Nummer 6(
Montag, den t«. August
Jahrgang 1936
haben
aber ich kann viel vertragen. .
noch den Gedanken hinzu, daß ich mir Sie „Was Sie taten, war vollkommen natürlv
Es wurde thr offenbar schwer, Worte zu finden; endlich sagte sie: „Ich weiß nicht, wer Sie sind."
O doch, Fräulein Bandeleur! Sie wissen es! Sw wissen es als "ich selber. Und gerade hierüber mör1-*- iA """"
^^Schließlich brach der General, wie wenn er sehr ärgerlich wäre, in heftige Ausrufe aus.
Der Diamant öes Raöfchah
von Robert Louis Stevenson
Copyright by Verlag Albert Langen / Georg Müller, München
6. Fortsetzung.
GiehenerZamilieMätter
Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
für schöne des Herrn ist ein
Simon°Rolles kam pünktlich auf die Minute; er sah aus wie ein Mann, der auf seiner Hut ist, und sprach leise und nut wenigen Worten. Der Diktator dagegen schien in ungewöhnlich guter Laune zu sein; sein Lachen, das jugendlich klang und einen angenehmen Ton hatte, scholl häufig vom Garten herauf; offenbar erzählte er eine Menge komischer Geschichten und ahmte dabei die Mundarten vieler verschiedener Nationen nach und bevor er und der junge Geistliche ihr Glas Wermuth geleert hatten, war offenbar alle Zwietracht beigelegt, und sie plauderten miteinander wie ein paar Schulkameraden.
Endlich erschien auch Fräulein Bandeleur: sie brachte die Suppenterrine. Rolles eilte ihr entgegen, um ihr seinen Beistand anzubleten.
... .... besser
id)te ich vor allen Dingen Aufklärung 'erhalten. Sagen Sie mir, was Sie wissen!" flehte er. „Sagen Sie mir, wer ich bin, wer Sie sind, und wie unsere Schicksale ineinander verschlungen sind. Helfen Sie mir ein bißchen vorwärts, Fraulem Bandeleur — sagen Sie mir nur ein Wort oder zwei, um mich zu leiten, nur den Namen meines Vaters, wenn Sie wollen — und ich werde dankbar und zufrieden feint" , . ..
„Ich will nicht den Versuch machen, Sie zu tauschen , antwortete sie. „Ich weiß, wer Sie sind; aber es liegt nicht tn meiner Macht, es 3f,nJi5agen °<5ie mir wenigstens, daß Sie mir meine Kühnheit verziehen haben, und ich werde so geduldig warten, wie ich kann. Wenn ich nichts wissen darf, so muß ich aus eigene Faust handeln. Das ist schnwrzlich, aber ich kann viel vertragen. Nur fügen Sie nicht zu meinen Sorgen ' zur Feindin gemacht habe!
ich, und ich habe Ihnen nichts
erbe
„Sehen Sie doch!" rief er dem jungen Mann zu; „was Tiere! was für eine elegante Livree! Sie gehören dem Bruder de Bandeleur, der in diesem Augenblick drinnen auf Besuch ist. Er hoher Herr, ein General drüben in Ihrem Lande; ohne Zweifel 6lC Ich °gestehEdaß^ich^von einem General Bandeleur niemals etwas gehört habe. Wir haben viele Offiziere dieses Ranges, und meine Ve- schäitiaunq war bisher gänzlich unmilitärisch/
' <$s ist der General", antwortete der Hausmeister, „dem der große Diamant gestohlen wurde. Davon müssen Sie doch wenigstens ost m den ^«Sobald Francis^sich^von dem Hausmeister losmachen konnte, lieJ .er bl® Treppen hinauf und eilte an das Fenster. Unmittelbar unter: der Lucke m dem Laube der Kastanien faßen die beiden Herren im Gefprach bei einer Zigarre. Der General, ein soldatisch aussehender Mairn mit rotem Gesicht, hatte eine gewisse Familienähnlichkeit m,t seinem Bruder er ähnelte hm in den Zügen und auch etwas, obgleich nicht viel tn feiner fioltun«, aber er war älter, kleiner und sah gewöhnlicher aus; ferne Aehnlichkeit war eine Art von Karikatur des starken imposartten Diktators.
Sie ivracken fo leise, indem sie sich über den Tisch neigten, daß Francis nuMekÄ ein paar Worie aufschnappen konnte Aber das wenige was er hörte brachte ihn zu der Ueberzeugung daß die Unterrevung ihm selber und seiner zukünftigen Laufbahn galt; mehrere Mclle tt g de.r Name Scrymgeour an fein Ohr, denn Ötefer mar lei$t zu unter scheiden; und noch häufiger glaubte er den Namen Francis Horen z
„Francis Bandeleur!" rief er, mit starker Betonung des letzten Wortes. „Francis Bandeleur, sage ich dir!" „
Der Diktator machte eine halb zustimmende, halb verächtliche Bewegung mit dem ganzen Oberkörper; aber seine Antwort konnte der junge batite^beMidi selber, ob er wohl der Bandeleur fei, oon dem die beiden Herren sprachen. Stritten sie sich darum, unter welchem Namen er heiraten solle? Oder war die ganze Geschichte nur em Traum, eine Verspottung seiner eigenen eitlen Einbildung?
