Ausgabe 
10.2.1936
 
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Graben. Weg

Abessinien vor 100 Jahren.

Nach einem allen Reiseberichl.

Erzählt von Tony Kellen.

Lange Zeit war Abessinien ein fast unbekanntes Land; vor allem galt es als undurchdringlich für europäische Reisende. Bis vor hundert Jahren waren die Nachrichten über das Land sehr dürftig und vor allem fehr unzuverlässig und widersprechend.

Der eine oder andere Engländer hatte zwar schon versucht, m das Innere des Landes einzudringen, aber mochte er auch ein Schreiben des Königs von England mit reichen Geschenken für den Herrscher von Abessinien mitnehmen, weit ins Land konnte er nicht vordringen.

Nun unternahm im Jahre 1836 der Deutsche A. bon K a t t e eine Forschungsreise nach Abessinien, und er schrieb darüber einen Bericht, der bei keinem Geringeren als Cotta 1838 erschien. Katts hatte sich vor­her schon längere Zeit in Arabien aufgehalten, und dort hatte er den Entschluß gefaßt, Afrika von Osten nach Westen zu durchreisen. '

Mit 160 Maria-Theresia-Talern glaubte er durch ganz Abessinien hinauszukommer, d. h. so weit als Geld überhaupt gilt. Wo dies nicht der Fall ist, glaubte er, sich ohne Geld durchschlagen zu können.

In Arabien und Aegypten hatte er Abessinier kennengelernt, und diese schilderten ihm ihre Heimat als ein schönes, fruchtbares Land, dessen Einwohner nur zu loben seien. Auch Kaufleute von der Küste des Roten Meeres sagten, einem Weihen, der Christ sei, könne es wohl ge­lingen, Abessinien zu durchreisen; nur dürfe er nichts bei sich haben, das die Habgier reizen könne. Geschenke solle man nirgends machen, denn da dies sogleich bekannt würde, wäre man genötigt, alle kleinen Scheichs und Fürsten zu befriedigen, was aber auf die Dauer unmöglich sei Geld brauche man sehr wenig, denn alles sei so wohlfeil, daß 4 bis 5 Maria-Theresia-Taler hinreichten, um einen ganzen Monat mit 5 oder 6 Bedienten zu leben. Ueberdies würde man von den Fürsten des

üeran'v örtlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Brühl'sche Universität».Buch, und Steindluckerei. R. L-na-, Gießen.

LQrT)ie Weißen erregen ihre Neugier, und da es damals in manchen Gegenden Straßenräuber gab, so hatte der Eisende Gelegenheit, auch mit diesen Bekanntschaft zu machen, doch konnte er seststellen, daß schon der Anblick eines Gewehres sie von einem Angrisf abhalt. In einem Dorfe entging er nur dank seiner Wachsamkeit einem Mordanschlag, doch büßte er dabei einige seiner Instrumente em. So mußte er sich ent­schließen nur noch bis Adua und zu dem Taccazze-Fluh vorzudrmgen und dann nach dem Roten Meer zurückzukehren

Nach langem Herumirren gelangte er endlich nach Adua und kehlte dort bei einem deutschen Missionar ein, der ihn sehr freundlich aufnuhm. Sechs Wochen lang blieb er dort, und diese Zeit benutzte er, um Nach­richten über Land und Volk zu sammeln. So konnte er seine eigenen Beobachtungen noch sehr erheblich ergänzen

Der Ras Ubre hatte dem deutschen Forschungsre,senden zwar ver- svrochen ihm die geraubten Sachen zurückzuverschaffen, aber das ge- lang ihm nicht. Da ihm nun seine Lasttiere alle in Adua eingegangen waren, so mußt- er die Rückkehr nach Massaua zu Fuß antreten Das war ein ungewohntes Schauspiel, einen Weihen aus diese Art daher- ,lieben zu sehen, denn nur der Arm- reist dort zu Fuh. Der einiger- mahen wohlhabende Einheimische reist zu Pferde oder zu Maultier, sedesmal von einer Menge Knechte umgeben.

