Ausgabe 
17.1.1936
 
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es die Eisenbahn gab,Fuhrmann* zwischen den Städten Monschau, Düren, Aachen. Ungefähr so wird es bei den Männern der fünf oder sechs früheren Geschlechterfolgen gewesen sein, von denen die Archive nur Namen sagen. Zusammenfassend: ein Geschlecht von Bauern steht vor uns, erbeigenen, aber kleinen, wie das Maß den Verhältnissen des Landes, das keine großen kennt, als mittleres entspricht. Nur von einer Ahnmutter in der siebenten Reihe, Elisabeth Philippens aus Noorbeck im heutigen cholländifch-Limbura, heißt es einmal, daß sieveele goede- ren", viele Güter (bedeutet wohl: Äecker) besessen habe.

Irgendwo aber, ebenfalls in der siebenten Folge, in dem vor ein paar Jahrhunderten durch Kunsttöpferei landweit bekannten Dorfe Raeren (dem Geburtsort derProbanden"), treten drei Erbväter alsSannen- bäcker" auf, deren Namen ich auf den Ergüssen ihrer Fertigkeit in den Museen von Berlin, Paris und Neuyork gefunden habe. Das Handwerk erscheint in ihnen verselbständigt, gehoben, veredelt. Was Wunder, daß diese Meister sich mit dem Adel des Landes verheiraten konnten! Sie gingen auf die Burgen und führten die Töchter weg ich habe das nicht gewußt, da ich als Kind auf eben diesen winzigen Landburgen, auf denen Verwandte saßen, wohnte und spielte.

Die Kunstpötterei hat auch einen vielleicht selbständigen Stand der Fuhrleute, der der Familie Ahnen stellte, nötig gemacht, und zwar Kerle, dieins Reich" angeblich bis nach Warschau östlich und in das Königreich Navarra westlich fuhren und RaerenerKunst" verkauften.

Es erscheint einmal die Bezeichnung: Potoerkoper tot Antwerpen. Und hier stehen wir von neuem vor einer Wand, vor der Nacht des Nichtmehrwissens.

Aber in der fünften Schicht ist ein Stein: Maria Isabella, von der sich der schöne Name bis zur Schwester herab leitete, aus dem Geschlechte der Schwartzenberg. Diese ist die Spitze einer zweiten Pyramide, die in die vom Nichtwissen aufgelockerten unteren Schichten der ersten einbringt und sich rückwärts bis in die graue Volksvorzeit belichtet zurückbaut. Leider ist es nur eine Linie und nur eine von der Vaterseite, durch welche die beiden übereinanderstehenden Pyramiden Zusammenhängen.

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Das Geschlecht entstammt den alten Herzogtümern Limburg (väter­licherseits) und Jülich (mütterlicherseits), also dem Raume zwischen Rhein und Maas, dem Land näher und zunächst der Maas. Doch sind die poli­tischen Landschaften einander benachbart, die Grenze ist eine zufällige. Die natürlichen Landschaften gehören im Sinne der Ergänzung zuein­ander. Die eine ist ein sehr fruchtbares, volkreiches Lößackerland am Cifelfuße, die andere dünner besiedeltes Rodungsland in den Wäldern und Heiden der Eifelhochfläche. Diese Landschaft ist im Siedlungssinne die jüngere. Ich habe die drei Landschaften geschildert: die des Lößackerlandes inCie Bockreiter", 1919, die des Wiesenlandes inSieben- quelle n", 1908, die des Rodungslandes inJungfräulichkeit", 1906. Unter den Ahnen erscheinen Leute namens Plum, Jaspers u. a., Namen, die man aus der Geschichte der Bockreiterabenteuerei kennt. Es wird wahrscheinlich gemacht, daß gewisse Rodungsflecke im Wals und Venn ganz von den Angehörigen der Blutssippe besetzt sind. Zu sagen wäre noch, daß die Landschaft im Oberlande, die der mütterlichen Ahnen, fast städtelos ist, und daß an den Ecken des anschließenden Unterlandes, des der väterlichen Erbmasse, drei uralte Städte, Aachen, Lüttich und Maastricht liegen. Man muß auch wissen, daß die zwei natürlichen Land­schaften durch drei Reichs- und zwei Sprach- und Völkergrenzen mitten durchgeschnitten werden, von denen die Hauptgrenzlinie, die älteste von denen, die Nordeuropa aufteilen, auch wohl die empfindlichste ist. Die politischen Erdbeben werden hier an ihr stark gefühlt.

