Ausgabe 
13.7.1936
 
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da Cva plötzlich,der hat ein Pserd aus Holz, auf

und da

können. Nichts,

in die Höhe und keinen Augenblick sie niemals nach, Ein Mädchen, tiger Mensch.

Franz", sagt

dem man sitzen kann!"

Franz? Wer ist Franz?"

Nein, das^sagt Eva nichi, das ist ihr Geheimnis. Aber so zum Spaß trüge sie wohl nicht diesen Ring an ihrer Hand..

Peter sagt nichts mehr. Zorn erfüllt ihn, eine seltsame Traurigkeit, bittere Unruhe.

Am folgenden Tage geht Peter in den Wald zu seinen Ameisen. Er hat ihnen eine gute Brücke gebaut und eine große tote Blindschleiche geschenkt. Ameisen sind nicht undankbar. Sie haben die ganze Schlange aufgezehrt, aber die weißen Knöchelchen haben sie nicht gefressen, sie liegen noch alle da, eine lange Reihe schöner, zackiger Perlen Peter sammelt diese Perlen und reiht sie aus seinen Faden, zuerst die kleinsten, dann größere und am Ende wieder kleine. Es wird eine prächtige, schnee­weiße Kette.

Oh, Eva gerät außer sich vor Freude, sie wird rot und blaß und kann es lange nicht glauben. Seht euch nur um, wer in aller Welt bat eine Kette aus echtem Schlangenbein?Ja", sagt Peter,sie ist nicht ganz schlecht. Du halt zwar den Ring..."

Ach, den Ring trägt Eva gar nicht mehr, er ist vielleicht nur aus Glas und aus Messing, nichts'Echtes. Und selbst, wenn er aus purem Golde wäre, eine tote Schlange findet sich nicht immer auf der Halde. Und tausend Ameisen müssen tausend Stunden lang. Tag und Nacht daran nagen, es sind viele Perlen, viermal zehn und noch einige. Was aber das Pferd betrifft, so ist es eben von Holz. Peter jedoch reitet auf der Stute von der Mühle bis tum Haus.

Ja, Peter ist ein großer Mann, reich, Herr über alle Tiere und Pflanzen auf der ganzen Halde. Aber auch er hat ein Herz, und Eva weiß reckt gut, wohin sie zielen muß, obgleich sie noch ein Kind ist und nichts Böses dabei denkt.

Erst ein paar Tage später kommt er zufällig in den Wald, findet er dock etwas' auf seinem Ameisenbau, es liegt ganz oben und glänzt: Ein Ring mit einem blutroten Stein.

Aber der Herbst kommt schnell, und nun muß Eva abreisen. Peter hat ihr nickt viel zu sagen, aber am Tage vorher trägt er zwei Schafe über den Bach und treibt sie weit in den Wald hinein. Ja, und diese beiden Schafe fehlen also am anderen Morgen. Peter muß sogleich gehen und nach ihnen suchen, da hilft nun nichts.

Er bleibt lange aus, und dann hat er zwar die beiden Tiere ge­funden, aber der Vater ist inzwischen weggefahren mit Eva und deren Mutter. Schade, ja, allein Peter hat eben nicht früher kommen

Später gebt er auf die Tenne und schaut in seine Truhe, nein Verlassen, allein!

Traurig ist das Leben ...

gewöhnlich dumm ist.

Steige einmal da aus den Rechen", sagt er, und ist selbst erstaunt, daß sie nun wirklich auf den Rechen tritt der Stiel schnellt natürlich ' schlägt ihr eine Beule an der Stirn. Nichts kennt sie, überlegt sie, ehe sie etwas tut, und auch dann denkt sondern setzt sich nur hin und heult.

das ist ein Mensch, der nur so aussieht wie ein rich-

Kannst du auf zwei Fingern pfeifen?" sagt er nach einer Weile.

Peeter macht es vor, er pfeift wie ein Geier.Kannst du das?"

Nun,' es^istz auch^°eh^schwierig, für den Anfang vielleicht nicht zu "^Kannst du", fragt Peter wieder,kannst du mit der Zehe das Kreuz ma^b"r Eva hat keine Lust, immerfort nein zu lagen, sie fühlt sich außerdem sehr sicher an ihrer Hausecke.

Und überhaupt bist du so schmutzig! sagt sie kalt.

Schmutzig? Das ist gar nichts. Damit sinkt sie sofort in der Achtung Peters Was heißt das, du bist schmutzig? Sie könnte gerade so gut sagen, du hast Hände und Füße, pt das einen Sinn? Peter wendet sich wieder seinem Schneckenhause zu Eine rote Masche, nun ja.

Sagt Peter wirklich nichts mehr? Eva steht dort und bohrt ihre Ab­sätze in den Boden. .

