Nummer 26
Montag, den Apri!
Jahrgang 1955
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Reich ist die Erde.
Von Wilhelm Luetjens.
Meder im März aus der schwärzlichen Erde
.Keine Rede, wird nichts daraus!" sagte Hediger kurz. „Und warum denn nicht? Ich werde ja nichts daran verderben!" fuhr der Sohn kleine laut fort und doch beharrlich, weil er durchaus ein Gewehr haben mußte, wenn er nicht in den Arrest spazieren wollte. Allein der Alte versetzte nur um so lauter: „Wird nichts daraus! Ich muß mich nur wundern über hi» tR»hnrriidif»it mpinor Herren Söhne, die doch in anderen Dingen so
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ir einige Male! Ich werde doch nicht ein Jn- -tten, da ich nachher doch zu den Scharfen Stutzen zutun werde!"
WlfJT schön! Woher erklärst du dir nur die Not- schützen zu gehen, da du noch nie eine Kugel er Zeit muhte einer schon tüchtig Pulver ver- dazu melden durfte; jetzt wird man auf gerat- ecken in dem grünen Rock, welche keine Katze aber freilich Zigarren rauchen und Halbherren sind! Geht mich nichts an!"
„Ei", sagte der Junge fast weinerlich, „so gebt es mir nur dies eine Mal': ich werde morgen für ein anderes sorgen, heut kann ich unmöglich mehr!" m „ . . ...
„Ich gebe", versetzte der Meister, „meine Waffe niemand, der mcht damit umgehen kann: wenn du regelrecht das Schloß dieser Flinte ab- nebmen und auseinanderlegen kannst, so magst du sie nehmen, sonst aber bleibt sie hier!" Und er suchte aus einer Lade einen Schraubenzieher hervor, gab ihn dem Sohn und wies ihm die Flinte an. Der versuchte in ber Verzweiflung fein' Heil und begann die Schloßschrauben loszumachen. Der Vater schaute ihm spöttisch zu: es dauerte nicht lange, fo rief er- , Laß mir den Schraubenzieher nicht so ausglitschen, du verdirbst mir die ganze Geschichte! Mach' die Schrauben eine nach der andern halb los und bann erst ganz, so geht's leichter! So, endlich!/' Nun hielt
Das Fähnlein der sieben Aufrechten.
Novelle von G o t t f r i e b K e l l e r.
Der Schneidermeister Hediger in Zürich war in dem Sitter, wo der fleißige Handwerksmann schon anfängt, sich nach Tisch ein Stündchen Ruhe zu gönnen. So sah er denn an einem schönen Marztage nicht in (einer leiblichen Werkstatt, sondern in seiner geistigen, einem kleinen Sonderstübchen, welches er sich seit Jahren zugeteilt hatte. Er freute sich, dasselbe ungeheizt wieder behaupten zu können: denn weder seine alten Handwerkssitten, noch seine Einkünfte erlaubten ihm, wahrend des Winters sich ein besonderes Zimmer erwärmen zu lassen, nur um dann zu
Und das zu einer Zeit^, uw es schon Schneider gab, welche auf^bie
Fefeo die Stubelschranbe und hier die Studel: ferner die Nußschraube, den Hahn und enblich bie Nuß: dies ist die Nuß! Reiche mir das Klauenfett aus dem Schränklein dort, ich will die Schrauben gleich ein bißchen einschmieren!" , .
Er hatte die benannten Gegenstände alle auf das Zeitungsblatt gelegt Karl sah ihm eifrig zu, reichte ihm auch das Fläschchen und meinte, das Wetter habe sich günstig geändert. Als aber fein Vater die Bestandteile des Schlosses abgewischt und mit dem Oele frisch befeuchtet hatte, setzte er sie nicht wieder zusammen, sondern warf sie in den Deckel einer kleinen Schachtel durcheinander und sagte: „Nun, wir wollen das Ding am Abend wieder einrichten: jetzt will ich die Zeitung fertig lesen!
Getäuscht und wild ging Karl hinaus, sein Leid der Mutter zu klagen- er fühlte einen gewaltigen Respekt vor der öffentlichen Macht, in deren Schule er nun ging als Rekrut. Seit er ber Schule entwachsen, mar er nicht mehr bestraft worben, unb auch bort in ben letzten Jahren nicht mehr- nun sollte bas Sing auf einer höheren Stufe wieder angehen, bloß weil er sich auf des Vaters Gewehr verlassen hatte.
