gesehen. Der Mann nämlich, der sich näherte, vermied es, auffällig zu werden, bevor er es nicht selber wünschte. Daß er den Schriftsteller schon lange gesehen hatte, war ganz gewiß.
Vielleicht wunderte er sich, was dieser fremde Mann dort an der Unsallstelle machte. Er schritt behutsam näher. Auf zwanzig Meter etwa blieb er stehen, faßte in die Tasche und zog einen Revolver
„Hallo!" rief er. „Wer sind Sie? Was suchen Sie hier?
Steyer prallte herum, als habe er einen Schlag bekommen. Er hatte sich namenlos erschrocken.
Der Fremde kam heran und sah ihn an. „Was suchen Sie hier? wiederholte er drohend seine Frage.
Adalbert Steyer starrte in die Revolvermundung. „Tun Sie die Waffe herab", sagte er, „von meiner Seite droht Ihnen keine Gefahr.
War das eine Antwort? Der fremde Mann musterte den Schriftsteller prüfend. Dann ließ er den Revolver sinken. „Wissen Sie, wo Sie hier stehen?" fragte er.
Steyer nickte. „Ich bin aus dem Hotel", erklärte er, „dort wußte man es schon. Doch Sie kommen aus der entgegengesetzten Richtung... Er brach ab. Es war wohl gefährlich, in dieser Situation so etwas zu
^Der andere sagte kalt: „Ich wußte es als erster. Ich fand ihn. Dort lag er. Ich bin der Pächter Gkahn vom Rügen Hofs."
3.
Frau v. Blinkburg hatte wirklich gewartet. Sie saß noch am selben Platz; nur die beiden Schiebfenster hatte sie herunterziehen lassen, denn der Wind hatte Kühle und Staub herangeblasen.
Steyer langte ein wenig außer Atem an. Wahrscheinlich war er deswegen so bleich. Sie sah ihn an, aber es täuschte sie nicht. Sie sah sogleich, daß feine Erregung einen anderen tieferen Grund haben mußte. Er ließ sich recht formlos in den Korbstuhl ihr gegenüber fallen.
Was gibt es denn? Ist Ihnen doch ein Heidefpuk begegnet?"
Er schüttelte den Kopf, aber er vermochte nicht, ihr schwaches Lächeln S erwidern. Seine Hände taten eine Bewegung, die auf halbem Wege on zerslatterte; er ließ sie wieder auf die Knie sinken. Als er sich vorbeugte und zu ihr sprach, erschrak sie vor dem Glanz seiner Augen und überhörte fast seine Worte. Erst als das Wort Mord fiel, schrak sie zusammen und horchte auf.
„Aber um Himmels willen, Herr Steyer, wie dürfen Sie das aus» sprechen! Wenn Herr Alwien ermordet worden wäre, wüßte doch zu allererst die Behörde davon!"
„Das ist die weitverbreitete Laienmeinung", versetzte er trübe; „aber die Behörde, das sind auch nur Menschen, nicht wahr; und Menschen können sich ost gewaltig irren und sind leicht zu täuschen."
„Sie glauben ..."
„Ich glaube nicht nur, ich weih! Leider, muß ich sagen. Herr Alwien ist nicht gestürzt und aus einen Stein gefallen, wie der Gendarm und
schließen kann!"
Er neigte den Kopf.
„Das habe ich genau fo gesagt, gnädige Frau. Aber so heißt der Ortsvorsteher, erkannte solche Beweise nicht gefallen, das stehe fest. Er habe eben am Boden n°ch °'ne Wendung gemacht und sich auf den Rücken gedreht Der Arzt zuckte die Achselm Ob die Verletzung von einem Sturz oder Schlag herruhrte, fei in btefern Falle nicht mit Sicherheit festzustellen. Er, wenn feine persönliche Meinung in Frage komme, glaube an einen unglücklichen Sturz.
Frau v. Blinkburg sagte nichts daraus. Sie war zu überrascht von allem, als daß sie schon eine feste Meinung gehabt hatte. S,e war bereit, sich Steqers Ansicht anzuschließen, denn Steyer war nah und hatte klare Argumente; aber sie begriff anderseits, daß auch die Manner tm Krankenhaus zu ihrer Ueberzeugung, daß hier ein Ungttickssall vorliege, auf Grund von berechtigten und wohlerwogenen Schluffen gekommen fein mußten. _ _ , . ...__. .
Es war, als ahne Steyer ihr Schwanken. Er beugte sich noch ein wenig näher. „Wissen Sie, was ich vermute, gnädige Frau? Man will den Mord nicht", flüsterte er. „Man wünscht für den aufstrebenden Fremdenerholungsort nicht folchen Kriminalfall, der recht fühlbare Folgen haben könnte."
Sie hatte große runde Augen.
„Unsicherheit in der Heidegegend hier würde manchen abhalten, herzukommen. Das meinen Sie doch?"
So ist es", gab er zu. „Herr Pfrundt sowohl wie die anderen Männer hatten es eilig, mich non dem Toten wieder wegzubringen. Meinen Stein hier, dies untrügliche Beweisstück, wie mir scheinst beachtet..: sie gar nicht. Lieber Herr Steyer, sagte Pfrundt bieder. Sie sind Schriftsteller, Ihre Phantasie geht mit Ihnen ein bißchen durch. Ihr Kieselstein da hat eben auch einen Blutspritzer abbekommen, als der arme Kerl sich den Schädel ausschlug. Das ist doch ganz logisch.
Aber dieser Stein lag mehrere Meter vom eigentlichen Tatort ent-