Aber ich habe einen Ring!" ruft sie nach einer Weile mit zitternder Stimme So, einen Ring! Das ist wahr, einen Ring hat nicht jeder Mensch die Mutter vielleicht, und auch sie nicht immer. Peter entschließt sich hinzugehen. Aber nun will Eva den Ring gar nicht herzeigen, sie legt die Hände auf dem Rücken zusammen nein, durchaus nicht! Allein Peter macht da keine Umstände, er dreht sie herum und faßt ihre Hand.

Wirklich, Eva hat einen Ring mit einem großen blutroten Stein.

Gold?" sagt Peter.

Gold, natürlich. Wenn man durch den Stein schaut, ist alles rot und rot die ganze Welt. Aber Peter darf doch nicht durch den Stein schauen. Eva hat jetzt die Oberhand, sie dreht den Ring nach innen und ballt die Faust.Nichts mehr, laß mich!"

Peter überlegt ein wenig, ob es nicht am sichersten wäre, der roten Masche ein Bein zu stellen, aber da ruft die Mutter, und er geht fort. Peter hat übrigens noch einen Messinqknops mit einem Adler darauf, vielleicht ist dieser Knopf nicht viel fchlechter als ein Ring mit einem Stein! .

In der folgenden Zeit unterzieht Peter die kleine Eva einer sehr genauen Prüfung. Er führt sie über die Halde hinunter bis zum Wald. Dort ist eine Lücke im Zaun, aber hinter dem Zaun lausen zwei Wasser­gräben zusammen und bilden ständig eine tiefe, bläuliche Lache. Peter springt hinüber, er macht eigentlich nur einen großen Schritt.Komm weiter!" sagt er freundlich. Eva schürzt ein wenig ihr weißes Kleid und macht auch einen großen Schritt. Im nächsten Augenblick ist nicht mehr viel von ihr zu sehen die rote Masche und ein entsetztes Gesicht.

Später sitzen die beiden auf der sonnigen Halde wenn Eva nicht so viel weinte, wäre sie längst trocken.

Allmählich kommt Peter zu der Ueberzeugung, daß Eva außer­

Landschast eines Dürer-Bildes.

Von S. D r o st e - H ü l s h o f f.

Von Albrecht Dürer, dem Schöpfer derMelancholie", desRitters mit Tod mit Teufel" und zahlloser anderer unsterblicher Meistern^rke der Kupferstichkunst existert auch em BlattDas große Glück' geheißen, welches eine Frauengestalt darstellt, die auf einer in Wolken schwebenden Kugel steht. Den Hintergrund bildet eine liebliche Landschaft, deren Deutung und Bestimmung den Kunstgelehrten viele Jahre lang lebhaftes Kopfzerbrechen verursacht hat. Aus den ersten Blick mutet die Szenerie den Beschauer völlig fremd an, sie läßt sich mit keiner anderen sonst, die Albrecht Dürer in seinen Werken verewigte, vergleichen. Erst bei genauester Betrachtung und Vergleichung des Bildes findet man die Meinung einiger norddeutscher Forscher, daß die Lairdschaft eine be­stimmte Gegend des südtirolischen Eisacktales darstelle, und zwar die­jenige von Klausen, vollauf bestätigt.

Man vermutet, daß Dürer aus seiner ersten Reise nach Italien um 1500 gleich vielen Reifenden der damaligen Zeit in Klausen, das ernst ein wichtiger Durchgangsplatz an der Heerstraße über den Brenner war, Rast machte. Heute ist es ein trotz feiner Lage an der großen Bahnlinie BrennerVerona vom Fremdenverkehr nur verhältnismäßig wenig be­rührtes, wundervoll pittoreskes alttiroler Nest an der Mündung des Thinnebachs in den Eisack. Klausen ich will es bei seinem altver­trauten deutschen Namen nennen, obgleich es natürlich wie leder Ort dort unten irgendeine neue, italienische Bezeichnung trägt ist das drittkleinste Städtchen Südtirols nur Vils und ©turne sind ihm an Kleinheit nochüber" und eines jener besonders reizvollen, wo olle Anmut des Südens sich mit der Schönheit des Nordens harmonisch vereint.