Die Mutter sagte: „Der Vater hat eigentlich ganz recht! Alle vier Buben habt ihr einen bessern Erwerb, als er selbst, und das vermöge der Erziehung, die er euch gegeben hat-, aber nicht nur braucht ihr den lebten Heller für euch selbst, sondern ihr kommt immer noch den Alten zu plagen mit Entlehnen von allen möglichen Dingen: schwarzer Frack, Perspektiv Reißzeug, Rasiermesser, Hut, Flinte und Säbel: was er sich sorglich in Ordnung hält, das holt ihr ihm weg und bringt es verdorben-zurück. Es ist, als ob ihr das ganze Jahr nur studiertet, was man noch von ihm entlehnen könne: er hingegen verlangt nie etwas von euch, obgleich ihr das Leben und alles ihm zu danken habt. Ich will dir für heut noch einmal helfen!"
Sie ging hierauf zum Meister Hediger hinein und sagte: „Lieber Mann, ich habe vergessen, dir zu sagen, daß der Zimmermeister Frn- mann hat berichten lassen, die Siebenmännergesellschaft komme heut zu-
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oanes/S ner von allen bei dem Berufe blieb, den ich picta'Q' he lernen lassen! Du weißt, daß dein« drei nach, so wie sie zu exerzieren anfangen muß- ollten und daß es keiner bekommen hat! Unb wch angeschlichen! Du hast beinen schönen Verargen — schaff bir deine Waffen an, wie es nt! Das Gewehr kommt nicht von der Stelle,
I däs"Hedi'ge'r"feit fünfundzwanzig Jahren nicht mit erlebt unb ourmge- kämpft hatte. Außerdem stand ein „Rotteck in dem Schranke eine Schweizergeschichte von Johannes Müller und eine Handvoll politischer FUmschriften und dergleichen: ein geographischer Atlas und «'" Mäppchen voll Karikaturen und Pamphlete, die Denkmäler bitter leiden^aftlicher Tage, lagen auf dem untersten Brette. Die Wand des Zimmerchens war geschmückt mit den Bildnissen von Kolumbus, von Zwingli von^Huhen Washington und Robespierre: denn er verstand kernen Spaß und billigte nachträglich die Schreckenszeit. Außer diesen Welthelden schmückten die Wand noch einige schweizerische Fortschrittsleute mit ber beigefugten Hanbschrift in höchst erbaulichen unb weitläufigen Denkschriften, orbent- lichen kleinen Aufsätzchen. Am. Bücherschrank aber lehnte eine gut im Stanb erhaltene, blanke Ordonnanzflinte, behängt mit einem kurzen Seitengewehr unb einer Patrontasche, worin zu >eder Zeit dreißig scharfe Patronen steckten. Das war s e i n Jagdgewehr, womit er nlttt auf SJafen unb Rebhühner, (onbern auf Aristokraten und.Jesuiten, °us Aerfasungs- brecher unb Volksverräter Jagd machte. Bis letzt hatte ihn em freu lieber Stern bewahrt, daß er noch kein Blut vergossen, aus Mangel an Gelegenheit: dennoch hatte er die Flinte schon mehr <als «rgriffen und war damit auf den Platz geeilt, da es noch d'e Zelt der Patsche ' war, und das Gewehr muhte unverruckt zwischen Bett und Schrank stehen bleiben: „denn", pflegte er zu Jagen, „feine (Regierung unb feine Bataillone vermögen Recht unb Freiheit zu schützen, wo der Burger mcht imstande ist, selber vor die Haustüre zu treten und nachzusehen, was 65 Ins'ber wackere Meister mitten in seinem Artikel vertieft war, bald zustimmend nickte unb bald den Kops schüttelte, trat sein> lungster Sohn Karl herein, ein angehender Beamter auf einer Reglerungskanzlei. „Was gibt's?" fragte er barsch: denn er liebte nicht in seinem Stübchen gestört zu werden. Karl fragte, etwas unsicher über den Erfolg seiner Bitte, ob er des Vaters Gewehr und Patrontasche für den Nachmittag haben tonne, da er auf den Drillplatz gehen müsse.
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Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger


