Hände vom Schlagen der Hacken so müde, äks Ne der vkerzehn Priester und Meßner vom Weihen und Segnen wird.

Wunderbar, wie alles, was um den Vesuv geschieht; auch die Natur scheint dem feiernden Dorf sich anzuschließen. In den vier Jahren, die ich zur Osterzeit auf der Insel verbrachte, legte sich immer noch am Karfreitag-Nachmittag der wüsteste Sturm, setzte der Regen aus und die Kinder gingen mit ihren Kerzen in den lauen Abend hinein; die Priester zogen am Karsamstag im klarsten Sonnenlicht auf die himmlische Jagd nach den Dämonen.

Die Osterglocken.

Bon Ruth Schaumann.

Die erste Glocke schweigt voll Macht:

Der Herr liegt tief in Grabesnacht.

Die zweite Glocke hängt so still. Als ob sie nimmer läuten will.

Die dritte schwankt, die vierte bebt Ein Engel durch die Luken schwebt. Durch die als Licht, durch die als Blut, Wie Eis durch die, durch die wie Glut.

Er harrt und blickt die Welt erschrickt Ein andrer hat ihm zugenickt.

Aus offnem Stein, aus leerem Schrein. Da fallen alle Glocken ein.

Sie brausen wie ein Adler fliegt: Der Heiland hat den Tod besiegt.

Alleluja!

Das Eierköpfen.

^.ne Ostergefchichte von Otto Anthes.

Das Eierköpfen ist ein Kampffpiel eigener Art, das in meiner rheinischen Heimat zu Ostern die ganze männliche Bevölkerung auf die Beine bringt und auf dem Marktplatz um den Sandsteinbrunnen mit dem pfälzischen Löwen versammelt. Wie der Brauch mit der allgemein bekannten Sitte des Ostereiersuchens zusammenhängt, weiß kein Mensch. Tatsache ist, daß man hier Eier als Kämpfer gegeneinander führt. Und wie jedes richtige Kampfspiel hat auch dieses seine Regeln und Gesetze, seine Feinheiten und Kniffe, kurz gesagt feine Wissenschaft, die man beherrschen muß, wenn man daran teilnehmen will.

Ich war wohl elf Jahre alt, als ich mich zum ersten Male in den Ring wagte. Das war für uns Buben so etwas wie der Eintritt in den Kreis der Männer, und ich war klug genug, meine Vorbereitungen aufs sorgfältigste zu treffen. Zu diesem Ende begab ich mich zur Glaubebas, die am Markt einen Gemllsehandel betrieb, in diesen Tagen vor Ostern aber auch immer einen großen Korb voller Eier zwischen ihrem Grün­zeug stehen hatte. Unter diesen Eiern galt es nun eine Auswahl zu treffen. Eins ums andere nahm ich aus dem Korb, hielt mir mit der linken Hand das linke Ohr zu und ließ mit der rechten das Ei an den Zähnen klappern. Der Ton, heller ober dunkler, härter oder dumpfer, verriet dem Kundigen, ob das Ei tauglich fei oder nicht. Meine beschränk­ten Geldverhältnisse veranlaßten mich, nachdem ich den halben Korb durchgeprobt hatte, nur ein einziges Ei zu erstehen. Man konnte schließlich ja auch die buntgefärbten Ostereier, die die Mutter in den Vuxbaumrabatten des Gartens versteckte, auf den Kampfplatz führen. Aber frisch gekaufte galten für besser.

