nicht schlafen.
tFortsetzung folgt.)
Der wird natürlich sogleich angeschaltet, nahm er sich vor. Wenn nur erst der Vater mit dem Lied fertig wäre!
Endlich schwirrte der letzte Ton ins Zimmer.
„Fein hast du wieder gespielt", lobte Klick.
„Ist doch ein herrliches Lied."
„Wunderbares Lied", jagte der Vater, „ich will es noch einmal spiel..., da"es dir so gut gefällt."
Klick sah den Radiokasten.
Ja ja", meinte der. „Vielleicht aber am besten nachher, zum Schluß, als Äu'sklang des Abends, ehe wir an die Arbeit gehen ..."
Arbeit?", fragte der Vater. .
"Ich sehe da, wenn ich mich nicht täusche ..stotterte Klick halb verlegen, „einen Radiokasten ..."
^Alsc>°1nein lieber Junge", begann der Vater, „ich habe dir ein Rundfunkgerät geschenkt, hoffentlich freut es dich." .
Endlich konnte Klick den Apparat in Besitz nehmen Dreirohren-Retz° anschluh-Empfänger stellte er mit einem Blick fest. Neueste Form. Wellenskala. Tipptopp! Und der Lautsprecher, wie vornehm! ,
,Danke, Vater, ich freu mich. Ich sreu mich unbändig. Gerade das habe ich mir so sehr gewünscht." Glückstrahlend druckte er seinem Vater bU ^?bab ja nicht so Schönes zu bieten", meinte er, an seinem großen Paket herumraschelnd. Als er das verpackte Ding enthüllt hatte, war es ein Vogelbauer, von ihm selbst zusammengefügt, mit Staben, Futternapf, Badehaus undnTur^ rkf ber zzater, freudig überrascht.
"Nun kannst du dir den Stieglitz halten!", meinte Klick. „Hab ihn schon beim Hustenonkel in Auftrag gegeben. Nach Weihnachten soll eme frische Sendung kommen. Ich warte darauf. Den alten Stieglitz, den.Laden Hüter wollte ich nicht nehmen. Der neue soll auch «t«« billiger feln.wi- mir Onkel sagte. Die Einkaufspreise wurden gesenkt. Und sein Gesang ist ^Bater Bodenweber sprach sich anerkennend über das Bauwerk aus, die gutgelunqene Arbeit, die glattgerundeten Stäbchen, die genau abgepayten Messingstangen, über alles, woran Klick unbemerkt fast ein halbes Jahr gearbeitet hatte. Nun konnte der Vogel fein Haus beziehen, der Lieblings änj)ie Kerzen waren zur Hälfte niedergebrannt. Da sie noch für Neujahr reichen sollten, löschte der sparsame Vater sie aus. Pfeifenrauch, Fickstrn- nadeigeruch und Wachsdampf hatten sich lieblich müeinander vermischt. Die Belcherung war vorüber, Vater und Sohn zeigten sich frohgelaunt und hochgestimmt. Zu dieser Freude paßte eine kleine Schlußmusik, zuerst das alte'Weihnachtslied: O du fröhliche ... womit der Musikant das Fest eingeleitet hatte und nun auf Wunsch des Zuhörers beendigt^ Er hob die Mundharmonika wieder an die Lippen, und wahrend Klick an seinem Funkgerät schaltete, als wäre es schon in Gang gesetzt, entströmte dem kleinen Instrument die gute Weise. Ihr folgte e.n mehr weltlicher Klang ein Weihnachtsmarfch mit schmetternden Stimmen. Traumhafte Scharen zogen im Marschtritt durch di- Zimmerluft. Und dann spielte der Vater em klein wenig Stieglitz. Er setzte sich an den Tasch, stellte den Kasig var sich hin und strikte den Kopf. Seine Augen schauten durch das Güter nach dem Jungen, der die Drahtrollen aufknupfte und Oesen zum Befestigen spitzte. Er legte die Mundharmonika leicht an die Lippen und versuchte, einen Vogeltriller nachzuahmen. Fast glückte es ihm; nahe am Vogelschlag irrten ein paar Töne hin, frühlingshell, hold erklingend, eme träumerische Lockung, Vogellust mitten in der Weihnachtsnacht
Klick hatte keine Zeit, auf das Spiel Hinzuhoren, er war stark beschäftigt. Indes draußen der Schnee fiel, durchstöberten den Bastler allerlei Pläne Wellenfetzen und Radioklänge, künftige Musik. Der Vater aber, ein Vogel im Käfig der Gegenwart, fpielte eine leise Melodie: er hatte keinen Rundfunk nötig, in ihm lebte ber schlagende Stieglitz samt allen seinen Vogelweisen.
