Gießener Zamilienblätter
Unlerhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang 1935
Zreitag, den 29. November
Nummer 93
Lars der Gerechte
Roman von Wilhelm Scharrelmann
1. Fortsetzung.
Lena seufzte. Nun, in Gottes Namen denn. Irgendwie mutzte es ja zuletzt seine Richtigkeit damit haben. Mochte er sein Geheimnis für sich behalten, wie es auch darum stand. Vielleicht mutzte man ihm darin seinen Willen lassen. Es war wohl das klügste Vielleicht, dah doch einmal ein Tag kam, an dem er ihr freiwillig sagte, was er ihr jetzt jo hartnäckig vorenthielt. .
Aber sie wurde dorum ihre Gedanken darüber nicht los, und ein paar Tage später kam ihr mitten in ihrer Arbeit eine neue Vermutung. Sie zuckte darüber zusammen, so durchfuhr es sie. Aber dann wurde sie wieder unsicher. Nein, es war doch zu unwahrscheinlich. Immerhin, sie muhte Lars einmal darauf bringen. Sie würde schon merken, ob etwas
VULUIl IVUl . . .
Sag doch mal, Lars", sagte sie am Abend, als sie beide in dem alten Wandbett in der blauen Stube lagen, „hattest du nicht vor Jahren einen Freund — wie hieh er doch gleich. — Nein, warte mal hieß er nicht Brick oder so ähnlich? Er ging doch damals nach Amerika. Es ist ja eine ganze Reihe von Jahren her, aber ich erinnere mich noch gut, o wenig ich ihn damals leiden konnte. So verschlagen, wie er mir immer vorkam. Man konnte meinen, dah er irgend etwas im Schilde führte und über etwas nachdachte, was nicht gut war. Wie er nach Amerika ging, weih ich, war er eines Abends spät noch einmal bei uns. Ihr wart damals beide ein wenig angesäuselt an dem Abend, erinnerst
antwortete
tol^e5a ja" flüsterte Lena und wußte nicht recht, wie he fortfahren sollte Nein 'es war wohl keine Vernunft in dem, was sie sich da heimlich *U|”8‘"Ü“Ä Ä» »•”«”!»'" r-» ", °-m »„um-
geschlagen habe, dah er vielleicht
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ÄMÄ ** «’ - Frauenzimmer war doch so dumm wie die
b“ E? war zu dunkel, als dah Lena hätte bemerken können, wie sich die Farbe in Lars' Gesicht veränderte, aber er nahm sich zusammen.
„Gewih, erinnere ich mich. Er hieh Krick und nicht Brick .antwortete er so ruhig wie er es nur vermochte. „Was soll es mit ihm.'
„Richtig", rief Lena, „Krick hieß er! Sagte ich vorhin Brick? Hast du eigentlich nie wieder von ihm gehört?" . „ , , - •
„Nein. Wie kommst du nur mit einmal auf ihn , fragte Lars, indem er es vermied, den Namen noch einmal zu nennen.
Ich weih nicht", antwortete Lena. „Es ist sonderbar, aber ich bin den ganzen Tag den Gedanken an ihn nicht losgeworden und so deutlich sah ich ihn als wenn er vor mir stünde ...„Du muht nicht böse darüber werden, Lars, wenn ich dir davon erzähle. „ .....
, Warum sollte ich böse darum werden?" erwiderte Lars ft'»-
Ja das wußte Lena nun auch nicht zu sagen, aber einen Pulsschlag lang stockte ihr das Herz, ehe sie fortsuhr: „S.ehst du er istmirschon damals immer richtig unheimlich gewesen. Die äugen Erinnerst du Lars? Es war etwas in seinem Blick — ich kann ""ht ch^en, was e war aber ich habe nie einen Menschen gekannt, der einen solchen Blick gehabt hätte. Ich war jedesmal froh, wenn er wieder ging Ich war darnasq noch iuna siehst du. und es war die Zeit, daß ich mit unserem Jan in Hoffnung war. Man ist dann wohl empfindlicher und rounber- llcher al?sonst. Mir war immer, als wenn °s m" semen Augen jemand hätte umbringen können, wenn er es gewollt hatte. Ob er noch le , CarSsjBie soll ich das wissen", antwortete „Lars so leichthin, als es ihm möglich war. „Es ist ja auch gleichgültig."
„Wirklich? Auch du hast ihn nie gern gemocht?
Nein Aber er hing an mir rote eine Klette, siehst bu rouroe if>n einfach nicht los. Aber bas muht bu boch selber noch ganz gut
hätte, Lars, ich glaubte Weg von ber Lanbstratze
heiser, , sage ich
roeti
tun meisten freute sich ber kleine Jan über ben Wechsel, ben bic Uebersieblung aufs ßanb in fein Leben gebracht hatte. ,
Er war ein wenig zurückgeblieben, wenn man es 6°r°de ^raus faaen soll unb bie Schule hatte keine geringe Not mit ihm. Aber nun feinen er 'hier draußen voranzukommen. Es war schon eine Freude für Lars und Lena, daß er körperlich jetzt erstarkte und mehr ins Wachsen m kommen schien und seine ewig griesgrämige TOtene die ihm einen merkwürdig greisenhaften Ausdruck gab, sich auszuhellen begann. Anfang-
„Wenn ich mich nicht zusammengi wirklich vorhin, als es dunkelte, er ki— — - „ ,. _
zu unserem Hause herauf. Trat er nicht ein wenig mit dem Fuß in die Kuhle, wenn er ging?"
