Ausgabe 
29.11.1935
 
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an.

sagte er.

Ja?" fragte Sorte und sah ihn erwartungsvoll

Wirklich kam Lars eines Tages und zog eine Kuh hinter sich her.

Mein Gott, Lars!" sagte Lena, die nicht geglaubt hatte, daß es ihm ernst mit [einer Absicht gewesen sei.

.Lawohl!" sagt Lars.Was meinst du von dem Tier. Nun sieh sie dir erst einmal in Ruhe an. Eine schönere gibt es in der ganzen Gegend nicht. Nur ist das eine Horn ein wenig beschädigt. Das hat sie sich mal am Stallpfosten abgestoßen. Aber sonst hat sie keinen Fehler. Natürlich, es gibt welche, die schwerer sind. Aber sie gibt ihr Quantum Milch am Tag, das ist die Hauptsache, besonders jetzt, nun die Schweine auch allmählich größer werden und mehr verlangen. Schließlich wollen wir doch die Ferkel zum Herbst groß haben, nicht wahr. Auf 250 Psimd müssen sie doch wenigstens kommen, wenn es Zweck haben soll. Mr verkaufen dann zwei und schlachten uns das andere selbst ein. Wo drei Ferkel groß werden, ist immer eins über, sage ich dir."

(Fortsetzung folgt.)

mit lernt. Ihr müßt es nur vorher abtrocknen lassen, sonst kriegt sie am Ende Kolik ... Mach ihr jetzt bald einen ordentlichen Mehltrank, nicht wahr?"

Nein, wie herrlich es für Lars war, so dahin zu marschieren und nichts vor sich zu haben, als die Aussicht, Sorte wiederzusehen und ihr dazu alles zu zeigen, was er in der kurzen Zeit, die er hier draußen war, schon geschafft hatte. O, Sorte hatte Verständnis für so etwas, und er sah schon ihre Augen, wenn sie das Haus erblickte, die Ferkel, die Ziege und die Hühner! v

Er zog seine Pfeife aus der Tasche, stapfte sie und zündete sie an. Sa gut wie heute hatte ihm der Tabak selten geschmeckt! Und nun hörte auch der Regen auf, wirklich, es ging alles nach Wunsch.

Als er bei der Hallestelle ankam, war der Zug schon eingelaufen und Sorte kam ihm bereits entgegen, erregt von der Fahrt und der Erwar­tung.

Na, da bist du ja!" sagte Lars, als sie ihm die Hand reichte.

Nein, er liebte es nicht, bei solchen Gelegenheiten Worte zu machen oder gar Zärtlichkeiten zu tauschen, und verbarg seine Freude darum hinter einem Gesicht, in dem keine Miene verriet, was in ihm vorging.

Du bist wohl hungrig geworden unterwegs, wie?" fragte er.Nun, gedulde dich nur noch ein wenig. In fünf Minuten sind wir bei einem Gasthaus. Es ist nämlich noch ein gehöriges Stück von hier bis zu unserem Hause."

Es war allein schon eine Freude für ihn, Sorte merken zu lassen, daß nun mal heute ein Festtag für ihn fei und es nichts ausmache, mit ihr einzukehren.

Du scheinst es jetzt gut machen zu können", sagte sie bewundernd und lachte. Es war so befreiend, den Vater so sprechen zu hören, nun er früher immer gewohnt gewesen, jeden Groschen dreimal in der Hand umzudrehen, ehe er ihn ausgab.

Nun, nun", sagte Lars,über haben wir natürlich noch nichts. Sas wäre wohl auch zuviel verlangt, nicht wahr. Aber heute sollst du sehen, wir kommen in Gang. Langsam wird es gehen, das ist gewiß. Schließ- sich kann man kein Geld aus der Erde stampfen. Aber laß mir nur ein paar Jahre Zeit. Du wirft Augen machen, sage ich dir."

Auch Sorte erinnerte sich nicht, jemals fo glücklich gewesen zu fein, wie heute. Sie Luft ober war es die Freude, röteten ihr die Wangen, und die Bewegung ließ ihr das Blut rascher durch die Adern fließen. Zeit ihres Lebens war sie eigentlich nie aus der Stadt herausgekommen. Die wenigen Schulausflüge, die fie hatte mitmachen dürfen, zählten ja kaum. Meistens war für solche Singe zu Hause kein Geld übrig gewesen, und darum hatte sie mit blutendem Herzen meistens verzichten müssen.

Guten Morgen!" grüßte Lars, als jemand des Weges kam, und griff nachlässig vertraut an die Mütze.

Su bist wohl schon bekannt hier draußen?" fragte Sorte.

