Ausgabe 
16.3.1936
 
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Heimkehr zur Gesundung.

Sparta.

Verantwortlich: vr. tzanSThyriot. Druck und Derlag:Drühl'sche Univ er sitätS-Duch. und Steindrucker ei. R. Lange, Gi eben.

nis ausgeübt haben. ....... ...

Zwischen dem Altertum und der Paschaherrschast der Türken, zwischen dem feierlichen byzantnischen Zepter und der westlichen Demokratie eines neueren Griechenland erscheinen auf dem Hügel über Sparta abend- ländische Ritter, um ihre Herrschaft aufzurichten.Fränkische Ritter, womit sowohl deutsche wie französische gemeint sind, die irn gemein­schaftlichen Geiste der Katholizität und des Feudalismus den Peloponnes zum Pfeiler einer heroischen Brücke machen: der Kampfbrücke, die von 1096 bis 1291, durch zwei Jahrhunderte, das großartige Abenteuer der Kreuzzüge erlebt. 1204 erobern Kreuzfahrer Byzanz; der Graf Balduin von Flandern, durch die Ritter zum Kaiser ausgerufen, gründet gegen die byzantinische Monarchie einlateinisches Kaisertum , das bis 1261 dauern soll. Man kann sich endlich daran erinnern, daß der hohenstaufische Friedrich II., der hintergründigste Mann der deutschen Kaisergeschichte, in Italien geboren, den'Schwerpunkt seines Lebens in Sizilien findet. In diesem weitläufigen Zusammenhang einer erstaunlichen Versüdlichung deutschen, abendländischen Lebens erhebt sich seit des 13. Jahrhunderts Mitte die außerordentliche Erscheinung, die Mistra heißt: aus ihrer

I obersten Höhe mit einer Zitadelle gekrönt. , .

Von einem leidenschaftlich und kühn gespannten Dasein, das einmal 35 000 Menschen umschloß, sind phantastische Trümmer übrig, die am ehesten wohl an das provenzalische Les Baux gemahnen mögen an jene seigneuriale Felsenstadt bei Arles. Doch sind einige Kirchen und Klöster lebendig geblieben: die Metropolitankirche; Sankt Theodor; das Kloster der Pantanassa, der Allbeherrscherin, der Himmelskönigin

Der Burgberg steht als mächtiges Profil im Blick; auch kann kaum irgendwo das gerühmteMalerische" des Ruinenwesens starker ernp- mo oer ^reue, au sunden werden. Zumal im Frühling stellen Berg und Stadt und Zita- der Berkünstelunq delle sich mit einer unwahrscheinlichen, wahrhaft phantastischen Blldhastig- - y 1 seit dar Grau der Steine, vom Mot der Ziegeldächer und Fugenz,egel

in einen leisen Brand gesetzt, wird von der Fülle der Blumen zur Hälfte überwuchert: zumeist von einem strahlenden Gelb. Aus der Rühe be­sehen erweist sich dieses Gelb dem Steigenden als das unendliche Blühen südlich großer, südlich ausschwärmender Wolssmilchstauden; so riesig sind die Blütendolden, daß man sie in zwei zum Gefäß gewölbten Hände kaum aufzunehmen vermag. Zwischen den Wolfsmilchstauden schwärmen Asphodelos und rote Anemonen. Fülle und Farbigkeit der Blumen mischen einen üppigen Ton der Zuversicht ins Ganze.

Die Kirchen gehorchen durchaus dem byzantinischen Schema von Kuppel und Viereck; dem Schema, in dem die romanische Form sich auf eine unverkennbare Weise zu orientalisieren beginnt. Die Fresken drinnen zwischen wenigen Säulen der quadratisch kurzen Kirchen byzantinisch in die Höhe gestreckt, sind provinziell, aber des Ausdrucks voll. Grie­chische Nonnen, bei denen wir unsere Bilderkarten kaufen, bewirten uns mit ("loschen einer guten, wohl von ihnen selber destillierten Anisette. Sie sinu sehr leise, sehr verbindlich und voller Abstand von der Welt,

auf gut Glück französisch (wie man hier unten eben, wenn nicht die nationale Sprache, am ehesten Französisch hört):Je vous souhaite la bienvenue". Mädchen werfen uns, da wir weiter fahren, Rosen IN den Wagen nach. r , ,, .

2£n Ruinen ist wenig da: ein Theater außerhalb der neuen «tadt. Das merkwürdigste der Theaterruinen ist die Schönheit des Stand­punktes am Rande der Höhe: über die Steine und das wenig an- mutende neue Sparta hinwegblickend schaut man auf das verschneite Hochgebirge, auf die öltragenden Felder und aus das hoch drüben zur Rechten hinaufwachsende Rätsel der Ruinenstadt, die Mistra

Die entscheidende Merkwürdigkeit dieser Gegend ist ja nicht Sparta (das alte so wenig wie das neue), sondern die Hinterlassenschaft einer mittelalterlichen Stadt, die, wie unter dem Gesetz einer besonderen An­ziehung dieses alten kriegerischen Bodens, gleichsam em Geschlecht der christlichen Spartiaten beherbergt hat denn so mögen jene Kreuzritter füglich genannt werden, die im 13. Jahrhundert unserer Zeitrechnung über diese Stadt und Landschaft eine ebenso feudale wie fromme Tyran-

Von WilhelmHausenstein.

