weder mit dem Kopfende von Engel noch mit dem Fußende von C'ganh heruntergleitet. Sie davor bewahren kann nur einer,!bet Jt unb
hi, unaewobnte Last den Pferden immer wieder zurechtruckt Roteies »p arok Köteles sorgt dafür, daß die Stangen nicht aus den Satteln gleiten.
Möß schreitet zwischen den nickenden Köpfen der Melden Pferde einher. o:n6- nn Xp- Trpnfß führt er rechts an her Xrenfe füfyrt er
Gnael Er gibt sich Mühe, den Braunen und die Eisenschimmelstute eng zusammenzuhalten. Die Last, die teure Last, die sie tragen, konnte sonst hoch noch einmal zwilchen ihnen durch zu Boden fallen.
Mit dumpsem, hohlklingcndem Stiefelschritt, in den nur manchma leises Sporenklingen hineinzittert, der aber stundenlang umlautet wird von dem unregelmäßigen Klopfen acht harter Pferdehufe s S1*) die endlose, gerade, noch immer tote Straße zuruck. Den Weg aus dem Nichts — den Weg wohin? Die Sonne vor ihnen ist langst schon unter- gegangen. ,
Auf dem gleichen Acker, über dem sie heute morgen blutrot aufging und über den Gerö weither aus dem Nebel ries, soll er begraben werden, so beschließt Möß. Und soll bald begraben werden, sonst kommen morgen die Fremden, die sich seine Freunde nennen, und entfuhren ihn uns und begraben ihn selber, und das hätte er sich sicher nie gewünscht.
Es fehlt nicht viel bis Mitternacht, als der chuftritt m, der Traglast die Ackermulde hinunterschnobert und sich der Mannschaft nähert, tue rings um das verwaiste Geschütz in ihre Mäntel gehüllt liegt, stumm und wach und in bangem Brüten, was das Flimmern der Sterne über ihnen noch alles zu bedeuten habe. t „
Unweit grast, an kurze Pflöcke gekoppelt, das Pferderudel des Zugs. Jetzt spitzen sie die Ohren, und eins aus dem Rudel wiehert, dre Traume der Wachenden ausschreckend.
Und jetzt springt die Mannschaft auf und geht dem Schnobern Engels, das sie erkannt hat, entgegen. Und da steckt einer auch schon eine Sturmlaterne an und trägt sie herbei, und jetzt und jetzt leuchten sie ihm, dem toten Führer, ins starre Gesicht. Und löschen sie wieder und wenden sich ab und lassen Arme und Schultern noch schlaffer und müder hangen als zuvor. . ,, , _ , . ... ,
Dann, dann singt das Scheuern der scharfen Spaten durch dre Nacht.
Lange. ~ _ ...
Und als es wieder stille geworden ist und Imre seinen Herrn rn die Grube gebettet hat, genau so, wie dieser gebettet zu sein in unzähligen Feldnächten sich gewünscht hat, tritt Möß vor den dunkeln Schacht und spricht das Vaterunser. Er spricht es laut und stockend. Er hat es noch nie vor einem offenen Grabe gesprochen. Er fühlt, daß er es überhäuf nur zu Ende beten kann, weil er es dem Dunkel, dem alles, alles m sich bergenden Dunkel dieser Nacht anvertraut.
Da zuckt auf einmal eine Helle Lichtgarbe aus dem Geschützrohr auf. Ein Schlag und ein Stoß, als wäre die Kuppel der Sterne zerschellt. Und fauchend verläßt eine schwere Granate den Acker, den Acker, der das Gebet gehört hat und nun für immer ein Grab bewahren wird.
Die Granate ist auf Befehl des Kadetten mit Zusatzladung auf die weiteste Entfernung gerichtet worden, und Korporal Ruschill, der Geschützführer, hat eigenhändig den Abzughebel gelöst.
Alle fühlen, daß es der Abschied ist. Der Abschied des Geschützes von Gerö. Abschied des Fähnleins von Gerö. Vielleicht sogar, wer weiß, der A hieb des Fähnleins vom Geschütz. Es stehen auf einmal so viel Fragen, so viel Fragen vor ihnen auf. Und sie wissen nicht, wer sie beantworten wird, wenn nicht der, der bis jetzt die Klarheit des Lebens um sie schuf. .
Noch vernehmen sie nach einer Weile den gedämpften Knall des aufschlagenden Geschosses aus der Unendlichkeit der östlichen Nacht. Fast klingt es wie eine Antwort auf das laute Fragen der Herzen hier. Aber wer kann es deuten?
