Ausgabe 
16.3.1936
 
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Nummer 22

Montag, -en 16. März

lrhrgang 1936

sein

ver-

unb diese

Steuer nahm den Bries. Ein länglicher Umschlag, Papier aus einer Privatschatulle. Die Adresse war richtig. Die Handschrift kannte er nicht, aber sie machte sofort den Eindruck, als sei sie verstellt, etwa m unge= wohnter Federhaltung geschrieben oder mit der linken Hand. Er drehte das Schreiben um. Kein Absender. Da wars er Frau v. Blmkburg einen f ^,Jch erwarte hierher keine Post", sagte er. Aber ich fetje, ber Brief kam ja auch nicht mit der Post", und zu dem Kellner:Wer brachte

Derben

Der D'mer nahm meine Karte und verschwand.

Verzeihen Sie, Herr Steyer", unterbrach Frau v. Blmkburg,der Miner will sicherlich zu Ihnen, er möchte aber nicht stören

Adalbert Steuer brach seine Rede ungern ab, man konnte das merken. Er sah sich um. Hinter ihm stand der Ober, er machte eine dankbare Ber- beugunq 3U Frau v. Blinkburg hinüber.

, Der Brief wurde für Herrn Doktor abgegeben , sagte er dann zu lern Schriftsteller.

ichMrZamilienvlätm

Unterhaltungsbeilage ;um Gießener Anzeiger

überftüssiglei^e Dies ist eine Kampfansage. Sie kommt reichlich

spät', denn ich habe ja wohl die Feindseligkeiten schon geraume Zeit er°^Sie hegen ehre bestimmte Mutmastung, wer den Brief geschrieben haben könnte?"

^Nich^"di"e""leiseste"^°'gestanb er.Die Schrift ist verstellt. Es wäre unsinnig sich auf Raten einzulassen." . . , . .

Er wollte weitersprechen, es war ,a da immerhin noch einiges zu legen, aber zum zweitenmal störte das Dazwischenkommen des Kellners.

Verreibung gnädige Frau", entschuldigte sich der Ober,in der Halle steht der Postbote. Er hat eine eingeschriebene Sendung für gnädige Frau. Würden gnädige Frau sich zur Unterschrift hmbemuhen? Er ist ein neuer Beamter und verlangt eine Unterschrift m feiner Gegenwart."

Natürlich."

Frau v. Blmkburg erhob sich.

Das war wieder eine Gelegenheit, sich die Hande zu reichen.

Auf nachher, Herr Doktor."

Er stand neben ihr. ...

Süff die Hand, sagen die Kollegen aus Wien; aber ich mache nicht bei "der Versicherung halt", und er neigte sich herab zu ihren Fingern,

Dann "sah" er"ih "'nach Sicherlich sprach er fo leife, llafe iniemanb iljn hörte. Denn was er murmelte, kann man nicht hinter der Geliebten ^Stifte sagte er, du hast den Brief geschrieben. Wie leichtsinnig! Du konntest den'Fall ungeheuerlich komplizieren. Ich muß auf ber Hut sein. 2ßenn ich dich nicht durchschaut hätte, würde ich letzt vielleicht doch vor

eheimms der Heide

ROMAN VON FRANK F. BRAUN

Die Begegnung überraschte »"W.. gnädiges Fräulein,

faxte ich. Und st« fuhr mir dazwischen: Mich nicht weniger! Ich nehme w. Sie wollten nicht mich, sondern meinen Vater sprechen?

Man sagte mir, ihr Herr Vater sei mit ihnen auf den Feldern.

Wer sagte? Ach, Lilius. Nun ja, Vater ist nach Hause geritten.

Wer Sie brauchen nicht umzukehren. Vater ist nicht zu sprechen. Wichtige^ arbeiten beanspruchen ihn heute den ganzen Tag. ,

Ich zweifle nicht daran. Trotzdem muß ich versuchen, den Professor jii sprechen. Auch mein Anliegen ist sehr wichtig. Ich wollte eine 2Ius- Hnft. ,

Welche Auskunft? erbot sie sich. . _.__

3ch zögerte gemacht. Die Leute reden von dem Kreuz auf dem Turm, binann id). Ich wollte den Professor fragen, wie das zusammenhangt. .

Dabei sah ich Glascha an; und ich kann mir nicht denken, daß ich »ich täuschte, mir schien, sie verfärbte sich. Sie öffnete den Mund und sh lost ihn wieder; bann fuhr es erregt über ihre Lippen:

Welche Leute reden so etwas?

Nur einen Augenblick wartete ich. Dann warf ich hm: Der Pachter ^^Die Wirkung dieser Worte war überraschend. Glascha fuhr zusammen. k,s Pferd erschrak und tat einen Sprung, aber sie bändigte es leicht. Mahn ist ein Schwätzer, ein Dummkopf!