DasAbenteuermitPong.
Klick fand, der Spielzeugladen der Frau Trockenhut sei wie ein Abbild der Außenwelt. Wie di- sich wandelte so wandelte auch er sich Er war ein Gleichnis der Zeit. Zu Weihnachten standen dann die We hnachtssachen im Vordergrund, zu Fasching Larven, Pritschen und Pop^vschlangen, um Ostern Hasen Nester, bunte Eier, Kücken und junge Birkenbaumchen von
erschienen hinter der Fensterscheibe Masken, allerlei Chinesenkopse mit langen gemalten Schnurrbärten, ebenso Negerschadel, Jnd.anerlarven und Lachmi'chan-Gesichter. Bald befanden sie sich auch aus der Strafte unb durchzogen lärmend die Webergasse. Pappschäbel rannten aus ber Baren- schenke, Flegel schwangen sich beim Kaufhaus an ber Wilsdruffer Strafte um die Ecke, Hanswurste waren der Kinder Spaß, der Erwachsenen Narr- heit Der Aschermittwoch aber machte rasch Schluß mit ihnen, samt Ihren bunten Luftschlangen fegte er sie aus den Straften in den Mull und das war auch ganz gut, wie hätte sonst Ostern kommen können, die E er- und Auferstehungszeit, da sich di- Birkenbäumchen in den Schaufenstern be- grünten und die künstlichen Blumen ihre Knospen öffneten. Aus dem Schaufenster ber Frau Trockenhut waren bie Larven verschwunden und in die großen Schachteln verpackt worden, die Klick in das Lager hmaus- ^°So'ging es zu. Die Würste aber blieben, der Käse, die Hamburger Mastgänse und all die guten Sachen in der Freftgasse, die ze.tlose und ftCt^ÄPÄ die Würste gut gekauft. Blell-icht auch nicht. Der t mz-Ii d"° wahres 1932 ging es mit jedem Tage schlechter, wie auch dem
i Spielrengladen der Frau Trockenhut. Vor Geldsorgen konnte bie Menschheit
Klick »fiff unb zwitscherte. Schön sah es aus, bas Vaterbaumchen. Die Uhr schlug sieben. Peng, ber letzt» Schlag! Unten knallten unb rasselten bie Läden. Hatten es eilig, die Leute. Wollten heim. Jeder ranme zum ^"Er'^späht^durch^das Fenster in das Schneetreiben. Drüben bei MIi schimmerte Licht, Weihnachtslicht, wenn auch bloß ein schwaches Fünkchen. Kick hatte etwas für sie. Ein zufriedener Ausdruck uberftuftfjte fein Gesicht. i 2>ort auf der Kommode steht eine kleine Schachtel, eine Bauernpuppe ist darin. Von Frau Trockenhut hat er sie erbeten. Morgen wird er die kleine Schachtel feiner Freundin übergeben.
Er riß die Schranktür auf, raschelte mi)Rapier. Son. unten, Hangen Schritte herauf. Der Vater war auf der Stiege. Rasch bas Geschenk für ^"Dan^'ve^grub"er^i^Händ°e^in ben Taschen unb Meisterte harmlosen Gemüts im Zimmer umher. Im Ofen brobelte bas Feuer, Hitze strahlte. Wärme umkroch weich die Möbel.
„Guten Abend, Vater!"
Kurze',^männttche Worte. Die Stimme des Vaters Hang müde.
fierr Bodenweber wirft einen Blick auf den geputzten Baum. Die Kerzen brennen noch nicht. Nach dem Esten erst werden sie angezunde. Klick klappert mittlerweile mit den Tellern. Schnell ist der „Tisch gedeckt.
„Einen Weihnachtskarpfen haben wir leider nicht, Vater , meinte der 3",Mas mache ich mir viel aus Karpfen!", fagte ber Vater, sich nieder- f-tz'-nd. „Schmecken mir zu moorig." .
Ja, was machst du dir aus Karpfen, da du Bratheringe fo gern ißt! , sagte Klick. „Bratheringe aus unserer Freßgasse ..."