Nachdem das Gespräch wieder eine Zeitlang unhörbar war, schien ein neuer Streit der beiden unter dem Kaftanienbaum auszubrechen, und wieder erhob der General zornig seine Stimme, so daß Francis seine Worte verstehen konnte. ,. .....
Meine Frau?" rief der General. „Mit meiner Frau bin ich für Immer und ewig fertig. Ich will ihren Namen nicht Horen! Ihr bloßer Name ist mir zum Ekel " Und er fluchte laut und schlug mit der Faust auf den ^Ser Diktator schien, nach seinen Gebärden zu urteilen, ihn in väterlicher Weise zu beruhigen. Kurz daraus begleitete er ihn an die Garten-. Pforte. Die beiden schüttelten sich recht herzlich die HaiÄ; sobald aber d,e Tür sich hinter seinem Besucher geschlossen hatte, brach John Bandeleur in ein Gelächter aus, das den Ohren des Horchers am Fenster oben gehässig und sogar teuflisch erklang.
So verstrich ein ganzer Tag, und Francis Scrymgeour hatte wenig Neues erfahren. Aber der junge Mann erinnerte sich, daß morgen Dienstag fei und hoffte, an diesem Tage wichtige Entdeckungen zu machen. Bielleicht ging alles gut, vielleicht ging alles schlecht. Jedenfalls würde er aber doch irgend etwas von Bedeutung erfahren, und wenn er Gluck hatte, konnte er sogar hinter das Geheimnis kommen, das feinen Vater und feine Familie umgab.
Als die Stunde des Mittageffens herankam, wurden in dem Garten des Hauses mit den grünen Läden manche Vorbereitungen getroffen Der Tisch den Francis durch die Lücke im Kastanienlaub zum Teil überblicken konnte, diente zum Abstellen des Geschirrs und der Speisen; auf ihm standen eine Anzahl Teller und Schusseln und alles, was zur Zubereitung eines Salats gehört. Der andere Tisch, von dem nur ein sehr kleiner Teil u seh7n war war für die Teilnehmer des Mahles gedeckt, und Franc.s konnte ein Eckchen von einem weißen Tischtuch erblicken, woraus silbernes
zu verzeihen. Geben Sie wohl!"
„Soll dies ein .Lebewohl' fein?"
„Nein. Das weiß ich selber noch nicht. Also, wenn Sie lieber wollen, leben Sie einstweilen wohl!"
Und mit diesen Worten ging fie^
Francis ging in großer Ausregung in seine Wohnung zurück. Seine Ueberfehung des Euklid machte an diesem Vormittage sehr geringe Fortschritte.'Und er hielt sich mehr am Fenster auf als an feinem impro- "^Er°chh^Fräulein Bandeleur nach Hause kommen und sich mit ihrem Bater begrüßen, der auf der Veranda eine Zigarre rauchte. Sonst aber ereignete sich bis zur Zeit des Mittagessens nichts Bemerkenswertes in der 'Nachbarschaft des Hanfes mit den grünen Fensterladen Der jmige Mann stillte hastig feinen Hunger in einer benachbarten Speisewirtschaft und kehrte von seiner unbefriedigten Neugier getrieben, sofort wieder nach dem Haufe in der Rue Lepic zuruck.
Ein Reitknecht führte vor der Gartenmauer ein paar gesattelte Pferde auf und ab, und Scrymgeours Hausmeister stand an den Türpfosten gelehnt rauchte eine Pfeife und bewunderte die Livree und die beiden
terrine Rolles eilte ihr entgegen, um lyr Jemen --oeqiariuunöiw«w.., den sie lachend ablehnte; es wurden hierauf unter dem Trio aller ei Scherze gewechselt, die sich darauf zu beziehen schienen, daß die Bedienung auf so primitive Weise von einem der Tischgenossen selbst uber- "E Man "st/auf diese Weise behaglicher unter sich", hörte Francis den "^^In^n^chsten'Augenbsick saßen alle drei auf ihren Stühlen unb Francis konnte von dem, was weiter vorging, weder etwas sehen noch Horen. Aber die Madlzeit schien luftig zu verlaufen; unter dem Kaftanienbaum wurde munter geplaud/ri, und Messer und Gabeln klapperten -usi g Francis ber nur ein Brötchen bei sich hatte, beneidete sie um diese behagliche Mablreit Die Gesellschaft verzehrte ein Gericht nach dem anderen und zum^ Schluß einen leckeren Nachtisch, zu weichem der Diktator e.genhand.g eine ölten ^Beines entfortte. , , v
9H5 e5 dunkel zu werden begann, wurden eine Lampe aus den Tisch und zwei Kerz^ auf den Nebentisch gestellt; denn der Abend war vollkommen windstill, an dem klaren Himmel funkelten die Sterne^ Außerdem langen aus Tür und Fenster der Veranda Fluten von Licht hervor so^ daß der Garten hell erleuchtet war und die Blatter der
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und Francis hörte ihn sagen: ,
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