mir recht, ein normal
nichts/
(Fortsetzung folgt.)
Vater. Es war zehn Uhr, aber nur ein ganz kleines
Frage, die Sie als der Fundstelle am 15 Minuten.
dem Mann zu. Nun sine beantworten können: Von dies Amtsbüro geht man
ausschreitender Fußgänger
um 10.30 Uhr. Herr.
Danke, sagte ich, und ich wandte mich hier Geborener werden Wegkreuz bis hier auf
Aber Sie ließen das Fernrohr nicht lange draußen, Sie haben es dann bald wieder abgebaut an jenem Abend?
Ja. bestätigte Pfenningshof, so war es. Ich fand doch nicht die gute Sicht die ich erhofft hatte. Er lächelte mir gewinnend zu. — Da\et)tn Sie, wie solche Geschichten entstehen und sich selber kolportieren. ©la()n ist eben doch ein Heidebauer geblieben. Er glaubt an Gespenster, und daher begegnet er ihnen auch. Das spukhafte Kreuz auf meinem Turm hat der Tod aufgepflanzt. Es bedeutet, daß m der Nacht einer stirbt. — Er lachte mißtönend. — Wie viele sind wohl gestorben in. lener Nacht? — Und dann drehte er sich mir ganz zu: Glahns Theorie ist also
Jch"lacht? mit, denn er traf meine Meinung. Noch eines, Herr Professor, sagte ich und nutzte die Minuten, können Sie mir sagen, erinnern Sie sich, wann Herr 21 knien Ihr Haus verließ?
Pfenningshof schüttelte den Kopf. Nein, gestand er Aber Mascha wird es Ihnen sicherlich genau sagen können. Meine Tochter hat Alwien
Wir waren gerade wieder auf dem Hof angelangt. Er trat, ehe ich es hätte hindern können, an eines der Erdgeschoßfenster und klopfte gegen die Scheibe.
Glascha, bist du noch unten? . , , , ,
Das Fenster öffnete sich sogleich, und Glascha Pfenningshof beugte sich hinaus. Sie nickte kurz auf meinen Gruß, ich besaß Nicht ihre Gnade, wie es schien.
Was ist, Vater?
Der Professor schien verlegen, eine neue Wandlung.
Ach, meinte er, nun — es ist — der Herr möchte wissen, wann Alwien uns an jenem Abend, als ihn der Tod in der Heide ereilte, verließ. Erinnerst du dich der Zeit vielleicht? Du brachtest Alwien zur Tür und rittest noch ein Stück neben ihm her, wenn ich mich recht
Aber ich begriff auch, daß hier in der Heide nicht die Aufklärung zu finden war. Weder vom Pfenningshof noch von Glahns Rügen Host onnte sie kommen. Das waren Sackgassen gewesen m die ich mich lange genug festgefahren hatte. Ich muhte nach Hamburg reisen! Olga! Das war eine einzige Fährte, die Aussicht hat, etwas zu erfahren.
Ich war zornig, ich war gereizt, meine Nerven waren angespannt. So lief ich zum Bahnhof. Hier bin ich jetzt. In wenigen Minuten geht der Zug nach Hamburg. Ich kann und will keinen Tag mehr verlieren. Diese Ge chichte hat mich gepackt. Sie sagten gestern so überaus lieb und warnend, ich solle dies Nachspüren aufgeben. Ich habe daran gedacht. Ein, zwei Minuten lang. Aber ich vermag es nicht mehr Ich kann diese Geschichte nicht einfach auf sich beruhen lassen. Nun nicht mehr. Sie werden mich verstehen. ., , ... _. ....
Und bitte, liebste gnädige Frau, lächeln Sie nicht. Sagen Sie nicht, kriminalistischer Ehrgeiz eines Kriminalschriftstellers. Das ist es nicht. Dieser Fall Alwien ist besser als meine Kriminalromane, sonst hatte ich ihn schon entwirrt. „
Dieser Fall Alwien geht uns alle an, denn er ist bas Leben.
Der Zug läuft ein. Auf morgen!
° y Ihr getreuer und ergebener
Adalbert Steuer."
Frau v. Blinkburg bekam diesen Brief gegen Abend. Er ließ sie lange nicht zur Ruhe kommen.
