Ausgabe 
15.5.1936
 
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Dies amerika Wir

Emer Schönen.

(I m S p i e g e l z u l e s e n.) Von Eduard Mörike.

Ein artig Lob, du wirst es nicht verwehren, Obwohl gewohnt, es jeden Tag zu Horen, (Bern macht' ich denn das platteDu bist schon In lauter seinen Wendungen gestehn;

Doch wenn es mir an Worten nun gebricht. Verschmäh' ich auch ein listig Mittel nicht: Ich weih mit wundersamer Schrift zu necken Und meine Meinung zierlich zu verstecken. Damit ich aber gleich die Ungeduld versöhne. Führ' ich mit meinem Blatt oors Spiegelglas die Schone, Und was kein Schmeichler ungestraft gewagt Ihr eigen Bild hat es ihr nun gesagt.

Das Mädchen Helene.

Eine Geschichte von C h r i st i a n M u n k. ist die Geschichte des Mädchens Helene, das schwimmend Süd-

Frachtnetze voll von Koffern wurden in die Barkassen hinüber ge­schwenkt. Ueberall brannten die Lampen auf, um die Insekten

Hein und ich stiegen zum Mädchen Helene hinaus, das unbeweglich auf dem Bootsdeck stand und auf das Lichtmeer der Stadt hinüber- starrte. Wir räusperten uns dezent. Dann trat Hein naher und sagte gleichgültig:Ich muh noch mal rasch rüber in die ^Stadt. Ihr Gepäck könnte ich ja mitnehmen. Kontrolliert ist es ja, he?

8lÄ^"N*ßSS|^&3? Ur «~ Schwimmer "ÄÄ« II. W.

teten aus.Ja!" schrie sie auf und rannte hinunter in ihre Kabine, zog sich aus, warf Hein ihre Kleider zu, der sie unter I"®1 oerbara eilia ihre zwei Koffer nahm und mit einem Motorboot an Land fuhr, wo er auf sie warten wollte. Dem Wachtposten hatte er, als er seinen Paß vorzeigte, gesagt: Er wolle der armen Klemen wenigstens das Gepäck erledigen, worum he gebeten hatte.Aber Tempo, Tempo", rief der Maat,gleich werfen wir ab!

Inzwischen hatte ich eines der großen Taue geholt, .die auf allen Schiffen zufammengerollt herumliegen. Ich schleppte es hinab m Helenes Sabine in der sie mich bereits im Badeanzug erroartete. 2ch hatte beim morgendlichen Schwimmbad gesehen dah sie ausgezeichnet schwamm.

Es war die höchste Zeit. Die Schiffssirene brüllte zur Abfahrt Die Passagiere, die einen kurzen Londbesuch gemacht hst"en, waren langst wieder zurück, nur Hein fehlte noch Die Bordkapelle nahm Platz. Es ^°Jch ban^bos^Tou an eines der angenieteten Stahlbetten und warf es zur Luke hinaus.Das werde ich Ihnen beiden nie vergessen! faßte Helene und drückte mir die Hand. Dann kletterte sie auf halsbrecherische Art aus der Luke und lieh sich an der Schiffswand hinab, wobei sie am gestrafften Tau langsam ins Master glitt. Nach einiger Zett hob ich das Tau, es war wieder leicht geworden, und ich warf e- in da Wasser. Dann rannte ich hinauf und sah in her schwarzen, unheiml^ wogenden Tiefe des Wassers einen lichtem plätschernden 6<btmmer. ®s tpar Helene, das Teufelsmädchen! Sie schwamm eilig zur Stadt hin- ^^Plötzlich erstarrte ich vor Entsetzen. Eine Barkasse mit glühenden Lichtern bog um den Vorsteven unseres Dampfers und brauste direkt aus Helene zu. Klobig, mit glotzenden Laternen raubte sie hinter dem hilflosen Mädchen her. Lebensgefahr! Noch zehn Meter, und Helene wurde überfahren und ertrankt. Ich glaubte einen Schrei 3» barem

