Gräfin dort.
Sich Des Des
Und
Kind zu sehn im Erdbeerschlag. Armen? Brot voll Edelstein. Blinden? Glanz vom jüngsten Tag.
was dein Traum, dein eigner Traum,
Wenn Nacht um dich die Arme schlägt? Nur Rast auf Gottes Mantelsaum MU allem, was die Erde trägt.
Oie Träume.
Don Ruth Schaumann.
Was wünschst du deinem Kind zum Traum ? Mich selbst als seiner Freude Schoß, Im Bogeltanz den Apfelbaum, Der Bienen Honig, stachellos.
Was deinem Feind? Boll Gott sein Herz.
Was ihm, der ernst dein Lager teilt? Mein Lieben, groß und unverweilt, Und Garben aus dem Acker Schmerz.
Was soll der Traum der Ahne sein?
Gräfin!
Sie nahm auflachend seinen Arm. Als sie beim Wagen waren, flatterte jemand hinter ihnen-, es war La Stella, die da plötzlich stand in ihrem ein wenig verrutschten Abendkleide. Mein Herr, sagte sie rasch: Sie haben einen Knopf vergessen, ich sah zufällig wo!
Der kleine Kadett war recht verlegen. Er nahm den Knopf aus ihrer ausqestreckten Hand. Er wollte sagen: Behalten Sie ihn, so lächerlich es ist, er sollte nichts als eine kleine Erinnerung sein! Aber» er brachte es nicht über die Zunge.
Die kleine Seiltänzerin merkte wohl, wie er sich genierte. Ich liebe ihn und er liebt mich! dachte sie: Aber das Wasser und die große Dame, sind zwischen uns. Nein, es war nicht ihr Berus und Ehrgeiz, anderen Ungeiegenheiten zu bereiten, und darum sagte sie freundlich: Auch wollte ich keine Kopfschmerzen bekommen, deswegen.
Nach dieser nicht ganz eindeutigen Aeuherung sahen die beiden jungen Leute einander traurig an. Gräfin Z. entschied sich zögernd zu einer Einladung, aber La Stella überhörte es, wandte sich um und eilte in das Dunkel des Gartens zurück.
Der kleine Kadett legte den Knopf — für seine Jacke nahm er einen neuen — in eine passende Puderdose, die ihm die Gräfin Z. auf seine Bitte überließ: denn es ist tröstlich eingerichtet, daß der Mensch Erinnerungen, die sich nicht bis zur letzten Ersprießlichkeit lösten, m rundere und einfachere einzuhüllen vermag, wodurch sie dem Herzen erträglicher werden.
Verantwortlich: l)r. Hans Thyr^t. - Druck und Berlag: Brühl',che Univerfitäts-Buch. und Steindruckerei. R. Lange, Sieben.
£a Stella und der kleine Kadett.
Bon Hans Leip.
Der kleine Seekadett hatte nur einen Tag Urlaub. Nach Hause konnte er da nicht erst, zumal seine Mutter ins Bad gereist war und sein Vater auswärts zu tun halte. Jedoch eine gute Freundin der tfamtue, die verwitwete Gräfin Z. nahm sich seiner an. Sie war doppelt so alt wie der Junge. Er jedoch fand sie so elegant und hübsch wie die Braut seines Kommandanten.
Den Nachmittag fuhren sie in den Vergnügungspark. Sie tranken Schokolade, genossen die Achter-Bahn und kamen sodann an die Wiese, von der schon länger Beifallsklatschen ertönte. Eine Seiltanzergruppe gastierte dort. Soeben klettert- ein zierliches Mädchen d.e Strickleiter zur Plattform hinauf. Es war in weißem Matrosenanzug und man wußte nicht, war es zehn oder zwanzig.
