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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang <936 Montag, den 3. August Nummer 59
Der Diamant öes Raöfchah
von Robert Louis Stevenson
Copyright by Verlag Albert Langen / Georg Müller, München
4. Fortsetzung.
Als er erwachte, war es immer noch stockfinster« Nacht: die verhüllte Lampe an der Decke verbreitete nur ein ganz schwaches Licht: das Rasseln, Donnern und Schwanken des Wagens ließ ihn erkennen, daß der Zug mit unverminderter Geschwindigkeit fuhr. Von einer plötzlichen Ängst befallen, fuhr er empor; entsetzliche Träume hatten ihn gepeinigt, und es dauerte mehrere Sekunden, bis er wieder zu wachem Bewußtsein kam. Auch als er sich wieder ausgestreckt hatte, floh der Schlaf ihn-. So lag er wach, das Gehirn von einer fieberhaften Aufregung erhitzt und seine Blicke unverwandt aus die Tur des Waschrnumes geheftet. Er zog seinen breitkrempigen Hut, das Zeichen seines geistlichen Standes, noch tiefer ins Gesicht, um selbst den schwachen Lichtschein der Lampe abzuhalten, und versuchte alle die übrigen Mittel, um schneller einzuschlafen: er zählte bis Tausend, suchte jedes Denken zu verbannen und so weiter. Aber alle diese Mittel erwiesen sich als machtlos: Rolles wurde von einem Dutzend verschiedener Angstgefühle gequält. Der alte Diktator am anderen Ende des Wagens erschien ihm in den furchtbarsten Gestalten, und wie er auch zu liegen versuchte, der Diamant in seiner Tasche verursachte ihm ein fühlbares, körperliches Unbehagen. Der Stein brannte, er war zu groß, er drückte auf feine Brust, daß ihm die Rippen schmerzten, mehrere Male fühlte er eine blitzschnelle Versuchung, den Stein zum Fenster hinauszuwerfen.
Während er so dalag, ereignete sich etwas Seltsames.
Die Schiebetür zum Waschraum bewegte sich ein kleines Stückchen und dann noch ein kleines Stückchen und wurde schließlich so weit zurück- aeschoben. daß eine Spalte von ungefähr zwanzig Zoll entstand. Die Lampe im Waschraum hatte keinen Schirm, und in der Hellen Oeffnung, die infolgedessen entstanden war, konnte Rolles den Kops des alten Vandeleur bemerken, der mit gespannter Aufmerksamkeit in sein Abteil hineinspähte. Er fühlte, wie der Blick des Diktators auf seinem eigenen Gesicht lag, und das triebmäßige Gefühl der Selbsterhaltung veranlaßte ihn, seinen Atem anzuhalten, ohne jede Bewegung feine Augen geschlossen zu lassen, um unter den Wimpern hervor seinen Besucher zu beobachten. Nach einem kurzen Augenblick wurde der Kopf zurückgezogen und die Schiebetür wieder geschlossen.
Der Diktator war nicht in der Absicht gekommen, einen Angriff zu machen, sondern zu beobachten: es war offenbar nicht seine Absicht, einen anderen Menschen zu bedrohen, sondern er fühlte sich selber bedroht! Wenn Rolles sich vor ihm fürchtete, so hatte er allem Anschein nach ebenfalls einige Besorgnisse in bezug auf Rolles, er schien nur gekommen zu sein, um sich zu überzeugen, daß sein einziger Mitreisender schliefe, und hatte sich sofort wieder zurückgezogen, nachdem er dies festgestellt hatte
Der junge Geistliche sprang auf. An die Stelle seiner Furcht war ein tollkühner Wagemut getreten. Er überlegte sich, daß das Rasseln des Blitzzuges alle anderen Geräusche übertönte, und beschloß, unbekümmert um die Folgen, den soeben erhaltenen Besuch zu erwidern.
Er zog seinen Mantel aus, der ihn in seinen Bewegungen hätte hindern können, ging in den Waschraum und blieb dort stehen, um zu horchen. Wie er erwartet hatte, war nichts anderes zu hören als das Rattern des Zuges. Er erfaßte den Knopf der anderen Schiebetür und zog sie vorsichtig um etwa sechs Zoll zur Seite. Und dann entfuhr ihm unwillkürlich ein Ausruf der Ueberraschung.
John Vandeleur trug eine Reisepelzmütze mit Ohrenklappen: diese, in Verbindung mit dem Donnergerassel des Zuges, verhinderten ihn vielleicht, von dem Besuch des Herrn Rolles etwas zu bemerken. Jedenfalls blickte er nicht auf, sondern fuhr in einer seltsamen Beschäftigung fort. Vor ihm stand eine offene Hutschachtel: in der einen Hand hielt er den Aermel seines Pelzmantels, in der andern ein langes Messer, mit welchem er soeben das Futter dieses Aermels aufgeschlitzt hatte.
Rolles hatte davon gelesen, daß manche Menschen Gold in einem Leibaürtel trügen; da er aber in seinem Leben nur Kricket-Gürtel gesehen hatte, so hatte er sich niemals eine richtige Vorstellung machen können, wie so eine Geldkatze aussähe. Jetzt aber erblickte er etwas nach viel Sonderbareres: John Vandeleur trug allem Anschein nach Diamanten in dem Futter seines Aermels, denn der junge Geistliche sah einen blitzenden Brillanten nach dem andern in die Hutschachtel fallen.
