Ausgabe 
31.5.1935
 
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Einer und Eine.

Von Ruth Schaumann.

Die Sonne spielt mit dem Morgenwind, Wenn Einer und Eine zusammen sind. Der Morgenwind, der ist noch ein Kind, Wenn Eine und Einer zusammen sind.

Die Vögel lobsingen im Blumental, Küßt Einer die Eine das erstemal, Von allen zumal die Nachtigall, Küßt Einer die Eine das erstemal.

Die Fische, die springen im Wasserhaus, Gibt Eine dem Einen den Blumenstrauß. Am Wasserhaus löscht der Mondschein aus, Gibt Eine dem Einen den Blumenstrauß.

Die Engel öffnen die Himmelstür, Gibt Einer der Einen sein Herz dafür.

Die Himmelstür begehre ich mir. Gibt Einer der Einen sein Herz dafür.

d> in er fah ja wohl selber ein, wie lächerlich seine Rede gewesen war. Erst nach langer Zeit kam er zu einer ordentlichen Rede, der Freund

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Oie fünfzig Dukaten.

Eine Komödiantengeschichte von Paul E r n st.

Ein junger Offizier besuchte das Theater, sah Aurelien in ihrer großen

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Der Freund hatte von der Schauspielerin wohl keine hohe Meinung, «er so roh er war, fühlte er doch, daß er den andern schonen mußte, öumerhin aber verstand er nichts weiter, als daß er ihn fragte, ob er iiniges Geld zur Verfügung habe, und ihm dann riet, der Angebeteten eien verhältnismäßig kostbaren Ring zu schenken. Der junge Mann scwang sich den Hut auf den Kopf und stürzte aus dem Zimmer; es cir schon Nacht, alle Läden waren geschlossen, und er konnte keinen Ring sivhr kaufen. , . ...

Als er nun so, halb gedankenlos und von seiner Unruhe getrieben, dich die Straßen Roms eilte, fühlte er einen heftigen Widerwillen gqen seinen Freund und seine Wohnung. Die Kälte und Gleichgültigkeit h.3 andern war ihm fürchterlich, als sei er sein Todfeind. So ging er binn in einen Weinkeller, setzte sich abseits an einen Tisch; der Wirt diachte ihm eine Oellampe und Wein.

Im Sommer, an einem blühenden Hang, auf welchem der Sonnen« dein liegt, kann man beobachten, wie ein seltener Schmetterling scheinbar ^schlüssig flattert, sich aus eine Blume setzt, den Rüssel entrollt und m itn Kelch taucht, in Wonne die Flügel entfaltet; dann, nachdem er den hinig genossen, die Flügel wieder zusammenschlägt, sinnend eine Weile litt und endlich weiterfliegt. Plötzlich erscheint ein anderer Falter seiner Srt, ein Männchen. Die kleinen Tiere sind selten, in weitem Utnfrei[e v hte vielleicht allein dieses Weibchen vor dem Wind; wie konnte das Männchen über die große Entfernung fühlen, daß hier em Weibchen euer Art war? Wir können nicht wissen, durch welche Mittel Natur ii se beiden Wesen zusammengebracht hat, die sich nun im Sonnenschein iiergaukeln, umtaumeln und umspielen, sich vereint auf Bluten setzen, sch trennen, sich wiederfinden und endlich für immer auseinandergehen.

Aurelie wohnte in dem Hause, wo unten der junge Offizier saß. Er vißte es nicht. Es kam ein Mann mit einem Kasten vor sich, der Papier >i. kaufte, geschnittene Gänsekiele und Tinte. Der Offizier kaufte ihm einen Ligen Papier ab und Schreibzeug. Seit er ins Heer getreten töar-J>at^ n nicht mehr geschrieben; bei dem Lichte der kleinen Lampe, wahrend im Hintergründe Ptänner würfelten, am Nebentische einer eine lange Ge­lachte erzählte, bildete er ungefüge Schriftzeichen, durch welche er aus- i> icken wollte, was er fühlte. Er schrieb, er habe fünfzig Dukaten al L ute von einem gefangenen Obersten, diese fünfzig Dukaten seien s Mzes Geld; er lege sie ihr zu Füßen; er sei so traurig,.daß er weinen mchte, er schäme sich, daß er nicht mehr habe; aber er habe! nich mehr l> die fünfzig Dukaten, die er ihr zu Fußen lege. Wie das gesißrie- in hatte, dachte er nach, denn er wollte ihr noch mehr schreiben, aber « wußte nicht, was er noch schreiben sollte; die Augen brannten ihm, cZ Herz stockte ihm. Die andern Leute gingen allmählich "ach Hause, 1(' Wirt trat zu seinem Tische und fing ein Gespräch an, in welchem er Deutete, daß auch für ihn Zeit zum Gehen sei. Lange verstand er Ucht, was der Mann meinte, denn er hörte, wie man im Nebel fleht.