Ins innere Lakonien führt die abenteuerlichste Straße, (abenteuerlich mit der ungeahnten Wüstheit ihres Zustandes über weite Strecken) durch Bergland. Der Weg ist von großem blutrotem Mohn gesäumt. Zur Hinten und zur Rechten ist viel frisches Grün; zwischen Olivenfeldern und Reb- hängen steht Getreide in vollem Trieb. Es ist Frühling. Im Sommer oder gar im Herbst würde das Grüne und Blumige in branstiges Braun verschossen sein, wie es auf den griechischen Landschaften Rottmanns in der Neuen Pinakothek so häufig wiederkehrt ... An Abständen er­heben sich vollkommene Eichen; sie sind die männlichen Kronen einer männlichen emporsteigenden Natur. Daß die Landschaft reich sei an Feld­ertrag, läßt sich, trotz den Oliven und Weinstöcken, trotz dem Korn nicht eben behaupten. . ....,

Viele Reiter und Reiterinnen auf Eseln. Die Frauen sitzen seitlich; wie von einem hohen Stuhl lassen sie die beiden Beine herunterhangen. Mitunter werden kleine Pferdchen geritten, die mit einem hölzernen Dachfaitel ausgerüstet sind.

Die Luft ist frisch und fest.

Landschaft und Stadt liegen in einem von neun Zehntel umschlossenen Tal; nur die Niederung des Flusses macht eine Bresche. Wir nehmen die Einfahrt über eine ziemlich weit heraufgewundene Paßstraße. Lako­nien ist binnenländisch; am Seewesen hat es keinen Anteil. Wichtig ist, daß Lakonien, daß Sparta in einem eher kontinentalen Stil ausgesondert ist, daß die Strenge hoher Berge, die Landschaft und Stadt umgeben, das lakonische Dasein alleinzusetzen und es schon darum, von vornherein, zu einem allzu ausschließlichen Bewußtsein zu bestimmen scheinen. Auch leuchtet ein, daß die verhältnismäßige Härte der Landschaft, einer großen Landschaft, wie sich versteht, den strengen verpflichtenden Charakter spartanischen Daseins, das disziplinäre Wesen dieses besonderen Lebens mitbestimmt hat.

Das neue Sparta ist ohne Reiz um nicht mehr zu sagen: denn in der Tat vermag e» abzuschrecken, wie die Oede gewisser slldsranzö- sischer Provinzstädte. Das Schönste ist der Orangenhain, der das Museum als eine städtische Parkanlage verbirgt; die Bäume tragen Frucht, während sie blühen. Sie sind'ein wenig pedantisch gesetzt. Dennoch be­zaubert ihre Atmosphäre, und es verwundert uns nicht, daß ein junger Spartaner, die Fremden in uns erkennend, mit vollendeter Höflichkeit den Hut lüftet, um uns, ebenso verbindlich wie distanziert, die Worte der Gastfreundschaft entgegenzusprechen, die das Griechischste von ganz Sparta sein mögen:Ich wünsche Ihnen wohl angekommen zu fein". Er sagt es

die wir mitbringen.

Es verlockt, zwischen den Ziegelkuppeln, den grauen Mauern, den enormen Wolfsmilchstauden, den großen roten Anemonen, den zarten Asphodelossternen den steilen Berg zur Zitadelle im Schweiß des An­gesichts zurückzulegen. Vom Schloß des Villehardouin wird die ganze Region um Sparta am vollkommensten überblickt.

Im Tal drunten wechselt die srischgrüne Flur mit hellroter Erde, die offen liegt. Den Rand der Niederung säumt der klassische Eurotas, in dem vor Zeiten die jungen Spartaner gebadet, an dessen Ufern sie sich den Schilf für ihre derben Betten geschnitten haben. Der Fluß ist ein lichtgraues Band, langhin erstreckt, dann abgebogen, dann vom Land Überschnitten Hinter ihm erhebt sich Gebirge. Unter der dichterischen Stunde des Mittags wird es zarter, lyrischer, als es ist; es scheint zu verdunsten und in das Lila, Rosa, Horizontblau der fernen Lüfte auf­zugehen. Zuweilen schimmert ein Schneefleck auf wie eine Apselblüle. Fast ringsum schließen sich um die in reinlichen Ordnungen gesetzten Oel- bäume des Talgrundes die Gebirge: kahl, lichtgrau mit Buschwerk dunkel­grün gefleckt, zur Linken dort und mäßig hoch; gewaltig hoch nach der Art der Alpen im Bereich des herrschenden Taygetos. Der Kamm ist noch mit Massen von Schnee bedeckt. Durch eine Talschlucht, deren Hänge Oliven und Zypressen tragen, stürzt aus den Wänden des Taygetos ein Bergbach nieder; es läßt sich vorstellen, wie das Leben der Ausgesetzten, die nicht stark genug befunden waren, zu Spartanern heranzuwachsen, in diesen Abgründen, auf diesen wüsten Höhen verloren ging, wenn es nicht in den untergeordneten Lebenskreis der Periöken, der Hintersassen, aufgenommen wurden.

