Ausgabe 
9.3.1936
 
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ocu mar letzt nicht mehr zu verlieren, ich strich also an meinem 1 Gehstock an, hielt etwa zwei Handbreit unter den Fang des Baren ins Grüne und versuchte mein Heil, nicht sehr fest überzeugt vom Erfolg.

«u meiner Freude brach der Bär im Feuer zusammen und flüchtete sichtlich schwerkrank, seitwärts, wo er, noch ehe ich den zweiten Schuh abqeben konnte, hinter einer anderen Fichte verschwand, ohne auf de anderen Seite wieder zu erscheinen. Ich glaubte schon, er wurde dort verenden: nach einer halben Minute kam er aber doch auf der anderen Seite wieder zum Vorschein, worauf ich 'hm sofort eine weitere Kugel gab, die aber unglücklicherweise etwas kurz hmter dem Vorderlauf saß. | Jetzt war er plötzlich wieder ganz munter und kam in leichten fordernden Fluchten den Hang herab dem Walde zu. . , ...

Nun kam einer von den Momenten, wo ich leider m der Regel voll­

kommen versage, d. h. aus dem Gefühl heraus:Jetzt darfst du nicht vorbeischiehen", mich sozusagen überziele und dann zu kurz

Diesmal war aber Diana mit mir, tm Knall sah ich den Baren

durchs Fernrohr sich wie ein Haje überschlagen, und als ich absetzte, rollte er schon mit großer Vehemenz dem oberen Waldrand zu, wo er ohne noch einen Lauf zu rühren, liegen blieb. Es war ein starker, alter Bar mit kohlschwarzer Decke, und meine Freude war natürlich entsprechend.

Wir nahmen uns gar keine Zeit, ihn richtig zu betrachten, sondern leaten ihn nur auf den Rücken und breiteten die Pranken aus, damit er am nächsten Morgen richtig zum Zerwirken läge, dann ging es auf die

Vo°n'dem Moment, wo wir den Bären zuerst gesehen, bis zu seiner Erlegung war genau eine Stunde vergangen, und es war 5.40 Uhr, als wir auf die Caribous starteten. Der Bär hatte die erste Kugel auf den Stich bekommen, und es ist verwunderlich, daß er noch so weit ging.

Den Hirsch trafen wir leider nicht mehr an der Stelle, wo wir ihn $U George schlug vor, er wolle allein hinaufgehen und mir von oben ein Zeichen geben, wenn er den Hirsch sähe, ich hatte aber diesmal auch meinen Stolz und kletterte selbst hinauf, wenn mir auch die Viertel­stunde steilen Steigens nach den Anstrengungen des Tages sauer ge­nug wurde. . . ...

Alle Mühe aber war umsonst: der Hirsch war nirgends zu entdecken, die Jagd oorbeil ,

Ich' warf mich ins Gras, um einen Augenblick auszuruhen. Die Sonne, die den ganzen Vormittag hinter Wolken verborgen gerne en war, gönnte uns einen letzten Abschiedsblick, der gerade noch die höchsten Gipfel erreichte und dem Neuschnee auf ihnen einen schonen rosa Schirn- "" Aber George mahnte zum Ausbruch, die Dämmerung kam rasch, und wir waren weit vom Lager. Wir rechneten allerdings damit, durch Benutzung eines anderen Passes ein gut Stück Weges abfchneiden zu können, das Licht würde aber trotzdem knapp werden

Obwohl wir gut ausschritten, zog sich der Weg zum Paß doch Zlemlich in die Länge, und es war schon recht dunkel, als wir ihn erreichten. Wir konnten gerade noch zu unserer Enttäuschung erkennen, daß unter uns nicht unser Lager, wie wir erwartet, sondern ein ganz fremdes Tal lag, wir also offenbar aus der Richtung gekommen waren. Der einzige Ausweg war fetzt ein anderer, hoher, fchneegefüllter Paß, und es kam nur darauf an, daß wir dort nicht im Dunkeln in unpassierbare Geroll- selder tarnen. , .... ,

Wir liefen, was wir konnten, um das letzte bißchen Tageslicht noch auszunutzen, und wir hatten Glück: der Paß war verhältnismäßig leicht zu machen. Oben war es allerdings schon so dunkel, dah wir nicht mehr viel sehen konnten, wir waren uns aber beide darüber einig, wo das Lager liegen mußte, und machten uns ohne Säumen an den Abstieg ...

aeschütz nicht mehr auf, das bereits feit der Mitte des vierzehnten Jahr­hunderts verwendet wurde. Da standen die Heerführer plötzlich vor einer veränderten Sachlage und wußten weder ein noch aus. In dieser militärischen Ratlosigkeit erwuchs in Deutschland der Feldherr, der als erster den taktischen Wert der bis dahin geringgeschatzten Fußtruppe erkannte. Es war Georg von Frundsberg, der Schöpfer der Jn- fanterietattit mit beweglichen Abteilungen, die erst durch den modernen Mafchinenkrieg in den Hintergrund geraten ist.

