die Hand
Unterschlag
Es ist liegt das
Lars und Lena Hullmann, 1933."
ganz still am Tisch. Niemand sagt ein Wart. 9n sanfter Glut Licht der Abendsonne in den kleinen Scheiben der Fenster im
9e3fiopla! ruft Lars, als er die Wendung des Wagens beim Einbiegen in den Weg, der zum Hause hinaufsührt, ein wenig kurz genommen hat und das eine der Hinterräder über den alten halbversackten Grenzstein acht der dort in der Erde steckt, so daß der Wagen ordentlich einen Ruck bekommt. Aber Hopla hat keine Schuld daran und sieht sich nur verwundert um, als er Lars Ausruf hört. , -
Aber diesmal meint Lars ihn gar nicht. Er wollte nur sagen. Da war ich doch eben wirklich ganz in Gedanken. |
Nur die Kiefern an Heidmanns Kamp find nicht mehr da Lars hat sie, noch zu rechter Zeit, geschlagen, um die Dachsparren zum Hause aus ihnen schneiden zu lassen.
Aber niemand ist glücklicher und zufriedener als Lena. Denn Lars ist ja einfach nicht wieder zu erkennen, nun die Last, die aus ihm gelegen, ihm von den Schultern genommen ist ...
Als er soeben seine Fuhre durch die große Tur auf die Diele rollen und Hopla die Stränge löst, ruft Lena zum Abendbrot
Ja das ist schon richtig und er hat einen rechtschaffenen Hunger mtt- gebracht. Aber erst muß er jetzt das Pferd versorgen.
Als sie dann zusammen im Unterschlag am Tische sitzen — er ,st nur aus Tannenholz, aber wenn sie sich miteinander erst ein wenig heraus- qemacht haben, soll wieder ein eichener her, wie er sein muh in einem Bauernhause — sagt Lars: „Weißt du, Lena, das Haus ist ja gut geworden, das muß man sagen, ganz wie ich es mir gedacht habe. Aber etwas hat der Dussel von Zimmermann doch vergessen!" , . . ™ ,
Wirklich?" fragt Lena verwundert, denn Lars hat noch nie ein Wort gesagt, daß er mit etwas nicht zufrieden gewesen wäre. „Aber du bist doch immer mit dabei gewesen, als die Handwerker daran bauten.
„Das ist richtig", nickt Lars und lächelt. „Ich wollte auch nicht darauf schelten, siehst du.'Nur daß kein Hausspruch draußen in den Turbalken gekommen ist, das paßt mir nun doch nicht. Aber das ist kein Unglück. Wenn die Arbeit auf dem Felde getan ist habe ich immer noch Zeit dafür und kann es dann ganz gut felber nachholen."
„Und hast du dir schon einen Spruch dafür gedacht? Ich sah vorhin wohl, wie gedankenvoll du nach Hause kamst."
„Das hab ich!" sagt Lars, „und ich hab lange darüber nachdenken müssen. Aber nun ist mir vorhin, als ich mit dem Wagen vom Felde kam, etwas in den Sinn gekommen, und ich meine, daß es der richtige Spruch dafür wäre, und wenn ihr und Martin mit ihm einverstanden wäret, würde es mich freuen. Dann könnte ich gleich morgen damit anfangen, ihn in den Balken zu schneiden."
„Morgen, am Sonntag?" fragte Lena verwundert.
„Gerade, weil morgen Sonntag ist", nickt Lars versonnen, „Denn es ist eine rechte Sonntagsarbeit, seht ihr, und sie soll für mich sogar noch etwas mehr sein als das
Gespannt sieht Lena ihn an, und Dorte legt dem kleinen Jan, der ungeduldig mit seinem Lössel auf dem noch leeren Teller herumrührt, "" " * auf den Arm.
„Myn Ehr und Recht, dat wör verzahn, Gott let se wedder uperstahn. Amen.
Geschichte eines Lebens.
Von Josef Ponten.