Endlich aber glaubt man auch hier die Heimlichkeit eines nordischen Tons zu gewahren. Der Taygetos besitzt Züge von der elementaren Stein­wildnis der Karwendelgebirges, und hierin vollzieht sich eine fast er­schreckend unmittelbare Fühlung nordländischer Gemüter mit der Land­schaft von Lakonien.

wen« sie nicht Bruchstück geblieben wären. Der letzte Band fehlt der I über Reformation und französische Revolution zur Kulturphilosophie de Gegenwa?. hätte führen müssen. Der seine

ichreibt Er liebt nicht den Krieg und im bewußten Ausdruck seiner UeberSugunqen auch nicht den Staat, aber er hat dabei den sems en Sinn für die Bedeutung des Staates als des Tragers bes nationale Leben-!, wo er die Völkergeschicke in der Geschichte deutet Er besitzt in seiner stolzen Deutschheit das vollste Verständnis für jebe fremde Volks artundläßt jede gelten an ihrer Stelle in Or und Zeit. Seme Bilder der Volksarten und Seelen find oft von unerhörter Feinheit Ueberall maltet die große, verstehende Liebe. Das Geschichtsgeschehen als Ganze llebt er als das Ringen der Völker um den Kranz der Humanität, das will sagen um die höchste Gestalt des Menschseins, rote sie allem tn der ,KSÄ *« -Wurm einen rechten frohgemuten deutschen Glauben verwandelt. Er steht^ den christlichen Glauben im höchsten Sinne als 3bee, die

3bee nämlich der fortschreitenden Arbeit, in der die Menschen und Volker mehr und mehr die Einheit der Menschheitsgemeinde werden, nicht nn Sinne eines Auslöschens der Volkspersönlichkeiten, die stark in sich selber sich zur Gemeinsamkeit der Arbeit mit den andern zusammenfmden.^Sind doch für Herder in einem neuen Sinne alle Volker und Menschen Kinder Gottes, sofern sie alle Tiefen des göttlichen, d. h. des wahrhaft menschlichen Lebens in sich tragen und zu ihm berufen sind. Die Volker alle entwickelt zur Fülle ihrer Menschlichkeit das wäre das Re^> Gottes auf Erden, das Jesus gestiftet hat. Er war die Liebe der Mensch­heit, die das Ziel der Geschichte ist, die Liebe, die roir m Taten erkennen nicht in Worten. So fallen bei Herder alle domatischen Gitter und Zäune Alle Kulturarbeit ist hineingenommen m das christliche Heben, ist ein Christentum nicht nur der Tat und Gesinnung sondern auch des Geistes und der Freiheit, ein Christentum voller Weltsinn. Es ist em erstaunliches Wort bei einem großen Kirchenhaupt wenn H e rd er be­merkt: ob der Name Christus dabei genannt wird, ist dem Erhöhten gleichgültig. Es kommt allein auf die Tai an. Die Tat ist die Vollendung unseres Volkes in seiner menschheitlichen Ausgabe, aus daß es m feinem Antlitz die Züge seiner Arbeit rein und lauter trage, auf daß dies Antlitz vor Gott bestehe. . , , . . . ,

®3ir gehen durch das eigentliche Herder-Erlebnis des deutschen Vol­kes. Das Volk besinnt sich auf die Deutschheit als feine Pflicht und fein Recht unter den Völkern Aus aufgezwungener Selbstentfremdung nach Schulbeqriffen einer feindlichen Welk kehrt es zu sich selbst zuruck und will das Wort zur Weltentwicklung sagen, in der sich seine Art offen­bart. Der Naturlaut der Deutschheit will wieder als deutsche Ehre und Freiheit unter den Völkern erklingen. Wir finden, unser Deutschtum wieder als eine Sendung der Hingabe, des Opfers und der Treue, all der einfachen sittlichen Grundmächte, die uns aus t:- ~ " ""2

retten und uns unserer Ursprünglichkeit zurückgeben sollen. Wir tun unser Werk für die Menschheit, indem roir unser deutsches Leben fordern. Denn indem das Herz Europas gesund wird, bringt es der Welt die