Die beiden engen Plattformen, zwischen denen das Sell sich spannt, sind etwa zehn Meter hoch über der Erde auf dünnem Gestänge verankert. Bon der einen nun erhob sich ein glatter Mast um das Dreifache dieser Höhe in den blauen Tag. Die kleine Tänzerin umfaßte den Mast und klomm in ruhigen Zügen bis zur Spitze. Es war eine beträchtliche Strecke und dauerte geraume Weile und aller Augen folgten gespannt der zarten Figur. Die Spitze trug einen platten Knauf und einen seitlich befestigten waagerechten Eisenring von einem Durchmesser, daß em paar zierlicher Schultern und Hüften eben hmdi-rchpaßten. Das Matrosenmädchen setzte sich gewandt auf den äußersten Rand des Ringes. Der Mast, der einst eine stolze Föhre gewesen sein mochte. begann zu schwanken wie ein Schilfrohr. Es schien, ihr nichts auszumachen. Sie legte sich hintüber, hing in den Kniekehlen, pendelte dort so hoch in freier Lust mit abwärts hängendem Oberkörper und schwankenden Armen übermütig hin und her.
Dem kleinen Kadetten in der gebannt schweigenden Menge kl^-ste das Herz, obwohl er gelernt hatte, was Schulschiffexerzieren heißt. Dort oben aber war kein Want, kein Tau, kein Fußpferd, daran man sich gegebenensalls halten konnte, und es war ein Mädchen und kein rauher Seemann. Jemand erklärte seiner Nachbarin mit unterdrückter Erregung: / Das ist La Stella!
Die Seiltänzerin in ihrer schwindelnden Höhe setzte indes die Kapriolen fort, hing nur mit einem Fuß in einer kurzen Schlaufe, die dort befestigt war, stemmte sich weit ab vom Mast, setzte es m verschiedenen bewundernswerten Stellungen fort, saß alsdann mit einem Aufschwung wieder im Ringe und nahm den Beifall entgegen. Danach stand sie auf einmal mit gespreizten Beinen oben auf dem Reifen, steckte die Hande frech in die Taschen, warf den Kopf in den Nacken und wippte in den Knien, so daß der Mast sein Schwanken verstärkte, als solle er brechen, und es war jedermann in der Tiefe zumute, als müsse ein Unglück geschehen und das tollkühne Geschöpf herabgeschleudert werden von der Wucht da oben. Doch nicht genug. Als der dürftige Untergrund ihrer Füße nun recht im Schwung war, bückte sie sich, erfaßte den Ring mit den Händen, beugte die Arme, stemmte sich langsam auf und vollsührte einen Kopsstand auf dem kreisenden Knauf des Mastes, viele Sekunden lang. Die Menge hielt angstvoll den Atem an Aber unerschüttert ließ die junge Akrobatin ihre Beine in die natürliche Lage zurllcksinken, triumphierend hockte sie auf der höchsten Spitze und verneigte sich, da der Applaus tosend losbrach, in alle vier Winde. Dann glitt sie seelenruhig herab, verneigte sich auf der Plattform nochmals und betrat die Strickleiter, während mit Feuerwerk und Radau schon die nächste Nummer einsetzte.
Die schöne Gräfin Z. strich dem kleinen Kadetten über den Rockkragen Sie fühlte, wie mächtig es ihn gefesselt habe. Was war das schon! sagte sie leichthin und spöttisch: Ein Seemann und du machen ^°°Natüickich!^ antwortete er. Aber im Innern glaubte er nicht daran. Mit benommenen Augen verfolgte er die schmächtige, in den Huften ver- räterisch ein wenig zu runde Matrosengestalt, die gelassen davonschritt
Schon war sie davon.
Der kleine Kadett steuerte ins Restaurant und sand die Er haspelte etwas von Verlieren und Suchen. Er aß und wußte kaum was. Sie wiegte den schönen Kopf und sagte: Wir werden nachher zum Tanzen in eine lustige Diele fuhren. Der kleine Kadett mckte Aus einmal wurde er feuerrot. Er sah La Stella in einem großen Abendkleide in den Saal rauschen. Sie ließ sich nicht weit entfernt nieder, bemerkte ihn aber anscheinend nicht. Es würgte ihn im Schlunde. Er vergaß alle Erziehung, wortlos stürzte er hinaus.
