ßin junger Läufer spricht.
Von Adolf Petrenz, gefallen im Weltkrieg 1915 Nichts als Sonne, Bahn und Band und Wille und die straff gespannte Lauerkraft, bis das Zeichen blitzt aus heißer Stille und die Glieder löst aus starrer Haft.
Alle Leiber fangen an zu leben, alle Seelen sangen an zu schweben, und die Arme greifen in den Sieg. Zu uns singen tausend Nachtigallen, tausend Jubelstimmen rings umschallen unsres Lebens ersten heiligen Krieg.
Ach, wer nie des Kampfes Wonne spürte, niemals mit der Brust das Band durchstieß, schweige still von dem, was uns verführte, was uns packte und uns nicht mehr lieh.
Nur wem je der Sieg mit Wunderflammen wie ein Glutstrom durch die Adern schoß, der nur soll uns richten und verdammen, wer des Kämpsens heiliges Glück genoß.
. Feierabend — Abendseier.
Von Dorothea Hofer-Dernburg.
Schubert, der zaubervolle, läßt in der Tragödie der Müllerlieder seinen verliebten Burschen singen:
Und da sitz ich in der großen Runde in der kühlen, stillen Feierstunde und der Meister spricht zu allen Euer Werk hat mir gefallen, und das liebe Mädchen sagt allen eine Gute Nacht.
hinein rauscht die Melodie des Mühlbachs und des Abends, und wir sehen den Meister sitzen, weise und em Patriarch m Kreis der Gesellen, im zufriedenen Baß die Semen loben. Wir ^metfen be Rauch seiner Pfeife, atmen den Frieden der Natur, sehen fte ba, fjoren sie, hockend an der Böschung des kühlen Erlenbachs und behaglich schwatzen „in der großen, kühlen Feierstunde ... em IBtlb noni ßnbtmg Richter, schwer von innerster Beschaulichkeit uni) von Behagen, und nur das junge Blut klopft ungeduldig laut und rasch und kann den Rbnthmus des Tages und der Arbeit so schnell nicht vergessen ... „Hütt ich tausend Arme zu rühren, könnt ich brausend die Rader fuhren, daü die schöne Müllerin merkte meinen treuen Smn ... Denn für die Verliebten ist jeder Tag der kürzeste und keine Arbeit schwer genug, tick iu beweisen, als ein Held und ein ergebener Knecht zugleich. '^Und so könnte man auch sagen von dem Glücklichen der verliebt ist in einen Gedanken, in eine Hoffnung, m «me Aufgabe, ob er nun aus den Müllerliedern und ihrer holden Romantik stammt, aus dem Album Ludwigs Richters, oder aus dem heutigsten Heute. Nur wer den Rhythmus eines arbeitsreichen Tages hinüber nimmt m die stille Melodie des Abends, der wird von ihm getragen zu immer neuen ufern.
Feierabend. Ein feierliches, abendliches Wort.
Dem einen klingt's von altersher nach Glockenläuten, klingt nach aefalteten Bauernhänden, die ruhen im Schoß, nach stiller Sammlung unter Haustüren, die im Schatten der Dorstinden hegen. Dem andern — sehr weit entfernt von jenem — nach dem erlösten Schrei der Fabriksirene, dem ausgerissenen Tor der Städte, dem anfeuernden Ruf der Plakate vor Kino und Theater. Dem Dritten n ad) der i'^enStille eines Zuhause, nach Kinderstimmen und Weihnachtsbastelei, heimttch hinter verschlossenen Riegeln. Nach einer Sonate, nach Freude auf Seite so und soviel in einem Buch, bas tagsüber im Schrank stand wartete. Dem Vierten und Fünften, die sie Tags an der Drehbank standen, nach frohem Geschrei der Kameraden, nach Kamps und Marschmelodie, nach rstcher Dusche in der Kabine des Tum- und Sportvereins, nach fester Faust und hohem Sprung, nach Rekord und dem ganzen anpackenden Leben der jüngsten Jugend. — Und wieder einer, ein junger Stubent acht her legt (ein Feiertagsgewand an, bürstet brav den Hut, schließt die Bude ab und wandert zur Liebsten, holt sie ab, um mit ihr oben hoch auf dem Olymp diesen selben unvergeßlichen, unvergänglichen Schubert zu hören, aufgerissenen Herzens Hand in Hand und der Puls der Freundin klopft die Melodie ihres eigenen heben Namens, und sie sind still und romantisch und weltvergessen und verachten ein wenig den Kinomann und sparen für Tristan und Isolde am Mittagessen wochen-
