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als jedes andere Haus!"
Oh, den Jubel hättet ihr hören sollen! Wie sie brüllten! Und plötzlich erhob man sich, um zu singen, „Denn mächtig fein sind unsere Jungen", die Fünf aber, die im Callendarmatch mitgetan hatten, mußten sitzen bleiben und dumme Gesichter machen. Jeremy hatte den Versuch gemacht, sich zu erheben, wurde aber gewaltsam niedergehalten. „Braver, alter Stumpen!", rief es in seiner Nähe, und andere knufften ihn, grinsten ihn an und bewarfen ihn mit Nußschalen, ja sogar Staire ließ sich herbei, zu lächeln und irgend etwas zu sagen. Ja! prächtig war es, Jeremy genoß es gebührend. .
Nachdem sich der Lärm gelegt hatte, wandte sich Leeson jenem Ehrengast zu, der in London Geschichten schrieb. Offenbar war dieser sehr lange nicht mehr in Crale gewesen, aber jeder freute sich ob feiner Rückkehr (feiner Gestalt und seinen grauen Haaren nach zu schließen, mußte es wirklich lange her sein). ........
Doch nun erhob sich Pothshorn und brachte alles wieder in das gute Geleise. Er stotterte ein wenig, was bezaubernd wirkte, und seine Gefühle erwähnte er überhaupt nicht. Im Gegenteil begann er sogleich ein ®e- schichtchen von einem alten Weib, das zwei Kühe besaß, eine Lucy, die andere Isabel genannt, und wie Isabel ... aber das war Nebensache, es war nicht- so sehr die Geschichte, sondern die Art, wie er sie vorbrachte. „Nun, das war eine n—neue Geschichte", sagte er, als er geendet hatte. „Welche a—alte soll ich euch noch erzählen?"
Das war das Herrliche — daß man wählen durfte. Daher schrie es von allen Seiten: „Die Geschichte von der Bahnstation!", „Der Maler und seine Malschachtel!", „In London verloren!" ... Sie kannten sie alle, wie wäre es anders denkbar, da er sie ihnen doch immer und immer wieder erzählt hatte. ~ .
Dann kam der Höhepunkt. Er deklamierte „Das Walroß und der Zimmermann" — eine wundervolle Leistung, wobei (ein Gesicht feierlich, ja selbst trauervoll aussah und seine lange hagere Gestalt düster und regungslos blieb. Zuletzt gab er „Seine Abenteuer auf dem Lande" zum Besten — wie er in einem Bauernhaus wohnte, wie allerlei aus dem Strohdach hervorkam, wie die alte ftrau seine Kleider verlor und ein wilder Hund ihn in Todesangst bis Mittag Im Bett festhielt. Ach, herrlich war das! Jeremy saß da, versunken und verloren, starrte sich beinahe die Augen aus dem Kopf, seinen Mund weit offen. Solange die Erzählung währte, war er ganz in ihre Welt versetzt, selbstvergessen, dem eigenen Ich entrückt. Als fie zu Ende war, lehnte Jeremy sich mit einem Seufzer zurück Ach wer das doch könnte! Vielleicht ging es! Er würde es daheim versuchen. Wer weiß, ob er nicht doch für die Bühne geboren war.
Als Pothshorn feinen langen Körper zufammenschob und sich niederließ, starrte Jeremy ihn an und beneidete ihn mehr als sonst jemanden auf Erden. *
Nun war es so weit, daß jeder, der wollte, den Saal verlassen durfte. Jeremy gehörte zu diesen, teils weil er frische Luft schöpfen wollte, teils weil er nicht sicher war, ob es ihm nicht schlecht werden wurde^ Leise schlüpfte er davon, den Gang hinab, in den Coullers-Hof. Die frische Luft brachte ihn sofort wieder In Ordnung. Welche Nacht! Der Himmel war geradezu Übersät mit Sternen, als hätte man diese mit einer Schaufel dagegen geworfen. Es war herrlich still und kühl. Von weit her war Gesang zu vernehmen. Heute abend wurde m allen Schulhausern festlich getafelt. Bald würden sie drüben bei ßeefon gleichfalls fingen. Wie liebte er bns! ..
Allein ehe er zurückkehrte, wollte er einen Augenblick verweilen, die
Gemesterschluß.
Von Hugh Walpole.