Am Ostersonntag, nach der Kirche, ging ich mit meinem Ei auf den Marktplatz. Die Sonne schien warm und festlich hell auf das bewegte Menschentreiben, und mir war, als ob der Himmel selbst auf diese Art meinen ersten Schritt in die Männerwelt freundlich und anspornend begrüßte. Das machte es mir leicht, mich mannhaft zu benehmen. Die Hand in der Tasche um mein braves Kampfei gelegt ging ich scheinbar gleichmütig umher, ließ mich von dem und jenem herausfordern, ohne zu antworten, und tat so, als ob nur der stärkste Gegner für mich in Frage käme. Zuletzt aber mußte dach etwas geschehen. Ich bändelte also mit einem Buben meines Alters an. Wir tauschten die Eier, damit jeder an seinen Zähnen die Stärke des Gegners prüfen konnte. Nach dem Ergebnis der Prüfung konnte man immer noch ohne Schimpf den Kampf ablehnen. Wir nahmen aber beide an. Ich hielt mein Ei hin, die Spitze nach oben, und er klopfte mit feiner Spitze von oben fachte darauf! Klack! sagte fein Ei und war eingedrückt. Meins war stärker gewesen! Aber noch war der Sieg nicht entschieden. Nun gings Hinter­teil auf Hinterteil. Und wieder war ich überlegen. Nach den Spielregeln gehörte das vorn und hinten beschädigte Ci nun mir. Ich nahms und steckte es, ohne eine Miene zu verziehen, in die Jackentasche. Man darf nie zeigen, daß der Sieg einen freut. Aber Mut gab mir der meinige. Einen um den andern ging ich nun an, und weiß der Himmel! Ich hatte ein richtiges Wunderei erwischt: kein Gegner hielt mir stand. Zehn ober zwölf Eier waren schon in meinen Besitz gewandert, meine Jackentaschen blühten sich. Und schon begann mein Glück Aufsehen auf dem Markt zu erregen, die älteren, Burschen und reife Männer, würdigten mich der Herausforderung. Als plötzlich ein Gedanke von ungeheuerlicher Kühn­heit in mir aufftieg. Ich wies alle Anfragen ab, versenkte mein sieg­

haftes El, getrennt von den erbeuteten, kn bTe Hosentasche und verMß den Marktplatz. Für mich allein dachte ich meinen Gedanken zu Ende: Ja ich wollte nach Steeg. Das Weindorf Steeg bei Bacharach wenn ich über den Rhein gesetzt war, eine knappe Stunde zu laufen war das Olympia der Eierköpferei. Viele Hunderte von Menschen, alt und jung, aus den Rheinorten und vom Hunsrück herab, tarnen am zweiten Dftertag dort zusammen, um auf der großen Wiese vor dem Dorf die stärksten Kämpen gegeneinander loszuiassen, die man tags zuvor im heimischen Kampf erprobt hatte. Nur wer ein ungewöhnlich starkes Ei sein eigen nannte, konnte sich mit einiger Aussicht auf Erfolg dorthin wagen. Mein Entschluß war also wohl immer noch kühn, aber doch begründet und berechtigt. Uebrigens sagte ich keinem Menschen etwas davon. Auch zu Hause nicht, wo ich nur zum Abend großartig die ganze Sippe mit einem riesenhaften Eierkuchen bewirtete, den die Mutter aus meinem Gewinn gebacken hatte.

Am nächsten Tag, nach Tisch, schlich ich ohne alle weitere Aus­rüstung, nur mein in ein reines Taschentuch gewickeltes Kampfei bei mir tragend, an den Rhein. Der Fährmann, der damals noch mit einem Ruderboot seinen Dienst versah, hatte vollauf zu tun, all die Olympia­fahrer überzusetzen, und war immer froh, wenn sich ein paar Buben fanden, die ihm das Rudern abnahmen. So kam ich unentgeltlich über den Rhein. Dann gings in forschem Schritt den Rhein entlang nach Bacharach, durch Städtchen hindurch, den Holzmarkt hinauf, durchs Steeger Tor wieder hinaus, und bald war ich am Ziel. Diese Wiese wimmelte bereits von Menschen, luftiger Lärm, Gelächter, Gesang und Blasmusik schallten weithin durchs Tal, und rings um den Platz standen Buden und Tische, daran Speisen und Getränke, vor allem aber Eier feilgehalten wurden. Eier und Eier und noch einmal Eier. Es war, als oh fämtidje Eier der Welt sich hier ein Stelldichein gäben.

Ein wenig zaghaft doch mischte ich mich in das Getümmel. Aber ein Griff nach dem Heldenei in meiner Tasche gab mir meine Sicherheit wieder. Eine Weile schlenderte ich gleichgültigen Gesichts umher, wickelte mit mehreren Buben die übliche Voruntersuchung ab und ging kopf­schüttelnd weiter nur um meine geheime Stärke nicht vorzeitig zu verraten. Dann aber hielt mich ein langer Bursch an, den Hut ver­wegen im Nacken, ein breites Lachen um den Mund. Er faßte mich kurzweg beim Arm, so daß ich nicht weiter konnte, und sagte:No, Klaaner, wolle mer emol töppe?" Ich hätte mich losgeriffen und wäre ihm entwichen. Aber diesKlaaner" machte mich störrisch. Wart, du langer Labbes!" dachte ich.Dir werde ich's zeigen", Ich holte mein Ei hervor, gabs ihm und nahm das feine. Aber ich prüfte es nur obenhin und stellte mich zum Kampf. Ich war ja meiner Sache fo sicher. Er hielt feine Spitze hin und ich klopfte darauf. Klack! sagt, feine Spitze und war hin. Er drehte seelenruhig sein Ei um .....Nr