„Schweig jetzt von deinem verdammten Krick, antwortete Lars heiser, „hörst du? Ich will nichts mehr von ihm hören. Er kommt nicht, sage ich dir, und wenn er es sich doch eines Tages einfallen lassen sollte, wird er sich nicht sehr lange hier aushalten, daraus kannst du dich ver-
lassen."
„Meinst du das wirklich, Lars?" fragte Lena erleichtert.
„Jawohl, das meine ich. Und nun schweig endlich still unb laß uns schlafen!"
In der Stille, die in die Kammer trat, hörte man den Wind draußen in ben Föhren wühlen, eine ruhelose, brohenbe Stimme, bunkel unb verhalten. Am Himmel glitt ber Monb wie ein Schwert burch bie Wolken. Sein Schein, ber durch das niedrige Fenster auf den Fußboden fiel, verfinsterte sich und glänzte von neuem wieder auf, wenn bas Gewölk, bas ben Himmel bezogen hatte, ein wenig lichter würbe.
Sena schlief nicht, unb sie merkte ganz gut, baß auch Lars nur so tat. Aber sie wagte nicht, bas Gespräch noch einmal roieber aufzunehmen.
Gott sei Dank, baß alles nur Einbildung war, was sie sich da aus- gedacht hatte. Sonst hätte Lars wohl anders gesprochen. Aber warum war er nur jedesmal so gereizt, wenn sie von dem Kauf des Hauses und dem Gelds begann? , ,
Grübelnd lag sie da unb unterbrückte bie Seufzer, bie in ihr aussteigen wollten. Nein, soviel sie auch barüber nachbachte, nichts wollte ihr einfallen, aus bem sie so etwas wie eine Erttärung hätte gewinnen t0n8eHe richtete sie sich in bie Kissen auf, beugte sich über Lars unb blickte ihm ins Gesicht. In bem unsicheren Schein bes Monblichts sah sie ganz beutlich, baß er, trotzbem er bie Augen geschlossen hatte, unter ihrem spähenben Blick mit ben Libern zuckte.
„Schläfst bu, Lars?" fragte sie leise. . „ ... c
„Nein", antwortete er unwirsch. „Kann man vielleicht schlafen, wenn man unausgesetzt burch Fragen gestört wirb?"
„Es tut mir leid, Lars , sagte sie. „Ich war so unruhig. Aber nun ist es vorüber."
„Na, endlich", sagte Lars.
Schlaf nur jetzt ein, nicht wahr? Du hast den Schlaf so nötig. Morgen ist wieder so viel für dich zu tun, und du hast es so sauer hier ^^ScC ja, laß nur!" unterbrach Lors sie unb wehrte ihre Hanb ab, mit ber sie ihm über bas Haar strich. _ ...
Denk jetzt nicht mehr baran, hörst bu? tröstete Lena ihn. „Es ist aut" baß wir beibe ihn nicht leiben konnten. Es war eine so bumme Jde'e von mir, wenn ich meinte,--man hat mitunter so wunberliche
@eb”ga,Ctes ist gut, Lena. Ich sagte ja nichts gegen dich, versteh bas boch."
Am anberen Morgen war es, als hätte bie aufgehenbe Sonne alles roieber ausgelöscht, was bie Nacht mit ihrer bleichen Hanb wie aus bunflen Kammern herausgeholt hatte. Die Ziege merferte im S alt, bie Viertel guietten unb grunzten vor Ungebulb, ihr Morgenfutter zu bekommen, unb bie Hühner flogen mit Gegacker vom Wiem herab au, bleßarsIeroar roieber ganz ber alte. Es war ihm jebesmal eine Freube, bie Tiere zu versorgen, unb er lachte aus vollem Halse, als Lena äußerte, h-ute einmal selber bie Ziege melken zu wollen. Bisher hatte Larsbas immer besorgt, aber nun sollte er sehen, wie gern sie ihm zur Hanb ^Wen? es auch besser bamit ging, als sie angenommen hatte war sie boch mächtig froh, als sie nach vollbrachtem Werk mit rotem Kops von bem kleinen Melkschemel, ben Lars ihr bafur zurechtgezimmert hatte, EbSieh"an^ f^gte sie, unb hielt Lars ben Topf mit der Milch hin. Aber ich meine, bu hättest mehr bekommen, als bu sie melktest.
" Das kann schon (ein", lachte Lars. „Wenn bu sie bas nächste Mal ein "Stück freunblicher behanbelst, wirb sie schon em Einsehen Haden. Ziegen finb nun mal wunberlich — unb wollen barnach behanbelt fein,
genommen 'äme ben


