Verantwortlich: br.-ftanä Thtzrtot. — Druck und Derlag: Drühl'sche UniverlitätS-Duch« und Lteindruckerei. 2L Lana«, Gieße».
Nun noch etwas über die Auflagenhöhe: Wenn es sich um ein Buch eines noch unbekannten Dichters handelt, werden im allgemeinen ein paar tausend Exemplare gedruckt. Selbstverständlich richtet sich die Höhe der Auflage nach den Erfolgsmöglichkeiten, die der Verleger in einem Buch sieht. Sind diese begründet, so riskiert er wohl auch mehr. Handelt es sich um den neuen Roman eines bekannten Dichters (auf den bekanntlich alle wartenl), so druckt der Verleger vielleicht 10 000 oder mehr Exemplare, weil er weiß, die Bücher werden von den Lesern gekauft, ja mehr noch, die Auflage steigt mit der Zeit, so daß in kurzem eine zweite und dritte folgen muß. Dies aber sind die wenigen Ausnahmen, die Glücksfälle. Manchem Dichter schweben sie im Traume vor! Aber tatsächlich kommen die meisten Bücher über die erste Auslage nicht hinaus.
Für den Erfolg eines Buches sind Umschlag und Einband wichtig. Was diese betrifft, so beauftragt der Verleger in den meisten Fällen einen Buchkünstler mit dem Entwurf. Ist das Buch also bis hierher fertig, so beginnt für den Verlag die schwierige, aber wichtige Arbeit der Propaganda. Die Lektoren brüten über zugkräftigen Texten, die auf den Schutzumschlag gedruckt werden und zumeist besagen, daß dieses, gerade dieses Buch dasjenige ist, das man unbedingt gelesen haben muß. So ausgerüstet, erscheint denn eines Tages das neue Buch in den Schaufenstern der Buchhandlung, — so gelangt es vom Dichter auf einem weiten Wege zum Leser.
Bon Kopf zu Kopf.
wie ein Buch entsteht.
Von Hanns Arens.
Es bestehen im allgemeinen recht unklare Vorstellungen über den Werdegang eines Buches, den wir hier schildern wollen, ausgehend von der ersten Idee im Kopf des Dichters, bis hin zur Lektüre, also bis zum Kopf des Lesers. Ein weiter, mühsamer Weg liegt dazwischen, von dem die meisten Leser und Bücherfreunde selten Kenntnis erhalten.
Es lassen sich über den allerersten Anlaß im Dichter, ein Buch zu schreiben, keine allgemeingültigen Aussagen machen, da er tausendfach verschiedener Natur ist. Ein winziger, rein äußerlicher Vorfall kann die Idee zu einem großen Romanwerk ergeben. Nur eines können wir sagen: immer wird die Vision, die Idee, oder wie man sonst jenen rätselhaften Vorgang benennen will, maßgeblich sein für die Komposition der ganzen Dichtung: wird Grenze und inneres Ausmaß bestimmen, wobei es jedoch noch nicht endgültig feftsteht, ob sich der Stoff, ursprünglich für einen Roman vorgesehen, nicht später zu der Form einer Novelle umschwingt: ja, nicht selten entdeckt der Dichter bei der Arbeit einen „Irrtum", nämlich, daß der Entwurf einen stärkeren dramatischen als epischen Charakter hat, was ihn dann veranlaßt, dies von der erzählerischen Seite her begonnene Werk zum Drama umzugestalten.
Nehmen wir nun an, ein Dichter erhalte durch einen inneren oder äußeren Anlaß die tragsähige Idee und damit den Stofs für einen groh- angelegten Roman. Was dann weiter? In den meisten Fällen vergeht eine längere Zeit, ohne daß der Autor ein Wort schreibt: wohl selten geht der Schriftsteller gleich ans Werk. Unablässig aber arbeitet in ihm der Ideenkeim weiter, wird größer und umfassender. Das Beispiel vom Samenkorn ist hier am Platze: so wie dieses entwickelt sich organisch die Idee. Vielleicht macht sich der Dichter im Verlauf der Zeit Notizen, Bemerkungen über diese oder jene Einzelheit, wohl auch, je nach der Arbeitsweise, größere Exposes.
Einige Autoren arbeiten, wenn sie erst einmal begonnen haben, unter derartigem inneren Hochdruck, daß sie in ganz kurzer Zeit ein Werk abschließen können. So schrieb der junge Oesterreicher Karl Heinrich Waggerl seinen ersten Roman „Brot" in genau vierzig Tagen: nur ein Kapitel hat er später unwesentlich neu bearbeitet. Dagegen schreibt Gustav F r e n s s e n , um ein gutes Gegenbeispiel zu nennen, an jedem Roman «'tma zwei bis drei Jahre, ehe er ein Werk als fertig aus der Hand gibt.