Die Geschichte meines bisherigen Lebens, die ich hier zu erzählen habe, ist beinahe, und näher dem Heute zu mehr und mehr, die meines ^^Gefch?chte°n'sind Geschehnisse, die an und mit Menschen spielen. Nur der Mensch war das dunkel gefühlte Ziel meiner inneren Bewegung ,m Grunde beschäftigt mich auf der Welt nichts als der Mensch. Aber Mensch" das ist ein schweres Stück Studium, und obgleich wir selbst Mensch sind, so sprechen wir wie von etwas Unbekanntem so wie wir mit einer gewissen dunklen unwissenden Ehrfurcht vom „Smbe sprechen, dessen Sein und Wesen wir doch, jeder von uns, durchlebten. Vom Menschen tief innerlich zu wissen, das ist im Ganzen ein Vorrecht der Jahre und des Alters. Ausschließlich mit ihm werden wir uns am Lebensende bC'ais'^nabe las ich von Dichtungen nur des Vlamen Eonsciene Romane „Der Löwe von Flyndern", „Der Bürgermeister von Lüttich damals wußte ich nicht, daß es in meinem Blute Beziehungen zu Land und Volk jener Dichtungen gab. Aber dann legte ich tue Dichtung bei- feite und beschäftigte mich in den kostbaren schicksalbestimmenden Frei, stunden der drangvollen unvernünftigen Schulzeit mit Stern- und Erdkunde, mit Geschichts- und vieler Art Menschenwissen. Leute, die mich zu kennen behaupten, sagen mir die Eigenschaft nach, „mchts zu vergessen. Ich hatte meist auf dem Lande gelebt in Einsamkeit, Wiesen Wald, Venn und Gebirge, hatte Vieh gehütet und war gewandert im alten ..lotharingischen" Londe, im Rheinland, Belgien, Holland und Frankreich, und 1908 gab ich, fünfundzwanzigjährig, einen „Landschaftsroman „Sieben- quellen" heraus. _ . _ .
In eben dem Jahre wurde, was bisher an Sonntags- und Ferienwandern gewesen war, bereits Auswandern. Freilich auch nur eins auf Zeit, wenn auch auf Jahre und um rein geistiger Ziele willen. Das Wandern an sich, sportlicher, kaufmännischer, oder nur abenteuernder Weise, war nicht nach meiner Art und Vorbestimmung, es mußte Geistiges dabei eingesetzt und gewonnen werden.
Der Kriegsausbruch sand mich auf Spitzbergen. Ein Gefühl für tue Notwendigkeit, neben der klassischen Welt die germanische durch Wissen und Erlebnis zu gewinnen, hatte sich schon ausgewirkt Ich kam über Skandinavien nach Deutschland und trat im August 1914 in der westlichen Heimatstadt ins Heer. Ich war nicht Soldat gewesen, und da der Krieg angeblich zu Weihnachten zu Ende sein wurde so war keine Zeit I zu verlieren mit Marschieren-, Schießen- und gar Grußenlernen. Mit dem am meisten vom Abenteuer beschenkten Heere, dem auf dem äußersten rechten Flügel marschierenden des Generals Kluck, tarnen wir so nahe an Paris heran, daß wir nachts den Lichtwiderschein am Hummel sahen.
Als der Krieg nun doch um Weihnachten 1914 nicht zu Ende war, lernte ich nachträglich marschieren, schießen und die Vorgesetzten richtig qrüßen — ich tarn in den Osten, Und da ich dazu bestimmt wurde die Bewegungsfeldzüge mitzumachen, so bewegte ich mich in dem weiten Raume, den die Namen der Städte Riga, Dunaburg, Kiew, Bukarest, Konstantinopel, Elbasan, Triest, Trient umschreiben mögen. Das war für । wich von großer Bedeutung, als ich dort den Rlesenfacher deutscher Auswanderungen früherer Jahrzehnte kennenlernte. Raume, Menschen, Umstände, Tatsachen, Geschicke, von denen ich nichts wußte und wahrscheinlich nie etwas erfahren hätte. In Konstantinopel mußte ich auf dem Wege zum persischen Kriegsschauplatz umkehren, erkrankt schied ich aus dem Heer und Krieg aus. ,
Während in Berlin Spartakus mit den Regierungstruppen kämpfte, schrieb ich, ein Leidender, dort die Bolksnovelle „Die Bockreiter , in der an einem rheinischen Beispiel geschildert wird, wohin es tcmmen kann wenn man der unregierten und unbeherrschten Masse zu viel Macht in die Hand gibt. Ich suchte, von meiner engsten Eupener He,ma aus- geschlossen, die rheinische auf, aus der ich aber auch wieder wich, als das belgische Besatzungsheer unser Haus in Aachen an sich nahm. Ich wanderte lange wohnungsuchend durch Süddeutschland, durch Schwaben und Bayern, wohnte im süddeutschen Dorf beim Bauer oder Gartner, im Kloster ober im Stift, bis ich schließlich in München in Enge und Düsternis des möblierten Zimmers zu einer vorläufigen Ruhe kam.
Kurz vor dem Kriegsende war der im Zeustempel von Olympia sechs Jahre stüher begonnene, in der Krankheitszeit vollendete Roman Der babylonische Turm" erschienen. Diese rheinische Familiengeschichte, in der ich versucht hatte, meinem Volke ein Sinnbild für den inneren Zerfall aus Dinglichkeitsstreben, Größenwahn und Herzensleere hinzustellen, brachte mir Ansehen. Aber ich fühlte wohl wie wenig ich, der der eigentlichen ßiteratur Abholde, für epische Aufgaben geschult war und wandte mich für einige Jahre der Novelle zu, in deren Pflege strenge Schule gesehen werden kann.
