Gietzener Zamilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger

Jahrgang 1936 Zreitag, den 6. März ^lummeNY

Klang. . .. t

Steyer nickte. Erst nach geraumer Zeit sagte er:

Heute nacht, erfuhr ich, hat Glahn hier nach m>r gefragt. Er soll Fehl erregt gewesen sein. Aufgeregt, nannte es der Nachtportier Glahn hat den Leuten gegenüber geäußert, als er erfuhr, td) Jet wohlbehalten im Hotel, er habe mich nicht wiederfinden können. Ich habe dann tm Dorf nachqefragt. Tatsächlich hat er zwei Leute geholt, und ste sind mit Stangen und Leitern in das Moor gezogen. Aber wann mag das ge- ffchehen sein? Mir sind die Leute nicht begegnet! Und wo mögen sie auf Glahns Hinweise gesucht haben?" , .

Frau v. Blinkburg hob den Kops mit einem Ruck.

Sie wissen nun, daß Sie einen Feind haben!

Ersieh? so aus", meinte er nachdenklich.Aber ich frage mich: warum ist Glahn mein Feind?" ,

Ihre Blicke trafen sich und hielten einander. Keiner wich aus. Ihre ^^Da"s?Ehier'z'u'sagen war, ließ sich nicht in die Worte des Alltags «leiden, und das Pathos lag ihnen beiden nicht. Als die Pause druckend wurde unter den schweren Gedanken, sagte Frau v. Blinkburg.

Aber wenn Glahn den Geschäftsführer tötete und nur das wäre lein Schlüssel zu diesem Verbrechen, das er mit Ihnen plante, wenn «Glahn im Streit oder überlegt den Mord °n Alwien beging, warum «meldete er dann selber den schrecklichen Fund.

Steyer sagte bedächtig, und der Satz stand vorgedacht schon lange fccvcitt

Er konnte den Hund nicht loswerden, vermute ich."

Sie sahen sich noch immer groß an; ste waren einander nahe; es sfehlte vielleicht nur, daß einer den Mut aufbrachte und des anderen Iflanb ergriff, und die Szene hätte eine vollständige Wandlung, ,a Um- Ikehrung erfahren. Nicht mehr der Kriminalfall wäre das Wichtige ge­wesen, sondern etwas anderes, das zwischen ihnen stand, und für das sie weide das Wort ahnten, aber nicht wußten. Liebe. Was ist Liebe. Ein Wort, das den Begriff verstellt und den Sinn für leben tm freien «Ermessen läßt.

Meinten sie beide dasselbe, wenn sie Liebe dachten k

Herr Steyer", sprach Frau v. Blinkburg, und ihre Lippen formten wie "Bitte nur mühsam,geben Sie es auf. Forschen Sie nicht langer !dem Tode Alwiens nach. Ich bitte Sie!"

Steyer schüttelte den Kopf.

Nein", entgegnete er laut,ich gebe nicht auf. Nun nicht wehr.

Leuchtenden Äuges sah er sie an. Und es waren da gerade ihre kleinen zarten Hände dicht vor ihm; er beugte sich herab und küßte die Figur.

Cs lag gar kein äußerer Anlaß vor, so zu handeln.

Frau v. Blinkburg sah auf seinen geneigten Kopf.. Ihr Herz war sschwer; sie war nicht leicht veranlagt; aber in dieser M-n..te tat es

töricht und beschwert ein paar springende Takte mehr. Was ist Liebe? Sie bewunderte ihn. , _. r

Frauen lassen ihre Bewunderung leicht Liebe werden.

7.

Liebe gnädige Frau!

Es ist sehr leicht möglich, daß Ihr Wunsch, weiteres über den Ver­lauf meiner Untersuchung zu erfahren, nur in meiner Einbildung besteht. Dann legen Sie, bitte, diese Zeilen ungelesen beiseite. Sie bringen nichts, als den Bericht über meinen Besuch bei Professor Pfenningshof

Sollte Sie aber die Entwicklung des tragischen Falles, den wir gemeinsam hier erleben mußten, doch interessieren, dann wird dieser kleine Bries Ihnen wesentliche Aufschlüsse geben. Nämlich die, daß wU nichts wissen, und nun vollkommen im Dunkel herumtappen, obgleich uns nach Glahns Attentat auf mich schon die Spur gefunden schien.

Ich schreibe Ihnen diese Zellen auf dem Bahnhof. In einer halben Stunde geht der Zug nach Hamburg; Sie werden, wenn Sie alles gelesen haben, verstehen, daß ich noch diesen Spätzug nehmen muh.

Ich bedauere nur eines, daß ich nicht persönlich diesen Bericht er­statten kann, daß es mir nicht vergönnt ist, Ihnen gegenüber zu sitzen und Sie anzusehen. Wie lange Zeit hätte ich Sie mit dieser Erzählung mir gegenüber im Sessel sesthalten können... Daß ich zu dem Prosessor noch einmal gehen würde, lag auf der Hand. Wenn überhaupt etwas über den Pächter Glahn zu erfahren war, würde es nur der Professor fein der brauchbare Auskunst geben konnte. Er mußte seinen Nachbarn, den'er noch dazu als Schwiegersohn anzusehen bereit gewesen wäre, gut kennen Ob ich seine wahre Meinung erfahren würde, war freilich eine andere Frage. Aber ich entschloß mich zu dem Versuch

Wie ich es diesmal anstellen sollte, bis zu dem alten Herrn vorzu- bringen, wußte ich nicht recht. Ich verließ mich auf mein gutes Gluck. Unb bas war biesmal richtig. Denn als ich auf ben Hof tarn, traf ich den Professor. Er ftanb vor bem Herrenhaus unb besprach sich mit dem ßilius seinem Verwalterfaktotum. Lilius kannte ich; wir grüßten uns, und ich hatte Gelegenheit, ohne sonderliche Aufmerksamkeit mit meiner Annäherung zu erregen, mich zu den beiden zu gesellen.