Bei alledem sind die vielen Kleinänderungen, die sich im Laufe der Arbeit zwangsläufig ergeben, nicht berücksichtigt.
und er ruyre eher, als bis er sich entweder von der Unbedeutsamkeit des Gegenstandes überzeugt oder das daraus gemacht hatte, was sich daraus machen ließ. Diese Eigenschaften, verbunden m.t der größten Bescheidenheit und Herzensgüte, machten, daß alle seine Bekannten ihm mit der herzlichsten Liebe und Anhänglichkeit zugetan waren.
Das Leben in Glasgow, in einem Kreis gleichgesinnter Naturen, wird für James Watt von entscheidender Bedeutung Er beschäftigt sich nach wie vor mit einer unerschütterlichen Ausdauer mit dem Wesen und dem Probl-m der Dampfmaschine, und als er dazu auserkoren wird, das alte schadhafte Modell, das von der Universität für Studienzwecke benützt wird, wieder in Ordnung zu bringen, ist seine große Stunde gekommen. Er entledigt sich der Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit seiner Auftraggeber, die feine Tüchtigkeit und seinen Scharfsinn bewundern, aber darüber hinaus konstruiert er im Laufe der Jahre eme ganze Reihe technischer Verbesserungen, die aus einem gründlichen Studium beruhen und von epochemachender Bedeutung sind. Er arbeitet solange, bis es ihm endlich gelingt, die wesentlichsten Mangel der alten Dampsmaschine auszuschalten und gänzlich neue Ideen zu finden. Sem Werk bedeutet einen ungeahnten Aufschwung in der Entwicklung der B03arnesiC9Ba 11 erfindet einschneidende Veränderungen und Verbesserungen, er baut eine Maschine, die bei der stärksten Kraftwirkung die Regelmäßigkeit und Genauigkeit einer Uhr besitzt. Er erfindet den Kondensator, in den die Dämpfe abgeführt und verdichtet werden, er baut einen geschlossenen Zylinder mit Selbststeuerung, er nutzt den Damps aus so weit es auf Grund seiner Studien und Beobachtungen möglich ist,' und erzielt so eine wichtige Ersparnis an wertvollstem Brennmaterial, er läßt den Kolben des Dampfzylinders nicht mehr durch die atmosphärische Luft niedertreiben, sondern ebenfalls durch Dampf, mit einem Wort, James Watt beseitigt alle Unsicherheiten und Unregelmäßigkeiten durch raffinierte technische Neuerungen. Das glorreiche Produkt dieser Forscherarbeit ist schließlich die Ersindung der berühmten .doppeltwirkenden Dampfmaschine", einer klassischen Mustermaschine, in der die Früchte jahrelangen Grübelns und Forschens Gestalt gewonnen haben. . , ... ..
Unübersehbar und glanzvoll für die gesamte Weltwirtschaft, für die Technik und Industrie aller Länder, ist die Auswirkung dieser epochalen Ersindung. Das Fabrikwesen nimmt einen ungeheuren Aufschwung, es ist wahrlich ein Werk, das die Welt bewegt und erschüttert, ein beispielloser Gewinn für die Zivilisation, mit dem aber freilich auch das Problem Mensch und Maschine eine furchtbare Aktualität erlangt.
James Watt hat gekämpft und gesiegt. Er hat zahlreiche Fehlschlage erlitten, aber feine starke Energie hat ihn immer wieder aufgerichtet. Er war einer von den wenigen Erfindern, welche die Krönung ihres Werkes erleben durften. Im Jahre 1773 lernte er den Mann kennen, der das Geld und die Macht befaß, feine Erfindung kaufmännisch zu verwerten. Dieser Mann war der Industrielle Matthias B o u l t o n. Aus seiner Verbindung mit Watt entstand jene großartige Maschinenfabrik, die die gesamte kultivierte Welt mit den neuen, aufsehenerregenden Dampfmaschinen belieferte. — Watt starb am 19. August 1819.
