Ausgabe 
13.3.1936
 
Einzelbild herunterladen

i und

M

in

Man hat nämlich nicht über die Lanzen zu n zu gehen, und meine Handlung bedeutete U

6

Veranlirortlich: l)r. tzans Thyrtot. Druck und Derlag:Brübl'scheUniverlttäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Giehe».

So enl

Rasteten mir nach erfolgreicher Jagd im Busch unter einer schatten­spendenden Schirmakazie, legten die Krieger ihre Lanzen neben sich auf den Boden. Ich sah nun sorgfältig darauf, nicht auf die Lanzen zu steigen und stieg darüber hinweg. Glücklicherweise war ich zu diesem Zeitpunkt schon güt mit dem Eigentümer der Lanze befreundet, so daß unan-

Oft bin ich befragt worden, wie man sich vor derartigen Zufälligkeiten schützt, und immer konnte ich nur antwortens Hierfür gibt es nur ein instinktives Einfühlungsvermögen und viel Glück. Verfügt man über diese beiden Grundelemente nicht, dann bleibt man besser zu Haus oder teilt eben das traurige Los zahlreicher Forschungsreisender.

i in

ito

118«

1 ein

in

genehme Folgen ausbliehen. !

steigen, sondern darum herum zu gehen, ..... eine persönliche Beleidigung für den Eigentümer.

D

un, i $ A

Hier

Brbei

Die Weiden am Bachrand grünten von Jahr zu Jahr üppiger, und chre Aeste streckten sich breitschattend über das Bachlein. Jockel kam jedes Jahr im Sommer zu Besuch. Es war stets eine Begebenheit ur die Böttcherwerkstatt, denn der erste Weg des alten Gesellm, dessen Gang immer müder wurde, führte zu seinen Weiden. Von Baum zu Baum ging er und strich leise mit zittrigen Fingern über die Rmde, sah hinaus zur schwankenden Krone, so daß der weißgewordene Voll- bart waagerecht stand und setzte sich ein Weilchen auf den Rasen Es kümmerte ihn nicht, daß die Gesellen und Lehrlinge ihre Rasen an den Fensterscheiben platt drückten und sich wahrscheinlich über ihn lustig machten, er sah nur die Bäume, die seine Hande gepflanzt hatten, und hörte das Flüstern ihrer Blätter.

Und als einmal der alte Gesell gar zu lange auf dem Rasen sah, meinte der Meister, er sei eingeschlasen und wollte ihn wecken. Doch Jockel gab keine Antwort. Sein Haupt lehnte am Weidenstamme, und die gefalteten Hände ruhten auf den drei Hüten. Der alte Gesell war tot.

iilir

Ito

Un' i ,e! ll?r ! Bo

Meine Zorscherexpedition nach Hinterindien.

Von Dr. Hugo Adolf Bernatzik.

In diesen Tagen begibt sich der bekannte Erforscher fremden Volkstums, Dr. H. A. B e r n a tz i k, der sich auch mit Büchern über seine Reisen einen Namen gemacht hat, auf eine neue Expedition nach Hinterindien. Dr. Bernatzik berichtet hier über die Ziele der neuen Forschungsfahrt, auf der seine Frau ihn wieder begleitet.

In den Jahren 1931 und 1932 habe ich in Westafrika Kulturen untersucht, in deren Verfolgung ich in den nächsten Jahren Australien, die Salomoninseln, Neu-Guinea und Indonesien bereiste. Bei der Aus­arbeitung meines wissenschaftlichen Materials wurde es mir klar, daß eine Untersuchung dieser Gebiete allein zur Klärung des Ursprungs dieser Völker nicht genügte und ich beschloß daher, die Kulturströmungen von ihrem vermutlichen Ausgangspunkt aus zu verfolgen.

Wir werden zuerst den Mergui-Archipel, der Hinterindien im Süb- weften vorgelagert ist, besuchen. Diese Inseln werden von den Selung, einem nomadisierenden scheuen Fischervolk, bewohnt, das in primitiven Booten lebt und jede Begegnung mit Fremden zu vermeiden trachtet.-

Rach Rangoon zurückgekehrt, möchte ich nach dem Norden vorstoßen, in die sogenannte Vierländerecke, das Gebiet zwischen Siam, Burma, China und Jndochina, das, ebenso wie die angrenzenden Teile der in Burma gelegenen Shanstaaten, von einer Menge interessanter Volker bewohnt ist, die wissenschaftlich zum größten Teil noch nicht bearbeitet worden sind. Ich nenne nur die Ka, Karenn, Ka Tong ßuang, die chine­sischen Bergvölker der Mial und Yao, die tibetanischen Völker Lahu, Lisu, Akkha und viele andere mehr.