An den südlichen Hängen des Tales gedeihen Edelkastanien, ein prächtiger, leicht-duftiger Wein und herrlichstes Obst, während an der Schattenseite dunkle Nadelwälder rauschen und auf ftischgrünen Alpen­matten der Enzian blüht und der Ort selbst mit dem auf schwindelnd hohem Felsen sestungsartig thronenden Kloster Gaben feinen etter, sezierten Gaffen, den heimlichen Winkeln und malerischen Stadttoren dem Besucher den ganzen Zauber altdeutscher Reichsstädtchen ins Ge­dächtnis ruft. Ganz Klausen, dem auch die Tatsache, daß der Nord-Sud- Expreß es tagtäglich durcheilt, nichts von seiner träumerischen Beschau­lichkeit rauben konnte, besteht nur aus etwa 80 bis 90 Häusern. Wunder­voll geschmiedete Wirts- und Handwerkerschilder hängen über ben Türen und die Namen, die man da liest, wieKrautgärtner",Gallmetzer , Scheidle",Wohlgemut" u. a. m. verraten trotz gelegentlicher, meist höchst wunderlicher Jtalianisierung, daß Menschen rein deutscher Abstam­mung in Klausens Mauern hausen. Typisch deutsch und vorzüglich tirolisch ist auch der rege Sinn für gemütliche Raumausstattung und das feine Kunstverständnis, welches die Bewohner auszeichnet. Bewundernswert find da besonders die prachtvollen Holzvertäfelungen, die, Zeugen der hochentwickelten alttiroler Schnitzkunst. sich in vielen Burgers- und Gast­häusern, wie etwa in demZum Mondschein" finden und der Fleiß und die Liebe, mit welcher allerlei wertvolle Altertümer, Zinngefchrrr, Bilder und ähnliches gesammelt und bewahrt werden.

Uebrigens würde man es dem kleinen Klausen auch nicht ansehen, daß es geradezu königliche Kostbarkeiten, um deren Besitz es manche Großstadt beneiden könnte, in seinem Bereiche birgt: nämlich den sog. Lorettoschatz" im Kloster der Kapuziner unweit der Brücke über den Thinnebach. . , ,k .. ,

Das dünne, scheppernde Glöckchen am ®mgangster ruft mit heiserem Getön den Pförtner herbei, der den Fremden der Führung des hoch­würdigen Schatzmeisters überantwortet. Wenige Schritte von der Kloster­kirche entfernt steht die Lorettokapelle. Fast lautlos gleiten die Sandalen der Mönche über steinerne Fliesen, gebannt und geblendet steht man vor all den einzigartigen Schätzen, die, sauber geordnet, die niederen Räume erfüllen. Fürsorglich und behutsam entfernt der Pater Schatz­meister die Hüllen von wunderbar seiden- und goldgestickten Meßgewän­dern Rauchmänteln, Antipendien und Paramenten und gibt Erklärungen: Dieses Wunderwerk der Emaillekunst hier ist der Feldaltar Karls II., Königs von Spanien, von Michelangelo Buonarotti entworfen und von Colliiri ausgeführt, jene aus klarem Bernstein geschnittene Eccehomo- Figur, ein Geschenk des königlichen Hoses zu Madrid, und da die Gemäldeein Frauenkopf von Murillo, eine Passion von Peter Paul Rubens hier Werke von Leonardo da Vinci und dort solche von Tizian, dem Bauernbrueghel und vielen anderen. Auch ein Bild Albrecht Dürers fehlt nicht zwar ist die farbenleuchtendeAnbetung der heiligen drei Könige" nicht signiert, doch wird sie durch alte Inventarverzeichnisse unb die Urteile vieler Sachverständiger als bestimmt von der Hand des großen Nürnbergers stammend erklärt.

Neben den Gemälden aber gibt es noch edelsteingezierte Religuien- schreine, Altargeräte, Kelche, alles aus Gold, Bergkristall und getriebenem Silber.Wie kommen all diese Schätze in das unscheinbare, bescheidene Klösterlein? In gemütlich-breitem Tirolerisch berichtet der Pater von dem Mönche Gabriel Pontiseser, der, ein gebürtiger Klausener, der Königin Maria Anna von Spanien aus ihrer bayerischen Heimat nach dem Hofe von Madrid folgte, und dort ihr Beichtvater wurde. Der im Laufe der Jahre das ganze Vertrauen und alle Gunst der Königin ge­wann, jede ihm persönlich zugedachte Ehre aber bescheiden ablehnte und nur die Gunst erbat, daß in seinem Heimatorte ein Kloster errichtet würde ein Wunsch, den ihm die Königin Maria Anna, allen Schwie­rigkeiten zum Trotz, denn auch in großzügigster Weise erfüllte. Sie ließ fein kleines ärmliches Geburtshaus in die jetzige Lorettokapelle um- wandeln und das Kloster erbauen, welches im Jahre 1701 vom Fürst­bischof von Briren feierlich geweiht wurde. Als nach dem Tode Karls II. die kinderlose Maria Anna in ihre Heimat nach Neuburg an der Donau zurückkehrte, nahm sie alle in ihrem Besitz befindlichen Schätze aus Spanien mit sich und stiftete sie wie schon früher manch andere Kost­barkeiten, dem neuen Kapuzinerkloster zu Klausen.

Seltsam berührt tritt man aus dem schattig dämmernden Kloster-