tut er es
so in die Luft zu werfen.
„Warum tust du es?", sagt Peter.
Simon bleibt stehen und erklärt es ihm.
„Das ist Weizen", sagt er, „ich säe ihn, und dann wächst er, und dann wird wieder Weizen. Wir müssen verhungern", erklärt der Vater, „wenn
Ahnen atmen ...
Bon Willy Arndt.
Ahnen atmen mit dir ein und aus, gehen um in Hof und Haus. Kindersang der frühen Sippen, Mutterlied und Vaterbraus hallt und schallt von deinen Lippen.
Oefsnest du im Flur die bunte Truh, sehen ihre Augen zu.
Manchmal, wenn die Türen schlagen, hörst du schollenschweren Schuh, der einst schritt in alten Tagen.
Beugst du dich am Brunnenrand, schöpfest du mit ihrer Hand.
Von dem Fleiße ihrer Spaten nährt sich noch dein Gartenland, wird dein Tagewerk geraten.
Und beim Nennen deines Namens schon sprichst du wie in ihrem Ton.
Wenn du weinst, und im Gelächter bist du Tochter, bist du Sohn in der Kette der Geschlechter.
Immer wieder Hochzeit, Tod und Tauf und der Enkel erster Lauf.
Leben geht des Segens trächtig, Anfang schießt aus Anfang auf in der Zeugung übermächtig.
geht er auf die Tenne, dort liegt Brot auf einem Weizenschafs Regina bat aesaqt daß man kein Stück Brot wegwer,en darf, man muß es nur iraendwo 'hinlegen für die armen Seelen. Peter sicht leben Tag nach, er legt auch ein neues, besonders schönes Stuck Bro dazu aber nein - bi die armen Seelen sind nicht hungrig. Oder vielleicht hoch? Einmal ist wirklich etwas von seinem Brot verschwunden, dafür liegen schwarze Körnchen auf dem Brett. Peter sammelt sie forgsaltig und bringt sie in
*21*"° sagt Regina, „du Ferkel — wo findest du nur allen Unrat!
Und Beter ist ein wenig bekümmert über den Undank der armen Seelen die wohl sein Brot essen mögen, aber Mäufedreck dafür zuruck-
und ihren nackten feisten Bäuchen. Frierend, wie eint Schar trübseliger Gespenster stehen sie aus der neuligen Halde.
Peter nimmt die Schere und macht sich daran, den ~jgel zu scheren. Das gelingt ihm ja nicht, aber es ist doch rätselhaft, daß Peter niemals klüger werden will. Simon ist vielleicht zu gut mit ihm, er straft ihn zu wenig. Auch, als er von Regina die Geschichte mit dem Igel erfuhr, chwieg er und sagte nichts.
Am Abend aber nahm er Peter mit sich und erzählte ihm etwas: Bon einem außergewöhnlich dummen Menschen. Von einem Kerl, der so unbeschreiblich dumm war, daß er einen Igel scheren wollte! „Oho, kannst du dir so etwas denken? Einen Igel? Aber es ist vielleicht gar nicht möglich, daß es so dumme Leute gibt. Nein, nein, bas wohl nicht!"
Ja, Winter und Sommer, viele Jahre lebt Peter nun schon, aber jedes ist anders für ihn.
Er sieht die Saat aufgehen und das Korn blühen, es ist gut, wenn es regnet, und schlimm, wenn die Hitze zu lange dauert, ja, der Hafer gerat nicht in jedem Jahr.
Simon zieht den Wagen aus der Tenne. Morgen wird das Heu ein- gefahren, heute nicht mehr. Der Vater geht über den Anger und zur Mühle hinunter, Peter sieht recht gut, daß er langsam geht und über einen Stein stolpert, er ist wohl müde. Ja, ja, laßt das Heu bis morgen, es wird vielleicht doch nicht regnen!
Simon ordnet die leeren Säcke in der Kammer. Diese Stube ist sein Kontor, hier rechnet er mit Gold, mit Silberstücken. Simon ist kein Geizhals, im Grunde verachtet er (eine halsten Taler sogar ein wenig, sie wachsen nicht, sie sind tot. Aber er legt eins zum andern und hat feine stillen Gedanken habet. u
Die Dämmerung kommt, der freundliche Abend, Simon riegelt die Tür ab und geht heim. — Nein, da ist er wohl zu weit unten angekommen! Der Mann schaut sich um. Was ist das, hier muß doch Heu liegen, in Gassen ausgeschlagen, eine Menge Heu für morgen früh! Simon brummt, das ist doch nicht möglich, alles leer, wie ausgekehrt. Er findet eine frische Wagenspur im Feld, bann kommt er an eine Grube, und hier ist keine Spur mehr zu sehen, nur einige Löcher im Boden und ein paar Handvoll Heu da und dort. Simon betrachtet sich diesen Platz, und bann lacht er.
