Ausgabe 
30.9.1935
 
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Verantwortlich: Dr. Hans Thtzriot. - Druck und Verlag: Brühl'fche Llniverlitäts-Vuch. und Steindruckerei. 2t. Lange. Dieben.

kgednnroie ein Schuljunge. Sie schien genau 10 oerangen u«., wegen ihrer heimlichen mütterlichen Fürsorge. Allem der Hund Tonio war der Lierr der Situation. Er tat etwas, worauf Klaus nie gehofft hätte: er reichte ihm sine dicke, kameradschaftliche Pfote. Und spater hielten alle drei ein gemütliches Frühstück am Ufer ab.

Das Motorboot surrte flink über die Havel. Tonio kauerte mit ge­schlossenen Augen Klaus zu Fußen. Eme dicke Freundschaft war im Werden. Diana steuerte und redete kaum etwas.Schließlich sind nicht alle Männer egal", bemerkte Klaus unvermittelt.Meinen Sie nicht, daß wir uns vertragen würden, Diana?"

'Aie"s°llter^istch" feige fein - wegen der paar üblen Burschen-

von denen Sie mal hörten, kann man doch nicht allen den Stempel

auf die Planken. Immerhin haben sie im Kriege noch ganz anders ^^^^Wierüel^Zeit ^oe^trichen war, konnte er, von allerhand nebelhaften Träumen umfangen, nicht errechnen. Alle Sterne standen noch am Himmel, und das Ganze erschien ihm wie eine Vision: behutsame Hande Koben lehr scheu seinen Kopf und betteten etwas Weiches, Behagliches darÜnte^Eine warme Decke wurde ihm bis unter dieNase gezogen. Dann huschte ein kleiner Schatten pseilgeschwind zuruck rüber die Wiese zum Zelt. Und so geschah es, daß Klaus, halb im Schlaf, sich sehr ^ärtlick in das Mädchen Diana verliebte.

Morgens fangen ihm die Mücken um die Ohren. Em strahlender Tag zog heraus. Noch nie war das Erwachen mit solchem Herzklopfen ver­bunden gewesen - und mit diesem Aufwand an Zeit, sich schon zu 15 Diana ihm in der hellen Sonne entgegenkam, war er oer- Schuljunqe. Sie schien genau so besangen, vermutlich

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ungenießbar" aufdrücken."

Ich habe meine Prinzipien! Sie sah ihn trotzig an. .

Sie belügen sich ja selber", sagte er betrübt.Es ist so schade. Am Potsdamer Luftschiffhafen trennten sie sich. Er hielt Dianas Hand sehr sest und sah rührend verliebt aus, aber auch Ziemlich ver­zweifelt. Sie hielt den Blick gesenkt.Leben Sie wohl! sagte sie.

Zaghaft bemächtigte er sich auch ihrer anderen Hand.Nein auf Wiedersehen!" bettelte er. . ,

Sie schüttelte den Kopf und versuchte heftig, ihre Hande freizube­kommen. Es ging nicht, denn Klaus hatte nunmehr em herrlicher 3>orn gepackt. Er rüttelte Diana, daß ihr Hören und Sehen verging.Mutz denn ein Mann erst vor Ihnen auf den Knien liegen? rief er bofe. Dazu eigne ich mich nicht! Und wenn Sie weiter fo ein Gesicht machen, dann ist mir gleich alles egal. Aber auf diese Weife werden Sie chr Leben als alte Jungfer beschließen, das sage ich Ihnen!'

Tatsächlich machte er Miene, zu gehen. Aber nun hiell sie ihn fest. Was haben Sie denn schon an mir!" sagte sie, immer noch dickköpfig. ,^Jch bin doch scheußlich!"

Das stimmt!", er musterte sie streng.Aber man konnte Sie noch erziehen! Also: Auf Wiedersehen?"

Sie nickte.Heute abend?" fragte sie schüchtern.

Heute abend um sieben Uhr am Haupteingang von Sanssouci!

Da lief sie schon mit Tonio davon. In entgegengesetzter Richtung spazierte ein unternehmungslustiger junger Mann laut pfersend feinen Weg. Eins stand sest: mit den einsamen Sonntagen war es nun wohl ein für allemal vorbei!

Besuch in Polen.

Don K. K u n tz e.

Eine neue Landesgrenze ist errichtet. Alles ist anders als vor zwanzig Jahren. Damals Kosaken, die mit aufgepflanztem Bajonett und harter Zunge die Pässe heischten, wenn man dem Zug glücklich entstiegen war. Drüben warteten die breiteten Russenwagen, darin es Tee gab in heißen, henkellosen Gläsern bei schwelendem Kerzenlicht. Irgendwann übersiel einen, wenn die unsinnigen Grenzformalitäten sich ins Unabsehbare dehn­ten und aus barbarisck umgestülpten Soffern Kleider, Wäsche, Porzellan und Toilettefachen auf den Boden kugelten, das Gefühl einer anderen, tief fremden Welt.Hier beginnt Asien!" dachte man still und bereitete sich ergeben auf das Unvordenkliche vor.