In drei Romanen — „Jeremy", „Jeremy unb fein Hund", „Jeremy auf der Schule" — hat der britische Dichter Hugh W a l p o l e die Kindheit eines englischen Knaben beschrieben. Wir bringen hier mit Erlaubnis des Verlages J^Engelhorns Nachf. in Stuttgart, des deutschen Verlegers von Walpole, den Schluß des letzten Bandes der Trilogie, in welchem gesch'lder wird, wie der junge Jeremy auf der Schule von feiner Kindheit Abschied nimmt.
Sie hatten warten müssen, bis die Hausglocke ertönte, dann ftrömten fie in den Speisesaal und standen plötzlich mitten in aller Pracht. Der langgestreckte Raum war mit bunten Girlanden geschmückt, die Tische bedeckt mit Knallbonbons und mit Chrysanthemensträutzen übersät. Noch befriedigender als diese Chrysanthemen aber waren die Schuffeln voll Backwerk, die Berge von Obst — Orangen, Aepseln und Bananen — und die Mandeln und Rosinen. „ „ . , . , ... ~„
Leeson stand bereits zu Häupten der Vorstandstafel, als die Schuler hereinströmten, und rechts und links ihm zu Seiten standen die beiden Ehrengäste, ein langer hagerer Mann mit einem humorvollen Mund, der zweite, ein starker pausbäckiger Mann von ziemlich selbstzusriedenem Auftreten. Jeremy kannte einen der beiden gut und war entzückt, ihn da zu sehen. Er kam stets zum Weihnachtssest nach Cra^. Sem Name war Botbshorn. Er war Künstler, lebte in London und zeichnete Illustrationen für Bücher. Der einzige Künstler, außer Onkel Samuel, den Seremg jemals gesehen hatte. Das Wesentliche an ihm aber war keineswegs, daß er Künstler, sondern daß er ein glänzend komischer Bursche war, sxater nach Beendigung des „Fraßes" aufstehen, erstaunliche Gefchich en erzählen und die lustigsten Gedichte deklamieren würde — unentwegt mit demselben langen Gesicht, dessen Ernst der Mund so seltsam widersprach. Er war in der Tat Leesons besonderer Stolz. Jeder Junge, vom ältesten bis zum kleinsten, liebte ihn, und ohne seine Anwesenheit wäre kein richtiges Fest- essen denkbar^geweien.chrieb, gereml) belehrt wurde, Geschichten und verdiente Geld damit. Er sah aus wie jemand, der viel Geld macht und sich selbst Dank dafür weiß. Jeremy sand, er sähe aus, als hatte er sich bei jedermann in Gunst setzen wollen, allein im großen ganzen mochte es leichter fein, an Dem alten Pothshorn Gefallen zu finden. Der dicke Schriftsteller war vor vielen Jahren Schüler in Crale gewesen. Er ließ die Sonne seiner Huld aus jeden strahlen, als hätten fie alle glücklich sein müssen, daß er einmal wieder gekommen sei ... Kleine Jungens sind sehr scharfsinnig, sie spürten dies alle und beschlossen, ihm überhaupt kein Gefühl zu zeigen. Nachdem aber ßeefon das Tischgebet gesprochen und man Platz genommen, störten die Ehrengäste nicht im geringsten — sie waren völlig vergessen.
Jeremy war so glücklich, wie ein Sterblicher nur sein kann.
„Schinken, Zunge oder Huhn?", fragte der „glückliche Alfred" schweratmend hinter Jeremys Ohr. Der „glückliche Alfred" war Leesons Diener, allgemeines Faktotum, männliche Herrin der Vorratskammern.
„Zunge und Huhn", sagte Jeremy erwartungsvoll.
In riesigen Glaspokalen ging die herrlichste Orangeade herum, und nach dem Huhn gab es Pasteten und nach den Pasteten wieder Huhn und nach dem Huhn nochmals Zunge und nach der Zunge Auflauf^uno nach dem Auflauf nochmal Auflauf und dann noch ein drittes IDial Auflauf. Dann tarnen Aepfel, Drangen, Bananen, Mandeln unb Rosinen und Nüsse. Als man soweit war, war der Lärm allgemein. Jegliche Steifheit, die zu Anfang geherrscht haben mochte, war nun völlig geschwunden, und bemerkenswert war es, wie Mutter Bender sich zierte und kicherte und sich wieder ausblies im Gespräch mit dem dicken Roman-
Darauf erhob sich der geehrte Schriftsteller und fiel jedermann auf die Nerven durch seine Anspielungen auf „die liebe alte Schule", und „welcher Stolz unsere Herzen schwellen soll , und „jeder Stein der lieben alten Gebäude hatte seine Geschichte", und „die Schule ist doch gewissermaßen unsere Mutter", und „wieviel ihm diese Rückkehr bedeutete", unb „er fühlte sich als Freunb jedes einzelnen Anwesenden". Jedermann fühlte ungeheure Erleichterung, als er sich wieder setzte, wobei er alle Anwesenden anlächelte, wie wenn er sie alle erzeugt hätte.