Hoho, ba ist ein Heuwagen gesahren, ba hat jemand tüchtig gearbeitet in der kurzen Zeit, das wohl! Aber was nun die Kunst betrifft, einen Heuwaqen so aufzuladen, daß er nicht umfällt, wenn eine Grube kommt?
Es ist so schön warm und still, Simon hat keine Lust mehr, sogleich heimzugehen, er bleibt noch eine Weile auf dem Anger fitzen, ungefähr so lange, wie man braucht, um einen Heuwagen abzuladen. Da hockt er auf ein paar Lärchenstämmen, ein schwarzer, unförmiger Klumpen in der Dunkelheit. Das Haus wird licht, die beiden Fenster, nun stellt Regina wohl die Schüssel auf den Tisch. Peter kommt herein und ist sehr hungrig: „Was, ist der Vater noch nicht da?"
Ach der Vater! Der sitzt allein in der Nacht auf dem Anger, seht ihr wohl, er ist sehr bewegt, darum kann er nicht einfach hineingehen und das Brot austeilen wie sonst. Peter — es ist noch nicht lange her, daß er ihn auf dem Arm trug, und heule fuhr er ganz allem nut dem Heu- magen vom Feld. Er hat vielleicht gesehen, wie Simon den Wagen herauszog, es war noch früh am Abend und Zeit genug, dieses Fuder hereinzubringen. Aber Sim m war müde. Heute nicht mehr, sagte er, morgen! Ja, und bann spannte Peter den Fuchs ein, das weiß Simon recht gut, wie schwer es für den kleinen Knirps fein muß, diese Menge Heu aufzuladen. Vielleicht fuhr er ein wenig zu schnell und warf um, auch das noch! m , .
Es ist ja im Grunde nichts Ueberwältigendes, was Peter da vollbrachte, keine entscheidende Tat. Das Heu wäre wohl auch morgen noch gut und frisch gewesen. Aber er hat es ungeheißen getan, er sah, was not tat, und griff zu. Darum ist Simon so gerührt und froh, er ist nicht mehr allein, er hat einen Gehilfen, sich selbst ein zweites Mal, dieselbe Hingabe, dieselbe Geduld, aber jung und am Anfang ihrer Kraft.
Simon nimmt den Knaben manchmal mit sich. Peter geht gern mit ihm der Vater hat eine tiefe Stimme und einen merkwürdigen Knopf im Halse, der langsam auf und ab steigt, wenn er redet. Simon spricht mit ihm und auch Peter verliert zuweilen ein Wort. „So? , meint der Pater erstaunt, „sagst du Hafer?" Oh, Peter redet sehr viel, wenn er allein ist, er spricht mit (einen Kühen und auch mit der Henne. Die ermuntert er mit herzlichen Worten, doch ein Ei vor ihn hinzulegen Es ist die kleine braune Henne, die Mutter sagt von ihr, daß sie nut Gold nicht aufzuwiegen fei. Sie fitzt jetzt im Sand vor dem Hause Peter macht einen Bogen und kriecht auf dem Bauche naher, dann liegt er still und wartet. Aber die Henne steht plötzlich auf und entfernt sich entrüstet. Sie läßt sich nicht von hinten zuschauen, wenn sie Eier legt.