Heute ist die Grenze Asiens nach rückwärts verschoben. An der pol­nischen Grenze, wie überall in Europa, erscheint in durchgehenden Wagen ein höflicher, nahezu eleganter Beamter fremder Rationalität und durch­sucht das Gepäck. Ich führe zufällig Drangen und eine Ananas bei mir und soll dafür eine unwahrscheinliche Zollsumme entrichten. Südfrüchte sind in Polen ein unerschwinglicher Luxus. Eine Apfelsine kostet unge­fähr eine Mark. Der Außenhandel scheint genauestens ausbalanciert. Den Früchtemangel empfinden kinderreiche Familien schmerzlich. Man kennt auch nicht Obstbaum-Alleen, wie in Deutschland, und kaum Dbstplantagen. Rur Magnaten, Industrielle, Gutsbesitzer ernten in herrlichen eigenen Gärtnereien auserlesene Früchte von Spalieren oder Treibhausbäumen.

In dunkler, schweigender Nacht sausten wir durch einstmals deutsches Land hinüber in das frühere Rußland. Langsam ging der Tag auf. Weite, unermeßliche Landschaft dehnte sich vor dem Blick. Unendliche Flachen, nicht sauber ausgeteilt wie bei uns in Quadrate, Recht- und Dreiecke, nur in der Ferne begrenzt von einem Waldrand, einem Flüßchen, einem verlorenen Pfad. " Alles fließt unmerklich ineinander über bis hin zum kaum erkennbaren Horizont. Verstreut hie und da liegen Dörfer, hin­fällige Höfe, zerfallene Hättest; auf uraltem, bemoostem Strohdach steht munter eine junge Birke im Wind. Alles ist im Geviert angelegt; da­zwischen ragt der hohe Ziehbrunnen auf.

Ankunft auf dem Bahnhof im Frühgrauen. Er liegt, wie Überall im Osten, weit entfernt vom Ort. Meine Nase erspürt Polen, das wie jedes Land feinen besonderen Geruch ausftrömt es riecht nach Zigaretten, Staub und französischen Duftftoffen. Früher wurde man von Kosaken empfangen, welche die Post holten und auf fünfen Pferden Reiterkunst- stücke machten. Jetzt ist das russische Joch, das verhaßte, abgeschüttelt.

Ueberall bfinft der wekße Adler Im roten Felde, das stolze Smnbtlb eines mit Leidenschaft national gesinnten Volkes, das romanttsch und befeffen sich seiner Geschichte, feiner Ueberlieferung, feiner Sendung benßo6bVfbie Haupt-Industriestadt, dasManchester Osteuropas", scheint äußerlich wenig verändert. Wie einst muß man über tiefe, wetbgeia111e Rinnsteine springen; wie einst fehlt es an guter Kanalisation; wie einst werden die Bretterzäune weih getüncht des Ungeziefers wegen; wie ejnlt ahnt man die schönen Gärten, ohne sie zu gewahren. JB. ie einst preisen naive Ladenschilder mit ungeschickten Abbildern der Ware das Verkäufliche dem Analphabeten unmißverständlich an. Noch immer lau t kilometerweit die holzgepflasterte Petrikauer Straße durch die <Stadt: noch immer wächst unmittelbar neben dem ragenden Palast der Reichen bescheiden und dürftig die Hütte der Armut aus dem Boden. Noch immer streut ein Wald von Schornsteinen Massen von Ruh über die staubige, grünlose Stadt aus. Nur kein russisches Schild sieht man mehr; fein b'" Nirgends tritt einem der Reiz, wie sich in Polen französische Zivili- salion und Eleganz mit östlicher Breite verbindet deu licher entgegen als in Warschau. Lodz ist nach dem Bedarf von Wirtschastsmachten hm- gebreitet unorganisch und formlos; Warschau ist eine gewachsene Stadt gepräat von langer Geschichte. In entzückenden Palais, Gebäuden und Parks lebt hier noch Augusts des Starken Prunkliebe. Der Marktplatz ist wie herübergenommen aus einer alten deutschen Stadt. Das stolze Schloß, das umfängliche Theater, prächtige Regierungsgebaude, breite, kastanien- besäumte Boulevards, seingliedrige Frauen, elegante Laden in Hellem Sonnenschein wir sind aus demManchester in dasPans des Ostens" gelangt... Die Polin gleicht in vielem der Pariserin Nur weniger nüchtern ist sie, und mit französischer Eleganz verbindet sie die geheimnisvollen Wesenszüge des östlichen Menschen. Gesichter von so persönlicher Schönheit und Rassigkeit wie hier sieht man in Frankreich "'^Tiefen Eindruck machen in Warschau die unzähligen Kinder. An einem strahlenden Frühlingstag im Sächsischen Garten: Scharen von Kindern mit kleinen bunten Fähnchen, Reihen von Bonnen und Muttern mit Kinderwagen. Als habe ganz Warschau seine Kinder zur Fruhlnigsfeier geschickt Doch ist es kein Volksfest, kein besonderer Feiertag, die Kinder mit den Fähnchen gehören Kleinkinderschulen an, und an jebem anderen Tag, in jedem anderen Park tummeln sich ebenso viele Jungen unb ^Abends in Lazienki, einem Lustschloß mit französischem Park Wir aßen vorzüglich in einer bekannten kleinen Gaststätte, einem Holzhaus zu ebener Erde, das noch an russische Zeiten gemahnt. Man genießt Wodka wenn man ihn verträgt; man plaudert von früheren Zeiten bei frischen Krebsschwänzen in eisgekühltem Sauerrahm und einem daraus­folgenden langen und ausgezeichneten Menu.