Frundsberg (Freundsberg) entstammte einem Tiroler Geschlecht, das nach Schwaben gekommen war. Glänzende Feldhermgabe, orgamfato- rischer Blick, persönliche Körperkraft, Stattlichkeit, tapferes Haudegentum und eine jede Kriegsbeute verschmähende Redlichkeit vereinten sich in Georg von Frundsberg zu einer eigenartigen Erscheinung, die unter feinen Zeitgenossen einzig dasteht. Das wirkte besonders auf den roman­tisch-ritterlichen Sinn Maximilians. Als eifriger Gemfenjäger hatte über­dies Maximilian eine besondere Vorliebe für Tirol, so daß Frundsbergs Abstammung dazu kam, um rasch das volle kaiserliche Vertrauen zu gewinnen. So wählte der Kaiser ihn zum Feldhauptmann, als er das erste Landsknechtsregiment aufzustellen beschloß. Durch seine Fuhrungs- kraft Organs ation und Taktik blies Frundsberg der neuen Truppe erst den Lebensatem ein. Mit Recht wird er daher der »Vater der Lands­knechte" genannt, die er von Sieg zu Sieg gegen die Welschen führte. Das glorreiche Ruhmeszeichen dieser Siege, das deutsche Eichenlaub am Sturmhelm schmückte durch anderthalb Jahrhunderte die deutsche Waffenbrüderschaft der Landsknechte. Der deutsche Charakter der Lands- knechte ging mit dem Dreißigjährigen Krieg dahin, als durch die Ber- koppelung der Habsburger mit Spanien die sogenannteReichsarmee größtenteils ein Lumpengemisch sämtlicher Rassen und Völker wurde, die aus allen Windrichtungen aus bloßer Beutegier zu den kaiserlichen Fahnen hergelaufen tarnen. Mit dem großen Friedländer fiel der letzte deutsche Landsknecht durch tückische fremde Mörderhand.

Dagegen waren die Landsknechte nur Deutsche, meist aus dem Süden und Westen des Reiches. Ihr bewußtes Deutschtum zeigte sich unter anderem darin, daß sie sich auch als Bundesgenossen nie mit den Schweizern vertrugen, weil diese mit Vorliebe Solddienst bet den besser zahlenden Franzosen und Italienern nahmen. Das geflügelte Wort Kein Geld, keine Schweizer" wurde von einem Landsknecht geprägt. Noch manch anderes Wort kam durch die Landsknechte in den deutschen Sprachgebrauch. So das WortKamerad", mit dem sie sich gegenseitig ansprachen und das durch das bekannte SoldatenliedIch halt' einen Kameraden" in die deutsche Volksliteratur gelangte.

Aus der Landsknechtzeit stammt nicht nur durch den Fahnenschwur die heutige symbolische Bedeutung der Fahne als Hoheitszeichen, sondern auch die militärische Gleichkleidung, die Uniform. Sie entstand übrigens durch einen Zufall. Anfangs war jeder Landsknecht so gekleidet und | bewaffnet, wie er es eben aus eigenen Mitteln vermochte und verstand. Die Uniformierung, die für jedes Fähnlein zumeist anders war, ergab sich dadurch, daß einmal die Kasse eines Fähnleins leer war und der Hauptmann den Sold nicht auszahlen konnte. Er befaß jedoch als Kriegsbeute mehrere Ballen schwarzer und weißer Tuche. Das Fähnlein erklärte sich bereit, das Tuch an Zahlungsstatt für den Sold anzuneh­men Der Troßschneider des Fähnleins machte daraus für alle Mann eine gleiche Bekleidung in Schwarz und Weiß, womit die Leute stolz einherspazierten und von den andern bunt durcheinander gekleideten Fähnlein beneidet wurden. Sogleich wollte jedes Fähnlein ebenfalls feine neue gleichmäßige Bekleidung haben, um die engere Waffenbrüderschaft auch nach außen zu zeigen. Damit war der Gedanke der militärischen Uniformierung in die Welt gefetzt, um bann später für die stehenden Heere allgemein durchgeführt zu werden.