Die Negritos, die als die Urbevölkerung Hinterindiens angesehen werden können, sind aus niedrigster Kulturstufe stehende primitive Zwerge und heute nur mehr in den abgelegensten Rückzugsgebieten anzutresfen, wohin sie von den Völkern, die Hinterindien überfluteten, abgedrängt wurden. Sie führen heute nur noch im Innern der malaischen Halbinsel ein kümmerliches Leben.

Eine der interessantesten Aufgaben für einen Ethnologen ist aber ber Versuch mit den von den nördlichen Shanstaaten bis in die chinesische Provinz Yünnan siedelndenWa" in Verbindung zu treten. Nach ge­nauen Informationen, die ich kürzlich erhielt, soll dies auch heute noch ein außerordentlich schwieriges Beginnen sein, da die Wa, die als Hack- bauern verstreut inmitten schwer zugänglicher Berge leben, sehr fremden­feindlich sind, es verstanden haben, ihre völlige Selbständigkeit zu er­halten, und somit keiner Kolonialbehörde unterstehen. Von Burma aus wären die Wa leicht zu erreichen, doch die englischen Verwaltungs­behörden, die sonst meist wissenschaftliche Untersuchungen in ihrem Machtbereich in zuvorkommender Weise fördern, sehen es ungern, wenn man in das Gebiet dieses wilden Volksstammes einbringen will, ba sie, nicht mit Unrecht, döse Komplikationen befürchten. Tatsächlich gelang es vor wenigen Jahren einer beutschen wissenschaftlichen Expebition nicht, auch nur bas Grenzgebiet ber Wo zu erreichen, unb auch mir würbe die Einreiseerlaubnis glatt verweigert, so daß ich den Versuch unternehmen muß, mit den Wa auf chinesischem Gebiet, die zu besuchen mir die chinesischen Behörden in gewohnter Liebenswürdigkeit gestatteten, in Verbindung zu treten. Daß im übrigen die vorsichtigen Verwaltungs­behörden in diesem Fall nicht unbegründete Befürchtungen hegen, wird ersichtlich, wenn man bedenkt, daß die Wa, die übrigens bis auf den heutigen Tag fast völlig unbekleidet gehen, ausgedehnte Kopfjagden zu unternehmen pflegen. Kopfjagden haben immer magische Beweggründe. Meist glaubt der, der einen Kops erbeutet hat, in der Seele des Opfers einen treuen Diener unb Helfer erworben zu haben. Ich habe auf ben Salomoninseln unb auf Neu-Guinea Volksstämme kennengelernt, bie heute noch bieser Sitte ober vielmehr Unsitte hulbigen. Sie standen aber zumeist auf einer noch primitiveren Kulturstufe als die Wa. Auch be­schränken sie sich meist darauf, die Köpfe ihrer melanesischen oder papua- nischen Nachbarn zu erbeuten. Weißen Menschen gingen sie lieber aus dem Wege, da ihrer Vorstellung nach, deren Seelen unberechenbar und daher im Jenseits nicht als verläßliche Diener zu gebrauchen wären. Sie befürchten, daß sich die Seele eines Weißen selbständig machen unb dem Eia«ntiimer bes erbeuteten Kopfes nicht nur nicht folgen, fonbern allerlei Unannehmlichkeiten bereiten könnte. Unter biefen Umftänben ist es erklärlich, baß in biefen Gegenben keine Vorliebe für Kopftrophäen weißer M machen besteht.

Anbers Ut es hingegen bei ben Wa Schon Marco Polo berichtet von biefem felt'-m-n Volk. Er erwähnt auch bie Kopfjagben unb führt

besonders an, baß der Wert der Köpfe sehr verschieben sei, se nachbem welchem Volke bas Opfer angehöre. So werbe für ben Kops eines Chinesen bas Vielfache von bem Preis bezahlt, ber für ben Kopf eines auf niebrigfter Kulturstufe lebenden Volksangehörigen zu bezahlen fei. Marco Polo unterläßt es anzugeben, wie sich die Wa den Köpfen der Weißen gegenüber verhalten, da zur damaligen Zeit die Wa noch keinen Weißen gesehen hatten. Wie sie sich heute zu dieser Frage stellen, wäre omit unter anderem eine der von meiner Expedition zu lösenden Fragen.

Wenn auch erfahrungsgemäß ein Expeditionsprogramm in feinen Einzelheiten erst am Ausgangspunkt feftgelegt werden kann und auch dann noch vielfachen Abänderungen unterliegt, die unter dem Zwang der Verhältnisse vorgenommen werden müssen, steht es heute bereits fest, daß ich trachten werde, von einem möglichst großen Gebiet die vor­handenen Lücken in der Völkerkunde soweit als möglich zu schließen. Bei der relativen Kürze der Dauer der Expedition von längstens fünfviertel Jahren bie bunt) bie vorhanbenen bescheibenen Mittel bebmgt ist, wird es hauptsächlich nur möglich sein, bie materielle Kultur ber meisten Völker festzuhalten. Doch werbe ich bemüht sein, mit ben wichtigsten dieser Stämme das Leben längere Zeit hindurch zu teilen, wie ich es zumeist auch auf meinen früheren Expeditionen mit Erfolg getan habe. Hierbei ergibt sich am besten die Gelegenheit, auch in das ungleich schwie­rigere Gebiet der geistigen Kultur einzudringen. Denn diese ist von einem Reisenden nicht ohne weiteres zu beobachten.