Ich packte das Nächste, das zur Hand war, und warf einen fchweren Bordstuhl weit über die Reling, so daß er, ausklatfchend im Wasser versank.9Hilfe! Hilfe!" schrie ich und tatsächlich stoppte die Barkasse Ullb Was^ist^los?" brüllte der Schiffer herauf. Ich atmete auf. Das Mädchen war gerettet. Hinten weit schwamm st«- Bald wurde sie an Land steigen.Mas los ist? Ein Stuhl ist Wasser gefallen ant­wortete ich und:Fische brauchen dock nicht zu sitzen. Können Sie den Stuhl nicht auffischen?"Wirft im Kittchen noch genug Stuhle vor- finben, Mann!" antwortete die rauhe Seemannskehle unten, bann |d,O§mik®tentaäomen°tnqerabe als unsere Maschinen zu arbeiten be­gannen kehrte Hein zurück, ohne Gepäck und grinsend. Wir beugten uns über die Reling und blickten zur Stgdt zuruck, die tn der Ferne verschwand.Na?" fragte ich. Hein kniff das linke Auge zu und nickte

ft°Sn lachten wir. Von dem Mädchen Helene habe ich nie wieder etwas gehört. Der Bordstuhl hat Übrigens viel mehr gekostet als ich dachte. Ich hätte einen alten Schuh nehmen sollen. Aber woher?

proft!" auf 72 Grad nördlicher Breite.

Von Otto Brües.

AusLicht von Thule. Reifen nach Norden und Süden." (Berg- stadtverlag, Breslau. Steif broschiert 3,50, Ganzleinen 4,50 RM. Mit den Gläsern anstohen und einander Bescheid tun, das ist eme aute Sitte. Man wird gezwungen, sich auszudenken, auf westen Wohl ^ctriinFon werden loll fei es auf ein Lebewesen ober auf eine Sache, und Lt ick so ^uch Gedanken über bas, was im Glase leuchtet. Wer Wein Sckwedenpunsch ober etwas Schärferes, wie sich s von Windstärke f,inf nhpr nom Dolarkreis aufwärts beinahe von selbst anbietet.

roelS?*ÄSm angestoßen wurde, das kam .., imnefähr: die beiden Jüngsten in der Runde hatten am Nach- mtttaa ihre Polartaufe empfangen, und bas war der Grund zum Skiern. Die Nola-taufe'? wird kopfschüttelnd mancher Seemann fragen und auch eine Landratte wird abnen, warum er den Kopf schüttelt. Denn die Aequa- ift ein uralter Brauch und bestand unter den Seeleuten schon, ats'nod) kein Kapitän daran dachte, über den siebzigsten Grad hinaus nach Norden ru fahren; er stammt aus jenen Tagen m denen dem Menschen me Weisheit noch nicht in Fleisch und Blut ubergegangenmar baf) die ffrhe eine Kugel ist und in denen der Matrose noch furchten durfte, er werde nun mit seinem Schiff von der Kante der Erde in den Abgrund rf Mber eine Polartaufe? Welche? Cs gibt einen Aequator und zwei Volarwnen und da Neptun nur an der Schwelle der nördlichen erscheint, so muß das wohl mit seinen Beziehungen zu den großen Reedereien Zusammenhängen; denn nur deren Schiffe fahren vielen Reifenden,

^UnserePatricia" rollte fröhlich die Ostküste Südamerikas entlang, , ein schönes, schlankes Schiff. Tanzende und fliegende Fische begleiteten uns die Heckwelle rauschte, und wir Passagiere hatten ein herrliches . Leben Das Mädchen Helene wurde von ihrem Liebsten erwartet, jagte sie auf einer Teefarm, tief im Innern. Sie wollten heiraten, sagte sie, und sie freute sich sehr. Wir glaubten es ihr.

In Pernambuco begann sie bereits ihre Koffer zu packen, und als wir uns endlich dem Ziel ihrer Sehnsucht näherten, stand Helene vorne am Ankerspill und spähte hinaus. Sie glühte vor Aufregung, die Sonne brannte auf das Schiff nieder, und die Passagiere wurden unruhig.