hinaus ins Zeltlager in die Landschaft, auf die Flusse und atmen und kommen heim mit den Sternen, u^d wenn es Winter ist dann gehen diese selben Leute in die Hochschulen und Abendkurse und lernen Sprachen ober lassen sich die Schätze alter Meister erklären, die ohne sie tot und verstaubt in Museen vegetierten und ichasfen sich alles Wißen, zu dem die Hast und Last des Tages nicht Zeit laßt. Und roteber und mieber andere sitzen im Kreis der Freunde, reden von Gott, Gemüt und Welt und oom lieben Nächsten und lasten die RZhtik nicht zu kurz kommen und nerbeffern die Wettgeschichte. Und der Herr Generaldir ktor der gewichtige, geht in den Klub und kommt geschwellt von Wichtigkeit um das Dovpette heim, und das Schalmeienorchester "artet aus diese und der Theaterverein auf jenen der Kameradschaftsabend auf den
Die Plattier, tausend Mann, In einer Hügelfalte Im Nordwesten, bei I Marathon. „Macht mir den rechten Flügel stark , dachte er und verbarg die Hauptmacht seiner Athener in der Schlucht von Wrana, die 150 Meter von ihrem Ausgang immer noch einen Kilometer breit tft 2c1 war Platz. Man sieht von dem Grabhügel heute noch in diese Boden- ’C Zwn Tage lang zögerten die Asiaten in ihren Schiffen, ihnen war unheimlich zu Mute, sie sahen nichts und hörten nichts, und Ueberlaufer kamen auch nicht. So wagten sie es endlich, und die Athener warteten ab bis alle die Asiaten ausgeschifft waren. Dann brachen sie, schnell formiert, so breit wie die persische Front, vor, der plataische Flügel dicht gedrängt, der rechte athenische Flügel sehr dick und massiert, aber bie Mitte ganz schwach, nur ein paar ©lieber tief. Die mußte und sollte vor der mächtigen Stoßkraft des persischen Zentrums auswe.chen und
192 Athener, ^außer den Sklaven, liehen ihr Leben in tapferem Kampf. Dann, als die Perser durch waren, griff die Zange der beiden Flügel zu, Athener und Platäer schlugen nieder, was, aus plötzlichem Mangel an Gegnern, an den Strand zurücksluchtete H e r o b o t gibt bu Zahl ber toten Barbaren mit 6400 Mann an; sie konnten aus bem groben Sumpf nicht roieber heraus unb würben teils hier, teils auf der Flucht zu den Schiffen, elend zusammengehauen. .
Nun drängten die Hellenen nach bis ins Wasser. 3rvei Generale sanden den Tod, Kallimacfjos und Stesilaos, unb bem Bru- ber des Dichters Aeschylos, Kyneigiros mit Namen, wurde^ als er ein Schiff beim Bug ergriff, bie rechte Hand mit einem Enterbest abgehackt und bann, als er mit ben Zähnen anpackte, ber Kopf. Sieben Schiffe erbeuteten die Athener und Platäer in diesem Handgemenge, aus den anderen suchten die Barbaren, Perser, Meder und Saker entsetzt das Weite. . „
„D i e m e d i s ch e T r a ch t. .
Sie hatten sich das Ganze zu einfach vorgestellt. Erst war da niemand, dann brach es aus den Schluchten hervor wie em Ungerad er unb bie mebifdje Tracht", in ber das Vordertreffen der Barbaren focht, nutzte auch nichts. Sonst nämlich faßte die Feinde der Asiaten, wenn sie die medische Tracht sahen, Krieger, bunt bemalt wie die Indianer oder die Papuas, gräßlich schreiend, die bleiche Angst und sie kehrten lieber gleich wieder um. Hier zum ersten Male in der medischen Krieg-geschichte so wird eigens berichtet, verfing der Trick nicht. Diese Schwerbewaffneten, die da oorftürmten, ungedeckt etwa durch Kavallerie oder durch Bogenschützen, kümmerten sich nicht um die große Kriegsbemalung dieser Horden.