Sas kann ich nicht sagen!" antwortete Lars. ,Zch lege auch keinen Wert darauf, weiht du. Wir halten uns ganz für uns. Unsere Nachbarn wohnen über eine Viertelstunde von uns, und wir sind froh, daß uns nicht jeden Morgen in den Topf geguckt wird. So, und nun kannst du auch das Haus schon sehen", fuhr er fort und bog mit ihr von der Landstraße auf den Birkenweg ab, der über die Felder zu seinem Anwesen führte.

Aber ehe wir hinkommen, muß ich dich noch um etwas bitten ,

Erwähne zu Hause nichts von dem Gelüe, das alles gekostet hat, was du sehen wirst. Es war ja nicht ganz leicht für mich, der Kauf und die Anzahlung und was fönst alles [ein mußte. Senn deine Mutter macht sich ohnehin Sorgen darum, ob alles gut gehen wird. Du verstehst wohl, was ich sagen will?"

Dörte nickte ein wenig betreten über den Dämpfer, der ihrer Freude plötzlich aufgesetzt wurde. Aber bann kam das Haus, kam die Mutter, kam der kleine'Jan, der seinen Sonntagsanzug hatte anziehen dürfen, kam der kleine Viehstand, und sie hatte auf Stunden zu gucken und zu bewundern. Ja, als Lars sie in die Ställe führte, schlug sie vor Bewunderung die Hände zusammen. Besonders die Ferkel machten ihr Spaß, aber die Ziege liebte sie nicht. Sie hat einen falschen Blick, erklärte sie.

Kann fein", sagte Lars.Sie ist auch nicht ganz leicht zu behandeln. Ich meine, es ist sowieso nicht dos Richttge mit ihr. Ich denke, daß ich sie in einiger Zeit wieder verkaufe und dann etwas Geld zulege und lieber gleich eine Kuh kaufe. Haben müssen wir mit der Zeit doch eine. Mit Ziegen ist doch immer halber Kram. Dann fehlt nur noch ein Pferd.

Was?" riefen alle gleichzeitig.Ein Pferd willst du auch noch kaufen?"

Nichts anderes!" antwortete Lars selbstbewußt und schnippte mit den Fingern, als sei alles nur ein Kinderspiel für ihn.

war es schon allein eine Schwierigkeit gewesen, den verschlossenen und wunderlichen kleinen Burschen in der Schule im Nachbardorfe emzu- qewöhnen, ober er war dort doch heimisch geworden und 30g nun an jedem Morgen mit Fibel und Schiefertafel bereitwillig und allein los.

Guck bloß den Jungen an", sagte Lars bann wohl zu Sena.Ist es nicht ein Staat mit ihm? Su sollst sehen, es wirb am Enbe boch noch etwas aus ihm, nun wir die Hoffnung boch schon beinahe aufgegeben hatten." , _ ..... . ,

Ja, auch Lena war ein Stein bamit vom Herzen. Im stillen meinte fie atterbings immer noch, daß etwas mit bem Jungen nicht ganz in Drbnung sei. .. . , ,.

Weiht bu, es war ja bie Zeit, als Krick damals häufiger zu uns ins "Haus kam, als ich mit ihm ging, und ich habe einmal geglaubt, daß ich mich damals an bem alten Schubiak mit feinem Geierblick versehen hätte. Aber das habe ich mir wohl nur eingebildet."

Sa war es wieder: Krick und immer wieder Krick! Lars wandte sich ab und antwortete nicht.

Am nächsten Sonntag stand Lars schon vor Tage auf.

Nein", schalt Lena.Wohin willst bu benn schon? Eben hat ber Hahn ja erst gekräht. Warte doch wenigstens, bis ber Wecker abgelaufen ist "

, Nein", antwortete Lars.Einmal kann ich doch nicht mehr schlafen, und zum andern du weiht doch, Lena, doh Sorte heute kommt, und ich habe ihr versprochen, ihr entgegenzugehen. Sie weiß den Weg nicht und soll nicht in der Gegend Herumfragen, wenn sie zum erstenmal kommt, um ihre Eltern zu besuchen."

Hoffentlich ist gutes Wetter", sagte Lena, nun erst völlig wach geworden.Es wäre schade, wenn es heute regnete."

Es regnete wirklich. . v m , .

Nun ja", meinte Lars,man kann sich das Wetter nicht immer so bestellen, wie man es haben möchte, und die Felder können Regen gebrauchen."

So warte doch noch und geniehe erst em bißchen, ehe du gehst, meinte Lena, als sie sah, daß er bereits angekleidet war und nach seiner Mütze griff.Es ist doch keine Hetzjagd damit."

Nein, eine Hetzjagd war es nicht, und wenn er es überlegte, hatte er Zeit genug. Aber es war nun mal ein Festtag für ihn heute, und je eher ber begann, befto länger bauerte er.