Noch hören sie, daß auf irgendeiner entfernten Steppe die Hunde, von Schuß und Aufschlag aufgescheucht, zu bellen beginnen. Aber lange hält ihr Bellen nicht an.
Bald ist es endgültig aus und still.
lieber die Steppen und Stoppelfelder des Landes zwischen Sereth und Strypa bewegt sich langsam westwärts eine kleine klirrende Karawane.
Scharfer, kalter Herbstwind weht ihr entgegen. Er hebt die Mähnen und Schwänze der Pferde wie kleine zerzauste Fahnen. Er zwingt Pferde und Reiter, zwingt auch die Treiber noch, die zu Fuß neben den holpernden Karren einherlaufen, sich vornübergebeugt gegen seine Wucht zu stemmen.
Manchmal stapsen sie an Waldrändern vorbei. Dann bläst ihnen der Wind tausend gelbe raschelnde Blätter vor die Füße hin.
Manchmal schleppen sie sich an langgestreckten Sümpfen entlang. Dann begleitet sie das Klagelied des Schilfes und der Anblick feines wogenden Leids macht sie trauriger noch als zuvor.
Manchmal wagt einer der Burschen ein Lied anzustimmen. Aber die andern greifen es nicht auf, und es erstirbt auf seinen Lippen.
Es kommt vor und eigentlich kommt es gar nicht so selten vor an diesem Tage, daß der Spitzenreiter des Zuges seinem Pferde plötzlich die Sporen gibt und einige hundert Schritte feldein sprengt. Es ist, als ob er dann seine und der Karawane Traurigkeit ablenken wollte au; die Gruppe der Birken drüben am Hang oder auf die leuchtende Wolke, der er eine Zeitlang nachgejagt, ober auch nur auf das harmlose Spiel, den leichten Galopp, den kameradschaftlichen Gehorsam seines Tieres. Dies Tier ist ein kleiner Rappe, und der Reiter sitzt in seinem Sattel wie einer, der ein Pferd erprobt und es unter feine Botmäßigkeit zu gewinnen trachtet. Er läßt es bald nach der einen, bald nach der andern Seite im Kreise gehen, führt es bedacht an einen Graben heran, den es — hopp! — überspringt, gibt ihm schließlich die Freiheit, rasch und unversehens, in wilden, ausgreifenden Sprüngen irgendein Ziel im Gelände zu erreichen. Ist es erreicht, dann versäumt er nie, den samtweichen Hals anerkennend zu klopfen und zu streicheln.
Es kommt vor, daß der Reiter den Augen der dahinziehenden Kara- wane zuweilen völlig entschwindet. Ein Ziel, das mehr als em harmloses Reitziel war, hat ihn dann angelockt. Gott, es gibt so viele fremde, ungewöhnliche, unbegreifliche Dinge auf diesen weiten, weiten Flachen, denen man ins Auge blicken möchte. Fegte nicht vor kurzem erst em Sturm, drohend und rätselhaft wie keiner, über das Land? Grub er nicht warnende Male und Zeichen in feine Erde und liefe neben all den unversehrt gebliebenen herrlichen Breiten, zuhaus leidersullte Statten 3Ur@s? gibt darunter solche, über die ein grimmig entbrannter Kampf rücksichtslos und ungeschlacht dahinstampfte und Felder und Dörfer zertrat, die zufällig in feinen Gewitterstrich fielen.
Es gibt solche, die aus nichts andern, als einer dünnen Perlenschnur von Schützenlöchern bestehen und hier eine Hügelfalte, dort einen Wald- ran$orUbiefen da verweilt der Reiter, der Begleiter der kleinen Karawane, am liebsten und längsten. Es sind Löcher, oft so wenig tief, bafe ihre einzelnen Spatenstiche noch nachgezählt werden können. Es find Löcher, denen man ansieht, dafe sie in hastiger Angst ausgeworfen wurden, dafe eine einzelne, eine bebende Seele sie als schützende Burg um ich errichtete. Noch verrät der Erdeinschnitt, in dem das Gewehr lag, nach welcher Richtung ihr Kampfwille ging. Noch erzählen die Blumen rings um den kleinen Erdwall, die geknickten wie die unversehrten, von ihrer Zwiesprache mit der Schöpfung.