Die erwartete Nachricht von ihrem Schwager war heu e noch aus- geblieben. Hieß das ein gutes Zeichen? Sie schämte sich bereits ihres Verdachts. Ueberaus bedauerte sie, daß Sieger nicht anwesend war. Sie hätte so gern mit ihm Meinungen ausgetauscht. Denn natürlich konnte man nicht so einfach einen Verdacht aussprechen. Oder ja. Ihm hatte sie es sagen können, ihm hätte sie dies erschütternde Wissen anv^traut. Sie war am Nachmittag spazieren gegangen und hatte Fräulein Glascha Pfenningshof gesehen. Nur gesehen. Glascha saß zu Pferde und hielt am Wegkreuz, genau dort, wo man Herrn Alwien gefunden haben mußte. Als das Mädchen die Annäherung der fremden Frau gewahr wurde, die es nicht erkannte als Frau v. Blinkburg, war es rasch davongeritten. Und da, in der Sekunde, als das Pferd ansprang, vom Sporn getroffen, da war es Frau v. Blinkburg, als sehe sie das Bild, wie Herr Alwien starb.
War es nicht so gewesen?
Glascha hatte zu Pferde den Mann noch ein Stuck Wegs geleitet. Bis zum Wegkreuz. Hatte sich hier verabschiedet, und — das Pferd fprang an mit einem Satz, Herr Alwien warf sich noch zurück, aber zu spat. Ein Hufschlag traf ihn und warf ihn nieder. Glascha bändigte das ungebärdige Tier nach einigen Galoppfprüngen ohne Muhe. Als sie sich umsah dem Mann noch einmal zuzuwinken, war er schon nn Heidekraut untergetaucht oder die Dunkelheit hatte ihn geschluckt. Sie sah ihn nicht mehr? Da ritt sie weiter. ,
Konnte es so gewesen sein? Wie sonst war es zu erklären, daß dieses Bild vor ihren Augen aufstand? War sie hellsichtig, ein Medium?
Sie saß am offenen Fenster, den Brief Siegers vor sich und war weit weg mit ihren Gedanken. . .. n.
Frau v. Blinkburg hatte bas erste Frühstück au ihr Zimmer bringen lasten. Sie war zeitig erwacht unb hatte nach fruchtlosen Versuchen, noch einmal einzuschlafen, es vorgezogen, aufzustehen.
Die Fenster standen geöffnet. Frau v. Blinkburg saß im Kimono hinter dem kleinen Tisch und hatte den Blick auf die nebelatmende Heide vor^fich. E^e bamp^e Der Himmel hatte einen mattroten Schimmer. Hinter dem Kiefernwald stand schon die Sonne.
Auf der Veranda deckten zwei Kellner die Fruhstuckstische. Frau v Blinkburg erkannte ihren diensteifrigen Freund wieder. Er schwenkte bier"eifrig die Tischtücher und gab Anweisungen.
„Der Herr Doktor Steger wird noch heute morgen hier sein? Hat er Ihnen etwas bestellt?" .....
„Nein, gar nichts. Seit das Unglück mit Herrn Alwien geschah, ist Doktor Steger wie ausgewechselt. Finden Sie nicht auch?"
Der andere zuckte die Achseln, aber jener fuhr fort:
„Denken Sie nur an den fürchterlichen--man muß schon sagen:
Krach, den er gemacht hat, als sich sein Wanderstock nicht sand. Was kann einem reichen Mann an solchem Knüppel liegen! Als wenn wir ausgerechnet ihn gestohlen hätten!"
„Schriftsteller sind sonderbar: das hört man häufiger. Aber es kann ja sein, daß dem Doktor gerade dieser Stock so von Bedeutung ist!"
Frau v. Blinkburg, unfreiwillige Mithörerin dieser Unterredung, saß reglos. Sie hielt den Kaffeelöffel in der Hand und wagte nicht, ihn abzulegen. Eine Sekunde war der Wunsch da: klirre mit der Taste, huste, mache dich bemerkbar, daß die beiden Kellner dort unten das entnervende Gespräch abbrechen; — aber sie rührte keine Hand. Die Lust, mehr zu hören, dies unbestimmte Gefühl nahe am Grausen war stärker.
„Wieso?" fragte der erste Kellner, und er war noch bei des Kollegen Mutmaßung, daß der nicht mehr auffindbare Stock des Schriftstellers diesem von besonderer Bedeutung sei.
Der andere sah sich um, warf einen Blick zur Tür, die in die Küche führte; Geschirr klapperte, aber niemand kam heraus; da beugte er sich zwar vor, dämpfte seine Stimme jedoch nicht sonderlich, Frau v. Blinkburg vernahm deutlich jedes Wort.
„Wissen Sie, daß im Verlauf jener Nacht, in der bas Unglück in bet Heide geschah, der Herr Steger feine Koffer packte und bereit war, abzureisen? Wissen Sie, daß diese Koffer noch immer gepackt bereit« stehen, als rechne Steger mit der Möglichkeit, einmal Hals über Kopf von hier verschwinden zu müssen?"