Oft fragt man, ob es nicht sehr gefährlich fei, sich unzivilisierten Völkern zu nähern, unb ich kann nur antworten, bies hängt ganz von ben sich stets änbernben Verhältnissen ab. Ich trachte immer, bie Gren­zen bes Gebiets, welches ber zu untersuchenbe Volksstamm bewohnt, aufzusuchen unb mich bort mit einigen Eingeborenen anzufreunden. Mit deren Hilfe ist es dann meist möglich, mich unter den Schutz bes betret» enben Häuptlings zu stellen Gelingt es mir biefen Plan durchzufuhren, o habe ich meist mein Spiel gewonnen, da nach meiner Erfahrung primitive Völker das Gastrecht nicht zu verletzen pflegen. Allerdings nur unter ber Voraussetzung, baß man sich nach den Geboten des Volkes, dessen Gastsreundschast man genießt, nichts zu schulden kommen laßt.

Diese auf den ersten Blick wohl selbstverständliche Forderung ist in der Praxis nicht immer leicht einzuhalten, da wir Europäer im Vor­hinein niemals wissen können, was bei einem unbekannten Volk Recht unb was Unrecht ist. Daß aber bie Meinungen hierüber stark von- einanber abweichen, zeigt bas Schicksal mancher Forscher, bie ohne es zu wollen, bie Sitten bes ßanbes verletzten unb bas bitter büßen muß- ten. Ich erinnere nur an eine beutsche Expebition, bie in Neu-Gumea überfallen unb nahezu aufgerieben würbe, ba bie Mitglieber, ohne zu ahnen, baß sie ein Tabu brachen, Palmen gefällt hatten, welche bie Eingeborenen als Totem betrachteten.

Manchmal bauert es Jahrzehnte, bis bie eigentlichen Ursachen solcher traurigen Ereignisse aufgeklärt werben. So gelang es mir erst im Jahre 1932, bas Schicksal ber unglücklichen Oesterreicher, bes Freiherrn von Foullon-Norbeck unb* des Marineoffiziers Beaufor t zu klären, die in Begleitung einiger Matrosen im Jahre 1896 vom Kriegsschiff Albatros" auf der Insel Guadelcanal (Salomonsgruppe), in der Nahe des Dorfes Tetere, an ßanb gegangen waren, um den Berg lahme zu Vermessungszwecken zu besteigen. Sie wurden von den sie zuerst freundlich behandelnden Eingeborenen in einen Hinterhalt gelockt, und von da an blieben alle Mitglieder der Expedition verschollen.

Ich konnte nun feststellen, daß sich auf dem lahme, der Vorstellung der Eingeborenen nach, bie Seelen ber Toten aufhalten. Ein religiöses Gebot verbot aufs strengste bas Betreten bes Gipfels. Als bie Einge­borenen von ber Absicht ber Weißen erfuhren, lockten sie sie in einen Hinterhalt unb töteten sie bis auf ben letzten Mann.

Ich selbst bin einmal mit knapper Mühe einem ähnlichen Schicksal er. gangen. So hielt ich mich im Jahre 1927 in Zentralafrika bei bem als frciubenfeinbltd) unb grausam verschrienen Volksstamm ber Nuer im Obernilgebiet auf. Es war mir gelungen, mit ihnen soweit Bekanntschaft zu schließen, baß ich es wagen konnte, in ihrer Gesellschaft zu jagen. Da bie ßiebe ber Eingeborenen oft bunt) ben Magen geht, wollte ich ver­suchen, mich als Fleischversorger beliebt zu machen. Einige Tage lang hatte ich Erfolg, unb meine Begleiter lächelten zusrieben über ben ßöroenanteil meiner Beute, ben ich ihnen überließ. Eines Tages stieß ich unvermutet auf eine Giftschlange. Das Gewehr von ber Schulter reißen unb auf bie Schlange anlegen, war für ben Europäer eine fast unwill­kürliche Hanblung. Doch gerabe als ich ben Abzug berührte, warf ich instinktiv einen Blick auf meine Begleiter. Diese hatten ihre mächtigen, rafiermefserscharfen ßanzen ergriffen unb starrten mich mit eigentüm­lich beobachtenbem Gesichtsausbruck an. Das Gefühl brohenben Unheils ließ mich bie Waffe senken, bie Schlange entkam, unb ich jagte weiter. Später erfuhr ich, baß es bas Totem-Tier ber Eingeborenen gewesen war, das ich bebroht hatte unb baß feine Verletzung bie Blutrache ber Nuer unb somit meinen augenblicklichen Tob bebeutet hätte.