Ich blieb gelassen. Sie selbst wissen nichts von diesem Kreuz auf dem ^Nichts! Gar nichts! rief sie. Dann nahm sie sich merklich zusammen; Ur Ton wurde verächtlich, obgleich er eifernd blieb. Das ist alles Un- fiq! Phantastereien eines Heidebauern! Sonst nichts! _ ,

Aber weshalb erregen Sie sich, Fräulein Pfenmngshof Der Spuk lvid die Phantastereien eines Heidebauern haben ihre schlichte Erklärung o sunden. Wir wissen, daß es Ihres Vaters großes Fernrohr war, dis, wahrscheinlich gegen ein Stativ gelehnt, diese Wirkung heroor- gi rufen hat. Ein Kreuz hat natürlich niemals auf dem Turm gestanden

Sie sah mich erstaunt und wütend an. So. Dann ist doch alles klar. 5$arum fragen Sie bann noch?

Ich wollte Ihre Meinung wifsen.

Warum, was kann Ihnen an meiner Meinung liegen?

Ja sehen Sie, es ist ein eigenartiges Zusammentreffen, gerade li der trüben Stunde, als Alwien ums Leben kam, war Ihr Herr Bater a«f dem Turm und sah in die Sterne. Hätte er das ®las m bie Heide gerichtet, wüßten wir, wie das U glück am Kreuzweg geschah.

Was wüßten wir mehr, als wir bereits erfuhren! Alwien fiel auf ei-nen Stein! sagte sie immer noch mit einer Stimme, die em wenig $n hoch lag.

Ober"ber"stein fiel auf Alwien! sagte ich mit Betonung.

Ihre Augen glitzerten; sie biß die Zähne ^Jammen; man mertte bas; ihre Lippen wurden ganz farblos. Sie sind unverständlich, sagte sie. Sie sind doch nicht etwa betrunken, daß sie solche Narrheiten au6ern_

Ich sah sie immer noch an, auf eine Antwort verzichtete ich. -La stieß fle dem Pferd die Sporen in die Weichen, daß es wild ansprang und im Galopp davonstürmte. Eine seltsame Art, sich einer Unterredung zu entziehen. Ich ging ihr nach. Natürlich war sie langst vom Hofe ver- shwunden, als ich dort ankam. ßilius stand da; er sagte mir, daß der Professor oben im Turmgemach sei und arbeite. Jetzt gerade sei Glascha zu ihm hinauf.

Ist sie denn nicht erst in ihre Zimmer gegangen?

Nein, sie schien es eilig zu haben; sie lief sofort in das Turmzimmer """Dann" will ich warten, sagte ich. Kann ich hier in ber Halle bleiben? Er öffn-te mir bie Tür bereitwillig, winkte einen Diener heran und fegte: Soroie ber Herr Professor allein ist, möchte dieser Herr gemeldet

ihn?"

Der Kellner bedauerte. , . ,,

Wir wissen es nicht, Herr Doktor. Wir sind selber em bißchen er­staunt Der Brief lag auf dem kleinen Tisch in der Halle. Es kann eigentlich niemand in die Halle, ohne bemerkt zu werden.

Es ist gut", jagte Steyer. Er erbrach das Schreiben.

"sie erlauben, gnädige Frau."

Frau o. Blinkburg nickte, denn er las ja bereits. Sie betrachtete ihn. Er zog die Brauen zusammen, auf feine Backen sprang eine Muskel hin und her> bann steckte er mit einer Gebärde, die unerwartet abrupt aussah, den ' Bries in die Tasche. Als er aufschaute und in Frau von Blinkburgs Blick geriet, der ihn noch nicht losgelasfen hatte, wies Gesicht offensichtliche Verlegenheit.

Eine unangenehme Nachricht? Sie sinb blaß geworden. Oh, zeihen Sie, ich frage ganz gedankenlos."

Er schüttelte den Kops. . .. .

Dieser Bries gehört in die Geschichte", meinte er nachdenklich, er zog ihn wieder herausZweifellos gehört die Person, die Zeilen schrieb, in den Kreis derjenigen, die ich vorhin aufzahlte. Bitte, nehmen Sie nur. Sie waren mir bisher eine fo treue unb aufmerksame Zuhörerin, Sie sind meine einzige Vertraute, wahrhaftig, es ist saft Ihr gutes Recht, diesen Brief kennenzulernen."

Frau o Blinkburg nahm unsicher das Schreiben. ,Zch weist denn j. x nicht "

Sitte lesen Sie die neun Worte", forderte er kurz.

Da schlug sie das gefaltete Blatt auf und las:Wenn Ihnen Ihr Leden lieb ist, reifen Sie ab!" Mchts fonft ftanb auf bem tDeber eine Ortsangabe noch das Datum; auch keine Unterschrift. JJttt einer Tinte geschrieben, bie keine besonderen Merkmale wies, zeigte es eine unbekannte Handschrift.

Langsam gab sie Umschlag unb Brief zurück. Einen Augenblick be- fann sie sich, dann fragte sie doch:

Und reifen Sie nun ab?"

Er hob sofort den Blick zu ihr.

Würden Sie es begrüben oder bedauern?

Aber das war wohl zu kühn unb zu ungeschickt gefragt; er sah, wie bie Dame feines Herzens errötete; wahrhaftig, eine entzuckenbe Nuance; bis in ihre Schläfe stieg die feine Tönung.

Da sprach er rasch weiter, eine Antwort, die nie kommen wurde,