Es war schon dunkel im Park. Matte Lampen schaukelten in den Bäumen. Das Orchester hatte eingepackt. Er irrte eine Welle zwischen den Büschen umher. Dunkel ragten die beiden SellgestMige über die Wiese. Ihm kam ein Gedanke. Er stieg behende die Strickleiter hinauf. Unwahrscheinlich hoch verlor sich der Klettermast im grmien Nachthimmel. Pah! Knurrte er: Das mach ich in voller Rüstung. Er klomm empor. Der Mast war feucht und glistchig von Tau Er ließ nicht locker, «em Atem pfiff: schließlich war er oben. Nun auf den Ring!, dachte er waghalsig Ts war unmöglich, seine Schultern waren zu breit. Auf einmal lachte er höhnisch. Er erkannte, daß der Mastknopf oben flach gehöhlt ei. Da also legte sie den Kopf hinein. Aber er fühlte, daß es trotzdem eine ungeheure Leistung sein mußte, und daß er es sicher nie so schneidig würde sertiq bringen können. Ein Schissstop war denn doch noch vernünftiger als diese unberechenbar schaukelnde Gerte. Hatte er es denn überhaupt nötig, sich hier in der einsamen Nacht als Fakir mstzuspielem Merken aber soll sie es doch, daß ich hier oben war! entschloß er sich mit letzter Anstrengung. Er riß einen Knopf von ferner Jacke ab Golden mit einem Anker darauf, das war ein unverkennbares Stuck. Er legte ihn in die Vertiefung des Mastknaufes und rutschte aufseufzend hinab. Es bekam seinen Fingern nicht gut. Dennoch war er sehr erbaut von sich, zog Handschuhe über und nahm wieder Kurs aufs Restaurant Die Gräfin erwartete ihn im Eingänge. La Stella?, fragte sie, es sollte schelmisch klingen: eine Person deren Schnittes folgte Ihnen, als Sie entrosten, mein Kapitän!
Das war teils unbehaglich, teils ärgerlich. Man hätte sich vielleicht im Dunkeln besser unterhalten sollen, als seinen Urlaub mit anstrengenden Turnübungen zu vergeuden. Der kleine Seekadett raffte sich schlank zusammen. Unvermittelt wie ein Admiral schnarrte er: Gehen rotr tanzen,
und bei den Gartentischen verschwand. Seine Begleiterin faßte ihn sanft am Arm: Komm, wir wollen zu Abend essen!
Er ging automatisch mit. Der Wall der Gesichter, den sie durchschritten zuckte im Raketenfall. Als die Gräfin freieren Raum hatte und sich umfah, war der kleine Kadett abseits geraten. Sie wartete eine Weile, dann ging sie ins Restaurant.
Den kleinen Kadetten aber hatte es in die Richtung gezogen, wo die Seiltänzerin entschwunden war. Er sah sie dort an einem Tische sitzen, einen Stapel Postkarten vor sich. Gerade erhob fie sich, um umher zu gehen und sie anzubieten. Als sie den kleinen Kadetten sah, der sie anftarrte, sagte sie anerkennend: Ein richtiger Mariner! Wollen Sie eine kaufen? — Der kleine Kadett suchte nach einem Groschen, er wurde rot, er fand ihn nicht gleich. Da sagte sie: Lassen Sie man ich schenk Ihnen eine zum Andenken. Ich wollte schon immer mal wissen, roas ein richtiger Seemann denkt, wenn er mich da oben sieht.
0, antwortete er rasch: Großartig! Ganz große Klasse!
Achtunddreißig Meter hoch. Mit dem nötigen Konter, da macht man es, lächelte sie.
Sie hatte ein breites dunkles Gesicht, ihre schwarzen Augen blitzten ihn an, ihre Stimme war tief und in den Hebungen leicht bewegt, wie es sich bei Wandertruppen gehört.
Sie bog den Arm: Muskeln! sagte sie und sah ihn herausfordernd an: Sie dürfen ruhig mal fühlen, eisern!
Der kleine Kadett hätte es gern getan, aber er genierte sich. Er fühlte Blicke Umstehender auf sich gerichtet. Ich wurde die Dame gern zu einer Tasse einlaben, sagte er schon halb abgekehrt: Aber ich bin selber ...
Macht nichts! mißverstand ihn La Stella: Dann zahle ich. Ich geh gleich und zieh mich um!


