Nummer 77
Zreitag, den T Oktober
Jahrgang 1955
Colour & Grey Control Chart
Piel
Cyan
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Liebesroman
GESCHICHTE EINER HOCHZEITSREISE
Von Walther von Holländer
Copyright 6g August Scherl S.M.6.H., Berlin
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je Leidenschaft", sagte die Tante Anna, geborene in, „und ich finde, daß Leidenschaft uns Frauen rin nickte höflich. Sie sand diesen Ausspruch un- hn zu, wie er mit offenen Lippen, die Haare en, tanzte, wie er durstig die Luft trank, wie er in, die Generalmajorin wandte sich von diesem
GiehenerKimilienbMer
Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger
;u ihrem Sessel zurück.
te, bis der Professor auf den klavierspielenden Hand aus die Schulter legte und sagte: „Genug,
'her die Welt Barbaras drehte sich rasend weiter, ^fest, sie nahm ihn an der Hand, führte ihn, ein *— aber immer noch lächelte sie — und draußen im Kur sackte sie'lautlos zusammen.
Der Professor mutzte dann kommen — so erzählte man es am andern Tag, und er hatte sie in ihr Zimmer hinaufgetragen, hatte sie ins Bett gelegt, hatte ihr ein sehr schönes Nachthemd angezogen, hatte sie zugedeckt und sie hatte gesagt: „Das war aber mal eine schöne Hochzeit, eine sehr schöne Hochzeit, wenigstens jetzt, zuletzt, und nun wollen wir mal schnell abfahren, du und ich." m .
Es war dabei nicht ganz klar, ob sie den Professor gemeint hatte oder ihren Alfred.
Außerdem war es ja erst der Polterabend-
* , 7.
Der Hochzeitsmorgen. Barbara sitzt im Bade. Sie spielt mit dem Thermometer. 35 Grad, 38 Grad, 40 Grad. Endlich beginnt das Dunkle vom Abend zu schmelzen. Sophie hat gestern noch etwas von Raut- fjammer erzählt, das Barbara jetzt einfällt. Daß er die letzten Jahre am $of des neuen Reichs von Mandschukuo gelebt hat und daß er vom Minister und Lehrer des Königs etwas ganz Neues gelernt hat, ein neues Weltprinzip: Sieg über die Materie durch die innere Erkenntnis.
Darunter kann man sich nun sehr viel ober gar nichts vorstellen.
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Sie'merkt, sie hat schon Abschied genommen, alles hinter sich gelassen. Sie will in ihr neues Leben hinein. Jetzt gleich. Schade, dah sie ihren Alfred nicht unter den Arm nehmen kann und mit ihm in die neue Wohnung ziehen. Jetzt, in dieser Sekunde. Sie hat eigentlich gar keine Lust, wegzureisen. Eine Heirat ist eine Reise an sich, weiter als irgendeine Reise, wenn es einem Ernst ist.
Nun setzt sich Kleesand ans Klavier. Er ist «in großartiger Spieler. Und an diesem Abend führt er (eine Glanznummer vor: berühmte Klavierspieler, paradiert an Chopins Nocturne As-Dur. Edwin Fischer, Gieft- kinq, Elly Ney, Eduard Erdmann. Das Klavier schultert und flüstert. Die Gäste schreien vor Lachen. Barbara sieht ängstlich zu ihrem,Bater hinüber. Das Nocturne As-Dur war bas Lieblingsstück ihrer Mutter. Sie spielte es sehr schön. Sehr heftig, sehr trotzig unb sehr weich. Es entsprach genau ihrem seltenen Charakter, ben nur einer verstaub unb mit dem nur einer fertig wurde: er, der Vater. , . .,
Barbara sieht, wie die Brettwitz zu ihm kommt und ihm etwas zu- flüftert. Sie sieht, wie er verstimmt hinausgeht. Sie geht lege hinterdrein. Nein ... er ist nicht geflohen. Er steht draußen am Telephon Er spricht ruhig und sachlich, ein wenig ärgerlich. „Nein , ,agt er,,td) tann
Koirntst Piie werden das einsehen. Es