Der Professor schien bester Stimmung. Als Lilius sich zuruckzog, blieb er bei mir stehen und setzte ein Gespräch fort, in bas ich ihn gelockt hatte. Der Name Glahn war gefallen, unb Pfenmngshof hatte sogleich aufgehorcht. Vorsichtig bohrte ich weiter.

Denken Sie sich, Herr Professor, sagte ich, ber Pächter Glahn ist auf sonberbare Weise in einen gewissen Verdacht geraten. Man zweifelt daß der Tod des Herrn Alwien ein natürlicher gewesen ist. Glahn hat Alwien in der Heide gesunden. Man weiß, daß die beiden sich nicht grün waren, und man spinnt nun gefährliche Vermutungen

Pfenningshof packte mich beim Arm. Ohne Ankündigung setzte er sich in Bewegung und zog mich mit sich.

Wir liefen rund um das Haus, mehrere Male, er achtete nicht auf den Weg. Seine Stirn war dunkelrot; die buschigen Brauen zuckten; von den eingeknisfenen Augen wuchsen tiefe Denkfalten zu den Schlafen hin.

Das ist Unfug, grollte er. Sie sollen die Toten ruhen lassen! Wirklich, man könnte aus ber Haut fahren! Um was kümmern sich bie Leute?

Es hanbelt sich nicht so sehr um ben Toten, als um ben Sebenben, Herr Professor. Aber ich ersehe aus Ihrer Abwehr, daß Sie jebenfaUs ben Pächter Glahn nicht für fähig halten, biese Tat begangen zu haben.

Er schüttelte heftig ben Kopf. .

Unmöglich! Glahn kann es nicht getan haben. Glahn ,st em viel zu ruhiger, ein beherrschter, vielleicht leidenschaftsloser Mensch. Wenn er sich durch Redereien verdächtig gemacht hat, so ist das Ungeschicklichkeit, sonst "'^Nickst so sehr seine Reden haben ihn verdächtig werden lassen, Herr Professor Was er sprach, war recht wirr und unklar. Er muß aber­gläubisch sein. Er erwähnte wiederholt ein Kreuz, das er in der schlim­men Nacht dort oben auf Ihrem Turm gesehen haben will.

Pfenningshos blieb wie angewachsen stehen.

Wer sagt so etwas? Der Glahn? Ein Kreuz will er auf meinem Turm gesehen haben!? Er hob beide Arme, bereit, etwas zu zer­schmettern und ließ ste wieder sinken. Ein Narr! Er muß betrunken gewesen sein! Wie kann der Mensch so etwas daherreden, es ist un- ^Pfenningshof begann sich wirklich zu ereifern. Ich betrachtete ihn. Was brachte ihn so in Zorn? Er mußte wohl meine Verwunderung spüren, denn übergangslos, wie jeder Wechsel in seiner Stimmung sich vollzog, wurde er plötzlich ruhiger oder beherrschte sich.

Wir schritten weiter; zum mehrfachen Male um das Herrenhaus herum. Nach einigen Schritten lachte er. . .,

Ach meinte er, unb feine Stimme schwang in Heiterkeit, vielleicht hat er mein großes Fernrohr gesehen? Ich erinnere mich, ich hatte es an jenem Abend aufmontiert unb ben Himmel angesehen.

Ich nickte, erfreut ob dieser Lösung.

Geheimnis der Heide

ROMAN VON FRANK F. BRAUN

6. Fortsetzung.

Niemand kam. Ich kann nicht sagen, wie lange ich bort im Schlamm ? Gestanden habe. Ich spürte schon, wie meine Glieder abstarben, wie ste eif wurden unb unbeweglich, aber ich wagte nicht, mich zu rühren, kenn ich wußte, daß jede Regung mich tiefer und^hoffnungsloser em- t finken machen würde. Ich habe gebetet; ernst und inbrünstig Meine Kn e 'versagten; sie knickten ein. Tiefer sank der Oberkörper m den Mora , ch konnte schon ausrechnen, wann der Sumpf mir bis zum Haste Zeichen würde, bis zum Kinn, bis an ben Munb ...Da berührten meine ^gebeugten Knie etwas Festes, Hartes.

Ich weih nicht, was es war, bas mich gerettet hat. Vielleicht em eingesunkener Baumstamm. , , , .

Aber so langsam ich auch vorwärts kam, ich begegnete memanben. Kein Mensch kam, keine Rettungsgruppe, die Glahn alarmiert hatte, mich mit Stangen und Brettern aus dem Sumpf zu befreien.

Bis zum Dorfeingang schritt ich. Jch^w°llte wissen, ob Glahn mich . wirklich so schmählich im Stich gelassen hatte. Er mußte langst, langst im Dors gewesen sein, wenn er überhaupt willens gewesen war, Hilfe und Rettung zu bringen. , . , _. -

Wo der Weg zum Hotel abzweigt, bog ich von der großen Straße Db. Kein Glahn war mir entgegengekommen.

Frau v. Blinkburg bebte. Sie konnte ihre Hande nicht langer sest- | Balten; nun sie die Finger auseinanberlöfte, zitterten sie.

IDas ist entsetzlich", sagte sie, und ihre Stimme hatte einen fremden