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Sehr merkwürdig will mich dünken, daß erst im ausgehenden Mittel- alter eine nachweisbare Beziehung zu Menschen in Städten auftritt, es erscheinen in der Blutsreihe Namen von Bürgermeistern der freien Reichsstädte Aachen und Köln (in dieser zur Zeit der Erbauung des Köl­ner Doms). Die Bauern, die Handwerker, die Adeligen scheinen die Städte im allgemeinen geflissentlich gemieden zu haben. Erst einlandbouwer" auf der Namenslinie Johann Hambert Pontus, stirbt in Maastricht und fein, des Altelters, Sohn, der Urelter Jan Hendrik, lebte selbst noch auf dem Lande geboren, als ein unruhiger Hans-in-allen-Berufen (Bier­brauer, Fuhrmann, Kutscher, Nachtwächter, Bedienter, Taglöhner" sagen von ihm die Urkunden aus) in Maastricht, später in Eupen. Dessen Sohn, der Großvater, aber ging wieder aufs Land, und erst der Vater zog als ein Bauunternehmer in die Stadt, Aachen nämlich, damals, als es in Deutschland plötzlich Städte auszubauen galt. Aus Maastricht, dessen Stadtheiliger und Patron der einst freien Reichskirche Sankt Servatius ist, leitet sich des Verfassers zweiter Vorname Servatius her.

Als die wesentlichste der Erkenntnisse nun erscheint die der Orts­beständigkeit und Landschaftsverwurzelung eines Geschlechtes, das, wenn feine nachweisbaren, beleuchteten Teile den scharf umgrenzten Raum in schöner Gleichmäßigkeit besetzten, ihn auch mit seinen im Dunkel gebliebe­nen nicht verlassen haben wird, was man mit Sicherheit annehmen kann, wenn man die fehlende Freizügigkeit der niederen und schwere Zügigkeit der oberen Stände in zurückliegenden Zeiten bedenkt. Wert zu wissen ist auch wohl das Verbundensein und -gewesensein mit Niedrig und Hoch einer deutsch bevölkerten Landschaft. Auch fremdes Volkstum kommt, als wollte es feine Besuchskarte ablegen, auf einigen wenigen Linien herein, romanisches, wahrscheinlich in der Spielart des wallonischen, und gerade auf der Stammlinie. Der Nome des Altelters Pontus kommt in d e Ho­ltersUlenspiegel" vor. Der Großvater des Altelters mit dem Vor­namen Lebunius, Gatte einer Lucia Mespelboom und Verwandter der uns schon bekannten Elisabeth Philippens, alle aus dem holländischen Maaslande, nannte sich Pontis, mit dem Ton wahrscheinlich auf der zweiten Silbe. Es will scheinen, als werde sich bald ergeben, daß Pontis ein Ortsname ist, heute Pontiffe gefcbrieben; Pontiffe aber liegt im Stadt­gebiet Lüttich und ist ein Teil des Vorortes Herttal. Erst der famose Jan Hendrik nannte sich, wahrscheinlich bei seiner Ueherfieölung auf reichs­deutsches Gebiet, so wie die Familie heute heißt. Das ist in großen Zügen das Gegebene.

Wiuieruacht und Krühlingettraum.

Von Josef von Eichendorfs.

Verschneit liegt rings die ganze Welt, Ich hab nichts, was mich freuet;

Verlassen steht der Baum im Feld, Hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht Und rüttelt an dem Baume;

Da rührt er feinen Wipfel sacht Und redet wie im Traume.

Er träumt von künftiger Frühlingszeit, Von Grün und Ouellenrauschen, Wo er im neuen Blütenkleid Zu Gottes Lob wird rauschen.

James Watt, der Erfinder der Dampfmaschine.

Iu seinem 200. Geburtstage am 19. Januar.

Von Dr. Werner Hillbring.

Zu den genialsten Vorkämpfern des technischen Fortschrittes gehört James Watt, der Erfinder der Dampfmaschine. Es ist gerade in unserer gigantischen Zeit der donnernden Blitzzüge, die mit gespenstischer Geschwindigkeit durch die Landschaft gleiten, da die Bequemlichkeit der reisenden Welt Triumphe feiert, eine besondere Pflicht, dieses Mannes zu gedenken, der in jahrelanger, zähester Arbeit eine Erfindung schuf, die für das gesamte wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Welt eine entscheidende Bedeutung erlangte. James Watt war es, der als einer der ersten das Prinzip der Dampfmaschine in seiner fundamentalen Bedeutung erkannte und dieses Prinzip in einer mög­lichst vollkommenen technischen Form zu verwirklichen suchte.