Aus der Landsknechtzeit stammt auch einer der wichtigsten taktischen Begriffe, die Kampfreferve. Sie ergab sich aus der Kampfweife der Land eechte. Beim Angriff bestand das erste Glied aus den doppelt befolbelenverlorenen Knechten", die gegen den Gegner ausschwärmten und dabei zumeist ihr Leben einbüßten ober schwer verwunbet würben. Hinter ihnen griff, geschloffen unb mehrere ©Heber tief, derhelle HaUf" an, feine Fahne zum besseren Schutz im vierten ober fünften ©lieb. Bei ber Verteibigung bilbete ber Häuf benIgel", bas lanzenstarrenbe Karree, in bas ber angreifenbe Gegner einzeln mit ben Hellebarben hereingerisfen würbe. Ob also Angriff ober Sßerteibigung, stets erfolgte ber Kampf in einer streng geschlossenen Formation unb bamit mit einer so gewaltigen Stoßkraft, baß man ben geschlagenen Gegner nicht zur Ruhe kommen lassen bürste, solange er nicht seiner eigenen Geschlossen­heit beraubt unb bamit zu einer plötzlichen Wieberaufnahme bes Kampfes unfähig war. Das Auseinanderfprengen bes zurückgehenben Gegners konnte aber nur burch eine zielbewuhte unb hartnäckige Ver­folgung erzielt werben, wozu jeboch bie eigene kampferfchöpfte Truppe zu miibe war. Daher hielt balb jeher Heerführer einen befonberen Haufen zurück, ber sich nicht an ber Felbschlacht beteiligen Durfte, säu­bern erst zur Verfolgung bes geschlagenen Gegners ober zur Deckung bes eigenen Rückzuges eingesetzt würbe. Ihren mobernen Kampfwert erhielt bie Reserve in ber zweiten Hälfte bes Dreißigjährigen Krieges, nachbem W a l l e n ft e l n gezeigt hatte, baß man mit ber Reserve nicht bloß untätig auf Sieg ober Nieberlage warten mußte, fonbern besser mit ihr ben Sieg erzwingen konnte, wenn man bie aufgesparte frische Truppe schon währenb bes Kampfes gegen ben ermübeten Gegner ober an bebrohten Stellen zum Schutz ber eigenen erschöpften ober gelichteten Kampftruppen eingreifen ließ.

Die kulturelle Bebeutung bes Lanbsknechtswefens liegt in ber Schöp­fung bes kamerabfchafttichen Geistes beutfcher Waffenbrüberfchaft, der in Deutschlands Notzeiten durch fein stets Neuerwachen immer wieder feine Unsterblichkeit erweist. Als Berufssoldaten erbeten in ben kriege­rischen Zeitläuften ihres Bestehens wenige Lanbsknechts im heimatlichen Bett. Die meisten deckten bie Schlachtfelber West-, Mittel- unb Süd- I europas.

Deutschlands erste Waffenbrüderschast.

Aus ber Geschichte des Landsknechtswesens.

Von A. T u r a t.

Als bie selbschukischen Türken zu Beginn bes fünfzehnten Jahr- hunberts ben Balkan erobert hatten, stießen ihre Raub-, Brenn- unb Morbzüge gegen bieUngläubigen" in bie Steiermark vor. Der enb- tofen Drangsal miibe, grünbeten bie steirischen Ackerbürger ber kleinen schwachen Grenzstäbte einen gemeinsamen Heimatschutz, besten Mit- gtieber sichKnechte bes ßanbes Steiermark" ober kurzwegLanbs- knechte" nannten. Die steirischen Lanbsknechte begnügten sich jeboch nicht mit ber bloßen Abwehr einfaUenber Türkenhorben. Als kampf- freubige Gebirgler kehrten sie ben Spieß um unb bilbeten Streifgruppen, bie ins Ungarisch-Türkifche einbrangen unb sich mit Zinsen zurückholten, was ihnen bie Feinde geraubt hatten. Durch bie Kampsbrüberschaft ent­wickelte sich ein heimatliebenber Geist, ber immer mehr Jungmänner zu ben Lanbsknechten zog. Gegen Ende bes fünfzehnten Jahrhunberts waren bie steirifch-kärntnerifchen Lanbsknechte bereits eine militärisch brauchbare, stattliche Truppe, mit ber Erzherzog Maximilian, berletzte Ritter", bie oerbünbeten Ungarn und Türken bei Villach entscheibenb schlagen konnte. Als Maximilian später beutscher Kaiser würbe, plante er bie Schaffung eines eigenen Heeres. Er erinnerte sich ber Schlag­fertigkeit ber alpenlänbifchen Lanbsknechte unb begründete nach ihrem Muster bas beutscheLanbsknechtsregiment", bie erste beutfche Waffen­brüderschaft, bie burch benSchwur am Fahnenstock" auf Leben unb Tod verbunden war.

Militärisch fiel die Gründung des deutschen Landsknechtswesens in bie Geburtswehen einer neuen Zeit. Bis bahin hatte bie ganze Kriegs­kunst bes Mittelalters hauptsächlich im regel- unb zügellosen Zusammen­prall gepanzerter Reiterhaufen beftanben, bie solange aufeinanber ein« braschen, bis der Schwächere unterlag und mit seinen Resten das Weite suchte. Damit kam man jedoch selbst gegen das primitive erste Feld-

Veraniworiltch: Dr. Hans Thyriot. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch» unb Steinbruckerei, R. Lange, Gießen.