A. von Satte schlug den Weg Über Stalley ein, um noch einen anderen Teil des Landes zu sehen als den bei der Einreise. Unterwegs genoß er noch eine prachtvolle Aussicht über die Provinz Tigre Er glaubte auch, der Weg sei sicher, weil dort Karawanen vorbeifahren, aber auch dort mußte er sich noch gegen Räuber verteidigen. Nach einem fünfzehntägigen Aufenthalt in Massaua suhr er übers Rote Meer nach Loheia in fernen. In einem heftigen Gewittersturm erlitt er einen Schiff­bruch und verlor dadurch noch einen Teil seines Gepäcks. Mit einem anderen Schiff, das von Bombay kam, fuhr er dann nach Aegypten

Sein großer Reifeplan war also gescheitert. Das lag daran, daß er den ihm mündlich erteilten Auskünften über das Land zu fehr geglaubt hatte und daß er mit völlig ungenügenden Hilfsmitteln die Reife an­getreten hatte. Trotzdem gelang es ihm, wenigstens die Wissenschaft über Abessinien in einer sehr dankenswerten Weise zu ergänzen.

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alübete Augen ... und a suirige Jung ... und spitze Horndln. ...

9 Schluß hiezl" sagt der Bauer und schlagt nut der Hand in den Tisch.

L7LÄ sr<lBtosr*re»Ä tw« in m das bleibt in der Welt. Es geht zur Nachbarin und weiter von einer nur andern hinunter ins Dorf, durch das ganze Tal in das Land und je weiter es von der alten Klacherin fort kommt, um fo grauslicher roirl.ebi6lbereite bucklige Mesner Much, der die Ortschronik von St. Eayd führt, die spitze Feder ins Tintenfaß stoßt und mit feiner engen, gestochenen Schrift, an der nichts mehr zu rütteln und zu deuteln ist, "'^Am^Tage des heiligen Thomas dieses Jahres, in der Zeit ums Bet'läuten, hatte die Klacher Altbäuerin eine schreckliche Begegnung mit dem .

Doch, so ist der Laus der Welt!

(Vh^n als der alte M-sner Much dies niederschrewt und statt des unheilig-n Wortes, das keine christliche Chronik vertragt nut kreisender Feder das krause Höllenzeichen hinkritzelt springt oben beim Klacher der ättefte Bub, der Hansl, mit allen Anzeichen freudigster Erregung in die 6tUJBater! Mueter! Ahnll Hier kimmt er wieder ... dös drittemal

Unb bann treten sie alle vor bas Haus, ber Bauer, der Noßknecht, die Stalldirn, die Kinder alle, und fchauen chm zu, dem jungen. Lehrer, wie er aus dem Wald herabkommt, schier durch die Luft, über die Schneewiesen her, übers Hausangerl, eine ganze Wolke staubt hinter ihm, vorbei saust er, auf und auf schwarz ist er, aber kaum fcfjauen fie hin, schießt er schon hinunter in den hollfinsteren Graben und ist

Lang noch starren sie alle in die leere Finsternis hinter ihm drein.

Nur die alte Klacherin drinnen in der Stuben wendet sich ab, taucht tief die Finger in das geweihte Wasser und tut schnell die Augen zu. Alle gueten Geister ..." murmelt sie,es ischt nit zu sagen, roia schlecht bie Menschen werden. Hiez glauben fie nit amol mehr an den Tmfel selber!"

Landes sehr gut ausgenommen und überall auf das beste bewirtet, da ="' S-,-lM» W,*«.. um

Ina ^nnpre Mbelfiniens zu reifen. Er mietete ein Kamel für ein Gepäck unb ein Maultier für sich selbst, ebenso einen Führer. Für lie Tiere mußte er 12% Taler unb für den Führer 4 Taler Zahlen, h b einen um das Dreifache erhöhten Preis. Der Führer erw.es sich i+ion bald als ein frecher Kerl, unb wie es mit der Gastfreundschaft m enen Gefilden bestellt war, sollte der Reisende auch schon bald erfahren. In einem Dorfe, wo er übernachtete, hatte ein Scheich ihm einen Hammel geschenkt, und als er fortging, verlangte dessen Sohn einen Taler dafür.