Eidlich wurde ihm alles klar, er bezahlte feinen Wem, faltete fein ge-

Dlle und verliebte sich in sie.

Ein italienischer Offizier aus der Zeit um 1600 war kein eleganter (tiger Herr. Unser Held war schon mit zwölf Jahren, nachdem er zu fiuse vom Pfarrer notdürftig Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt, zum her gekommen, hatte zuerst unter seinem Vater gedient und war bann iimählich itn fünsundzwanzigsten Jahre zum Hauptmann aufgerückt, bn milder Gesittung hatte er in seinen nun dreizehn Dienstjahren nichts nähren, und die Marketenderinnen und Soldatenfrauen waren die mzigen weiblichen Wesen, die er kennengelernt hatte.

Ec ging aus der Vorstellung wie betrunken nach Hause. Sein Freund, Itit dem er zusammen wohnte, wunderte sich über sein Aussehen; der jtnge Mann erzählte begeistert und abgebrochen; nach einigen Sätzen piff der Freund und rief aus:Ach so, verliebt!" Dem jungen Mann (träten die Tränen aus den Augen; er umarmte den Freund, fluchte ii d schwur, er wolle aus dem Fenster springen und sich unten auf dem s läster den Hals brechen; der Freund wunderte sich über die Heftigkeit |ener Leidenschaft und suchte ihm klarzumachen, wie Freunde in ihrer kiltbliitigke.it das so tun, daß er gar keinen Grund habe, sich aus dem Btnfier zu stürzen; wieder kamen dem andern die Tränen; er wußte

tarn T« jjinfter zu stürzen; wieder kamen dem andern die Tränen; er wußte ier war, | licht, was er sagen, wie er die Unruhe seines Herzens ausdrücken sollte, i zu *' rin ör mnhf fpfh-pr pin mip fnrhprftch fpine Oßtücfcn tDQt.

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schrlebenes Blatt zusammen, steckte es kn feine Brustkasche tmfi gTrtg. 4

Er ging burch bie schweigenben Straßen Roms, ber Monb begtet» tete ihn. Bis zur Morgenbämmerung ging er. Dann öffneten sich die Türen ber Häuser, verschlafene Gesichter ber Dienstboten sahen heraus, Arbeitsleute mit eiligen Schritten waren auf ber Straße. Er ging zum Theater, es war noch niemand wach. Er wanderte wieder durch die Straßen, ging bann wieder zum Theater; da waren die Leute, welche auf der Bühne arbeiteten. Er fragte sie nach Mureliens Wohnung; sie antworteten ihm, und er dankte; dann ging er zu Aureliens Wohnung.

Als er in ihr Zimmer trat, konnte er nicht sprechen. Er blieb am der Tür stehen, den Hut in der Hand; sie saß auf einem Stuhl und blickte ihn erstaunt an. Da faßte er sich Mut, nahm seinen Geldbeutel aus der Tasche und setzte ihn vor sie hin, zog den Bries vor, entfaltete ihn und gab ihn ihr in die Hand. Sie fah den jungen Offizier an, den Beutel, den Brief; bann las sie, würbe rot; er würbe rot unb schlug

bie Augen nieber; sie lachte leise verlegen; er sagte:Nun will ich

gehen" unb nahm bie Klinke in bie Hanb.

Aber sie ließ ihn nicht gehen, unb er blieb in ber Stube, er setzte

sich an ben Tisch; mit stockender Stimme sprachen die beiden, unb er

blieb lange Stunden bei ihr, Stunden, die wie Minuten waren; es schlug von der Turmuhr gegenüber; da war es Abend geworden, unb Aurelie mußte ins Theater gehen.

Der Offizier ging allein bie Straße hinunter, ba tarnen ihm feine fünfzig Dukaten ins Gebächtnis. Der Oberst war ein tapferer Mann ge­wesen, dem er sie abgenommen; er hatte ihm einen Hieb quer über das Gesicht gezogen, baß ihn bas Blut blenbete; da erst ergab er sich. Nun waren die fünfzig Dukaten fort. Seufzend griff er in die Tasche, wo er den Beutel getragen hatte.