„Ueberbies sind unsere Fischteiche zugesroren, Klick. Laß ihnen den ^'"Jch^lasse ihnen die Ruhe. Die tauen auch nie aus, nicht mal im Sommer Aber dafür haben wir Bratheringe aus der Ostsee, wo der S"PiS,®Ä"6««n"™S“fr«gi; d-, V-,--. d,n 31,fd Mund-
tuchs in die Weste stopfend.
Klick trug das Essen auf, er war Mutter und Wirtschafterin zugleich.
„Sassafraft ist ein Bekannter vom Hustenonkel. Heißt aber eigentlich Schneider. Wurde ihm heute vorgestellt, als ich einen Augenblick tm Tier- l0t>C,n2)as"ift wohl der Lange?", besann sich der Vater, ber viele Leute kannte. .
„Mit einem Knebelbart", sagte Klick. .
„Seine verstorbene Frau hatte, wie ich mich erinnere, bas Blumengeschäft in der ..." .
„... Prager Straße", fuhr Klick fort.
„Richtig!", bestätigte ber Vater.
Die Kartoffeln in ber Schale bampften, Kumme! hing an ihnen.
„Den Rapünzchensalat habe ich in ber Markthalle aufgetrieben. Seltenheit bei bem Schnee." , , .
Er stellte bem Vater eine Flasche Bier und ein Glas hin. Schweigend aßen sie In der Webergasse verebbten die Geräusche. Ein Laden nach dem andern war geschlossen worden, man hörte noch Türschlagen, Rumpeln und Rollen. Bald war es ruhig, nur ber Schnee zischte vor ben Fenster-
sie mit bem Essen fertig waren, wünschte Klick: „Gesegnete Mahlzeit, Vater!" , ... _, ,
Mahlzeit Klick", erroiberte ber Vater und langte nach seiner Stummel« pfeife- fast wie ein Detektiv sah er aus, als sie ihm zwischen ben Zahnen stak Sann er einer Liebesgeschichte nach, hatte es irgendwo Mord und Totschlag gegeben? Klick lächelte. Könnte er nicht die verlorene Mutze
'räumte den Tisch ab und trug das Geschirr in bie Küche.
Was soll ich ihn mit bieser bummen Geschichte belästigen! Verloren Er^zog"bie'gute Tischdecke über die Platte und stellte sein Paket daraus. „Laß mal, Vater!" meinte er, bem Raucher freunblich auf bic Schulter klopfend. Denk nicht ans Geschäft, heut ist Weihnachten. Laß bas bis nach d-n 'Mcrtagen. Cs wird ja doch nicht bester, wenn du auch grübelst.
yvr >” --- -lotete einen Blick aus der Versunkenheit auf feinen Sohn.
$er„€x*i"n ' sagte Herr Bodenweber, sich erhebend. „Geh einen Augenblick hinaus!" ...
So roar es an jedem 9Beibnad)t5abenb. 9lad) bem (Sffcn vermanbelte sich der Vater in einen Weihnachtsmann, in den Christengel mit der Tabakspfeife. Er entbrannte die Kerzen des Bäumchens und legte die Geichenke aus. Diesmal war es nicht viel, wenn auch nicht gerade etwas Billiges Einen kleinen Radiokasten mit einem Lautsprecher hatte er seinem Jungen gekauft — auf einer Versteigerung. Drähte, Kontakte, Schrauben, alles war da, nur der Anschluß muftte noch hergestellt werden.
Die Lichter brannten. Herr Bodenweber klingelte mit einer Glasglocke. So läuten Weihnachtsgeister. Klick trat ein, behutsam schloß er bie Tur unb kam sacht erwartungsvoll näher, als wolle er den Weihnachtsengel, ber eben noch im Zimmer geschwebt, nickt burch lautes Benehmen nachträglich erschrecken. So verbreitete er um sich feierlich Stimmung, unb ber Vater war sehr erhoben. Er hatte bie Detektivpfeife in die Aschenschale gelegt und seine kleine Mundharmonika von der Kommode genommen. Nun setzte er sie an die Lippen und ließ die Metallzungen spielen.
O du fröhliche, o du selige
Knabenbringende Weihnachtszeit ...
orgelte bie Mundharmonika, das Maurerklavier, wie sie Klick nannte. Schön, voll und feierlich klang es, wie alles, was mit dem Weihnachtsfest eingeftimmt war. Von Wohllaut umtönt, stand der Vater, geschlossenen Auges, ganz hingegeben der Musik und ber schlichten Freube. Klick aber äugte mit langen unb großen Blicken nach bem Rundfunkkasten.


