GietzenerZamilienbliitter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Nummer 25
Freitag, den 29. März
Zahrgang 1955
preßte sich
und
Umriß einer Hütte auf. „Kühe!"
Tür.
der
Sie und und
der
Birge rief
Gartenecke.
hatten längst den Pfad verloren, sahen kein lebendes Wesen. Sie dachten aneinander und an die
regnete es. Da erzählte Birge in seiner Feindschaft mit Matthies.
Unaufhörlich rann der Regen, gingen jetzt über eine Hochheide hielten sich' an den Händen fest
Bertold blickte gegen die Berge. Drei mächtige Felshäupter, von grauem Mondlicht umrieselt, ragten in die Nacht. Unterhalb des mittleren lagerte im Dunkel die schwere Kuppel der Kirche. Er holte tief Atem, dann ging er die Treppe hinauf und riegelte die Gangtür ab.
„Ein alter Troll war da", sagte er zu Birge, „und hat nach dir 9^®n-ge antwortete nicht. Er trat an ihr Bett und hörte an ihren ruhigen Atemzügen, daß sie eingeschlafen war.
Am Morgen wachte er zuerst auf. Kurz darauf lugte Bwges Kopf zu ihm herüber. Ihre Gedanken waren noch abwesend. Sie sprach: „Ich habe einen schweren Traum gehabt. Mir träumte, ich mutzte durch lauter Scherben gehen. Auf einmal stand aber eine Truhe neben mir, die war aus hellem Glas, und aus der Truhe quollen Rosen hervor", und du sagtest zu mir: „Das ist ja gut, nun ist all das böse Blut aus deinem Körper heraus."
Bertold sann über den Traum nach, fand aber keinen Sinn.
Sie brachen dann auf und gingen in einen Berg hinein, der von warmem Nebel erfüllt war. „
Von überallher drang das Geläut der Herden an ihr Ohr. Da es auch gegen Mittag nicht heller wurde, stiegen sie auf der anderen Seite des Berges über einen Sattel wieder zu Tal, immer in lautlosem Nebel bis zum Abend. "
Dann stiegen sie wieder zu Berg. Sie wollten die Nacht durchwandern Das Rauschen des Hochwaldes umfing sie, Sterne zuckten durch das unsichtbare Gewölk, fremd und heilig gingen sie durch die atmende
^^Mötzlich^fuhr Bertold auf. Er hatte das Weingeländer krachen hören, nc schlich ans Fenster. ,
Drunten stand eine Gestalt in einem gelben Mantel
Wildnis. , .. „, ,
Der Himmel wurde immer schwärzer. Die Mondsichel, die sich eben noch hinter einem Felshorn gekrümmt hatte, schwand völlig und endlich m= - der Totenstille von ihrem Vater und Davon wurden beide bedrückt.
ms Weinlaub.
„Dein Tänzer ist es nicht", flüsterte er Birge zu, Dann steckte er sein Messer zu sich und schlich zur ihm leise und eindringlich, aber er war schon draußen.
Vorsichtig schlich er um das Haus und spähte an .
Die Gestalt im Weinlaub rührte sich nicht. Er rief sie an, sie gab keine
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Die Hochzettskuh
Roman einer jungen Liebe von Aosef Magnus Wehner
Copyright 1-28 b y Georg Müller Verlag A.--G., München
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Da rüttelte er am Zaun, um sich hinüber zu schwingen. Als die Gestalt die Drohung erkannte, raffte sie ihren ganzen Mut zusammen, entfette sich aus dem Wein und ging gespreizt auf Bertold zu.
Die Gestalt hieß Hott.
„Ein schöner Tugendwächter!" ries Bertold.
,Zch konnte nicht anders", sprach Hott.
Aieviel Schmus hast du bezahlt, daß dür B.rge verraten wurde? „Ich habe es gefühlt", beteuerte Hott voll bleichen Stolzes.
„Und was suchst du hier?" fragte Bertold.
„Wenn es einen Menschen gibt". Zitterte jetzt Hott hervor, „der dich "ersteht, so bin ich es. Ich verstehe auch Birge, verstehe wie sie zu tiefem Schritt gekommen ist, der vielleicht für ihr Leben entscheidet. ^^Er^kam^näher. Seine rechte Hand stand wie ein Fanggitter in
„Luftwenn bu mir nid)t den letzten Halt rauben willst dann stehe irf) dich an, gib mir Birge. Du rettest em Leben. Du wirst leicht noch schönere —."
^Mechch^^du^bstt"ja tot", schrie er, packte Hott und hob ihn über den Zaun. Cs war ihm, als trage er einen Balg. Hott keuchte: „Ich bleibe 'Crj)a stellte ihn Bertold auf der Straße ab und sprach: „Schon einmal habe ich dich getragen, droben auf dem Berghof beim Dreschen. Dos tnar bet XQufcicincL Soll irf) birf) ourf) norf) firmen. ...