Don aller Mühe aber spürt der gemütlich im Sessel sitzende Leser nichts und je mehr es dem Dichter gelingt, seine Leser die aufgewendete „Arbeit" nicht spüren zu lassen, je spielerischer, oder „gekonnter" uns ein Werk erscheint, desto schneller und inniger sind wir seiner Romanwelt verhaftet. Wir ahnen nichts von den Zweifeln und Qualen des Dichters, dem Martyrium des Schaffenden. Diese Unruhe, peinigend und schmerzhaft alle Nerven im innersten Element erschütternd, diese heilige Unruhe begleitet ihn durch Tage und Nächte, durch Monate und Jahre, unab- lässig Jedes neue Werk bedeutet Kampf, Ringen: unerbittlich und hart- näcklg fordert es ihn heraus. Wir, die Leser, sind nicht Zeuge all dieser unauszählbaren Anforderungen, die ein unbestechliches Gesetz an den Dichter stellt; wir genießen nur, mir sind Beschenkte, dankbare oder tadelnde, und teilhaftig jener Freude, die uns die Dichter durch ihr Werk bereiten. *
Wenden wir uns der technischen Seite zu. — Ist ein Roman nach Ansicht des Dichters endgültig abgeschlossen, und liegt er nun in mog'-chst orgsältig korrigierten Schreibmaschinenseiten vor, bann wandert er — irofjer Tag für den Autor — zum Verleger. (So man hat, werden einige agen!) Hier wird er in mehr oder weniger kurzer Zeit geprüft und, ofern sich der Verleger zur Annahme entscheidet, alsbald zum Drucker geschickt. Dieser druckt ihn nicht gleich, das heißt zum fertigen Buch, wie manche Leser annehmen, sondern schätzt auf das genaueste erst einmal den Umfang für die Buchform, wobei natürlich die Wahl der Type und die Größe des Satzspiegels ausschlaggebend sind. Nach dem Umsang richten sich bann ber Papierverbrauch unb bte Lage bes Papiers. Erst nachdem alle technischen Kleinarbeiten vom Verleger unb Drucker gemeinsam abqewickest sinb, wirb Auftrag gegeben, bas Manuskript abzusetzen, bas heißt, bas ganze Manuskript wirb erst einmal vollkommen abgesetzt unb in sogenannten „Fahnen" abgezogen.
Diese „Fahnen", auch „Bürstenabzüge" genannt, gehen nun zu Verlag unb Dichter; der Korrektor des Verlegers lieft lediglich auf Druckfehler hin, die natürlich immer unterlaufen; der Dichter aber, auch diese mit’ berücksichtigend, lenkt seine ganze Aufmerksamkeit auf das dichterische Werk. Für ihn beginnt jetzt wieder eine angestrengte Tätigkeit, denn letzt bietet sich ihm unweigerlich die letzte Möglichkeit, Korrekturen oder Aenderungen anzubringen. In diesem Stadium ist das kritische Gefühl des Dichters besonders angespannt und empfindlich, denn was er letzt versäumt, an Unausgeglichenheiten nicht bewältigt, ist ihm für die Dauer der ersten Auflage entgangen. Und wie viele Bücher gelangen nicht über die erste Auflage hinaus! m ,
Manche Schriftsteller fangen nun zum Kummer bes Verlegers an, ganze Seiten ober gar Kapitel zu streichen und neu zu schreiben Vor allem beginnt für den Dichter wieder der heimliche Kampf mit der Sprache; immer wieder zwingt er sie in seinen Dienst, fo schwer es oft für ihn ist. Immer wieder tauchen Zweifel auf, und nicht feiten wohl verzweifelt er am ganzen „Wert" seiner Arbeit. Seit langem mit seinem Stoff tief verbunden, zu nah noch allen Wirrnissen und Geschehnissen seiner erdichteten Welt, die für ihn überdeutliche Wirklichkeit ist, hat er nicht immer den genügenden Abstand; sein Herz kann noch nicht die klare unparteiische Distanz gewinnen, die nötig ist. Viele Autoren legen aus diesem Grunde das im Manuskript abgeschlossene Werk für längere Zeit zur Seite, ehe sie es dem Verleger einreichen, um es später mit nüchternem Blick erneut zu prüfen.
Doch was geschieht weiter? Erst nachdem der Verfasser alle Korrekturen gelesen hat, die wiederum von der Hauskorrektur des Verlegers auf vielleicht noch übersehene „Druckfehlerteufel" geprüft werden, erst wenn diese letzte Lesung, Revision genannt, stattgefunden hat, erst dann erhalt der Drucker die Änweisung, mit dem Druck des Buches zu beginnen. Bei der Revisionskorrektur ist in den meisten Fällen schon der sogenannte Umbruch vorgenommen, das heißt, die Fahnen sind auf die Buchgröße gebracht worden. Er richtet jetzt seine großen Druckmaschinen ein, die, je nach Große, acht oder sechzehn Seiten des umbrochenen Satzes drucken können. Unaufhaltsam laufen nun Bogen um Bogen über die Walzen. Das überraschte und erstaunte Auge des Laien erlebt nun das Wunder jener großen Kunst, die Johann Gutenberg für die Menschheit entdeckte. Die sauber gedruckten Bogen werden von einer anderen Maschine gefalzt und in diesem Zustand zur Buchbinderei geschasst, wo sie zu Büchern zusammengestellt und vom Verlag vorbereitet werden für den entscheidenden Start in die große Welk.


