Ausgabe 
10.2.1936
 
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Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger

Kummer 12

Montag, den (0. Februar

Jahrgang 1936

Von Otto Folberth.

Copyright 1935 by Romanvertrieb Langen/Müller, München.

(Schluß.)

Es ist eine Straße also, die mitten ins Abenteuer führt. Eine Straße, umgeistert von hundert Gespenstern. Eine Straße wie nicht von dieser Welt. Zwar ist sie breit und hart, aber ohne Radspuren und ohne Staub, einem ihr fremden Gesetz unterworfen.

Jetzt setzen sie die Pferde in scharfen Trab. Ungewohnt hell klingen die Hufe auf dem harten Gestein. Möß hat fast Angst, sie könnten zu lauten Lärm schlagen. Als reite man über Glas und Glocken, beinahe so ist es, nach den Ritten der letzten Wochen über die aufgeweichten Herbstäcker. Aber es tut doch wohl der scharfe Klang, der harte Schlag rütteln-ihn endlich wach.

Auf dieser Straße also, die schnurgerade über die Wellen des ost­galizischen Hügellandes läuft, tastete Gerö als erster das Rätsel des russischen Rückzuges ab! Was mag ihm hier, gerade hier, wo wir eben reiten, durch den Kopf gegangen fein? Roch immer sieht man in un­regelmäßigen Abständen Schützengräben die Straße schneiden. Bald ziehen sie sich bis tief in die Felder hinein, bald scheinen sie nur als Lauerstellungen und Straßensperren angelegt zu sein. Diese Straße ist der Hauptoerbindungsweg von Tarnopol nach Lemberg, von der wich­tigsten Stadt Ostgaliziens nach der Hauptstadt des Landes. Drüben, am Dorfe Cebraw vorbei, führt der ihr parallele Schienenstrang. Kein Wunder, daß das dazwischen liegende Gelände schon wiederholt zum Schauplatz heißer Kämpfe wurde.

Drei Kalmücken in diesen Löchern da, muß sich Gerö hier und dort und oft und oft noch während des Rittes gedacht haben, können uns im Nu die Mütze mit Bleibohnen füllen. Doch dann wissen wir wenig­stens, wie weit sie liefen, und können Meldung erstatten. Einfach um­kehren, solange wir auf keinen Widerstand stießen, kutyaläb, nein, das kann nicht sein.

Und hier ungefähr", berichtet Köteles wieder,hier fanden wir im Straßengraben einen Honvedleutnant mit einem Begleitmann sitzen. .Herr des Himmels, wie kommst du her?' schrie Gerö ihn an. ,Jch habe die Nacht auf Feldwache zugebracht', gab er zur Antwort, .und als ich in der Früh merkte, daß die Russen auf und davon waren, ging ich ihnen mit meinen Leuten nach. Seither habe ich so viele Verbindungs­leute und Meldegänger abgefertigt, daß ich mit diesem da allein geblieben bin.' ,Hej kutyaläb!' rief Gerö, ,du gefällst mir, Honoed!'"

Und schloß sich der Honved euch an?"

Ja, er meinte, nun, da wir eine Handvoll Menschen seien, könnten wir es schon auch weiter wagen... Vielleicht, wer weiß, sei sogar Tar­nopol von den Russen geräumt worden und wir könnten als erste in die Stadt einziehen ..."

Möß blickt aus die Karte. Wahrhaftig, Tarnopol ist von der Stelle, wo sie jetzt reiten, nicht weiter entfernt als fünf oder sechs Kilometer. Es ist keine Frage, daß Gerö und seine Schicksalsgefährten, als sie bis hierher vorgedrungen waren, ohne auf den geringsten Widerstand ge­stoßen zu fein, annehmen mußten, die Stadt fei ebenfalls geräumt wor- iden. Denn von diesem Punkte hätte sie ja von unfern Geschützen bereits bequem bestrichen werden können. Von diesem Augenblick an, das ist Möß nun nicht mehr zweifelhaft, muß sie der Ehrgeiz gepackt und getrieben haben. Mir wäre es vermutlich nicht anders ergangen, denkt er. Nein. Denn mit dem Auftrag in den Sattel zu steigen, die scheinbar verlassenen feindlichen Gräben auf Kote 361, vor der Nase unserer iSchwarmlinien, auszukundschaften und einen halben Tag später, nach- idem man sie fünfzehn Kilometer tief überritten hat, mit der Meldung Iheimkehren, daß auch noch Tarnopol, die Hauptstadt Ostgaliziens, des feit Kriegsbeginn verlorengegangenen Landes, geräumt worden fei «das iit für Aufklärer vom Schlage Gerös eine zu große Versuchung...

Und hier", beginnt Köteles nach einer Weile wieder zu erzählen,als iroir diese Senke vorsichtig hinunterglitten, summ! knallte uns vom Hange -dort oben eine Salve von acht ober zehn Schüssen entgegen. Im Hui «erreichten wir die Talsohle vor uns, die allein gegen die Schüsse Deckung wersprach. Ein einziger Reiter, aus der Patrouille des Sommersprossen- lleutnants, hatte einen Streifschuß am Arm erhalten. Während wir Unter« wffiziere ihn verbanden, berieten die Herren, was zu tun fei. Allen schien «es geboten, den Kampf mit den paar Nachzüglern aufzunehmen. Denn konnte es sich um andere handeln als eben um Nachzügler? Lieber werfen wir sie über den Haufen und jagen sie auf Tarnopol zurück, als

daß sie uns hier oder aus dem Rücktritt noch einen Mann kosten: sagte Oberleutnant von Gerö. Und dagegen war nichts einzuwenden. Es er­schien allen das einzig Richtige. Bon jeder Patrouille blieb nun ein Unteroffizier mit den Pferden hier in Deckung zurück. Ich hielt Maxl und Engel am Zügel. Alle andern schnallten die Stutzen vom Rücken und schritten im Schwarmlinie den feindlichen Hang hinauf."