Und der Reiter denkt: Diese Löcher sind Zeugen des Schicksals, wie es in den kleinen pochenden Herzen der vielen Raum gewann unb Ereignis würbe. Sie sinb in der langatmigen Geschichte der Heere und Armeen die Denkmale der flutenden Stunde, des werdenden Augenblicks. Jeder setzte sie sich selber, der nahe, ganz nahe mit dabei war. Sie sind wahrer, aufschlußreicher, überzeugender als alle Berichte, Erzählungen und Tagebücher des Kriegs.
Das denkt der Reiter.
Als die Sonne dieses Tags nach blutigem Wolkenkampf am westlichen Himmel ausgerungen hat unb stirbt, ist bie Karawane an Ort unb Stelle. Am Dorfranb von Koniuchy friert eine Kolonne. Drinnen im Dors in einigen Gehöften, liegt bie Korpsreparaturwerkstätte. Und Kadett-Offiziersstellvertreter d. R. Johannes Möfe meldet zum letztenmal: „Gin Geschütz, sechzehn Pferde, zwanzig Mann!"
Gruß dss Unbekannten.
Von I. W. von Goethe.
Den Gruß des Unbekannten ehre ja! Er sei dir wert als alten Freundes Gruß. Nach wenig Worten sagt ihr Lebewohl! Zum Osten du, er westwärts, Pfad an Pfad — Kreuzt euer Weg nach vielen Jahren draus Sich unerwartet, ruft ihr freudig aus: „Er ist es! Ja, da roar’s!" als hätte nicht So manche Tagesfahrt zu Land unb See, So manche Sonnenkehr sich drein gelegt. Nun tauschet War' um Ware, teilt Gewinn! Ein alt Vertrauen wirke neuen Bund — Der erste Gruß ist viele tausend wert;
Drum grüße freundlich jeden, der begrüßt.
Ein Bild rettet Brouwer.
Erzählung von Valerian Tornius.
Aoriaen Brouwer, der große niederländische Sittenmaler, war als Mensch ein Schalk. Wie seine Gemälde voll luftiger Streiche sind, pflegte auch er selbst zu allerhand Schabernack aufgelegt zu sein. Solche Gelüste brachten ihn oft in Konflikt mit der Behörde. Aber seine nie ver- sagende gute Laune, sein schlagfertiger Witz und vor allem die überzeugende' Kraft seines Talents, das ihn befähigte, jederzeit irgendeine heikle Situation, sei es eine Rauferei, oder eine Schelmerei, mit wenig Mühe wahrheitsgetreu auf die Leinwand zu zeichnen, zogen ihn immer im rechten Augenblick aus der Schlinge.
Nur einmal sollte es ihm übel ergehen. Er hatte, da er nie lange an einem Ort verweilen mochte und wohl auch, von Gläubigern oder Dienern der öffentlichen Ordnung bedrängt, nicht verweilen durfte, Amsterdam, dem nordischen Venedig, das mit feinem wachsenden Reichtum den Meistern der Palette so gute Verdienste abwarf, den Rücken gekehrt unb war nach Antwerpen geroanbert. Unbekümmert barum, baß bie Spanier mit Hollanb im Kriege lagen unb bie Stabt besetzt hielten, näherte er sich ihr. Die untergefjenbe Sonne oergolbete gerabe malerisch die Zinnen und Türme. Brouwer sah mit Wohlgefallen das hübsche Bild, das sich vor ihm entfaltete, liefe sich auf einen Stein nieder, zog das Skizzenbuch aus seinem Ränzel unb begann, ein Liebchen vor sich hin- pfeifenb, frisch barauflos zu zeichnen.
Die Torwache wurde auf ihn aufmerksam. Der Fremdling kam ihr nicht ganz geheuer vor. Bald lösten sich ein Sergeant unb zwei Sol» baten aus ber Wächterschar unb schritten auf ihn zu.
Wer er sei unb ob er einen Paß habe, fragte ihn ber Sergeant. Brouwer, ber kein Wort Spanisch kannte und sich auch nicht zusammen- zureimen vermochte, was die Leute eigentlich von ihm wollten, da er nie einen Paß besessen hatte, ja, nicht einmal das Vorhandensein eines derartigen Schriftstückes ahnte, Brouwer gab also durch stumme Gebärden zu verstehen, daß er nichts begriffe. Wenn er glaubte, bie Solbaten bamit zufrieden zu stellen, so irrte er sich. Während der eine in seinen Taschen wühlte, fchickte sich der andere zu einer Durchsuchung seines Ranzels an. Der Maler machte seiner Empörung über diesen räuberischen Ueberfall in ein paar derben flämischen Kraftausdrücken Lust und wies dabei energisch auf sein Skizzenbuch, daß ihm die beste