Ader auch die Auseinandersetzung mit dem rein und einseitig Litera- rischen in dem Roman „Die Studenten von Lyon , in dem junge Menschen in bitterstem Ernst vor die Frage gestellt werden, ob man sich mit ausgeklügelten dialektischen Worten vor den Entscheidungen drücken dürfe ober ob biefen ins Auge gesehen werben müsse. Dieser Roman entftanb in ber Hauptsache auf einer großen Vollrunbreise durch Frankreich, wurde vor und in französischen Kathedralen, in deren Kunst und Welt ich schon zwanzig Jahre zuvor geschwärmt hatte, geschrieben. Denn allmählich waren die aus Verfemung und Geldentwertung aus- gebauten Zäune um Deutschland gefallen, und ich mar schnell ins Aus- fanb gegangen, besten Luft zu atmen, besten Sprache zu gebrauchen, dessen Spannungen zu mir und meinem Lande zu fühlen mir anfd)einenb eine schon durch die Herkunft bedingte Notwendigkeit war. Ich lernte die Schweiz kennen (ich hatte schon als Student ein erstes Semester in Genf verbracht), ich lebte in der Bretagne und in Sizilien.
Da, bereit nach Meriko abzureifen, erreichte mich im Jahre 1925 die i Einladung zu einem Kongreß von Naturwissenschaftlern nach dem östlichen Rußland (ich hatte einiges Unbedeutende im Reiche ber Natur-
,n bei Vernehmung sagen müssen. Beim Aufräumen der Brandstätte ' 'hat man denn auch seinen Leichnam gesunden, Gut, baß Lena vor bem 4"w -ul I-d-n bl. V-»i-qch°It-»z
ber Felber behalten. Er selber versteht nicht recht was davon. Dafür will «sich neben bem Hause eine Werkstatt einrichten unb m.eber auJem em Handwerk rnrückkehren. So kann er, wenn einmal Not am Mann Ist, ßars auf bem Selbe helfen unb in ber übrigen Zeit m feinem Berus tätig fein Vttl wirb es ja wohl nicht fein, was er an Arbeit bekommen wirb dazu liegt bas Haus zu weit von ben Dörfern m der Umgebung ab Aber mit der Zeit wird es sich schon herumsprechen, wo er zu finde ift unb wenn keine Kunben zu ihm kommen, in ber ersten Zeit werben bas nicht viele sein, wirb er zu ihnen gehen unb in den Hausern nach Arbeit fragen. Nun es den Leuten auf bem Lande nach und nach wieder ein wenig bester geht, wird es auch für ihn wieder Arbeit geben. Da ist ja i0 yjeles was bisher zurückgeftellt werden mußte und in I^m Handwerk schlägt, von Pferdegeschirren an bis zu Bettmatratzen und Vor- hängem Nein, nur Geduld, er wird schon in Gang kommen. Darum hat er seine Stellung als Hausdiener im „Hamburger Hof auch bereits gekündigt, und es find heute nur noch vierzehn Tage, daß er zu ihnen herauskommen wird, und dann soll auch gleich die Hochzeit mit Dorte fetaJo jung sie auch noch ist. Denn sie hat sich wunderbar herausgemacht im letzten halben Jahre, und es ist Cars ganzer Stolz, daß er sie aus dem Hotel hat herausnehmen können und sie nun bereits draußen bei Lena unb ihm ist unb an ihrer Aussteuer nahen kann, so bescheiden sie auch sein wirb, trotzbem sie einen Packen Seinen bafur von Martins Mutter bekommen hat. Denn Lars hat letzt nach dem Bau auch nichts übrig, unb ihre eigenen kleinen Ersparnisse sind nicht von Belang. Abe ist bie Hoffnung nicht ba, daß sie für ihre junge Ehe em Darlehen vom Reich bekommen werden? Martin hat bereits ben Antrag bafur gestellt, und warum soll man ihm verweigern, was doch auch andere bekommen, mdDarum?finb Lars und Lena auch schon eher, als sie gerechnet haben, in der Kartoffelernte, wenn es auch noch em wenig früh ist dafür und die Kartoffeln noch gut acht Tage hatten m der Erde bleiben können. Aber reif sind sie, und das Wetter ist wie ausgesucht dafür, fo warm die Sonne in Öen Mittagsstunden noch auf der braunen Moorerde liegt.
Martin hat Hopla in den wenigen Stunden, die ,hm fein Dienst für so etwas Ruhe läßt, ein neues Kopfgefchirr gemacht, unb ber alte Gaul sieht orbentlich stattlich vor feinem Ackerwagen aus, nun Lars mit ihm die Kartoffeln nach Haufe fährt, die sie heute ausgeworfen haben. Sogar der kleine Jan hat dabei geholfen, und er hat sich ganz anstellig dabei