schreiber, der es anscheinend für seine Pflicht hielt, gegen jedermann leutselig zu fein, damit jeder seine Leutseligkeit feststelle; und wie Frau Leeson, die in der Schule wegen ihrer rauhen Schale das Krokodil genannt wurde, diesen Panzer abwarf, um sirenengleich mit Hausältesten wie Llewellyn, der zufällig neben ihr saß, schön zu tun.
Wenn es etwas gab, das Jeremy liebte, so war es das Gefühl, jedermann glücklich zu wissen, und sicherlich war heute abend jedermann glücklich. Er fühlte geradezu die allgemeine Zufriedenheit ringsum branden. Ihm war, als hätte jeder am liebsten laut gesungen, und bald würde sich wohl allgemeiner Gesang erheben. Ader zuerst mußte Leeson seine Ansprache halten. Er erhob sich, schlug auf den Tisch, um Silentium herzustellen, unb sprach bann über bas abgelaufene Semester. Im Alltag hätten sie bas, was er ihnen zu sagen hatte, nicht sonberlich spannend gefunden, heute abend jedoch, durch Orangeade und Backwerk beschwingt, feucht von Hitze und Erregung, umschwirrt vom Gewirr froher Farben, fühlte jeder den Gedanken an bas „Haus" übermächtig in sich aufsteigen.
Das gute alte Haus! Was würbe man nicht alles bafür tun! Das liebe alte Haus mit seinen Ueberlteferungen, seinen Freunbschaften, seiner künftigen Geschichte ... an ber man auch selbst, wohlgemerkt, mitarbeiten würbe. Dies roar’s, was Schleicher gerabe vorbrachte: „Unter euch ist keiner, und wäre er noch so jung der nicht sein Teil beitragen muß, dieses Haus zum Ruhme Englands groß zu machen ..."
Ach ja, Wort für Wort sprach er alljährlich bas gleiche, unb wenn einmal bas Festessen vorbei war, hielt man es für Schmalz unb Brühe. Heute abend jedoch fand Jeremy Leesons Rede bedeutsamer als sonst. Wie er so dasaß, eine rote Papiermütze schief auf dem Ohr, unb Nüsse knackte, fühlte er, baß er künftig viel für bas Haus tun würbe — ganz bestimmt würbe er bas! Jemanb stieß ihn unter bem Tisch, unb kräftig stieß er zurück.
Jetzt aber war Schleicher bei bem Match angelangt: „Wir hatten bas Glück, in biesern Semester zum Callenbarspiel mehr Jungens zu stellen
Lag' Wenn ich von ber Erde roegfliege, werde ich Ihnen noch einmal bis wm letzten Augenblick danken und aus dem g«nzen Weg Ihren Namen vor mich hinsagen. So leben Sie denn wohl für Ihr ganzes Leben unb verzeihen Sie mir, was ich Ihnen angetan habe, und daß ich mich nicht vor Ihnen nieberroerfen unb deswegen um Verzeihung habe bitten können. Ich tue es nun in meinem Herzen So leben Sie wohl, Johannes, unb für immer Lebewohl. Und noch einmal Dank für (eben einzigen Tag unb jebe Stunbe. Ich kann nicht mehr.
Victoria.
Nun habe ich die Lampe anzünben lassen, unb es ist viel heller für mich. Ich habe in tiefem Schlaf gelegen und bin wieder weit ort von ber Erde gewesen. Gott sei Dank, es war nicht so unheimlich sur mich wie früher ich hörte sogar ein wenig Musik, unb vor oöem mar es nicht dunkel. Ich bin |o dankbar. Aber jetzt habe ich keine Kräfte mehr zum Schreiben. Leb wohl, mein Geliebter ...
Abendrot im Advent.
Von Wilhelm Schüssen. O wie deine milden Strahlen, Sonne aus bem alten Garten, All bie Nebel rosig malen! Und auf Straßen, winterharten, Wallt ber Tannenwalb zur Stabt, Will bork schenken, was er hat Im golbenen Tag, beim Sternleinprunken Ein Jahr hindurch an Glanz getrunken. Und es sehen Kinderherzen Nun bald ihre Christbaumkerzen In den Weihnachtsstuben glühen, In der Welt bas Wunber blühen.