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sagte: „Ich habe vorhin lange Ihren Apparat angerufen. Warum haben Sie sich so spät gemeldet? Ich will jetzt ihre Freundin sprechen. Jawohl, ich muß sie sprechen 1" Das hat er immer wieder gesagt. Saß verbissen in einem Sessel. Rauchte ohne Pause. Erzählte, daß er sich damals den Kopf zerbrochen habe, warum plötzlich jede Verbindung zu Barbara abritz. Seit heute wüßte er es. Es läge an ----
Bis dahin konnte Sophie Wahnke nur erzählen, da kam Alfred Meim- berg, hakte die beiden unter, führte sie hinein. Dann begann der lange Tanz mit Alfred. Barbara tanzte, tanzte, während Kleefand spielte. Tanzte, und die Welt fing an, mitzudrehen und mitzurollen. Schrumpfte ~oanes/\_ verwischten, und es blieb nichts vom Saal, von l änben, von ben Blumen als eine große, rollende lllsreb tanzte. Niemand tanzte mehr außer ihnen, iten, zehn Minuten. Die Gäste klatschten den
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Zuneigung, man mag es oreyn uno roenuen wie jpun w.u, ..... Mrt Liebe !sf Ader man kann ]a auch dieses mißbrauchte Wort vermeiden Daß in Raukhammer eine Kraft wirksam ist, gegen die der Mensch sich im allgemeinen nicht zu wehren vermag. Dah es einen Bliti aibt ... der durchfährt den Menschen, und er muß nun rettungslos brennen Nein ... nein ... bas finbet sie nicht gut, bas paßt ihr nicht. Aber bennodj: Wenn sie benn wirklich brennte? Davor furchtet sie sich bocb nicht Wenn sie etwa Rauthammer liebte unb Alfred nicht? Wie einfach wäre das noch heute. Sie würde die Hochzeit absagen und zu Rauthammer gehen. Aber so ist es nicht. Sie liebt Alfred ... und dahinter lauert dieses Vergangene ... Das wird sie sich nicht gefallen [affen. Das wird sie herauslocken und erledigen. Fertig! .
Sie steht mit einem Ruck aus dem Wasser auf. Sie braust scharf und kalt Atmet heftig. Sie wird bas erlebigen. Sie läuft in bas Znnmer bes Vaters hinüber. Der Professor ist aber schon in die Klimk gefahren. Sie geht hinunter: Die Scfjeuerfrau ist am Werk die Köchin Rosa, Fräulein von Brettwitz. In der Küche zählt ein Lohndiener Silber und fjotelftüMe, die von einer Verleihfirma gekommen find. Die Kochfrau fnidt einen riesigen Braten, winzige Kartoffeln werden geschalt, Gemüse brodeln. Die Hochzeit ist im Rollen, man braucht nur emzusteigen. Barbara wird einfteigen.
er niemals mit mir oaruoer gennuu,..., ich jahrelang denken, er hätte sie über feiner Arbeit ff 6 si Warum find diese Männer so schweigsam und fressenallesinsich h'neim Aber Alfred soll sprechen lernen. Und ich will mit JPrC(*’c’!; $$ ®lU ihm sagen, was ich bin, was ich denke und was ich will Und^sie lagt. „Ich danke dir für alles. Für heute für gestern unb für morgen
Der Professor kann nichts Feierliches vertragen. Darum sagt er, indem er ihre Arme von seinem Hals nimmt: „Dieser Rauthammer weißt du: der Mann, den wir heute vormittag sahen -" ^t eben ange rufen. Wollte mich sofort sprechen. Behauptete, es sei lebenswichtig. Run, ^bKensg?fährllch?^^ftagt Barbara. „Meinst du, er könnte lebens- 9efäKSnsSttiinhät er gesagt", antwortet der Professor .„aber wir wollen ja nickst über Patienten sprechen. Damals war er übrigens ganz 9 ^Dies ist das Letzte woran sich Barbara noch genau erinnern kann. Und sie weiß noch, 'daß sie hastig zwei Glas Bowle getrunken hat daß Sophie Wahnke sie etwas gewaltsam für ein paar Mmuien in den G ten führte, um ihr zu erzählen warum sie so spat gekommen war E ganz komische Geschichte: Rauthammer war bet rär. ffiie. 3a,.rote. c tam die Treppe heraus unb läutete. Gerade als Sophie gehen wollte, er