Sie Wahrheit zu Jagen, Lars hing an seiner Tochter mit einer so zärtlichen Liebe, daß er die Zeit nicht abwarten konnte, sie wieder- zufehen. Es war ihm schon sauer genug gewesen, Sorte gleich nach der Schulzeit aus bem Hanse geben zu müssen, aber sie hatte selber barauf bestanden, in Sienft gehen zu können. An Lena hatte es nicht gelegen, das war gewiß. Sie hatte sich immer gut zu ihr gestellt, und Sorte hatte es niemals von ihr zu fühlen bekommen, daß sie ein uneheliches Kind von Lars war, bas er zu sich genommen hatte, als bie Mutter, bie eine arme Näherin gewesen war, starb. Warum Lars sie nicht geheiratet hatte, hätte auch Sena nicht tagen können. Lars hatte nie darüber - gesprochen, und Lena hatte sich immer gehütet, diese Singe zu berühren.

Aber sie hatte auch kein Wort des Widerspruchs gewagt, als er die kleine Sorte damals zu sich genommen hatte. Ja, bas war beinahe selbst­verständlich gewesen, zumal sie selber in der ersten Zeit kinderlos geblieben war. Selbst als sie Jan bann noch bekam, hatte sie Sorte barum auch nicht um einen gaben schlechter behandelt, wenn sie sich im stillen vielleicht auch zugab, daß fie ihr eigenes Kind doch um ein Stück lieber habe und mit Neid auf Sorte [ah, bie soviel klüger unb schöner war als ihr kleiner Halbbruder. Trotzdem war es ihr durchaus nicht recht gewesen, daß Lars sie nach ber Schulzeit gleich aus bem Hause gegeben hatte, und am wenigsten, daß Sorte in den Hamburger Hof gekommen war. Denn ganz viel mehr als ein Aufwaschmädchen war sie da nicht, wenn man die Sache bei Licht besah, und ob sie dort viel lernen würde, stand gewiß auch dahin, vom Lohn, den sie verdiente, ganz zu schweigen. Dazu war die Arbeit sauer, und 0 ein junges Ding hatte dort gewiß nichts zu lachen. Aber am Ende schadete es keinem, wenn er sich rühren mußte, das war richtig, unb sie selber war in ihrer Jugend auch nicht aus Rosen gebettet worden.

Schließlich mußte ja auch Lars es wissen, ob er Sorte dort lassen wollte, und sie hatte nicht einmal das Recht, ihm da viel hineinzureden. Vielleicht, daß er später einmal auf den Gedanken kam, Sorte wieder ins Haus zu nehmen, wenn die Wirtschaft hier draußen erst ein wenig in Schwung gekommen war? Es würde schön sein und auch eine Hilfe für sie bedeuten, wenn sie einmal alle von hier beieinander waren. Denn Arbeit gab cs hier mehr, als man denken konnte, man wurde einfach den ganzen Tag nicht fertig. Aber bas lag auch daran, daß man das Haus und die Aecker fo verwahrlost übernommen hatte. Sie selber durfte von diesen Dingen nicht allzu viel reden, so wenig wie sie im Grunde davon verstand. Aber sie sah doch, wie schwer Cars es hatte. Gut, daß ihm die Arbeit noch nicht ein einziges Mal zuviel wurde. Unb glücklich schien er auch zu sein, nun er so etwas wie sein eigener Herr war unb nicht mehr jeden Morgen zum Hasen zu gehen brauchte, um nachzufragen, ob Arbeit da sei. Ja, im Grunde mußte man ihn bewun­dern, wie er mit allem fertig wurde, was er angriff ...

Paß nur gut auf, daß bu Dorfe nicht verfehlst", rief sie ihm nach, als er ging.

Keine Sorge", lächelte Lars.Wenn sie nur kommt! Ich habe ihr alles genau beschrieben neulich, aber sie ist boch noch nie hier in der Gegend gewesen. Nun, schließlich ist sie nicht so dumm, daß sie sich nicht auch allein zurecht fände, aber es macht mir nun mal Freude, ihr alles zeigen zu können, siehst du. Sie wird Augen machen, sage ich dir!"

Damit ging er.

Aber bei den Birken wendete er sich noch einmal wieder um.

Vergiß die Ferkel nicht, hörst du?" rief er.Drei Schaufeln Gersten­mehl, nicht mehr und nicht weniger. Unb bie Ziege soll bei dem Regen nicht hinaus. Jan kann ihr ein wenig Gras mit Dem Messer schneiden, wenn et aufgeftanben ist. Es ist gut, wenn er so etwas bei Gelegenheit