Wie viele waren sie denn eigentlich?"

Sieben Mann im ganzen, Herr Kadett, davon vier Offiziere. Eine halbe Stunde lang hörten wir nichts. Dann gab es, dem Schalle nach zu schließen, ziemlich weit vorn, ein kleines Geplänkel. Nachher herrschte wieder Stille, eine so vollkommene Stille, daß uns der dünne Schrei zweier Bussarde, die in der Herbstsonne über uns kreisten, in den Ohren gellte. Endlich, endlich, nach einer unerträglich langen Wartezeit, entdeckte ich einen Zug Infanterie, der gerade die Straße herunter vorfühlt, die wir gekommen waren. Ich melde dem Fähnrich, der sie führt, was hier vorgefallen ist, und bitte ihn, feinen Zug, mit dem er noch weiter Vor­dringen will, mit meinen beiden Pferden begleiten zu dürfen. So erklomm ich, Maxl und Engel am Zügel führend, mit den Leuten des Fähnrichs langfam diesen Hang. Als wir oben waren, sahen wir mehr nicht als jetzt: die vielen verfallenen Gräben rechts und links, die schnur­gerade Straße vor uns und das Wäldchen dort, in das sie mitten hinein- führt."

Jetzt weiß Mäß, daß sie gleich an Ort und Stelle sind. Einmal noch, während sie an einem Bildstock, einem verwitterten Steinmol zur Rech­ten oorbeireiten, sieht er Köteles fragend an.

Ist es hier?"

Nein, aber nur noch hundert Schritte weiter. In der Mitte zwischen dem Stein da und dem Rande des Wäldchens. Gerade .enter dem Apfel­baum dort."

Dann, dann springt Möß aus dem Sattel und kniet auch schon mit entblößtem Haupt und gefalteten Händen an der Seite seines Herrn und Freundes. Blitzschnell hat er begriffen, daß hier schon längst alles vorbei und vollbracht ist. Der Tote liegt auf dem Rücken im Straßengraben. Er liegt da mit angezogenen Knien und in die Luft greifenden Händen, als habe er sich im letzten Augenblick noch jemandes erwehrt. Seine Augen, seine feuchten Tannenaugen, sind jetzt wie grünes kaltes Glas. Seine Kinnlade hängt weit geöffnet herunter. Ameisen krabbeln über feine Stirn. Aus einer Brustwunde, die von einem Stich herrühren könnte, so groß ist sie, ist Blut in feine Kartentasche geronnen, mitten zwischen das Zelluloidfenster und das blankgescheuerte Lederblatt. Die Tarnopoler Karte trägt' einen großen roten Fleck.

Der Tote ist ausgeraubt worden. Ihm fehlt der Stutzen und der Feldstecher. Seine Rock- und Hosentaschen hängen nach außen gekehrt heraus. Daß die Kartentasche noch da ist, läßt darauf schließen, daß er von einem ungebildeten, des Lesens und Schreibens wahrscheinlich un­kundigen Gegner überwältigt worden ist, der keine Ahnung davon besaß, was ihm diese Tasche möglicherweise alles hätte verraten können.

Einige Schritte zurück, im Straßengraben der andern Seite, liegt der Sommersprossenleutnant. Auch er auf dem Rücken. Auch er ist aus« geraubt worden. Jetzt bedeckt er, Gott fei Dank! mit der einen Hand seine Augen. Gott fei Dank! ja, denn alles fällt Möß leichter als in diese vielen starren, verglasten Augen zu sehen.

Und der Tote auf dem Felde dort, mit dem Gesicht nach unten ge­kehrt, zwischen den beiden Löchern", deutet Köteles ein letztes Mal zur Seite,ist der Honvedleutnant. Seine Leute erkannten ihn sofort, als sie mit mir hier vorüberkamen."

Wo aber sind die andern geblieben, der Tscheche, die beiden Unter­offiziere und der Infanterist? Sind sie gefangen, verwundet gefangen worden? Sind sie entkommen? Wohin hat das Schicksal sie verweht? Nur eines ist klar: diesen sieben Herzen, die der Zufall gerade erst zu- sammengeführt, schlug auch schon, allen zusammen, der entscheidende Augenblick. Den einen, das wissen wir, zu Verderb. Und den andern?

Bon den andern hat schon Köteles keine Spur mehr gefunden, als er mit dem Zug des Fähnrichs hier vorbeikam. Auch Möß kann, obwohl er gute drei Stunden später hier weilt, mehr nicht feftftellen, als daß sie einfach nicht mehr da sind. Ihrem Verschwinden näher nachzuforschen, findet er weder die Zeit noch die notwendige Sammlung der Gedanken, am wenigsten die Neugierde der Seele. Alles, was er jetzt tut oder nicht tut, was ihn jetzt treibt und drängt, was er bewußt oder halbbewuht I verrichtet, ist dem einen Gedanken und nur ihm ergeben: den Freund, 1 den teuern gefallenen Freund zu bergen.

1 Was aber vermöchte hierbei der Wille des Kadetten ohne die Kraft seines langen braunen Begleiters? Aus der Zeltbahn und den troei Stangen hat Köteles eine Tragbahre hergestellt. Das ging nach rm- es ging. Aber schwierig ist es nun, die Tragbahre mit der schaukelnden Lall j so in die beiden Sättel zu heben, daß sie einen sichern Halt hat und