Ein Licht erschien in der Wirtsstube. Hott faßte Mut und rief einen ^"Ju’Vannft mich schlagen und quälen wie du willst: Meine Liebe bannst du mir nicht aus dem Herzen reißen. Im übrigen warne ich dich.
„Hörst du den Brunnen rauschen?" fragte Bertold.
Die ^Wirtin" erschieß mit einem Licht. Sie zankte Bertold, daß er stnen solchen Aufruhr mache, denn sie hatte Mitleid mit dem verreg- ^Bertold raubte ihr dies mütterliche Erbteil nicht sond-rn <erklärte der Ringe Mann vor ihm habe ein Nachtlager von ihm °"bongt w^il er ihn fälschlich für den Wirt gehalten habe Darüber seien sie in Streit geraten. Die Wirtin seufzte und verschwand im ylur.
Zukunft.
Da tauchte plötzlich vor ihnen ... ..... . ....
rief Birge und sie rochen schon Rauch und Geruch von Tieren. Zitternd traten sie näher, legten ihre Ohren an den Stall und hörten drinnen die Kühe im Stroh rauschen. Dann klopfte Bertold leise an die Tür, um den Sennen zu wecken, daß er ihnen Unterkunft gebe.
Sie hörten eine Männerstimme drinnen brummen. Bertold bat herzlich um Einlaß, aber der Brummer drinnen brummte weiter und machte nicht auf, wie heftig auch Bertold pochte und bat.
„Hier wohnen Menschen", sagte er endlich bitter zu Birge. „Aber es sind keine Menschen, Stein- und Dreckseelen."
Da breitete Birge, ohne ein Wort zu sagen, ihren Mantel auf das Holzpflaster, das, durch ein breites Dach geschützt, rings um das Haus lief Sie legte sich darauf, Bertold legte sich neben sie, und sie wärmten sich so die ganze Nacht und schliefen ohne aufzuwachen.
Plötzlich waren Sonnentreiben vor ihren Augen. Sie sprangen auf und sahen, daß gerade über ihnen sich eine steile Felswand mit langem Grat hinzog. lieber dem Grat schauten Inseln von Himmelsblau hervor, und sie stiegen eilends gegen die Wand, um sich oben zu sonnen.
Sie hatten Mühe, den steilen Fels hinanzukommen, landeten aber glücklich auf dem Gipfel. Die Sonne kam mit aller Kraft hervor.
Wie schön war die Welt, ganz mit Licht und Liebe überströmt! Plötzlich sagte Bertold: „Das alles wird einmal vorbei fein."
„Dann sind wir anderswo", erwiderte Birge.
Und du wirst ewig mein sein", jubelte Bertold.
„Wer sagt dir, daß ich dein bin?"
Birge stand auf, lächelnd, und maß Bertold mit den Augen.
Bertold erhob sich langsam und deutete auf den langen Gratweg. Nur für Geübte!" stand auf einer Warnungstafel. Er sprach: „Wir werden jetzt diesen Weg gehen. Birge. Du bist noch nie geklettert und überhaupt noch nicht recht im Gebirge gewesen. Versteigst du dich unter» tueos, so, daß du nicht mehr weiter kannst, dann wirst du sehen, daß Du mein" bist. Ich trage dich bann. Und wie es hier ist, so ist es auch in ber Ewigkeit, denke ich. Sieh tu, ob bu ben Weg allein gehen kannst."
„Du mußt mich nur vorangehen lassen", antwortete Bilge.
(Schluß.)
Da hob der alte Baßgeiger oben seinen Fiedelbogen, ließ ihn fallen ,nd Im selben Augenblick setzte heftige Musik ein. Bertold fuhr auf Birge bg, faßte sie an den Hüften und schwang sie herum. Sie sprang m die tzöhe, sprang zur Seite, aber sie stak jetzt im Mantel der Musik die ihr rollendes Blut begleitete. Bertold fing sie auf, sie warf ihre Arme in die Lust und flog mit ihm rundum, indes Bertold vor Lust m Den Baben stampfte: die Paare auf den Bänken wurden in ihren Wirbe' mit Mncingeriffen und schließlich tanzte der ganze Saal kreisend um Birge und Bertold. Die Burschen warfen ihre Hüte in die Lust und jauchzten, die Mädchen ließen die Röcke fliegen, und den Musikanten ibcn schwollen die Adern. „ , m ,
Birge lag in Bertolds Armen. Sie atmete kaum noch. Da nahm er iie und trug sie hinaus, indes die Musik noch dröhnte und tue Paare <O0®r trug sie die Treppe hinaus. Draußen rauschte der Regen vor dem osfenen Fenster ... . . , , .
Als das Brausen ihres Blutes verebbte, hatte draußen auch der Regen aufgehört. Nur das Wemgeländer klopfte von Zelt zu Zeit gegen