Der Erfinder wurde vor nunmehr 200 Jahren zu Greenock in Schott­land geboren. Wie die meisten der wirklichen und bahnbrechenden Genies war auch er ein Selfmademan, einer, der aus kleinsten Anfängen, aus der urwüchsigen Kraft eigener Beobachtung heraus in die Welt feiner technischen Phantasie hineinwuchs. Es klingt wie eine unwahrscheinliche Legende, wie ein Mythos aus Schullesebüchern, wenn man die Entwick­lung dieses Mannes verfolgt: ein Anfang ohne Hilfsmittel und ohne die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Ausbildung, ein dämonischer Forscher­trieb, der sich schon in jungen Jahren Form und Gestalt sucht, eine naive Freude am Zerlegen und Zusammensetzen komplizierter Mecha­nismen. Dazu gesellt sich der Drang, Selbständiges zu leisten, aus eigener Beobachtung gänzlich neue Gebilde und Kombinationen zu schaffen. Wir finden bei James Watt alle diese Dinge stark ausge­prägt, die elementare Lust am Basteln, am Forschen, am Nachdenken, am Experimentieren. Schon früh offenbart sich in unbeholfenem, tasten­dem Ausdruck das reifende Genie des großen Neuerers.

Als Knabe bereits ist James Watt ein Eigener, einer, der sich von den andern obsondert, schwächlich und beherrscht von einem starken tech­nischen Spieltrieb Während die Kameraden ihre üblichen zwecklosen Spiele spielen, hockt dieser kleine, hartnäckige Sonderling im irgendeinem verborgenen Winkel und bastelt und bastelt und klopft, schraubt, sägt und hämmert, daß es eine wahre Freude ist. Spieltrieb, Wissensdurst, eine urhafte Neugierde Ganze lange Stunden verstreichen dem Jungen im Fluge, er merkt es nicht. Wie von selbst zaubert sich aus dem grübeln­den, tastenden Werk seiner Hände eine kleine Elektrisiermaschine und siehe das Ding funktioniert! Die andern, die Großen, Vernünftigen, sind überrascht, stehn vor einem Rätsel! Der erste Weg des Jungen, wenn er aufwacht, ist in seine Spielecke, in sein technisch-physikalischesLabora­torium", wo er die Experimente fortsetzt, die er am Abend vorher be­gonnen hat.

Mit neunzehn Jahren tritt er bei dem Mechaniker Morgan in London in die Lehre. Der Mechanikerlehrling James Watt findet aber erst ein Jahr später an der Universität Glasgow eine Wirkungsstätte, die seinem Genie gerecht wird. Er erregt sofort die Aufmerksamkeit ein­flußreicher Kreise. Seine Art, der wohl schon damals der Ausdruck einer ringenden, suchenden Genialität anhaftete, zieht alle, die feinen Weg kreuzen, in ihren Bann, Studenten und Gelehrte, Junge und Alte. Im Nu erobert sich der junge Mechaniker wohlmeinende Freunde, die ihm helfen, ihn betreuen und beraten, und seine Wohnung wird nach und nach zu einem gesellschaftlichen und geistigen Mittelpunkt. Der berühmte Staatsökonom Adam Smith ist ständig unter den Gästen. Man trifft sich und debattiert, man tauscht Anregungen und Gedanken, Probleme formen sich und werden lebhaft erörtert. Dieser James Watt ist faszi­nierend in seiner bescheidenen Schlichtheit, und, was bei seinem Alter erstaunlich ist, er weih eine Menge, wovon die andern keine Ahnung haben.

So schildert ihn ein Zeitgenosse:

Ich wurde ein Freund mathematischer und mechanischer Studien durch einige Bekannte bei Watt eingesührt. Ich erwartete einen ein­fachen Arbeiter und fand anscheinend auch einen solchen. Wie sehr aber sah ich mich überrascht, als ich bei näherer Prüfung in ihm einen Gelehrten erkannte, der, nicht älter als ich, dennoch imstande war, mich über alle Gegenstände der Mechanik und Naturkunde auszuklären, nach denen ich fragte. Ich glaubte in meinem Studium weit fortgeschritten zu fein und fand nun, daß Watt hoch über mir stand. So auch meine Genossen. Jede Schwierigkeit, welche uns oorkam, trugen wir Watt vor, und er war immer imstande, uns zu belehren, aber für ihn wurde jede solche Frage der Gegenstand eines neuen und ernsten Studiums,