hinne uf hinne!" sagte er. Ich klopfte wieder und sah ein Loch in meinem Ei. Ich begrifft nicht.No", sagte er gutmütig,du kannscht immer noch gewinne". Aber gerade feine herablassende Güte brachte mich wieder in Harnisch. Nun wollte ich alles wagen. Zudem galt es nun zu zeigen, daß man derWissenschaft" mächtig war. Poch einmal tauschten wir die Eier und klapperten damit an den Zähnen, er prüfte die Spitze des meinigen unb ich das Hinterteil des {einigen.Los!" sagte ich dann entschlossen. Ich machte mit Speichel ein kleines Tüpfelchen ein wenig seitlich der Spitze meines Eis und hielt es hin. Er klopfte mit dem vollen stumpfen Ende feines Eis auf die bezeichnete Stelle und ich war besiegt. Er nahm das eroberte Ei aus meiner kraft­losen Hand, steckte es ein und ging mit einem gönnerhaften Kopfnicken davon.

Ich war wie vernichtet. Nicht nur, daß das kostbare Ei weg war mit ihm war mein ganzes Selbstbewußtfein zertrümmert Mein erster Ausflug in die große Welt hatte mit einer vollständigen Niederlage ge­endet. Nur dies eine Gefühl in Kopf und Knochen schlich ich wie ein geprügelter Hund vom Festplatte und ging wie im Traum den Weg zurück, bis ich meinem Heimatstädtchen gegenüber war. Der Fährmann war nicht zu sehen. Die Flut der Uebersetzenden war verebbt und die Rückfahrer noch nicht zu erhoffen. Ich mußte warten. Ich setzte mich auf den gemauerten Hang des Stroms und hängte den Kopf tief in meinen Kummer hinein.

Eine lange Zeit faß ich fo, bann klangen bie Schritte eines Laufenden hinter mir. Ein Junge, ein paar Jahre älter als ich, kam im Trab von Bacharach her. Als er mich gewahrte, hielt er an. Er brauchte eine Ruhepause. Er setzte sich neben mir nieder, und als er ein wenig zu Atem gekommen war, fragte er:Warscht du aach in Steeg geroefe?" Ich nickte nur.Das fein Lumpe", schimpfte er los.Drei Eier habe sie mir abgenomme. Drei starke Eier. Mit rechte Dinge geht das nit zu." Dann beruhigte er sich. Er schnaubte gewaltig durch die Nale und sagte:Nu laaf ich haam nach Oberwesel un hol mir neue. Mein Mutter Hot noch. Und dann solle die Spitzbube emol fehn." Ich wandte meinen Blick voll aufkeimender Bewunderung auf ihn hin. Da aber sah ich, wie ein leiser Zweifel in feinem Gesicht hochkam. Und schon sagte er mit etwas gepreßter Stimme:Un wenn sie mir kein gibt" er machte eine kleine Pause, schüttelte die Fäuste gegen Steeg hin und schrie:Wart nur! Näkschte Oschtern komm ich roibber." Damit sprang er auf unb setzte sich roieber in Trab.Näkschte Oschtern!" rief er noch einmal, den Kopf rückwärts geroanbt, im Laufen. Dann würbe er kleiner und kleiner und war mir bald verschwunden.

Ich sehe noch jetzt kein Osterfest herannahen, ohne daß dies Erlebnis mir in den Sinn kommt. Und ohne daß ich die seltsame Ermutigung nachverspüre, die der Junge aus Oberwesel mir durch die Glieder goß. Ich weiß noch, daß die warmblütige Nachmittagssonne mein Stäbtieln brüben überm Rhein plötzlich roieber mit festlichem Leuchten überströmte unb daß die wahrhafte Burg darüber mich mit ermunterndem Zublinken zu grüßen schien. Und wenn im Jahr vorher nicht alles nach Wunsch gegangen ist, jage ich mit rechtem Bubentrotz:No wart! Näkschte Oschtern!".