Nummer 58
Montag, den 29. Juli
Zchrgang 1955
iehenerKmilieMimer
Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger
deine Kraft war in ihm mächtig
bin Fiändel-Roman von Ernst Alurm
Bright «935 by Deutsch« Verlage-Hnetalt, Stuttgart und Berlin
(3. Fortsetzung.)
Händel blieb seinem Borsatz treu und sprach mit den beiden, wie er es |U) überlegt hatte. Er stand auf und redete italienisch, aber >m Tonfall l Meine Herren, wir wurden ohne eigenes Zutun Berufskameraden. Lil kurzem einander persönlich noch fremd, stehen wir plötzlich vor einer Ich großen und verantwortlichen Zusammenarbeit. Daß biefe gelingen aiü, daran zweifle ich nicht. Aber bevor überhaupt gearbeitet werden km müssen wir ausbauen. Es gibt eine neugegrunbete unb auch meu Mugte Oper in Lonbon, bie zwanzig kaufmännische einen technischen ui drei musikalische Leiter hat, aber noch kem Orchester unb keine Mger. Diese künstlerische Truppe soll nach ben Wünschen ber Gesell- FftänLl'm™tte ” bo^id) die beiben Italiener rasch Blicke zuwarfen, w schwieg baraufhin. Bononcini. sah sich veranlaßt, etwas zu sagen, «r tat es nach einem spöttischen Räuspern: „
Unb was bleibt mir unb Herrn Ariosti zu tun übrig ?
| ,'$in Haufen Arbeit! Wenn ich Sänger suchen soll, mutz ich verreisen. Sibrenb biefer Zeit, meine Herren, obliegt es Ihnen, aus ber großen »I angebotener Werke bie geeignete Oper für bie Eröffnungsvorstellung
boch wohl nur einer VON brei
ip Tsk'meinerT »eil jeher ber musikalischen Leiter Komponist ist? Aber kL eben wollen wir einem Werten ben Vortritt lassen,, Erst nut ki nächsten Ausführung soll einer von uns zu Wort kommen.
| "Subern bas" ftMere Werk gelingt. Ich habe bereits einen schönen ^L"wars^ben^Fehbehänbschuh hin. Bononcini griff ihn auf. Als Sabel Lonbon verließ unb nach dem Festlanb Übersetz e, begann bas |t«r unkrbem Steffel „Oper" zu glimmen. Ehrgeiz unb geheime Wichenschasten schürten ben Branb. ff« mar
1 Die SVahrt nach Deutschlanb stärkte aber Handels Kräfte Es war ■L ihm wie mit Antäus, er berührte den Boden feiner Heimat und hatte Bminn davon in feiner Seele. Sein Weg ging über Holland ^sen Mhlstand unb ruhigen Ernst er liebte, zunächst nach Düsseldorf. D°N
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her vorstellte. Er reifte weiter und war überzeugt, auch in Dressen N StNder'"italienischen Kunst gab es genug in der R°sidenzstabt jenes Uftperaeroaltiaen Barockfürsten, dem nachgesagt wurde, daß er auetn ■imtanbe geroekn wäre, den Kindersegen seines ganzen Landes zu heben. Mrsichtig°näherte sich ber andere befeeltere Gewaltmen ch Ze t Wiissen irdilckes Te l mit ber Küche, aber nichts mit ben Rocken oer Weiber'zu 7un hatte b7m Hofe Augusts des Starken. Es war mch seicht Wi: Händel, hier einzubringen unb sich Leute, die er ^“uc9 @unfj
Ih-auszuholen. Er mutzte sogar io tun, als wollte er s -.9 . , üb |»5>ieten. Das führte zu einer Einladung für Klavierspiel. Sanbel ber^ ■**m widerwillig eine Veranstaltung und "fsierte sich f f ) runbroeq ■&>lb, den man ihm dafür zahlte, daß er weitere.,E'n °dungen rundweg »«tichlug. Das erschwerte ihm aber ben Sangerfi chzug unsemem. llilitonio Lotti, dem Hofkapellmeister, war nicht viel z , «ic sächsische Hosmarschall selbst Unwillen über Handel
■Hs dieser aber sah, daß ihm ein diplomatisches To ä h h . ß'chts mehr nützen würde, wählte er den Qeraben ®eg tra a s flerr i«f und machte den Sängern, die er brauchen tonnte, 9^9’9* ^ Mote. Vor allem zwei Kräfte muhte er siewr-nen nach denen das Oon Himer Publikum rief: die Primadonna und den Kastraten. Sie w
beide in ihrer Art nicht Händels Lieblinge. Aber die Herrin Mode! Und in Dresden waren gerade zur Zeit zwei der berühmtesten ihres Faches.