Aber wie er die Hand zurückzog, hatte er den Beutel, seinen Beutel! Er zog ihn auf, faßte hinein, holte das Geld heraus und ließ es wieder zurückfallen: das waren feine Dukaten, und zwei große Kupferftücke waren noch dabei.

Eilig ging er zurück; da traf er Aurelien, bie gerabe aus ber Tür trat. Er hielt ihr den Beutel hin. Sie lachte, nahm feinen Arm und zog ihn mit sich; bann sagte sie:Du hast mir alles geschenkt, was du hattest, bas waren fünfzig Dukaten; ba war es nur natürlich, baß ich bir alles schenkte, was ich hatte, bas waren bie fünfzig Dukaten von bir unb außerbem zwei Solbi, die ich vorher besaß. Das war mein ganzes Geld." Er wollte etwas erwidern, sie befahl ihm lachend, er solle den Beutel einstecken; unb sie befahl es in solchem Ton, daß er gehorchte.

Nun gingen sie eine Weile zusammen Arm in Arm. Dann sagte ber Offizier:Ich kann bir ja nicht zumuten, mich zu heiraten, wie ich jetzt bin. Ader ich habe von meinem Vater einen alten Turm mit einigen Ackern Laub geerbt. Wenn bu willst, so heiraten wir und wohnen dort."

Sie schüttelte den Kopf, und Tränen kamen ihr in die Augen. Dann zog sie ihren Arm aus dem (einigen, reichte ihm die Hand und sagte: Wir wollen eine Erinnerung an diesen Tag behalten, denn mehr ist nicht möglich als dieser Tag. Und diese Erinnerung soll kein Leid und kein Vorwurf sein, sondern immer eine Freude. Deshalb dürfen wir uns nie wiedersehen."

Bei diesen Worten waren sie an dem Hintertürchen angekommen, durch das die Schauspieler ins Theater gehen. Ehe er es sich versah, hatte sie die Tür hinter sich zugeschlagen, und er stand allein auf der Straße. Ein Arbeiter mit einem großen Korb stieß ihn an und sagte etwas Grobes; ba wachte er aus seinem Nachbenken auf und ging fort.

Wolfram Brockmeier.

Ein junger deutscher Dichter.

Von Hanns Arens.

Wolfram B r o ck m e i e r darf zu den wenigen wirklich wesentlichen jungen Lyrikern unserer Zeit gerechnet werden, die mehr als ein nur oberflächliches und gelegentliches Interesse beanspruchen dürfen. Es ift so viel künstlerische Reife unb intuitive Erkenntnis über rhythmische unb geistige Zusammengehörigkeit in seinen Gebichten, baß auch ber der Lyrik abgewandte Leser eine stärkere Stimme in ihm verspürt als bei den meisten andern Dichtern unserer Tage. Hier eine Probe:

Gleichnis.

Ich sitz am Tisch in einem Kreis aus Licht, Vorn Walde weht ein lebendiger Geruch Und Nacht, die mit Stimmen ber Tiere spricht. Ich aber schweige, es wächst ein Gesicht, Unb Nachtwinb flüstert mir freunblichen Spruch.

So sitz ich unb sinne, da rührt es sich leis: Eine Spinne fällt, die den Faden gewirkt Vorn dunkeln Gebälk zum erleuchteten Kreis; Und die nächtliche Spinnerin seh ich und weiß: Wir alle streben in eigenem Gleis

Aus Dunkel zum Ring, ben bie Flamme umzirkt.

Dieses Gebicht bürste für ben Dichter mehr aussagen, als es Versuche, seine Verse kritisch zu roürbigen, vermöchten.

3n Brvckmeier, 1934 ausgezeichnet mit bem Dichterpreis der Stabt Leipzig, offenbart sich bie Begabung eines Lyrikers von ganz seltener Originalität, bie fest im rein Dichterischen gefügt ist. Brockmeier ist Lyriker in bes Wortes ureigenster und tiefster Bedeutung; feine lyrische Begabung ruht als Anlage in ihm.

Schon seine beiden früheren GedichtbändeEwiges Deutsch­land" undSturm unb Beschwörung" ließen seine weit überburch- schnittliche formale unb bichterische Begabung erkennen. Gewiß, unb bas joll auch nicht verschwiegen werben, fanben sich in biesen ersten Büchern einige Verse, bie das Maß des Gewohnten nicht überragten; aber sie waren nicht eigentlich schwach unb belanglos als dichterische Gebilbe schlechthin, sie übermittelten nur nicht, gemessen an seinen ganz reifen Leistungen in ben genannten Biinben, bas absolute Gefühl der Not-