Regina ist oft böse mit ihm in ihrer heftigen Art, allein Peter nimmt das nicht übel, es gehört wohl zum Leben. Es ist dieselbe Sache wie mit der Tür, die zehnmal hinter ihm zufällt, und beim elften Male trifft fie feine Finger — man weiß nicht, wie das eigentlich kommt. Wenn Regina zornig ist geht Peter still hinaus und trägt einen ganzen. Vormittag lang Holz in die Stube, ein Scheit nach dem andern, eine Fuhre, wenn es fein muß. Plötzlich lacht die Mutter und fchenkt ihm einen heißen Krapfen, dem närrischen Kerl. ,, . .,
Seltsam ist, daß Peter fast nie lacht. Es gibt nichts Luftiges für ihn, er hat den Ernst eines kleinen Tieres, aber auch dieselbe Munterkeit, den Gleichmut und die heitere Gelassenheit der Tiere. Seine Augen sind groß, bläulich und seucht, er zwickt sie ein wenig zusammen, wenn ihm etwas einfällt, was er nicht fagt. Peter wächst nur wenig, und feine Beine find noch immer nicht ganz gerade. Ader sonst ist er ein recht hübsches Kind geworden, obwohl er selbst nicht viel Wert auf einen sauberen Hals und ähnliche Vergänglichkeiten legt. . r
Allmählich lernt Peter alles kennen, die vielerlei Tiere, Acker und Wiese, Weide und Wald. Er kennt Blumen mit sonderbaren Blüten, die laut knallen, wenn man sie auf den Handrücken schlägt. Das ist Taubenkrvpß dort ist geringeres Futter, wo er wächst. Er weih, warum die Kühe plötzlich den Kopf schütteln und wie sie wahnsinnig über die Halde rennen: fie sind in ein Wespennest getreten. Manchmal rührt ihn etwas an, em Schauer, ein leichtes Gruseln in der warmen Sonne. Stern hebt den Kopf, plötzlich hört fie zu fressen auf und brüllt. Ja, vielleicht weil die Sonne scheint, weil es gut und hell ist auf der Halde. Oder er findet einen Grashalm, einen langen Halm unter vielen anderen, der niedergetreten worden ist, und der sich nun wieder ausrichtet, unendlich langsam, mit kleinen Nucken. Peter steht vor ihm und schaut.
Vieles ist merkwürdig. Merkwürdig sind die Schafe, die fo eng Zusammengehen, daß sie kaum fressen können. Merkwürdig sind auch die Kühe, die überall weiden, aber niemals von oben nach unten.
Was tauft du?", fagt Peter zur Kuh. Ader sie gibt keine Antwort.
Simon geht über den Acker und fät den Weizen. Peter ist hinter ihm, er sieht daß der Vater die Hand hebt und Körner ausftreut. Vielleicht
' für die Vögel ober weil es ihn freut, diese glänzenden Korner 3uft zu werfen.
ich das nicht tue."
Und Peter? Darf er auch Weizen werfen?
Nein, du mußt größer werden, du reichst noch nicht hoch genug mit deiner Hand. Aber du kannst die Steine zufammenfuchen, auf dem ganzen Acker, wenn du willst." , ..
Und Peter will. Geduldig fammelt er die Steine und geht über das Feld, fo wie der Vater über den Acker wandert.
Peter hilft überall mit und ist ein tüchtiger kleiner Kerl. Es gibt keine Arbeit die nicht sofort feinen leidenschaftlichen Eifer entfacht. Nun deckt der Vater zum Beispiel die Jauchegrube ab. Das geschieht nur em einziges Mal im Jahr, daß Simon hier die Bretter wegnimmt und den langen Schöpfeimer in die Tiefe taucht. Es stinkt. 0 Gott, es gibt nichts in der Welt, was so wunderbar stinkt wie eine Jauchegrube! Simon spannt die Stute ein und fährt mit dem Trog über die Felder, Peter aber geht hinterdrein und macht den Schieber auf, wo es nottut.
Dann wird Mist gestreut, auch das ist eine merkwürdige Arbeit, besonders aus der Wiese hinter dem Haus, die so steil ist, daß man nicht mit dem Wagen darauffahren kann. Simon bindet oben eine Rolle an die Zirbe und legt ein doppeltes Seil über das Feld, mit einem eisernen Haken an jedem Ende. Nun hat der Vater einen großen, einen ungeheuren Korb voll Mist auf dem Rücken, er bindet sich einen Strick um den Bauch und hängt sich unten an das Seil. Peter aber steht mit dem Pferde oben bei der Rolle, und wenn der Vater fertig ist, bann zieht die Stute an. Oh, Simon schwebt mit der Leichtigkeit eines Engels über den Hang hinauf! Der Vater schnauft, und Peter pfeift, das ist so Brauch bet den Fuhrleuten. _
Im Herbst bringt Simon die Schafe aus dem Kar. Sie bleiben noch eine Weile im Stall, damit sie sich ein wenig säubern und ihr ungebärdiges Wesen verlieren, dann aber werden sie geschoren. Die kleineren nimmt der Vater zwischen die Knie, die größeren und die Widder müssen angebunden werden, aber alle sehen furchtbar aus mit ihren dünnen Halsen