Händel machte es fo, bah er zunächst über bie Provinzstadt Dresden fpofiete, und dann mit mächtigem Nachdruck London Mittelpunkt ber Musik nannte. Das zog. Der verwöhnte Kastrat Bernardo l Senesino war allerdings nicht so leicht davon zu überzeugen, datz man in Englanv schon eine Ahnung von seiner ganzen Herrlichkeit habe:
„Wissen die Inselbarbaren, wer ich bin?"
,Jch^möchte wünschen, daß man meine Kunst nicht mit der eines französischen oder gar eines deutschen Sängers verwechselt!
„Das wird niemand tun."
„Unb ist mein Aufgabenkreis groß genug? Ich bin mit L'ebhabern allein nicht zufrieben unb verkörpere Knegshelden mit mehr Genie als jene. Machen Sie Opern, Direktore, in denen ein Sultan vorkommt, oder Kolumbus, der Seefahrer, oder Pontius Pilatus!"
Soll geschehen, Signor. Ueberleaen Sie jetzt nicht lange, unterschreiben Sie! So gefeiert wie in London können Sie gar nirgends "e Geziert [egte der Kastrat seine schmale Hand in die breite Handels Er schlug ein. Nach ihm auch Signora Francesca Durastante, Handel von Venedig her noch gut bekannt. Als dieser die zwei funkelndsten Sterne verpflichtet hatte, fiel es ihm leicht, auch andere zu gewinnen. Besonders war ihm daran gelegen, den Bassisten Bosch, nach London zu bringen unb Berselli, einen zweiten Kastraten, falls ber eine zu piek ^“t^n machte. Alle biefe Sänger konnten aber erst in ber zweiten Lonboner Opernspielzeit auftreten, ba ihr Dresbner Vertrag bis bahm lautete.
Italiener hätten wir jetzt genug, buchte Händel als wWerreiste, nun will ich sehen, was bie deut chen Sanger machen! Aber zunächst waren es nicht bie Sänger feiner Heimat, mit Denen er .n Berührung kam, fonbern^ bie Heimat selbst. Ergreisenb suhlte Handel, an die freien ßanDleute Englands denkend, ben Druck über ben deutschen Sauern und ihre Armut. Da hielt ein selbstherrlicher Fürst m Dresden mit Pracht unb Glanz großen Hof, aber er besaß nicht bie etnen Gelbguellen ber enalischen ober hollänbischen Großen, und die teuren Qan^er m ber fiauotftabt bie (Belage unb schönen Geschenke bezahlte nicht bie weite Erbe sonbern bas sächsische Volk. Redliche Heimat, bachte Hanbel, armes deutsches Binnenlanb! Wie würbe meine Musik sein wenn uh hier lebte? Würbe sie sein wie bie bes frommen Leipzigers, ber mit flcinem 2Imt unb Familie sich zufrieben gibt, unb verträumte Werke schreibt? E schreibt für Kirchen! O Gott, ich möchte handeln unb erst spater beten! 2ah mich ein paar Sanbsleute wenigstens in Bewegung bringen!
Dock sie gingen nicht mit ihm. Er hielt in einem Sorfe, unweit schon non halle unb hörte in dem Wirtshaus einen jungen Bauernburschen mW Kiger Stimwe, aus ber ganz gut einmal ein schöner Ba& wrben fnnnt<> allerlei Lieber fingen. Hänbel trat zur Tischrunbe ber Bauern, d e chn E auisch an ahen unb sein frembes Deutsch nicht für voll nahmen sprach dem Burschen sein Lob aus unb fragte ob er m bk Welt hinaus unb mit seiner Stimme Gelb oerbtenen mochte. Der Bursch
keine Antwort schüttelte nur bie Schultern. Händel setzte ihm ftärtDu3tannft Deinen Leuten hier später einmal helfen. Und wirst vielleicht berühmt! Verstehst du bas?"
Ttpr iunae Mensch sah bie älteren Leute an, bie mit verschloßenem Aussthen leise abratend den Kops rückten. Da wurde auch der Bursche unhöflich, drehte Händel halb ben Rucken unb sagte kurz. kWMMMZM
Und trotzdem nahm erJk nid)t mit ms^ f^ßanb.^^^^
lieber Hamburg, B ß0nbon gewinnen konnte, führte sein
Sanger deutscher Abstammung für 9 mehr während
Weg in Elle nach Engwno zuruu , bje Mitarbeiter an der Oper &KS ÄÄÄ.» S,.b„ U L. W- i bannen.