Unfähig, eine Bewegung zu machen, blieb er auf dem Fleck flehen und sah dem Diktator bei feiner eigentümlichen Beschäftigung zu. Die
Diamanten waren größtenteils klein und fielen weder durch Größe nach durch Feuer auf. Plötzlich schien dem Diktator ein Hindernis zu begegnen; er mußte beide Hände zu Hilfe nehmen und beugte sich dabei vorneüber; trotzdem dauerte es eine ziemliche Zeit, bis er ein großes Brillanten- Diadem aus dem Aermelsutter zum Vorschein bringen konnte. Dieses hielt er hoch und betrachtete es einige Sekunden, bevor er es zu den anderen Edelsteinen in die Hutschachtel legte.
Die Tiara war für Rolles eine Erleuchtung: er erkannte in ihr sofort einen Teil des Schatzes, den der Strolch dem unglückseligen Harry Hartley geraubt hatte. Hierüber kannte kein Zweifel obwalten: sie sah genau so aus, wie der Geheimpolizist sie ihm beschrieben hatte! Da waren die Rubinsterne, da der große Smaragd in der Mitte, da die van Brillanten gebildeten Halbmonde und die birnenförmigen herabhängenden Brillanten, die das Diadem der Lady Vandeleur so besonders wertvoll machten.
Rolles fühlte sich ungeheuer erleichtert: der Diktator war in den großen Diebstahl ebenso verwickelt, wie er selber — keiner durste den anderen verraten! In diesem Glllcksgefühl stieß der junge Geistliche einen tiefen Seufzer aus; und da ihm in den vorhergehenden Stunden der Angst die Kehle trocken geworden war, so folgte diesem Seufzer ein Husten.
John Vandeleur blickte auf; eine wilde Leidenschaft verzerrte sein Gesicht; seine Augen waren weit ausgerissen, und in einem Erstaunen, das an Wut grenzte, klappte sein Unterkiefer herunter.
Mit einer triebmäßigen Bewegung hatte er den Mantel über die Schachtel gedeckt. Eine halbe Minute lang starrten die beiden Männer schweigend einander an. Dieser Zeitraum war nicht lang, aber er genügte dem jungen Mann. Er war einer von den Menschen, die in gefährlichen Augenblicken schnell denken können, und er beschloß, so kühn wie möglich zu handeln. Und obwohl er fühlte, daß er sein Leben aufs Spiel setzte, war er der erste, der das Schweigen brach.
„Ich bitte um Verzeihung", sagte er.
Der Diktator zuckte zusammen, und seine Stimme war heiser, als er fragte:
„Was wollen Sie hier?"
„Ich interessiere mich ganz besonders für Diamanten", antwortete Rolles mit vollkommener Ruhe und Selbstbeherrschung. „Zwei Kenner sollten Bekanntschaft miteinander machen. Ich habe selber eine Kleinigkeit hier, die vielleicht dazu dienen mag, die Bekanntschaft zu vermitteln."
Mit diesen Worten zog er in aller Ruhe das Kästchen aus der Tasche, zeigte dem Diktator einen Augenblick den Diamanten, steckte ihn wieder ein und sagte:
„Er gehörte früher ihrem Bruder."
John Vandeleur fuhr fort, ihn mit einem beinahe schmerzlichen Erstaunen anzustarren; aber er sprach kein Wort und machte keine Bewegung.
„Ich bemerke mit Vergnügen", begann Rolles wieder, „daß wir Edelsteine aus derselben Sammlung besitzen."
Die Ueberraschung war zu stark für den Diktator und er sagte:
„Bitte um Verzeihung — ich beginne zu bemerken, daß ich alt werde! Ich bin tatsächlich für solche kleine Zwischenfälle nicht mehr gerüstet. Aber beruhigen Sie mich wenigstens über eins: täuschen meine Augen mich, oder sind Sie wirklich ein Pfarrer?"
„Ich bin geistlichen Standes", antwortete Rolles.
„Nun!" rief die andere, „bann will ich, solange ich lebe, niemals wieder ein Wort gegen den Talar sagen!"
„Sie schmeicheln mir", sagte Rolles.
„Verzeihen Sie mir", versetzte Vandeleur, „verzeihen Sie mir, junger Herr! Sie sind kein Feigling, aber wir müssen erst noch sehen, ob Sie nicht vielleicht der allergrößte Dummkopf sind. Vielleicht", fuhr er fort, indem er sich auf feinen Platz zurücklehnte, „vielleicht würden Sie fo freundlich fein, mir noch einiges zu sagen. Ich muß annehmen, daß Sie bei der erstaunlichen Frechheit Ihres Vorgehens einen gewissen Zweck verfolgten, und ich gestehe, daß ich neugierig bin, diesen kennenzulernen." „ c
„Er ist sehr einfach", antwortete der Geistliche; „er erklärt sich durch meine große Unerfahrenheit in allen Dingen des Lebens." *
„Es wird mich freuen, wenn Sie mich davon überzeugen", antwortete Vandeleur. , ,
Hierauf erzählte Rolles ihm die ganze Geschichte, wie er mit dem Diamanten des Radschah in Verbindung gekommen war. Van dem Augenblick an, da er ihn in Raeburns Garten gefunden hatte, bis zu dem Augenblick, da er im „Fliegenden Schotten" London verlassen hatte Er schildert« in kurzen Worten seine Gefühle und Gedanken während der Reise und sagte zum Schluß:
Als ich die Tiara erkannte, da wußte ich, daß wir beide uns in der "gleichen Sage der Gesellschaft gegenüber befinden, und es erfüllte