Sehen Sie!" schrie Helene,die ersten Moven! Silbrig um­schwärmten sie bas Schiss.Sehen Sie!" schrie sie wieder,die Berge drüben, die Häuser. Wir sind da, hurra! Er kann nicht an das Sch'ff kommen, es ist zu teuer. Ich fahre noch zwei Tage mit der Eisenbahn, ab<6iearfahaus wie ein zartes schlankes Wikingermädchen, windum­weht, ihr-'blauen Augen strahlten in der Sonnenglut. Wir konnten nicht roC9!Balän'tamen uns die ersten Barkassen entgegengeschaukeltt Dann hob sich die Stadt aus dem Wasser. Der Hafen öffnete sich, und wir rauschten hinein, daß eine Welle an den Ufern schaumend mit uns zog. Schon erklommen Geldwechsler und Händler unser),ft, Telegraphen­boten. Arzt. Zoll- und Paßbeamte folgten.

Wir Passagiere standen im Speisesaal, und die Beamten stempelten notierten, riefen auf, während draußen der große Hafenlarm sich erhob, der überall die Ankunft eines Ueberfeers anzeigt. Sirenen, Schlepper- fianale, Ankerrasteln, Streit und Jubel, wir lagen still.

Drei Stunden würde unser Aufenthalt dauern, ehe unser Schift weiterdampfte. Im Speisesaal drängten sich die Passagiere, die hier ihre Reise beendeten und rauchten nervös ihre Zigaretten.

Senor Piepenstock Sie können gehen!

Senor Mackay hier Sie können gehen!

'.Senorita Helene Krüger Moment!" ,

SSelene blickte neugierig auf. Der Beamte mit braunem, hübschem Gesicht unter der blauen Mütze fragte ob sie allein reist. Helene nickte eifrig. Ob sie Verwandte im Lande habe ober eine Stellung Nein, antwortet Helene ve^uickert^nbrauen ^od) und beriet sich mit seinem Kolftgen Dann fragte er, ob sie nicht wisse, daß allein reisende Frauen nickt an Land gelosten würden, laut (Be et,. Helene wurde blaß. Ob sie erwartet "werbe? Ja, von ihrem Bräutigam, unb- Sie wollt aufgeregt die ganze Geschichte erzählen, aber der hübsche Beamte m,t dem kecken, schwarzen Schnurrbärtchen unterbrach sie. Ob sie °s schnst- lick habe daß sie erwartet werde? Helene dachte nach. Ich sah, daß ihre zolle Näckenhaut unter dem lichten Haorgekräusel sich ratl.ch färbte. Nein, sie Hobe es nicht schriftlich. O bio mto, Helene

Sie mußte warten, bis alle Passagiere abgefertigt rooren. Spater verschwand sie mit den Beamten in der Äapitanstaiute. Und nur horten lange nichts, dann einen heftigen Wortwechsel. Die Ture flog auf, und W-? »« --s,°N7ch»L°S

betrieb Die ÄÄ waren mit Motorbooten an Land gefahren hatten gewinkh gerufen, sich umarmt; die Taxis rolltend°v°n. Dort laa das ersehnte Land in dem übermorgen ein gewisser Braungam an ei^e gewisse Eftenbahnstation reiten würde. Und ausgerechnet blCs blut­junge Häufchen Elend durfte nicht ihren Fuß .^ch ft sttzew

Hein und ich kannten bas Leben, wasenblich einmal g^agt« muß. Wir sahen uns an, dann gingen wir »um Kapitän. Bergemicy Wir versuchten den wachhabenden Bootsmann am Fallreep ^uoer reden, vergeblich. Da sahen Hein und id) uns 3um z < sMUf Es war inzwischen mit'tropischer Plötzlich-'t dünkebi unserem Schiff herrschte roilbes Leben. Die Wmschen ranenen,

erreichte *

faßten bamals zu ihr, ehe stne sonberbaren Dinge geschahen: Nein, wirklich, Sie sinb ein tapferes Mabchen Hut ab! älber mir zogen nicht ben Hut vor ihr, benn wir hatten keinen auf dem Kopf. Der atlantische Südwind fuhr durch unsere Haare, als wir an der Reling derPatricia" lehnten, und Helenas Haar war blond und flatterte verwegen über ihr lachendes Gesicht. Wir fugten das ernst und sorgenvoll, Hein und ich, denn wir konnten bas Geben. Aber Helene