Als A. von Satte nun an den Fuß des hohen Gebirges kam, das Abessinien östlich begrenzt, mußte er das Kamel durch Ochsen ersetzen, und wurde mit dem Preise wieder übers Ohr gehauen. Im nächsten Dor wies man ihm einen Ehrenplatz Zwischen den Hutten an,, unb jroar auf einem Misthaufen. Die Leute tranken Milch aus einem Gefäß, das mit bem Urin einer Suh ausgeschwenkt worben war, und auch er muhte daraus trinken, um gegen die Zauberer und die bösen Geister geschützt ,u sein von denen das Gebirge wimmle. Im übrigen wimmelte das Lager von Millionen Flöhen und anderem Ungeziefer, so daß er froh WÄSWÄrt" ch" »MU- E £ eifrig in der Landschaft umzusehen und alles, was er betreffs der Be völkerung beobachtete, genau aufzuzeichnen. - r nnn

Gegen feinen Willen führte man ihn zu dem Surften Heclu von fiamacen der im Rufe stand, die Fremden zu berauben. Der Fürst faß

« « fiau7en freu unb außer feinen Würdenträgern war auch eine Ziege im Raume anwesenb. Am anbern Tage lag die Majestät auf bem Mist unb verlangte ein Geschenk von hunbert Talern. Der Fürst * arünbete seine Forberung bamit, alle Franken hatten sehr viel Geld. Der Reisende weigerte sich, einen solchen Tribut zu entrichten, und so ließ man ihn fortgehen, aber noch am selben Tage stahl man ihm all lein Geväck Er erhielt zwar infolge seiner Drohungen einen Teil zurück, nicht aber all die Geschenke, die er für abessinische Fürsten bestimmt hatte noch die 87 Taler, die man aus dem Gepäck gestohlen hatte.

Damit war das Schicksal seiner Reise eigentlich schon -ntsthieden denn er konnte voraussehen, daß er mit dem geringen tbm verbliebenen Geldbetrag nicht weit mehr gelangen konnte, zumal die Eingeborenen Kelcbenke als einen ihnen zustehenden Tribut betrachteten. Dennoch 8? er au gut Glück seine Reise fort, und zwar über Gurra nach Adua. Da erzählt er:Die Ebene, die sich südlich von Gurra ausbreitet und die wir durchschreiten mußten, ist schön und herrlich, wie alle Ebenen, die ich bis dahin in Abessinien gesehen. Nur die Natur. allem bebaut sie nirgends sieht man Kultur von Menschenhand Hohe Ge­wächse unter denen auch wildes Getreide, schlugen mir über dem Kopf zusammen und verbargen mir die Aussicht und öfters weine Begleiter. Ungefähr eine Stunde mochten wir so marschiert sein, als plötzlichi mnn Rührer einen Schrei ausstieß und in dem eiben Augenblick ein choner großer Leopard dicht bei mir aufsprang unb schnell wie ber Blitz nut einem ungeheueren Satz gerabe Zwischen zwei meiner Packesel hmburch- sprang unb sich in bem hohen Unkraut verlor.

Auch weiterhin erzählt der Verfasser von parab.estschen Talern d.e den Tieren bes Walbes überlassen finb. Von ben Einwohnern fmbet er von seinem Stanbpunkt aus nicht viel Gutes zu berichten Dw Speisen finb sehr einfach, schon weil die Bevölkerung zu^saul ist, sich die verfeinerten Bedürfnisse des Lebens zu verschaffen. Die Messimer waren eben damals und sind es auch heute noch zum großen Teil ein Naturvolk, das man nicht nach europäischen Begriffen beurteilen

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