Im Auto kreuz und quer durch das Land. Man fahrt erstklassige Wagen keine Luxusautos, wenig kleine Wagen oder Motorräder, ba die sandigen, von Schnee und Winterkälte ständig wieder verschlechterten Straßen das nicht zulassen. Nur eine einzige Straße ist asphaltiert.

Eigentümliche Schönheiten des unabsehbaren Horizontes locken immer weiter und weiter. Dörfliche Holzhäuser leuchten wie in jedem Früh­ling frisch gekalkt in Blau oder sanftem Rot. Polen ist farbenfroh wie Rußland. Einck Prozession wie die berühmte von Lowicz ist eine Orgie der Farbenfreude. Auch in Polen pflegt man neuerdings alte Bräuche und Trachten. Stundenweit im Umkreis hatten sie sich in Be­wegung gefetzt, Bäuerinnen in schwerem, abstehendem Wollrock von greller Buntheit, die in Kaskaden von jauchzendem Gelb, Grün, Rot, Blau zwi­schen zarten jungen Saaten aufleuchtet, Bauern in langen, verschnürten Röcken aus schwarzem oder weißem Tuch, reizende kleine Mädchen kleinen Prinzessinnen von Velasquez' Hand ähnlich. Im Vorhof der berühmten alten Klosterkirche auf grünem Rasen Mütter mit kleinen Kindern, weihe Lilien in den Händen, schlichtes Beten naiver Frömmig­keit, unzählige altpolnische Fahnen, geweihte Heiligenbilder, Glocken­geläut über das berauschende Gewirr dahin.

Fahrt nach einem polnischen Gut. Endlich begegnen wir den viel­besprochenen Kirchen aus Lärchenholz. Seit sieben Jahrhunderten trotzen sie der Zeit, einsam in der Landschaft verstreut zwischen uralten Baumen Unberührte Schönheit des polnischen Waldes beglückt heute wie einst. Hier sind Waidmannsparadiese. Großzügige Jagden, großzügige Gast­freundschaft. Stundenlang fährt man mit dem Jagdwagen durch das Gebiet eines einzigen Besitzers Jagdgüter von tausend, ja zweitausend Hektar Umfang kommen vor. Vor dem Gutshaus, das hundert unb mehr Jahre alt ist, einem langgestreckten ebenerdigen Bau, erhebt sich das typische Säulenportal, schlicht und gut in der Proportion. Abends im Saal an langer Tafel genießen wir die sprichwörtliche Gastfreundschast der Polen. Man ißt und trinkt ausgiebig, man tanzt beschwingt wie nirgends auf der Welt. Reihen von Gastzimmern nehmen zuletzt die müden Fremden auf. Feudales Herrenleben haben wir kennengelernt, im Abglanz einer schon vergangenen Epoche. Denn auch hier steht überall die soziale Not mit Arbeitslosigkeit und Streiks auf, und drohende Um­wälzungen erfüllen viele mit Zukunftssorgen.

Heimwärts mit dem Auto über Straßen, wo wir einst vor der Jtieu* kataftrophe einen Kometen beobachtet. Hier hat dann der Krieg getobt überall. An dieser Mauer ist heiß gekämpft worden, um jenes Städtchen fielen Hunderte. Freunde haben hier gestanden und sind gefallen. Manner, die ehedem deutsche Offiziere waren, erzählen von Jahren der Gefangen­schaft in Sibirien. ...... .

Man braucht die alte Grenze nicht zu kennen: man spurt sie sofort Hinter uns weites Brachland, Feldwege, durchlöcherte Straßen, armlia)6 Holzhäuser, Katzenkopfpflaster auf ungepflegten Gassen vor uns schnur­gerade preußische Chausseen, alte Kastanienalleen, nüchtern mehrstockig- Steinhäuser, ordentliche Fußsteige, kleine rührende Gärtchen. Voll von Eindrücken betreten wir die vertrautere Zone.

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