Dichtung und Wahrheit.
Ob aber die 11 000 Mann, wie H e r o d o t, der ja erst vierzig Jahre später schrieb und sich bei manchen Dingen aus das Hörensagen verletzen mußte, berichtet, tatsächlich dies ganze Schlachtseld, immerhin eine Strecke von mindestens anderthalb Kilometer im Laufschritt durchmaßen, bleibt j>tl fragen. Wohl gab es den Hoptttenlauf in Olympia, Wettlaus m Der Bahn, nackt mit Helm unb Beinschienen, Speer unb schwerem Runbschstd. Gute Läufer waren sie alle, und wenn nach Waterloo der etzerne Herzog, der von W e l l i n g t o n , von seinen Soldaten sagte die Sportplätze von Eton und Cambridge hätten ben Sieg bei Belle-Alliance erst möglich gemacht, so kann man von Marathon sagen, bah es ^^ O^wP'a und die anderen Wettspiele wohl nicht gegangen roare. Aber 192/- Meter nackt in der Bahn ist doch immer noch etwas anderes a.s anderthalb Kilometer | schwer gerüstet laufen, fechten und kämpfen. Es wird wohl so gewesen sein daß bie Hellenen anfangs in Geschwindschritt anmarschierten unb dann als bas Hanbgemenge nahte, in Laufschritt übergingen.
Herobot ist ein rounberbarer Erzähler. Er konnte noch beides. Erfundenes so vortragen, als wäre es wahr, und Zugleich। und im se ben Atem Wahres so lebendig erzählen, als roare es von ber Phantasie eines Dichters erfunden. Da ist, in feinem Bericht, ein Blinder, Vornehmer aus der Stadt Athen. Der erzählte nach der Schlacht von einer Erscheinung, bie er während des Kampfes gehabt hätte: Em Greis mit ^nem verdeckten Auge bärtig, habe plötzlich vor den Feinden gestanden Mit einem Stab unt? bedeutet: „Bis hierher und nicht weiter . Hai Herobot am Ende auch einmal etwas von Odin gehört unb hineinverwoben m seine Historie von ber Schlacht bei Marathon? Mochten bie Zettgenossen selber auch dnmctto nicht willen um was es ging unb denken, es handle sich „nur um Athen _ der Generation ber Söhne war bie Weltbedeutung des
Geschehens gewiß klar. ..
Der Läufer.
llnh vielleicht ist doch auch damals schon, wenn auch Herobot hiervon noch nichts sagt, die" Geschichte vom Säufer von Marathon er}Wie einer der Kämpfer, als der Sieg errungen tft s°l"aust nach Süden da wo P e i f i ft r a t o s marschiert war, durch die Walder und über die Felder die schmale Straße, bügelauf, hugelab, burch all die Dörfer und all die Flecken, und nichts halt ihn auf und ferner Der steht weshalb ber so rennt, er läuft nur und läuft, stundenlang — bis er auf dem Marktplatz von Athen ankommt, wo gerade rote immer m Athen Versammlung ist, und stürzt hinein mitten unter unb keucht und atmet schwer und schreit noch im Laufe pwtzhch das eine Wort: „W i r haben gesiegt!" Und bricht am Herzschlag, e T Dst'z Ä'so'schön, daß H e r o b o t es könnte erfunden b?l>en" Geschichte, die zur Legende wurde, wenn nicht Legende, die zur Geschichte wurde. Bie Strafte von Marathon nach Athen, es ist noch dieselbe, wie damals, nur ainhaltiert heute, ist 41,7 Kilometer lang. Wieviel jener Unbekannte im September 490 v. Ehr. für die Strecke brauchte, weiß man nicht. Anno 1896. am 29. März, bei ben ersten Olympischen Spielen der Rem zett stellt der Sieger, her attische Bauer Spyros L u i s aus Ma ruf st. mit' 2 Stunden 58,50 Minuten, vor 25 Teilnehmern den Siegesrekord auf Untermens batte er ein Viertel Wein getrunken. Seitdem gibt es wieder den Marathonlauf, als schönsten Sieg über die Langstrecke, zu Erinnerung an ein ganz großes Stück Wettgeschich-e.