„Sie meinen?"
„Ich werde mich hüten, etwas zu meinen, ober wenigstens biefe Meinung zu äußern. Ich habe Ihnen eine Tatsache erzählt, weiter
Ich sah bas Mädchen an.
Sie wissen also die Zeit bestimmt? fragte ich sie.
Ja, antwortete sie. Herr Alwien wollte um zehn Uhr im Hotel fein. Er stellte fest, als er sich hier von mir verabschiedete, daß es bereits zehn Uhr sei. — Glascha sagte das steinern und unbewegten Gesichts mit einer tonlosen Stimme. Als weder ich noch der Professor weiterhin etwas fragten, schloß sie mit einem Kopfnicken gegen den Vater das Fenster unb zog sich zurück. Mich übersah sie.
Der Professor begleitete mich bis zum Wall; bann verließ er mich. Von dem Fall Alwien war kein Wort mehr zwischen uns gefallen.
Ich schritt durch die Heide dem Dorfe zu. Keinen Fußbreit wich ich vom Wege ab, wie sie mir glauben werden, liebe gnädige Frau. Gebranntes Kind scheut bas Feuer.
Ich schritt rüstig aus, aber ich tarn boch zu spät. Herr Pfrundk ber Amtsvorsteher heißt so, falls es Ihnen entfallen ist, hatte sein Büro schon verlassen. Aber ber Amtsbiener war noch anwesenb. Er war mürrisch unb berief sich auf feine Dienftftunben, boch gelang es mir, ihn mit guten Worten unb einigen Zigarren menschlicher Rührung zugänglich zu machen. Da ich mir den Weg gemacht hatte, sollte ich nicht unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen. Er sah in den Akten nach und gab mir die gewünschte Auskunft.
Meine erste Frage war: Wann meldete der Pächter Glahn an jenem Abend feinen schrecklichen Fund?
Der Amtsdiener las ab: Um 22.30 Uhr erscheint auf der Wache ber hier bekannte Pächter Glahn unb gibt folgendes zu Protokoll. — Also
erinnere...
Ich weiß das natürlich noch ganz genau, als Herr Alwien unfern Hof verließ. Ich ritt Stück neben ihm her und kehrte dann um.
10.30 Uhr hier zu Protokoll geben konnte.
Gewiß, Herr Steger, räumte der Amtsdiener ein. Selbst wenn man annimmt, daß Herr Glahn am Wegkreuz der Schreck in die Glieder gefahren ist, daß er angefangen hat zu laufen — alles in allem wird er eine halbe Stunde von feinem Hause bis hierher zum Amtsbüro gebraucht haben.
Er sah mich an. Er erwartete wohl die Aufklärung, aber ich mußte ihn enttäuschen. Nachdem ich mir noch Feuer für die Zigarre ausgebeten hatte, schieb ich mit kurzem Abfchiebsgruß von ihm. Nun eine kleine Ueberlegung, liebe gnäbige Frau. Erinnern Sie sich, wie wir an jenem Abenb, als alles begann, auf ber Veranda faßen? Es war 10 Uhr, ober ganz wenig nach 10 Uhr, als ber Hunb zu bellen begann. Setzen wir ben Fall, ber anzunehmen ist, baß bas Tier an ber Leiche anhob zu heulen, so starb Herr Alwien um 10 Uhr ober wenige Minuten später. Eine Zeit, zu ber Glahn eben erst seinen Hos verließl
Sie können sich denken, daß mir bei dieser Ueberlegung, die ich nun auf dem Wege anstellte, zumute war wie jenen Sprichwortträgern, den Gerbern, die die Felle wegschimmen sehen.
Ich war wütend. Ich begriff nicht mehr. Was bedeutete Glahns feiger Verrat an mir, als er mich im Sumpfe stecken ließ, wenn er nicht der Mörder Alwiens war!
Jawohl, gab er benötigte diese Zeit.
Schön. Wie lange geht man von Rügen Hoff des Pächters Glahn bis zum Wegkreuz, wo der Tote lag?
Auch nicht länger, Herr. Eine Viertelstunde dürfte genügen.
Ich fand meine Mutmaßung bestätigt, immerhin faßte ich noch einmal zusammen: Also wenn der Pächter Mahn sich aufmacht, in bas Dorf ober hierher zu gehen, wird er eine halbe Stunde Weg rechnen müssen. Er ist demnach an jenem Abend, als er den Toten sand, etwa um 10 Uhr von seinem Hof weggegangen, wenn er feine Meldung um


